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Unter Piraten: Die Gender-Debatte

28 Feb

Seit September 2009 gibt es eine Diskussion über die Notwendigkeit einer Gender-Debatte innerhalb der Piratenpartei. Nach Meinung vieler besteht diese Notwendigkeit schon allein qua Parteisatzung (§1) nicht.
Dem halten viele Piratinnen entgegen, daß es geschützte Diskussionsräume für all die geben muß, die Themen leichter ‘unter sich’ besprechen können. Das halte ich für einen verständlichen Wunsch, denn nicht alle Frauen sind – aus den verschiedensten Gründen – in der Lage, ihre Anliegen in freier Rede einem gemischten Gremium vorzutragen.

Gestern wurde, erneut mit dem Hinweis auf die Satzung, im Piratenwiki die Seite ‘Klarmachen zum Gendern’ der Piratinnen gelöscht. Nach einer scharf geführten Löschdebatte einigte man sich auf die folgende Erklärung, die ebenfalls als Pressemitteilung veröffentlicht wurde, und die ich auch hier zur Diskussion stellen möchte.

Diese Mitteilung stammt – wie bereits in den Kommentaren angemerkt, und auch hinter dem Link zu erfahren ist – von Lena und stellt nicht die offizielle Meinung der Piratenpartei dar.

Piratinnen – Klarmachen zum Gendern

Die Piratinnen vernetzen die Frauen in der Piratenpartei. Wir ermöglichen die offene und ehrliche Auseinandersetzung mit den Prozessen im tiefsten Inneren der Partei.

Besonders bei Themen, die sich mit dem Status einer Frau in einer weitgehend männlichen Gruppe beschäftigen, kommt es häufiger vor, dass Frauen sich in Anwesenheit von Männern nicht offen äußern.

Auch 2010 noch – sogar mehr noch, als vor 20 Jahren – brauchen Frauen Schutzräume, in denen sie sich vernetzen und – unbeobachtet vom “männlichen Sachverstand” – Schwierigkeiten artikulieren können. Frauen haben Netzpolitik längst als wichtiges und emanzipatorisches Thema begriffen. Wir wollen die Frauen nicht unbemerkt verlieren, weil sie keine Ansprechpartnerin für “gendertechnische Probleme” finden.

Die bisherige Position der Piratenpartei zur Genderfrage basiert auf der Annahme, dass zwischen den Geschlechtern keine Vor- oder Nachteile mehr existieren. Das ist ein Irrtum. Wir Piratinnen verschweigen die Probleme nicht. Wir haben nun einen Ort gefunden, an dem sie thematisiert und Lösungen gefunden werden können.

Die Piratinnen überprüfen die Frage nach dem Wohlbefinden der Frauen in der Partei und bringen sie ins alltägliche Zusammensein.

Hier haben all diejenigen ihren Raum, die befürchten müssen, auf ihre Anliegen “ein Augenrollen zu ernten”.

Die Piraten sind kein frauenfeindlicher Haufen junger Männer, wie sie in dem Medien häufig dargestellt werden. Emanzipation ist nicht eines unserer Kernthemen. In einer Gruppe mit derart geringem Frauenanteil kann es leider dennoch schnell passieren, dass unwillkürlich etwas schief geht. Um dies auch nach innen kritisch zu beobachten und sicher zu stellen, dass sich alle bei uns wohl fühlen, möchten die Piratinnen ein sicherer Ort zum Austausch der Frauen in der Piratenpartei sein. Wir erwarten nicht von den Männern, dass sie hellsehen können und erraten, was wir uns wünschen und wie wir uns fühlen. Gerade deshalb und für ein produktives Miteinander ist es notwendig, eine offene Kommunikation zu ermöglichen und unangenehme Verhaltensweisen aufzuzeigen und zu spiegeln.

Für diese Spiegelung brauchen wir die Stimmen der stilleren unter uns Frauen und genau dafür brauchen wir einen Schutzraum. Hier können wir uns zu diesem heiklen Thema offen austauschen.

Die Mailingliste steht daher absichtlich nur Frauen zur Verfügung, lädt aber explizit auch die Frauen ein, die nicht Parteimitglied sind und es eventuell werden wollen oder nur aufgrund der Position der Partei zur Genderfrage bisher nicht geworden sind.

In dem Zusammenhang möchte ich auf zwei Texte aufmerksam machen: Rena Tangens’ lange, gescheite Betrachtung ‘Netzwesen – Macht kommt von Machen’, und FX Neumanns ‘Piraten, Gender und Pragmatik.

Wer sich bei der Piratenpartei weiter informieren will, kann das hier tun:
Über Chancengleichheit, die AG Gender und die AG Frauen in der PP (Diskussion dazu hier), die Foren zu den Themen sind auf den jeweiligen Seiten verlinkt. Eine ausführliche Linkliste hat Kathrin.

Update: Hal Faber in ‘Was war. Was wird.’ bei Heise:

[..] Was mich zurück in die IT-getränkte Welt bringt, in der die Wikiseite der Piratinnen vom Vorstand wegen eines Verstoßes gegen die Parteisatzung kommentarlos gelöscht wurde. Inzwischen ist die Löschung unter Vorbehalt revidiert, das Ganze eine Diskussionsvorlage geworden mit dem hintersinnigen Titel: Klarmachen zum Gendern. Ein Schelm ist der, der etwas vom Kentern liest.

Update: Burkhard drückt das Anliegen der Piratinnen sehr schön aus, finde ich:

Die Piratinnen möchten einen Schutzraum bieten, in dem auch die leisen Stimmen unter den Frauen Gehör finden können und laden daher bewusst ausschließlich Frauen in ihr Netzwerk ein.

Update: Aktuelle Twitterwalls kann man hier und hier verfolgen.
Update: Mela meldet sich mit den Hauptargumenten der Gegenposition:

Unwidersprochen im eigenen Saft Bullshit zu reden, hilft niemandem. Helfen würde, jenen Dreibeinern, jenen menstruierenden Mitgliedern der Gesellschaft, jenen Weder-Nochs und jenen Beides, die ein Problem mit dem Augenverdrehen haben, Mittel an die Hand zu geben, über verdrehten Augen zu stehen. Aber auch das Mittel, eigene Positionen einem Realitätscheck zu unterziehen. Beides erreicht man nicht in abgeschlossenen Zirkeln.

Update: Nicole argumentiert etwas ausführlicher in dieselbe Richtung.

Es ist eigentlich ganz einfach:

  • Niemanden wegen irgendwas diskriminieren/mobben/Gewalt aussetzen.
  • Niemandem wegen irgendwas den Arsch hinterhertragen.
  • Die eigenen Fähigkeiten für sich selbst zu sprechen und einzutreten, verbessern.

In allen drei Bereichen wartet ausreichend harte Arbeit. Vielleicht können wir da einfach weitermachen.

Update: Ghandy hat auf gulli.com einen kurzen Kommentar zur gestrigen Löschaktion veröffentlicht.
Update: Svenja Bergt berichtet in der taz.
Update: Google Blogsearch-Ergebnisse zu Lena
Update: Gegen Lena ist unterdessen ein Antrag auf Parteiausschluß gestellt worden.
Update: Es gibt den Entwurf eines Offenen Briefs ‘Vielfalt statt Grabenkämpfe – Offener Brief an die Piratinnen-Initiatorinnen’
Update: Auf Twitter geht die Diskussion weiter.
Update: Ich habe noch was über den Stil der öffentlichen Diskusson gebloggt, ‘Im Zusammenhang‘.
Update: Kurzer SpiegelOnline-Artikel
Update: Claudia meint ‘Setzt die Segel, Piratinnen’.
Update: Noch zwei sehr gegensätzliche Meinungen beim Mädchenblog und bei Hirsch2k.
Update: Die Piratinnen haben eine geschützte Gruppe aufgemacht.
Update: Und noch ein letzter Link in diesem Beitrag zu Anicatha.
Update: Doch noch einer: Das Piratenweib hat eine Meinung (und eine tolle Blogrolle).
Update Offener Brief auf dem Piratenwiki: Vielfalt statt Grabenkaempfe
Update: Interessante Debatte auch bei ad sinistram
Update, 04.03. Es gibt einen neuen Bericht in der taz.
Update, 05.03. Beim US-amerikanischen Geek Feminism Blog hat man die Debatte auch zur Kenntnis genommen; die Probleme scheinen dort nicht unbekannt zu sein.
Helga bei der Mädchenmannschaft hat eine sehr gute Zusammenfassung geschrieben.
Update, 06.03. Vinci schreibt Für die Antifeministen: Frauen verdienen durchschnittlich ein Viertel weniger als Männer, und Benjamin Stöcker hat eine ausführliche Nachlese. Nachgetragen sei noch die Meinung von Ennomane, die ich übersehen hatte.

Damit beende ich diesen Bericht. Über die reichlich gesammelten Links finden sich noch an vielen Orten Denkanstöße.
Danke @alle für die faire Diskussion. Über ein paar – zunächst – abschließende Beiträge würde ich mich aber noch freuen.

Update, 06.03. Der muß noch sein: Antje Schrupp in einem sehr guten Beitrag über ‘Drei verbreitete Irrtümer zum Feminismus‘.
Update, 07.03. Es gibt ein Audio-Interview mit Lena Simon und Jörg Büh­mann von Georg Jähnig und netterweise auch ein Transkript bei Dirk Hillbrecht.
Update, 08.03. Diesen Link zu Isi möchte ich hier noch gerne hin setzen, weil er sich zum großen Teil mit meiner augenblicklichen Wahrnehmung deckt (und weil er gut ist).
Update, 11.10. Die taz brachte gestern einen Artikel, nach dem der Piratenchef, Jens Seipenbusch, eine Gender-Diskussion ablehnt: ‘Wir sind Post-Gender’. Man merkt’s richtig…
Update, Richtigstellung der taz (daher lief der Link auch einige Zeit ins Leere):

Der Piratenpartei-Vorsitzende Jens Seipenbusch legt Wert auf die Feststellung, dass er keine Debatte innerhalb seiner Partei unterdrücken möchte. “Ich lehne keine Debatte ab und werde auch keine Debatte unterdrücken”, erklärte er nach Lektüre unseres Berichtes der taz.
Zudem bestreitet Seipenbusch, gesagt zu haben “Wir sind Post-Gender.” Wir haben das Zitat daher entfernt.

Update, 12.03. Ein weiterer taz-Artikel, Piratinnen im Gender-Kampf · Eine Debatte für’s Netz von Anna Berg (von der Mädchenmannschaft):

Die Mehrheit der Piratenpartei glaubt, das Geschlecht sei überwunden. Im Internet eine weit verbreitete Meinung – die doch wieder zu Benachteiligung führt.

Update, 13.02. Komm nicht dazu, was Neues zu schreiben, mir fehlt zu viel, also hangele ich mich hier mal ein bißchen weiter, um nicht wieder ganz den Faden zu verlieren. Hab das eben auf dem Webrundgang bei Patrick gefunden: Eine sehr, sehr interessante Diskussion, die am 15. Februar begonnen hat und bis heute andauert.
Update, 16.03. Bei Ritinardo geht es weiter, und zwar über Neutralität.
Im Augenblick gibt’s nichts wirklich Neues, oder hab’ ich was übersehen?
Update: Schöne Linkliste und Folge 3 von Klabautercast über Gleichberechtigung und Genderfragen mit maha und Ben.

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50 Kommentare

Verfasst von - 28. Februar 2010 in Frauen, Kultur, Menschen, Web 2.0

 

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50 Antworten zu “Unter Piraten: Die Gender-Debatte

  1. Pirat

    28. Februar 2010 at 15:16

    Ich möchte darauf hinweisen, dass die Pressemitteilung KEINE offizielle der Piratenpartei ist. Hier agiert ganz alleine eine einzelne Person, die nicht für die Piratenpartei spricht!

    Ich möchte auch nochmal darauf hinweisen, wieso genau eine Genderdebatte innerhalb der Piraten unnötig ist und wieso man die Piraten als “Post-Gender” bezeichnen kann:

    http://www.piratenpartei.de/node/1045

     
  2. Sabine Engelhardt

    28. Februar 2010 at 16:22

    Quak,

    ich hielt schon die Häcksen im CCC für unnötig, für umso unnötiger halte ich eine abgetrennte Frauengruppe bei den Piraten. Mit Sexismus hatte ich in einem solchen Umfeld nie Probleme (deutlich anders sah das in IT-Abteilungen von Firmen aus, aber das ist ‘ne andere Baustelle).

    In der Politik sind Leute, die sich nicht trauen, ihre Meinung einzubringen, generell im Nachteil. Ich bezweifle aber stark, daß es sich dabei ausschließlich oder auch nur überwiegend um Frauen handelt; dazu habe ich in meinem Leben zu viele schüchterne Männer kennengelernt.

    Außerdem will ich gar nicht geschützt werden. Ich bin doch kein Kind mehr, ich bin selber groß. Ich muß mich nicht in einer Gruppe verstecken, die dann (vielleicht) meine Meinung nach außen trägt und verteidigt.

    Von Piraten, ob Männlein oder Weiblein, erwarte ich eigentlich, daß sie selbstbewußt und offen ihre Meinung sagen. Wer das nicht kann, sollte vielleicht eher mal an sich selbst arbeiten. Das Verstecken in einer Gruppe ändert daran nämlich nichts.

    Gruß, Frosch

     
  3. Erdrandbewohner

    28. Februar 2010 at 17:56

    Ich habe rein garnichts dagegen, wenn ein paar Piraten-Frauen in ner eigenen Mailingliste austauschen und keine Männer dabei haben wollen. Warum auch? Ich hätte auch nichts dagegen, wenn sich schwule, lesben oder transsexuelle Piraten ungestört untereinander austauschen.

    Allerdings stoße ich mich an dem Frauenbild, das durch die Begründung impliziert werden soll: Die Frauen als (ewiges) Opfer, die sich vor den übergriffigen männlichen Macht- und Denkstrukturen in geschützte Räume flüchten müssen.

    Sicher, in dieser Gesellschaft gibt es immer noch teilweise krasse Ungleichberechtigungen zwischen den Geschlechtern. Diese gilt es zu überwinden, das geht aber nicht über das hergebrachte Opfer- bzw. Täterbild der Feministinnen alter Schule. Dies gilt nämlich schon lange nicht mehr, wie wir an den Jungs als Bildungsverlierer sehen können.

    Noch ein Wort zu Atari-Frosch: “Haecksen” ist ein cooler Begriff. Es gibt auch nichts dagegen zu sagen, wenn sich eine Gruppe von Leuten einen eigenen Namen gibt um sich von anderen abzuheben. Sehe es mit Humor, sonst driftet alles schnell in eine Gleichmacherei aus.

     
  4. opalkatze

    28. Februar 2010 at 17:57

    @frosch
    Da steht einfach Meinung gegen Meinung. Es hat ja niemand behauptet, die Debatte sei nicht mühsam…

    Ich hätte noch vor zehn Jahren genau so argumentiert, aber in der Zwischenzeit habe ich eines erfahren:
    Nur, weil ich selbst keine Probleme habe, meine Anliegen nachdrücklich zu vertreten, heißt das noch lange nicht, daß andere das ebenso können.
    Wenn deswegen Menschen (!) keinen Zugang zu (Netz-)Politik finden, muß man eben etwas ändern. Wenn man diesen Zugang mit einfachen Mittel ermöglichen kann, ist es – ganz pragmatisch – richtig.

     
  5. Sabine Engelhardt

    28. Februar 2010 at 18:54

    Vera, die Diskussion ist so mühsam, weil sie so unnötig ist. Das ist wie beim SWIFT-Abkommen oder bei den Internetsperren. Blödsinn wird nicht besser, wenn man drüber diskutiert. Das einfachste und beste ist, sowas bleibenzulassen.

    Die PiratInnen werden, wenn sie sich als Gruppe absetzen, eher weniger wahrgenommen, als wenn sie mittendrin im Ganzen diskutieren. Aber vielleicht müssen sie diese Erfahrung ja mal machen. Falls sie’s denn dann merken.

    BTW, mein Senf: http://blog.atari-frosch.de/2010/02/28/piratinnen/

    Gruß, Frosch

     
  6. opalkatze

    28. Februar 2010 at 18:59

    @Erdrandbewohner
    Nein, ich glaube nicht, daß das etwas mit einer ‘Opferrolle’ zu tun hat. Es geht darum, daß viele Menschen sich nur unter ihresgleichen ungezwungen ausdrücken können.

     
  7. opalkatze

    28. Februar 2010 at 19:11

    @Sabine
    Ich hab das gar nicht so verstanden, daß sie sich absetzen wollen, eher, daß eine zusätzliche Plattform geschaffen werden soll.

     
  8. brody

    28. Februar 2010 at 20:34

    ein schöner Tippfehler im taz-Artikel:

    http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/frauen-auf-dem-weg-ins-boot/

    “Sie hat, nur mit der Gründung einer Mailingliste für weibliche Mitglieder, eine Debatte angestoßen, die ihrer Ansicht nach längst überflüssig war.”

    “Mann” weiß, bei einer Genderdebatte sollte kein Witz gerissen werden, das ist immer eine verdammt ernste Geschichte …

    “Ich denke, es ist eine Frage der Zeit, sich als Mensch wahrzunehmen und nicht als Opfer eines genitalen Zustands.”
    aus “Piraten und Gender” ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

    Ich kann mir nicht verkneifen, nachzutragen, das die, die die Themen der Piratenpartei als männerlastig begreifen, Opfer der Klischees sind, die sie eigentlich bekämpfen wollen.
    Letztlich findet sich bei Mann wie bei Frau “auf der Straße” wenig Bereitschaft und Sensibilität für die Tragweite der Themen, die die Piratenpartei bewegen.
    “Denn je mehr wir uns mit uns selbst beschäftigen, desto weniger echte Politik wird gemacht.” (em) genau!!!
    p.s. ich bin nur ein Sympatisant

     
  9. vinci

    28. Februar 2010 at 22:39

    Es ist so lustig. Denn wenn irgendwer Zweifel daran hatte, ob die Debatte nötig wäre – oder inwieweit die Piraten tatsächlich über den Dingen stehen, so zeigt der Umgang mit den Themen und die Reaktionen (Löschung der Seite, etc.) wie wenig die Piraten tatsächlich die Genderfrage hinter sich gelassen haben. In Wirklichkeit sind sie damit bisher einfach nur sehr unbewusst umgegangen. Ich hoffe Lena hält das aus, was ihr jetzt durch die ach so neutralen Piraten entgegenwehen wird. Aber wer sich im FSFE engagiert, die weiss ja, was sie tut. — Der Ritinardo

     
  10. Martin

    28. Februar 2010 at 23:57

    Diese Partei wird wie die anderen Parteien werden. Sie wird vielleicht nicht lange genug außergewöhnlich sein, um eine sehr große Basis zu finden.

     
  11. opalkatze

    1. März 2010 at 01:35

    @Martin Deshalb sollte sie alle Chancen nutzen, eine möglichst breite Basis zu finden.

     
  12. tschill

    1. März 2010 at 01:55

    Pirat als Post-Gender-Verkünder:
    “Ich denke, es ist eine Frage der Zeit, sich als Mensch wahrzunehmen und nicht als Opfer eines genitalen Zustands. Es gibt mittlerweile einen allgemeinen Konsens gegenüber dem Rassismus, dass dieser schlecht ist. Daher ist es sicherlich nicht allzu schwer, auch endlich den Sexismus ad Acta zu legen. Unterschiede sind Unterschiede. Ob mit oder ohne Hinzunahme von Political Correctness in Form von Genderpolitik.”

    Brilliant. So viel halbgewalkte Naivität kann man eigentlich nur noch als Satire lesen.
    Offenbar ist bei den Piraten schon Konsens, daß man ein Problem am besten angeht, wenn man ganz fest die Augen vor der gesellschaftlichen Realität verschließt. Die oben zitierte Mela ist auch ein feines Beispiel für diese Strategie.

     
  13. opalkatze

    1. März 2010 at 01:58

    So geht der Sonntag hin…
    Ich bin gespannt, wie sich die Debatte weiter entwickelt und hoffe, daß sie einigermaßen sachlich bleibt.

    Bis morgen Mittag müssen neue Kommentare auf Freigabe warten, dann werde ich nach dem neuesten Stand sehen.
    Guten Wochenanfang @alle.

     
  14. Siegfried

    1. März 2010 at 09:28

    manueller Pingback: http://www.rorkvell.de/news/2010/Klarmachen_zum_Gendern.html.de

    siehe ebenso (etwas drastischer): http://ad-sinistram.blogspot.com/2010/02/de-dicto_28.html

    Wäre wirklich Zeit für die piratige post-gender Einstellung.

     
  15. erlehmann

    1. März 2010 at 11:13

    Ich denke nicht, dass einer Unfähigkeit, sich zu artikulieren (du gibst als Grund an: nicht alle Frauen sind […] in der Lage, ihre Anliegen in freier Rede einem gemischten Gremium vorzutragen.) dazu führen sollte, Leute auszuschließen, denen man per se kein Fehlverhalten vorwerfen kann. Eher sollte man die Betroffenen coachen — und zwar geschlechtsneutral. Schließlich sind auch nicht alle Männer in der Lage, sich überall frei zu äußern; mir fällt da sogar spontan ein Pirat aus Berlin ein, dessen Artikulationsprobleme nicht nur in Bezug auf das andere Geschlecht — dort aber im Besonderen — unübersehbar sind.

    Hinterzimmer aufzumachen, statt Probleme offensiv anzugehen, halte ich selten für eine gute Idee.

     
  16. Yetused

    1. März 2010 at 13:39

    Schon schlimm, dass sich die Piratinnen intern nicht Piratinnen nennen dürfen. In der Satzung in §1 steht doch nur, dass die Mitglieder offiziell “Pirat” heißen und auch entsprechend angesprochen werden. Wie sich eine AG/ Gruppe/ Mailingliste nennt, ist von so einem ersten Artikel doch überhaupt nicht betroffen!

    Wer regelmäßig versucht Diskurse um Gender und Geschlecht zu unterdrücken braucht sich nicht zu wundern, wenn es irgendwann ausbricht. Die, die solch eine Gruppe oder Liste brauchen sollen sie sich holen. So funktioniert Demokratie. Auch Minderheiten und Mindermeinungen dürfen sich treffen und austauschen. Live with it.

     
  17. Siegfried

    1. März 2010 at 14:46

    Es geht wohl eher darum, dass a) hier Jemand behauptet, die schwachen Frauen wären aufgrund ihrer Weiblichkeit nicht in der Lage, Meinungen ohne den Schutz der Abgeschiedenheit eines Serails zu äussern, und b) dass diese Meinung als offizielle Parteimeinung verbreitet wurde. Dass sich daran ein ziemlich heftige Diskussion anschließt, dürfte wohl klar sein. Und diese Diskussion wird nicht unterdrückt. Nur gibt’s eben auch kontra. In der Diskussion.

     
  18. Yetused

    1. März 2010 at 20:00

    Es geht darum, dass es Frauen gibt, die aus ihrer Erfahrung mir anderen Frauen und Piratinnen heraus wissen, dass sich manche oft nicht zu Wort wagen und daher einen kleinen Kreis wollen in dem sie sich (vorab) austauschen können.

    Wenn solch ein Kreis dann eröffnet wird, dann geht eine Pressemitteilung raus. Macht per se erst mal Sinn. Wenn die Pressemitteilung nicht den ‘richtigen Weg’ gegangen ist, dann soll dies kritisiert werden – und nicht dass es diese Piratinnen gibt.

    Denn wenn es Bedarf nach solch einer Liste/Gruppe gibt, soll sie sich bilden. Auch wenn 90% der restlichen Piratinnen hierin keinen Bedarf sehen und das auch lautstark auf Twitter herumposaunen. Das spricht nicht gegen eine solche Gruppierung.

     
  19. Siegfried

    1. März 2010 at 20:12

    @yetused: Nix dagegen. Es ist so, dass es immer eine recht erhebliche Menge an Leuten gibt, die ihr Anliegen nicht so recht an das Licht der Öffentlichkeit zerren können. Aber erstens ist es schon mal falsch, zu behaupten, das sei ein typisch oder gar ausschließlich weibliches Problem. Und zweitens ist das zurückziehen in das Schneckenhaus hier keine Lösung.

    Der richtige Lösungsansatz hier heisst coaching. Und zwar doppelt. Erstens sollten die “Schüchternen” entsprechend gefördert werden, und zweitens sollten die “großen Redner” lernen, zuzuhören. Denn es ist kein Manko, Ideen nicht lautstark und nachdrücklich vertreten zu können. meist ist es nämlich so, dass diese Stillen und Leisen oft Diejenigen sind, die dir richtig guten Ideen haben.

    Und übrigens: Still und leise mit guten Ideen ist ebenfalls keine rein weibliche Domäne.

     
  20. opalkatze

    1. März 2010 at 20:12

    @yetused
    da stimme ich dir ganz und gar zu, ich hatte ja schon geschrieben: eben pragmatisch.
    ich habe eben auf deiner seite den link gesucht, von dem claudia/sammelmappe spricht, finde ihn aber nicht. hilfst du mir?

    @alle
    habe eben zu dem ton der debatte gebloggt http://opalkatze.wordpress.com/2010/03/01/im-zusammenhang/

     
  21. Siegfried

    2. März 2010 at 12:27

    @Yetused (Nachtrag): Ich habe auch Nichts gegen irgendwelche Gruppierungen. Arbeitsgruppen jedweder Art sind ein Muss in jeder Parteiarbeit. Aber Arbeitsgruppen stehen jedem offen, der an der *Arbeit* interessiert ist. Das ist was Anderes als Ausgrenzung. Zwei Fettpölsterchen auf den Rippen qualifizieren genauso wenig zu Irgendwas wie ein kleiner Muskelschlauch im Schritt. Der Denkapparat sollte bei beiden Geschlechtern woanders sitzen.

    Auch Arbeitsgruppen zu speziellen Frauenthemen (angenommen, es gibt die) sollten selbstverständlich sein. Aber genauso selbstverständlich sollte auch solch eine Arbeitsgruppe offen sein für Jeden oder Jede, der/die am Thema interessiert ist und dazu Etwas beitragen kann und/oder will.

    Worüber sich allerdings der ursprüngliche Lösch-Aktivist am Meisten aufgeregt hatte, war, die Notwendigkeit dieser Abgrenzung (Intranzparenz) als offizielle Parteipolitik zu verkaufen, obwohl die offizielle Parteipolitik doch genau das Gegenteil davon (Tranzparenz) beinhaltet.

    Ich persönlich nehme diesen Vorstoß der Initiatorin nicht besonders übel. Man macht eben heute Sowas. ist eben üblich so. Und wenn es nur oft genug wiederholt wird, dass Sowas richtig und angemessen ist, glaubt man eben irgendwann daran und glaubt, damit was Gutes zu tun. Insofern finde ich jetzt das Rumgehacke auf der Initiatorin unangemessen. Trotzdem wird es Zeit, die Augen aufzumachen und der heutigen Realität ins Gesicht zu sehen. Und das heisst eben auch, mit Gewohnheiten, die noch aus der Anfangszeit der Grünen stammen (und damals vielleicht ihre Berechtigung hatten) aufzuräumen. Es wird einfach Zeit, den nächsten Schritt zu tun. Und der sollte vorwärts und nicht rückwärts sein.

     
  22. Yetused

    2. März 2010 at 17:32

    @opalkatze: Claudia/Sammelmappe hat durch einen Tweet von mir davon erfahren, aber auf meinen Blog verlinkt. Daher gibt es soweit auch nichts auf dem Blog zu sehen. Wenig Zeit zum Bloggen zur Zeit :) Hier der Tweet. Der ‘aggressive männliche’ Ton ist auf die Kommentare im Wiki bezogen. Da ist mir schon ganz schön die Spucke weggeblieben.

    @Siegfried: Ich denke nicht, dass die Initiatorinnen ausgedrückt haben, dass Frauen typischerweise schüchtern und leise sind, sondern lediglich, dass dies öfter vorkommt und sie dem entgegenarbeiten wollen. Coaching ist eine gute Sache! Aber ich wette, wenn es ein Kommunikations-Coaching für Frauen von Frauen gegeben hätte, wäre genauso geschrieen worden. Jetzt könnte man argumentieren: Warum nicht gemischt-geschlechtliche Arbeits- und Coachinggruppen? Nun ja, ich denke das kann man vergleichen mit gemischtem oder getrenntem Saunieren. Manche mögens gemischt, manche wollen es (erst einmal) unter sich, da sie sich so sicherer fühlen. Nur weil gemischtes Saunieren in D die Sitte ist, muss es nicht für jeden mandatorisch werden!

    Und das mit dem Vorgehen/ der Pressemitteilung muss jemand anderes beurteilen. Soweit ich das verstanden habe, hat die Initiatorin auf dem Landesparteitag(?) bereits von der Gründung der Gruppe gesprochen und danach eine Mitteilung darüber herausgegeben. Aber anscheinend muss man sich da vorher autorisieren lassen, oder was auch immer. War ein Formfehler innerhalb einer Partei, die öfters Formfehler begeht. Die Piraten sind schließlich alles Polit-Anfänger und keine Profis. Den Backlash mit Androhungen von wegen ‘Verstoß gegen die Satzung wird jetzt öffentlich gemeldet’ ist da unangebracht.

     
  23. Siegfried

    2. März 2010 at 21:38

    Hmmm nein. Das mit dem getrennten Coaching wäre zumindest in der Anfangsphase gar keine schlechte Idee. Und das hat auch Nix mit Transparenz oder Intransparenz zu tun. Ein in der Anfangsphase geschlechtsspezifisches Coaching ist gar nicht mal so schlecht. Denn Frauen brauchen ein anderes Coaching als Männer. Und umgekehrt.

    Und übrigens, ganz wichtig: Coaching nicht nur für die Schüchternen. Die “großen Redner” brauchen genauso Coaching, und zwar im Zuhören. Das ist genau so wichtig.

    Und um das noch mal in aller Deutlichkeit zu sagen: Ich glaube wirklich und ernsthaft, dass die Initiatorin etwas Gutes tun wollte. Nur denke ich genau so ernsthaft, dass der Schuss nach hinten los ging. Sowas passiert nun mal. Und das passiert nicht nur Frauen, das passiert Männern genau so. Deshalb finde ich auch die Idee, diese Lena aus der Partei auszuschließen, geradezu grotesk. Sie auszuschließen, nur, weil sie einen Formfehler begangen hat? Das sollte ausserhalb des Selbstverständnisses von Piraten sein. Ich befürchte, da war jemand am Werk, der sich als Karrierist auf Lenas Kosten profilieren wollte. Dass Lena inhaltlich daneben liegt, das soll und muss offen diskutiert werden. Und da soll und darf kein persönlicher Nachteil daraus entstehen.

    Ach ja, bevor ich es vergesse: gemischt-geschlechtliches Coaching ist gerade in diesem Zusammenhang auf Dauer unverzichtbar. Denn genau das sollen ja sowohl die Frauen als auch die Männer lernen: Mit dem jeweils anderen Geschlecht, mit den jeweils anderen Characteren und mit den jeweils anderen Kommunikationstypen ordentlich zu kommunizieren. Und wenn dann noch Verständnis für die jeweils Anderen bei rumkommt, wäre diese ganze Aktion doch noch ein großer Erfolg. Dann hätte Alle dieser Lena viel zu verdanken. Auch, wenn sie das vermutlich so nicht beabsichtigt hat. Aber wann geht schon Alles so, wie wir es uns vorstellen?

     
  24. opalkatze

    3. März 2010 at 22:44

    Danke an alle für die sachliche Diskussion. Sie soll damit nicht beendet werden, ich wollte das nur mal loswerden. Ich mußte keinen Kommentar löschen und habe auch keine bösen Briefe bekommen…

     
  25. Siegfried

    4. März 2010 at 09:22

    @Opalkatze: den Dank kann ich Dir zurückgeben. Du hast ebenfalls sachlich reagiert. Offensichtlich funktioniert das. Und das sogar unter den erschwerten Bedingungen des Internet, wo ein entspanntes Lächeln nicht zu sehen ist. Das lässt doch hoffen, dass man bei den Piraten tatsächlich einen schritt weiter ist :)

    Ich hatte inzwischen ja eine Menge Zeit, über diese ominöse mailingliste nachzudenken. Und inzwischen hat sich da bei mir ein gedanke herausgeschält, der vielleicht gar nicht so verkehrt ist. ich stelle den man hier zur Diskussion.

    Wie wäre es, wenn man diese Gruppe inklusive Mailingliste prinzipiell bestehen lässt, nur zweck und Ausrichtung anders definiert? Und zwar als schulungsbereich (neu-denglisch coaching). Das hieße, per Definition keine politische Arbeit, denn politische Arbeit findet in für Alle offenen Arbeitskreisen oder in der gesamtpartei statt.

    Natürlich kommt es auch beim “Kaffeeklatsch” vor, dass politische Ideen entwickelt werden. Mir kommen gute Ideen oft auf dem Klo. Aber deswegen definiere ich das Klo noch lange nicht als den korrekten Ort für politische Arbeit. Aber das hindert Niemanden daran, solche Ideen in den Arbeitskreisen einzubringen.

    Die Berechtigung für die Abschottung qua Geschlecht würde dann daraus resultieren, dass hier eben (offiziell) keine politische Arbeit getan wird, sondern lediglich eine spezielle Förderung eines wie auch immer definierten Mitgliederkreises durchgeführt wird. Ich denke, das wäre nicht nur sinnvoll, damit könnten die Piraten auch gut leben.

    Und diese Männer-AG, die es ja anscheinend auch gibt (wie ich inzwischen erfahren habe) könnte genauso umdefiniert werden.

    Was haltet ihr von der Idee?

     
  26. opalkatze

    4. März 2010 at 12:47

    @Siegfried Ich fände es nicht so gut, jetzt schon wieder eine neue Debatte aufzumachen. Im Augenblick geht man aufeinander zu, und mir gefällt ja auch die Idee, daß die Mädels aus den genannten Gründen eine eigene Liste machen. Nicht vergessen: es geht um eine Mailingliste, nicht um eine Abspaltung oder sonst etwas Wildes. Diese Diskussion sollte jetzt geführt werden, sie ist anscheinend nötig.
    Dennoch ist Deine Idee mit einer Art Coachinggruppe gut, so etwas bietet sich eigentlich für alle an, die Politik machen wollen. Dazu gehört nun mal, frei zu reden. Zu lernen, das auf díe richtige Art und Weise zu tun, ist bestimmt nicht falsch.

    Ich muß Dich enttäuschen; ich bin keine Piratin. Ich sympathisiere mit einer ganzen Reihe der Ideen, bin aber sonst bescheuert genug, immer noch an der alten Tante SPD zu hängen, obwohl ich schon lange nicht mehr drin bin. Das habe ich in verschiedenen Beiträgen auch gesagt.

     
  27. Siegfried

    4. März 2010 at 13:31

    Naja, ich dachte mir diese Idee eigentlich als ein Resumee aus all dem, was bisher dazu gesagt und geschrieben wurde. Sozusagen der Versuch, einen konstruktiven Abschluss zu finden und den nächsten Schritt einzuleiten. Naja, wie auch immer.

    Ich bin auch kein Pirat. Jedenfalls noch nicht. Auch ich sympatisiere mit den Zielen der Piraten. Aber ich bin arbeitslos und kann mir einen Mitgliedsbeitrag nicht leisten. Man hat mir angeboten, diesen Mitgliedsbeitrag stattdessen “abzuarbeiten”. Leider wurde das nicht konkret. Und ich kaufe nun mal nicht gerne die Katze im Sack. Aber vielleicht komme ich irgendwann darauf zurück.

    Und: Auch ich finde die Diskussion resp. dass sie überhaupt stattfindet sehr gut. Die Frage ist nur, was kommt bei raus? Endet das in ewigen Grabenkämpfen, in denen Niemand jemals siegen kann, oder gibt’s irgendwann mal ein Ergebnis?

    Und noch zum Abschluss: Nein, es ging eben nicht um eine x-beliebige Mailingliste. Wenn es um irgendeine Art von Kaffeekränzchen ginge, wäre das vermutlich Allen ziemlich egal. Es geht darum, mit dieser Mailingliste politische Arbeit zu tun, und dabei Mitglieder der Partei nur aufgrund ihres Geschlechts auszuschließen. Man mag über die Notwendigkeit eines besonderen Schutzes für Frauen streiten, aber diese Vorgehensweise steht im Widerspruch zu Anspruch und Zielen der Piraten. Deshalb kann das so nicht gehen.

    Die coaching-Idee stammt übrigens ursprünglich nicht von mir. Ich glaube, das war im Prinzip Yetused, die diese Idee aufgebracht hat.

     
  28. vinci

    6. März 2010 at 06:47

    Gute Zusammenfassung mit Ausnahme der Tatsache, dass mein Artikel im Juli die die Diskussion angestoßen hatte. Telepolis hat dann 2 Monate gebraucht das wahrzunehmen.

     
  29. opalkatze

    6. März 2010 at 13:51

    @vinci ja, ich habe mich sicher zu wenig um die vorgeschichte gekümmert, weil ich über diese aktuelle debatte gestolpert bin und versucht habe, sie sachlich zu verfolgen.
    im lauf der beschäftigung damit habe ich begonnen, meine eigenen (veralteten?) einstellungen zu überprüfen und festgestellt, daß ich mit dem thema noch nicht so fertig bin, wie ich dachte. ich werde jetzt erst mal viel lesen müssen, dabei sind gut zwanzig jahre nachzuholen.

     
  30. Oliver

    8. März 2010 at 09:01

    Eine Gender-Debatte ist genau das, was die Piratenpartei nicht braucht! Wozu soll das auch dienen? Um die Piratenpartei den Linken oder den Grünen anzupassen, bei denen die “Gleichstellung”, die in Wahrheit keine ist, inzwischen bizarre Züge angenommen hat? Um die Ungerechtigkeiten der einseitigen Frauenförderung auch in der Piratenpartei zu zementieren? Braucht auch die Piratenpartei eine “Gleichstellungsbeauftragte”, die in Wahrheit immer nur eine Frauenbeauftragte ist, wo ja auch nur Frauen wahlberechtigt sind?

    Meine Meinung ist: Nein! Ich begrüße es sehr, wenn Frauen sich politisch engagieren, aber den notwendigen Schritt müssen sie alleine tun. Wenn Frauen ihre Rechte wahrnehmen wollen, müssen sie ebenso öffentlich diskutieren wie Männer auch. Wir brauchen keine geschlossenen Kaffeekränzchen, sondern offene Diskussionen. Alles andere hätte mit der vielgepriesenen Transparenz auch nicht viel zu tun. Wir dürfen nicht zulassen, dass der Geschlechterkrieg auch in die Piratenpartei Einzug hält.

    Sollen die anderen Parteien ruhig ihre Quoten etc. verfolgen und gendergerechte Rundschreiben verfassen. Mal abgesehen von ein paar Emanzen interessiert das doch niemanden. Im Gegenteil, den meisten Menschen (Männer wie auch Frauen!) geht dieser Gleichstellungskäse auf den Keks. Doch Gewerkschaften und Parteien verwenden eine Menge Arbeitskraft dafür geschlechtsneutrale Bezeichnungen in ihre Texte einzubauen, anstatt Sinnvolles zu tun.

    Zugegeben: vor 20-30 Jahren hatte die einseitige Frauenförderung, die ja auch im Gesetz festgeschrieben wurde, noch ihre Berechtigung. Nämlich um bestehenden Benachteiligungen entgegenzuwirken. Daran besteht aber längst kein Bedarf mehr: es machen mehr Mädchen Abitur als Jungen. Es gibt ebensoviele Frauen, wenn nicht sogar mehr, als Männer unter den Studenten. Zunehmend gibt es auch mehr Frauen in den gut bezahlten Positionen. Da ist zwar noch kein Gleichgewicht hergestellt (es gibt z.B. noch mehr Professoren als -innen), das ist aber nur eine Frage der Zeit. Jetzt ist es aber bereits nötig entgegenzusteuern um wieder auf die Mittelspur zu kommen.

    Mein Vorschlag für eine Position der Piratenpartei (ich würde mich jedenfalls freuen, wenn diese angenommen würde):

    Gleichstellung und Gleichberechtigung sollten nicht mehr als einseitige Frauenförderung verstanden werden, sondern geschlechtsneutral formuliert werden. Es ist ein Unding, dass über 20 Jahre nach der Einführung der gesetzlichen, einseitigen Frauenförderung und den immensen Fortschritten, die gemacht wurden, immer noch geschlechtsspezifisch von der Frau die Rede im Gesetzestext ist. Es ist an der Zeit die Gleichstellungsgesetze in eine geschlechtsneutrale Form zu bringen und somit aus der reinen, gesetzlich verordneten Frauenförderung eine echte Gleichstellung zu machen!

    Ich kann nur den Kopf schütteln, wenn ich mitkriege, dass bei Grünen und Linken Frauen nur aufgrund ihres Geschlechts(!) auf gehobene Positionen gehievt werden und geeignetere Männer leer ausgehen. Was hat sowas bitte mit Gleichstellung zu tun?

     
  31. opalkatze

    8. März 2010 at 14:32

    Zur Erinnerung: Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt immer noch ein Viertel weniger als Männer.

     
  32. Oliver

    8. März 2010 at 18:26

    @opalkatze:

    Noch ist es so, dass Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer. Ein bisschen Geduld darf man erwarten?

    Die Hauptgründe dafür, dass Frauen im Schnitt weniger verdienen, sind:

    Die hohe Teilzeitquote von Frauen. Das sagt zunächst mal nichts darüber aus, warum die Frauen in Teilzeit arbeiten. Ich gehe davon aus, dass die überwältigende Mehrheit freiwillig in Teilzeit arbeitet. Vielleicht, weil der Mann genug verdient und die Kinder noch zu klein sind. Wohl weniger deswegen, weil Frauen nur Teilzeitjobs kriegen.

    Hoher Frauenanteil im Niedriglohnbereich. Das ändert sich. Es gibt aktuell nicht weniger Studentinnen als Studenten. Das war längst nicht immer so. Die sind irgendwann fertig und werden dann auch angesehene Posten kriegen. Also: Geduld! Ein weiterer Grund könnte sein, dass Frauen (bei gleicher Eignung) vielerorts bevorzugt eingestellt werden müssen). Denn das wirkt sich auch auf die schlecht bezahlten Berufe aus, wo Frauen noch in der Mehrzahl sind, z.B. Krankenschwester. Zwar steigt auch der Anteil der Krankenpfleger, aber Frauen dominieren den Beruf – werden aber trotzdem bevorzugt eingestellt. Männer sind hier also benachteiligt und es sieht so aus als wären Frauen im Nachteil.

    Ein dritter Grund ist, dass vielen Frauen trotz sehr guter Ausbildung oftmals der Zugang zu Führungspositionen verwehrt bleiben soll. Offenbar stellen Firmen ungerne Frauen in Führungspositionen ein. Diesen Grund lasse ich noch gelten. Allerdings ist auch hier noch fraglich, ob es förderlich ist, den Firmen diesbezüglich Vorschriften zu machen. Ich persönlich halte von Quoten rein überhaupt gar nichts. Es muss dem Arbeitgeber überlassen sein, ob er als Türsteher lieber einen Mann oder eine Frau einstellt. Ebenso muss es ihm überlassen werden, ob er einen männlichen oder weiblichen Babysitter beschäftigt. Und wenn Manager meinen, dass Männer durchsetzungsfähiger und offensiver sind, was sich im Geschäftsleben vielleicht bewährt hat, dann stellen sie eben Männer ein. Wenn eine Frau eine Firma gründet kann sie es ja anders machen und bevorzugt Frauen in Führungspositionen setzen. Meines Erachtens fördern Frauen andere Frauen sich ohnehin schon in wesentlich stärkerem Ausmaß als Männer es tun. Es gibt eine Reihe Frauenfördervereine in den verschiedensten Bereichen.

    Wenn Emanzen hier mit der Forderung “gleiches Geld für gleiche Arbeit” kommen, kann mir das nur ein müdes Lächeln abringen. Sicherlich, ich denke ebenso. Bloß sind die Unterschiede in vielen Bereichen weitaus größer als die finanzielle Benachteiligung der Frauen. So verdient ein Elektriker im Handwerk weniger als einer in einem Großkonzern. In Krankenkassen verdienen die Angestellten sehr gut, in Heilberufen und in der Gastronomie dagegen sind die Gehälter ziemlich klein – obwohl die da sicherlich mehr und härter arbeiten. “Gleiches Geld für gleiche Arbeit” gibt es, wenn man es auf die Spitze treibt, eigentlich kaum. In Deutschland und vielen anderen Ländern gibt es aber Tarifverträge und Gewerkschaften. Ich kenne keinen einzigen Tarifvertrag, nach dem Frauen weniger kriegen als Männer. Das heißt im Klartext, dass Frauen in allen Berufen, wo es tarifliche Regelungen gibt – und das sind die meisten – genauso bezahlt werden wie Männer auch. Da gibt es schlichtweg keine Benachteiligung.

    Wirklich, ich bin ein Fan von (echter) Gleichberechtigung. Aber Quoten, gendergerecht formulierte Texte, geschlossene Frauenkreise in Parteien und erst recht geschlechtsspezifische, einseitige Förderungen lehne ich kategorisch ab! Das alles hat mit echter Gleichstellung nichts, aber auch rein gar nichts zu tun. Gleichstellung ist inzwischen ein Euphemismus. Die entsprechenden Gesetze sind längst “abgelaufen”, nicht mehr up to date.

    Sollte sich dieser Gleichstellungs-Unfug nun auch in der Piratenpartei eingeführt werden, werde ich eben eine andere Partei wählen. Ich hoffe aber, dass der Verstand über die Ideologie siegt.

     
  33. opalkatze

    8. März 2010 at 18:44

    Du bekommst jetzt auf, alle Links in dem Beitrag zu lesen .)
    Darin sind Deine Argumente mehr als einmal nicht nur entkräftet, sondern widerlegt. Und schon, daß Du Dir die Mühe machst und hier sehr ausführlich kommentierst, zeigt doch einen gewissen Gesprächsbedarf, also kann das alles soo gar-nicht-mehr-der-Rede-wert nicht sein.

     
  34. Oliver

    8. März 2010 at 18:59

    Ich sehe meine Argumente keineswegs als widerlegt an.

    Bitte, bitte, liebe Emanzen: geht doch zu den Grünen oder zu den Linken! Da rennt ihr in offene Arme! Und die verrennen sich auch gerne in Ideologien.

    Ich bin und bleibe dagegen, dass sich die Piratenpartei am Kampf der Geschlechter beteiligt, indem sie Unterschiede zwischen (männlichen) Piraten und Piratinnen macht. Ich halte geschlossene Frauengruppen für Blödsinn. Frauen sollten lernen für ihre Ziele einzustehen, anstatt Kaffeekränzchen zu gründen. Das wäre mal ein Anfang für eine echte Emanzipation. Nicht immer dieses Opfergetue.

    Frauengruppen, Frauenbeauftragte und Frauenfördervereine diskriminieren. “Gleichstellungsbeauftragte” (in Wahrheit Frauenbeauftragte) werden ausschließlich von Frauen gewählt. Für Männer gibt es keinen Männerbeauftragten. In sämtlichen Gleichstellungsorganisationen besteht der Vorstand (fast) ausschließlich aus Frauen, so z.B. bei Total Equality. Die derzeitig gelebte “Gleichstellung” ist in Wahrheit Diskriminierung von Männern und einseitige Frauenförderung.

    Sprachvergewaltigungen à la “frau” (statt “man”) oder die von Feministen geforderte Nennung beider Geschlechter, ob mit Binnen-I oder sonstwie sind der Gipfel. Warum lernen Feministen nicht einfach deutsch? Uns (nicht nur Männern) wäre viel erspart geblieben.

     
  35. Isi

    9. März 2010 at 07:04

    Liebe opalkatze,

    um die kuriosen Beiträge des Olivers zu begreifen, solltest du wissen, dass Maskulisten wie er einer ist, alles – aber auch wirklich jede Kleinigkeit – ihres verquasten Unsinns, ein “Argument” nennen. Diese trägt er natürlich auch höflich und sachlich vor, ergal was er wem wie und wo mitteilt. Maskulisten sind unfehlbar. Läßt also ein Maskulist einen Pups, dann argumentiert er gerade für Erderwärmung und gegen die Verwendung von A-, B- und besonders C-Waffen. Oder für irgendetwas Anderes. Darüber zu entscheiden, was ein Argument oder keines ist, was falsch oder richtig, schlüssig oder dumm, entscheidet er allein. Und darum gilt, wenn der Maskulist sagt, dass 2+2=3, dann ist das so und du darfst nichts anderes damit tun, als dich mit jedem weiteren Schritt zur kranken Ideolologie des Feminismus zu bekennen. Maskulisten agieren nämlich etwa so rational wie Rainman, sie wissen es nur nicht.

    ;-)

    LG

    Isi

     
  36. opalkatze

    9. März 2010 at 12:17

    Hallo Isi,
    damit hast Du meinen Frust bestens beseitigt, danke. Ich fühlte mich tatsächlich etwas hilflos, weil all die Argumente schon >93.857.624 mal gebracht worden sind. Außerdem bedeutet ‘Diskussion’ für mich, zuzuhören, an die eigene Nase zu fassen, abzuwägen, ob ein anderer Blickwinkel nicht vielleicht auch richtig sein kann. Sturheit ist da so wenig hilfreich. Jetzt geht’s mir besser.

     
  37. opalkatze

    9. März 2010 at 17:21

    Mal einen netten Gruß an die Mitleserinnen aus Israel, Australien, den Niederlanden und Frankreich. Würde mich auch über Eure Kommentare freuen ,)

     
  38. Yetused

    10. März 2010 at 16:46

    Dieser Oliver hört sich genau so an wie dieser Kommentator ‘Maskulist’ in der Diskussion bei netzpolitik.org. Bereits widerlegte Thesen vorbringen, krude Logik anwenden, immer die gleiche Platte abspielen, und dann die eigenen Thesen ‘Argumente’ nennen.

    http://www.netzpolitik.org/2010/weltfrauentag/

    In den Kommentaren kann man wunderbar sehen wie jede der Thesen (‘Frauen verdienen gar nicht weniger als Männer’, ‘Frauen werden bevorteilt’, ‘Frauenbüros sind gemein’, ‘Wehrmacht ist ja so ungerecht’, und noch ein paar Klassiker) auseinenadergenommen und widerlegt werden. Ist nervige Sisyphos-Arbeit, und wird diese verrannten Männer auch nicht überzeugen, aber sie kam sowohl von männlicher als auch weiblicher Seite. Ich bin stolz auf die Kommentatoren bei netzpolitik.org. Von Maskulisten lässt sich dort niemand die Diskussion zum Weltfrauentag hijacken.

     
  39. opalkatze

    10. März 2010 at 17:09

    was meinst du, warum netzpolitik.org hier als feed läuft –
    die haben das wirklich im griff, und da ist ein bißchen mehr zu tun als hier ,) und die leser sorgen mit dafür, daß trolle nicht alt werden.
    es wäre toll, wenn mal ein soziologe lust hätte, das phänomen ‘trollerei’ zu beleuchten. wär doch ‘ne prima diplomarbeit?!

     
  40. Benjamin Stöcker

    10. März 2010 at 23:07

    Ahoi,

    danke für das erwähnen und verlinken, aber beim Namen wäre entweder “Benjamin Stöcker” oder einfach nur “Ben” ok.

    Die Mischform klingt irgendwie komisch ;)

    lg

    Ben

     
  41. opalkatze

    10. März 2010 at 23:28

    @ben ist korrigiert ,)

     
  42. Bea

    8. Oktober 2011 at 01:23

    Manueller Pingback:

    Die Post-Pirat_innen-Patrei – Oder: wieso Diskriminierung nicht einfach weg-ignoriert werden kann:

    http://bea.blogsport.de/2011/09/28/post-pirat_innen-patrei-oder-wieso-diskriminierung-nicht-einfach-weg-ignoriert-werden-kann/

     
 
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