RSS

Regionalzeitung im Internet

06 Mär

Gerade habe ich mich mal wieder gewundert. In der Seitenleiste meines Blogs hätte ich ja gern auch den RSS-Feed meiner regionalen Zeitung gehabt, des Trierischen Volksfreundes – aber Fehlanzeige.

Dem deutschen Qualitätsjournalismus geht es bekanntlich so entsetzlich schlecht, daß die Verlage gerade eine gewaltige Lobby ins Feld führen, um eine eigene Gesetzgebung zu erreichen.
Da ist es mehr als erstaunlich, daß es ein Blatt mit einem sehr grossen Verbreitungsgebiet in einem Flächenland nicht fertig kriegt, gesonderte RSS-Feeds für die in der Fläche verstreuten Verbandsgemeinden anzubieten. 

Was weit von mir entfernt in Trier oder unten an der Mosel passiert, interessiert mich nur wenig. Wie aber in meiner Gemeinde ein Abstimmungsergebnis ausgefallen ist, oder ob im nächsten Jahr der Bus vielleicht nur noch alle vier Stunden fährt: das ist interessant. Interessant ist auch, wie ich gegebenenfalls Einfluß auf Entscheidungen nehmen kann. Das aber ist nur möglich, wenn ich die Hintergründe kenne. Mir diese Informationen zu vermitteln, ist das originäre Geschäft einer Zeitung.

Selbst wenn ich den vorhandenen Feed abonnieren würde: es hätte mir nicht weiter geholfen. Die etwa 25-50 Zeichen, die für den Anreisser zur Verfügung stehen, lauten da etwa ‘Baum auf Schienen’ – was nicht zielführend ist. Denn erst muß ich zur Webseite des Trierischen Volksfreundes surfen, um überhaupt sehen zu können, wo ich vielleicht wegen einer Sperrung mit dem Auto nicht weiter komme. Warum denkt niemand so weit, daß der Ortsname in einem Feed an den Anfang muß, um eine Information darzustellen?

Das ist eines der vielen typischen Beispiele für die 1:1-Umsetzung von gedrucktem Inhalt auf Web-Content. Irgend jemand scheint dort in der Onlineredaktion zu sitzen, und er/sie ist nicht zu beneiden. Würde die Tageszeitung sich um die Online-Ausgabe bemühen, hätte dieser Jemand ordentliche Vorgaben und bräuchte keine Zeitung 2. Klasse zu bearbeiten. Dieses halbherzige ‘wir sind jetzt auch online’ ist nicht eben motivierend, für den Redakteur nicht, und für den Leser schon gar nicht.

Für derartigen ‘Mehrwert’ soll ich demnächst bezahlen? Nö.

Wie man es machen kann, hat Marian Semm in seinem großartigen Vierteiler Lokalredaktion 2.0 beschrieben.
Einer, der es so macht, ist Hardy Prothmann. Mit einem kleinen Team hat er das heddesheimblog auf die Beine gestellt – eine Lokalzeitung, wie nicht nur ich mir sie wünsche.

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7 Kommentare

Geschrieben von - 6. März 2010 in Blogs, Journalismus, Medien, Web 2.0

 

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7 Antworten zu “Regionalzeitung im Internet

  1. Mario H.

    14. März 2010 at 11:07

    Sehe ich genauso. Es ist ja nicht so, dass keine_r zahlen will, sondern vielmehr, dass es sich nicht lohnt. Die Unternehmen machen es sich viel zu einfach, wenn sie die Zeitungen 1:1 ins Internet bringen. Okay, manche sind sogar so “innovativ”, dass Kommentare erlaubt sind (hört, hört), aber vom Mitmachweb oder von echten Innovationen ist das noch weit entfernt. Aber solange die Merkel noch bereit ist, altertümliche Geschäfte mit Gesetzen zu unterfüttern, müssen die Unternehmen sich ja nicht bewegen…

     
  2. opalkatze

    14. März 2010 at 13:13

    bin eigentlich grad zu faul (sonntag…), es zu verlinken, aber – na gut. lies dazu mal carta, kooptech, netzpolitik, marian semm, stefan niggemeier, und weil ich bestimmt was/wen vergesse, hier und hier.

     
 
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