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Die Vorbereitung des Anonymitätsverlusts

12 Jul

In den letzten Tagen kündigt sich ein Thema an, das in und auch nach der Sommerpause viel diskutiert werden wird.

Die – mittlerweile zurückgezogene – Forderung des World of Warcraft-Betreibers Blizzard, die Gamer sollten künftig unter ihren Klarnamen auftreten, hat für breiten Protest gesorgt. Dabei muß man wissen, daß Blizzard über die entsprechenden Nutzerdaten verfügt und Versuche, das Gebot zu umgehen, per se vergeblich gewesen wären.

Eine Diskussion mit derselben Thematik ist auf netzwertig entstanden. Martin Weigert stellt dort provokant fest, bei kritischen Kommentaren wolle er ‘auf Augenhöhe’ diskutieren und mache daher den richtigen Namen des Kommentators zur Voraussetzung, um diesen ernst zu nehmen.

Für mich hat die Diskussion etwas von romantischer Verklärung des Rittertums: Man soll sich ‘mit offenem Visier’ stellen. Jeder weiß, daß das in einem Tjost äußerst unklug wäre. Auch erfaßt die Romantisierung des altdeutschen Bildes nicht die – oft raubritterliche – Wirklichkeit.  

I.
Indem ich meinen Klarnamen angebe, mag ich ‘glaubwürdiger’ meine Meinung vertreten. Damit biete ich jedoch gleichzeitig einer im WWW immer vorhandenen dritten (..) Partei die Möglichkeit an, über Verknüpfungen Rückschlüsse zu ziehen, die ich nicht beeinflussen kann. Es geht auch um die Einstufung von Sicherheit, da wir nie nur nach einer Seite hin in Erscheinung treten.

Der Betreiber eines Blogs wähnt sich selbst in Sicherheit – es ist ja sein Raum – und überträgt diese Voraussetzung unbewußt auf den Kommentator. Dabei läßt er mögliche Senderinteressen außer Acht, weil er alles, was ‘hier’ geschieht, auf sich und seinen Raum bezieht und somit als ‘sicher’ einstuft.

Unter ähnlichen Voraussetzungen sind Aussagen über die Sicherheit von EC-Karten entstanden, die zutreffend sind, so lange man von einer überschaubaren Anzahl vorhandener Geldautomaten ausgeht. Erst durch die Vervielfachung entsteht das Problem.

II.
Es ist eine Frage der Abwägung, ob mir eine Sache so wichtig ist, daß ich sie trotz möglicher Nachteile mit meinem Klarnamen vertrete, oder ob sie spontan von Interesse ist, aber in der Sache keine Offenbarung verlangt.
Meine politischen (längerfristigen) Anliegen würde ich mit dem Namen zeichnen, während eine (kurzfristige) Webdiskussion über bspw. Klarnamen in Kommentaren das nicht unbedingt erfordert. Die Senderhaltung geht von der Bewertung und Gewichtung des eigenen Anliegens aus.

III.
Die persönliche Akzeptanz wird von der Erwartungshaltung des Empfängers bestimmt. Jeder Mensch ordnet unwillkürlich seinen Erfahrungen entsprechend das Gegenüber in Schubladen ein. So kann es sein, daß jemand, der mit dem Begriff ‘Arzt’ böse Erinnerungen verbindet, den gesamten Berufsstand negativ bewertet, während ein Anderer dem automatisch positiv gegenüber steht, weil ihm einmal nachhaltig geholfen wurde.

Während hier die Meisten die Nicks opalkatze und/oder kaffeebeimir einer Person und einer Einstellung zuordnen und damit bewerten können, würde ich mich im richtigen Leben damit lächerlich und unglaubwürdig machen, weil die Menschen dort den Code Vorname + Nachname erwarten. Dabei ist auch im RL dahin gestellt, ob ich einen bestimmten Eindruck bezwecke und etwa hochstaple oder heiratsschwindle.

Es macht also einen Unterschied, ob jemand schreibt, “ich bin Journalist / Arzt / Rechtsanwalt / … und möchte in diesem Zusammenhang lieber nicht meinen Klarnamen angeben” oder als ‘Bürgerschreck89′ zeichnet. Beide sind anonym, bei einer Wegwerf-Mailadresse, aus einem Internetcafé oder via TOR nicht aufzuspüren. Trotzdem macht unser Bewertungssystem einen Unterschied, weil u.a. gemachte Erfahrungen, vermeintliche Menschenkenntnis, spontane Sympathie oder Antipathie oder die scheinbare Bekanntheit einer Person über die Einordnung entscheiden.

IV.
Völlig außer Kraft gesetzt wird das System bei Namen wie Willi Schmitz – selbst wenn die Person tatsächlich so heißt, schleichen sich Zweifel ein. Willi Schmitz stände ergo sogar glaubwürdiger da, wenn er sich ein signifikantes Synonym zulegte.

V.
Die verschiedenen nationalen, europäischen und internationalen Versuche, den gläsernen Bürger zu schaffen, werden zunehmen, unterstützt von mächtigen Lobbies. Der Ausverkauf der Bürgerrechte hat längst begonnen, das jüngste Beispiel ist das SWIFT-Abkommen. Da staatliche Institutionen so oder so mithören, mitschneiden, mitkopieren, möchte ich mein noch verbliebenes Rest-Recht auf Anonymität keinesfalls verlieren. Daß die Diskussion darüber gerade jetzt Form annimmt, da auch Versuche im Gang sind, ganze Bevölkerungsgruppen zu diskriminieren und zu benachteiligen, läßt gezielte Planung vermuten. Ohne Verschwörungstheoretiker zu sein, fällt es nicht schwer, hinter den Presseverlautbarungen eine Pro-Mainstream-Bewegung zu erkennen. Blogger sollten das nicht freiwillig unterstützen.

Conclusio
Spätestens seit Jeff Jarvis und den Forderungen der Sicherheitspolitiker gibt es vehemente Verfechter der fast uneingeschränkten persönlichen Preisgabe im WWW. Auch die Gegenseite hat gute Argumente, und für beide Standpunkte gibt es eine zahlreiche Anhängerschaft.

Es ist Jedem unbenommen, sein Blog durch Zugangserschwernisse in seinem Sinn zu schützen; wirkungsvolle Mechanismen gibt es dafür reichlich. Auch sonst soll sich Jeder im Netz so frei oder versteckt bewegen, wie er mag; plant er damit Straftaten, gibt es bereits geeignete Verfolgungsmöglichkeiten.

Ich ziehe es vor, diese gegensätzlichen Einstellungen immer wieder zu diskutieren, statt Einschränkungen von staatlicher, institutioneller oder gar industrieller Seite festschreiben zu lassen. Freiheiten, also auch die der Anonymität, sind leicht verschenkt, aber kaum jemals wieder einzufordern.

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Paßt gut in diesen Zusammenhang: 10 Tipps der Daimler AG zum Umgang mit Social Media

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31 Kommentare

Geschrieben von - 12. Juli 2010 in Datenschutz, Kultur, Netzpolitik, Politik, Web 2.0

 

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31 Antworten zu “Die Vorbereitung des Anonymitätsverlusts

  1. Lakritze

    12. Juli 2010 at 16:09

    Wenn ich allein Deine Liste der Datenpannen lese, vera …!

    Einer, der’s wissen muß, sagte treffend: Vielleicht geht der Staat, wie wir ihn heute kennen, verantwortungsvoll mit unseren Daten um. Aber wer weiß, was in zehn Jahren ist? Die Nazis etwa konnten auf die säuberlich geführten Einwohnermelderegister früherer Verwaltungen zurückgreifen, um die Religionszugehörigkeit zu ermitteln …

     
  2. jameshowlett

    12. Juli 2010 at 17:02

    okay okay, wir geben so ziemlich alle bei facebook unseren echten namen an, aber ich würde nicht wollen das es auch mit anderen accounts eben in foren in verbindung gebracht wird, du hast vollkommend recht,
    deshalb immer nicks und http://www.cyberghostvpn.com :)
    damit finden mich seeeeehr seeeeehr wenige, wenn überhaupt jemand.
    gruß

     
  3. opalkatze

    12. Juli 2010 at 17:26

    @jameshowlett
    Ich verlaß mich auf die Altbewährten. Die tun es auch noch ganz zuverlässig, ohne daß ich etwas ‘runterladen muß. Facebook hab ich übrigens vor einigen Wochen getilted, es geht auch ohne und gibt mittlerweile für definierte Gruppen gute andere Möglichkeiten.

     
  4. Martin Weigert

    12. Juli 2010 at 23:14

    Letztlich muss da jeder Blogger seine eigene Linie finden. Ich verstehe die, die aus irgendwelchen Gründen Probleme damit haben, überall im Netz mit ihrer “richtigen” Identität aufzutreten.

    Meine persönliche Verfahrensweise ist jedoch klar: Anonyme Kritik (und in meinem Beitrag ging es ja um kritisierende Kommentare) nehme ich weniger ernst als die “auf Augenhöhe”, sprich, bei der Verfasser sich zu erkennen geben. Das ist fairer, höflicher und in meiner Erfahrung gerade bei einer kritischen Debatte eine Voraussetzung dafür, dass diese nicht aus dem Ruder gerät.

    D.h., niemand wird zu irgendetwas gezwungen und wer will, kann gerne anonym herumstänkern.

    Und wer Kritik loswerden, maximale Aufmerksamkeit erzielen aber das nicht googlebar machen möchte, kann mir auch einfach eine E-Mail schicken.

     
  5. Martin Weigert

    12. Juli 2010 at 23:15

    “maximale Aufmerksamkeit bei mir als Autor”, meinte ich.

     
  6. opalkatze

    13. Juli 2010 at 00:59

    @Martin
    Nett, daß Du hier antwortest. Dazu sage ich morgen noch was, wenn ich etwas wacher bin.

     
  7. VonFernSeher

    13. Juli 2010 at 01:28

    (Ja, ich weiß, dass es in Deutschland jetzt schon ein wenig spät ist, trotzdem fände ich es toll, wenn Sie mit einer solch klaren Meinung wieder in die Diskussion einstiegen.)

    Ich finde Ihren Beitrag in sich sehr kohärent, auch wenn ich nicht hundertprozentig zustimmen würde.

    I/II | Auch wenn ich z.B. nicht genau einzuschätzen vermag, inwiefern ich dem deutschen Mainstream zuzurechnen bin, würde ich im deutschen Facebook (nachdem ich meine Informationen privatisiert hätte) meinen echten Namen nennen, da ich es wohl für private Zwecke nutzen würde. Gleichzeitig würde ich aber nie von hier, wo ich mich im öffentlichen Raum betätige, auf mein Facebook-Konto verweisen, wiegleich meine Freunde natürlich meine Nutzernamen und meinen Klarnamen zu verbinden wissen.

    III/V | Grundsätzlich stimme ich hier zu, gebe aber zu bedenken, dass in bestimmten Gebieten auch im Netz 2.0 Klarnamen weitere Funktionen als die reine Identifikation erfüllen, nämlich immer dann, wenn jemand seine Reputation offline ins online holen möchte. RA opalkatze wäre wohl nicht so beeindruckend.

    Entscheidend bleibt, dass jeder für sich entscheiden können muss, wem er welche Informationsfülle anvertraut. Das kann man aber nur solange, wie man noch selbst die Kontrolle über seine Persönlichkeit(en) hält.

    IV | Ich habe keine Ahnung, wie viele Willy Schmitz es gibt, sehe das Problem aber noch eher andersherum: Maite Ferrara Caballero zu Brinckhorts könnte auf einmal in ganz neue Erklärungsnöte kommen, wenn sie ihr Pseudonym Willy Schmitz auf einmal nicht mehr benutzen darf und jeder alle Einträge bei Facebook, twitter und alle-hassen-maite-ferrara.info im Hinterkopf hat, wenn sie über Hartz IV oder mexikanische Drogenkartelle schreibt.

     
  8. opalkatze

    13. Juli 2010 at 02:16

    @lakritze
    räume gerade noch ein bißchen auf: dein kommentar war im spam gelandet. fragezeichen?

    daß du den link schon gesetzt hast, ist ja wohl einfach klasse – ja, was einen dahinter erwartet, weniger.
    EMR & angeschlossene stationen: das genau ist die befürchtung, die die meisten bei der datensammelwut haben, zumal sie von so unglaublich fitten institutionen ausgeht.

     
  9. opalkatze

    13. Juli 2010 at 17:07

    @Martin
    Ja, natürlich ist das Jedem überlassen. Ich möchte, daß es auch so bleibt – allen gegenteiligen Bemühungen zum Trotz. Werte wie Höflichkeit und Fairness, die mir auch sehr wichtig sind, lassen sich mit anderen Mitteln fördern als mit Bestrebungen, die den Privacy-Gegnern in die Hände spielen.

    Was ich in meiner Aufzählung vergessen habe: Die Sprache. Sie ist so wichtig und gleichzeitig so selbstverständlich, daß ich sie glatt übersehen habe. Es macht einen immensen Unterschied, ob jemand mich mit ‘ey, Alde’ oder freundlich anspricht. Wer zudem auf Orthographie und Grammatik achtet, wird von mir mit Sicherheit ernst genommen, auch , wenn er statt des Namens ein Synonym angibt. Ordentlichen Umgang mit Sprache zähle ich übrigens durchaus zu Höflichkeit.

    Dein ursprüngliches Thema ist eigentlich eher der respektvolle Umgang miteinander, zu dem für Dich eben auch die Namensnennung unverzichtbar gehört. Ich sehe das eher vom politischen Standpunkt und bewerte daher Aussagen grundlegend anders. Für diejenigen, die für absolute Offenlegung sind, zählen nicht die Nuancen zur Durchsetzung ihrer Ziele, sie teilen beim Auszählen nur nach Befürwortern und Gegnern ein. Das Einzige, das ich dem entgegensetzen kann, ist die differenzierte Sprache. Darum ist es wichtig, ob es vorrangig um Höflichkeit und Respekt oder um die Ablehnung der Anonymität geht.

     
  10. Martin Weigert

    13. Juli 2010 at 17:13

    “Dein ursprüngliches Thema ist eigentlich eher der respektvolle Umgang miteinander, zu dem für Dich eben auch die Namensnennung unverzichtbar gehört.”

    “Darum ist es wichtig, ob es vorrangig um Höflichkeit und Respekt oder um die Ablehnung der Anonymität geht.”

    Gute zusammengefasst. Ja, primär geht es mir in der Tat um den respektvollen Umgang und weniger darum, dass ich aus Prinzip gegen Anonymität bin (was ja nicht der Fall ist).

    Der Vorschlag zur Transparenz ist lediglich ein mögliches Mittel, um das Ziel des respektvollen Umgangs zu erreichen. Zumindest meiner Ansicht nach. Dennoch bleibe ich dabei: Gefühle Anonymität führt bei einigen Zeitgenossen zu einer größeren Klappe als notwendig, angemessen und sinnvoll.

     
  11. opalkatze

    13. Juli 2010 at 17:33

    @VonFernSeher
    Ich erlaube mir das respektvolle Du. Die Tageszeit spielt im Moment keine Rolle, weil meine Lebensgewohnheiten sich nach der – für hiesige Maßstäbe – Hitze richten ,)

    Der Begriff Mainstream ist immer eine Frage des Standpunkts. Ob jemand dazu gehört, liegt auch im Ermessen des Betrachters und darin, wie sehr das von ihm gewünscht oder abgelehnt wird. Was Facebook betrifft: Ich sagte schon, daß ich meinen account stillgelegt habe, weil ich den Datenschutzinteressen des Unternehmens tief mißtraue. Sollte ich dort erneut ein Konto einrichten, werde ich es keinesfalls unter meinem Namen tun. Ich glaube nicht, daß die Privacy-Einstellungen eine klare Abgrenzung ermöglichen.

    Es ging ja um Kommentare; daß ich als Betreiber eines gewerblichen Internetauftritts anders agiere, ist selbstverständlich. (Mußte kichern über ‘RA opalkatze’, weil mir dazu gleich die passende Lolcat einfiel.)

    Ich glaube, Kontrolle haben wir bereits jetzt nur noch rudimentär; etwas anderes zu glauben, wäre sträfliche Schönmalerei. Gerade deswegen sollte wirklich Jeder seine Profile so sorgfältig wie möglich pflegen und immer wieder den Software-Updates anpassen. Das ist wohl die einzige – mühsame – Möglichkeit, die uns bleibt.

    Bei dem vor allem im Rheinland sehr verbreiteten Willi Schmitz handelt es sich nur um das worst case-Beispiel, das der Verdeutlichung möglicher Vorteile eines Synonyms dienen soll.

    Ich finde es nett, daß Du mich einlädtst, aber in der Antwort an Martin steht ja schon, daß es eigentlich um zwei verschiedene Probleme geht. Trotzdem lese ich natürlich dort weiter mit :)

     
  12. opalkatze

    13. Juli 2010 at 17:55

    @Martin
    Damit implizierst Du, daß es Dir bei respektvollem Verhalten – man kann durchaus respektvoll kritisieren – egal wäre. Das hieße aber, daß letztlich die Form den Ausschlag gibt.

    Ich würde gerne bei Dir drüben noch etwas zu Transparenz sagen (natürlich etwas Politisches ,) aber ich hab wenig Zeit. Vielleicht schaff ich’s nachher noch.

     
  13. Martin Weigert

    13. Juli 2010 at 18:00

    Ja, das kann man so sagen. Wenn respektvoll anonym kritisiert wird, dann habe ich damit kein Problem, auch wenn ich, sobald es in eine sachliche Diskussion zum Thema geht, den Kontext sehr hilfreich finde, der mir durch die Preisgabe der Identität des Kommentierenden gegeben wird.

    Meine Erfahrung ist jedoch, dass die sachlichen Kritiker häufig (nicht immer) gar kein Problem damit haben, zu zeigen, wer sie sind. Wie du beispielsweise.

    Also ich glaube, nach 120 Kommentaren neigt sich die Diskussion zu meinem Artikel bei netzerwertig.com dem Ende zu. Insofern nutze die Zeit lieber für etwas anderes ;)

     
  14. opalkatze

    13. Juli 2010 at 18:25

    Jetzt hab ich laut losgelacht – hast Du Deine Domain aus gegebenem Anlaß in netzerwertig umbenannt?

    Na gut, dann spar ich mir den Atem für die nächste Diskussion.

    Deiner Erfahrung stimme ich zu: sachliche Kritiken kommen überwiegend von ‘Klargenannten’. Das ist übrigens im richtigen Leben oft genau so; die Anderen mobben einfach.

     
  15. VonFernSeher

    13. Juli 2010 at 18:46

    @opalkatze

    Mit dem Du bin ich sehr wohl einverstanden, mein Manieren sagen mir halt, dass man auch im Netz eine nicht näher Bekannte erst einmal mit einem höflichen Sie anspricht. Das mag vielen altmodisch vorkommen, dennoch gehört das für mich zur Form, welche du (zu Recht) so unterstreichst.

    Eine höfliche Anrede und die respektvolle Manier, einen Text noch einmal zu lesen bevor man ihn abschickt, sind für mich auch qualifizierende Merkmale, viel mehr als ein Klarname. Zumal ein Pseudonym von Leuten, die sich an Obiges halten, meist eine eigene Aussage hat. Mit opalkatze drückst du etwas anderes aus als ich mit VonFernSeher.

    Zum Datenschutz: Ich bin kein unfehlbarer, aber doch recht erfahrener Internetnutzer, der seine Daten bis jetzt zufriedenstellend kontrollieren kann. Ich weiß aber auch, dass viele ganz junge Nutzer einen völlig anderen Zugang zum “on sein” haben. Während ich miterleben konnte, wie sich die verschiedenen Formen im Internet entwickelten und wie schließlich das Web rasant Oberhand gewann, kommt die Mehrzahl der Nutzer in ein Medium, dass schon mit mehr etablierten Möglichkeiten aufwartet als man alleine jemals nutzen wird. So unzureichend, wie ich mich mit Sicherheit von Telefonen befasse, interessieren sich viele junge Nutzer für das sichere Netz.

    Und zu Willy & Maite ein Beispiel: Während Willy sich mit LauternFan1976 wohl eindeutig absetzen könnte, mir aber wenig über seine politischen Sichtweisen verrät, schützt sich Maite mit LinkeSOCKE davor, durch ihren adelig klingenden Klarnamen direkt in die falsche politische Ecke gestellt zu werden und beweist noch Humor. So sagen die Nutzernamen mir etwas über die Person, das die Klarnamen nicht können, teilweise geben sie sogar konträre (korrigierende) Informationen.

     
  16. Martin Weigert

    13. Juli 2010 at 22:04

    @ opalkatze

    lol das war nur ein Versehen. Aber hat was ;)

     
  17. opalkatze

    13. Juli 2010 at 23:21

    @VonFernSeher
    Manieren können kaum so altmodisch sein, daß sie nicht gut ankommen. Na gut, mit einem Kratzfuß hätte ich doch meine Schwierigkeiten ,)

    Tjä. Mit den Namen, das ist so eine Sache. (Ich sage lieber Synonym, weil mehrere Begriffe = Identitäten ein und dieselbe Person bezeichnen, aber das ist eine Marotte.) opalkatze hat eigentlich gar keinen tieferen Sinn. Als ich diese Bezeichnung vor über 30 Jahren wählte, brauchte ich ein zusammengesetztes, einfach zu behaltendes Passwort, hatte gerade einen Opalring bekommen und mochte Katzen. Irgendwann war ich so daran gewöhnt, daß ich es seitdem als Name benutze. Ich habe in der Tat noch nicht darüber nachgedacht, welche Assoziationen er bei Anderen auslöst, denn ich kenne ja den Hintergrund. Nachdem ich gestern Abend noch schnell auf Deinem Blog war, finde ich dagegen VonFernSeher sehr einleuchtend. Und richtig – ohne diesen Kontext hätte ich Deinen Namen nicht begriffen.

    Mit dem Datenschutz geht’s mir ähnlich wie Dir. Ich war immer schon im Internet, was allerdings auch eine ordentliche Paranoia bezüglich der Datensicherheit bewirkt hat. Mit der Zeit habe ich mich damit abgefunden, daß ich beispielweise nicht auf Googles Dienste verzichten will, dafür aber mit Daten bezahlen muß. Trotzdem denke ich wie Du, daß ich es einigermaßen überschauen kann. Daß es Sicherheit nicht gibt, sollten eigentlich alle begriffen haben, die im Netz unterwegs sind (die Anderen lassen sich ja von den üblichen Panikmachern immer noch artig Angst einjagen).

    Manchmal entzücken mich skurrile oder phantasievolle Namen, viel häufiger erstaunt mich jedoch die Einfallslosigkeit bei Nicks, die man sich ja immerhin selbst aussucht. Es gilt übrigens dasselbe, was oben über faire Kritiker gesagt wurde: Ein witziger Nick gehört fast immer zu einem guten Kommentator. Ich würde allerdings nicht so sehr vom Namen auf den Inhaber schließen.

    Maite kannst Du gern mitbringen, als LinkeSocke paßt sie gut hierher :)

     
  18. Bernhard Gollas

    14. Juli 2010 at 12:52

    @opalkatze
    “opalkatze hat eigentlich gar keinen tieferen Sinn.”

    “viel häufiger erstaunt mich jedoch die Einfallslosigkeit bei Nicks, die man sich ja immerhin selbst aussucht…”

    “gerade einen Opalring bekommen und mochte Katzen.”

    WIE EINFALLSREICH!

     
  19. opalkatze

    14. Juli 2010 at 13:03

    @Bernhard Gollas
    Danke für das nette Kompliment :)

     
  20. VonFernSeher

    15. Juli 2010 at 05:25

    Maite!

    Wenn es dich gibt und du das hier liest: Bitte melde dich!!

    Die gesuchte Maite Ferrara Caballero zu Brinckhorts ist einige Jahre alt. Am Tag des letzten Kontakts konnte als besonderes Merkmal das Fehlen rechter Fußunterbekleidung festgestellt werden, das Szenegänger als an ihr typisch beschreiben.

    Wer hat Maike gesehen und kann nähere Angaben zu ihrem Aussehen machen? Wer weiß, wo und mit wem sie zuletzt zusammen gesehen wurde? Wer hat Kontakt zu Familienangehörigen oder Freunden der Zielperson? Sachdienliche Hinweise zur Person und etwaigen Social-Media-Profilen bitte direkt an opalkatze oder VonFernSeher, Google News oder jede andere Google-Dienststelle.

    In unser Nachbarstudio nach Wien. Bitte, Peter Nidetzky!

     
  21. Bernhard Gollas

    15. Juli 2010 at 12:07

    @VonFernSeher
    Ja wie jetzt? Maite oder Maike?

     
  22. Bernhard Gollas

    15. Juli 2010 at 12:13

    @Martin Weigert

    “Wenn respektvoll anonym kritisiert wird, dann habe ich damit kein Problem.”

    Was soll denn da “respektvoll” heißen? Wenn jemand Blödsinn verzapft und ich ihn kritisiere, würde Respekt doch die Kritik konterkarieren. Ich kann für Blödsinn keinen Respekt haben.

     
  23. VonFernSeher

    15. Juli 2010 at 16:43

    @ Bernhard Gollas
    Maite natürlich, der Name soll ja so selten wie möglich sein.

    @ opalkatze
    Bitte korrigiere doch die Maike, damit die Frage nicht nochmal kommt.

     
  24. VonFernSeher

    15. Juli 2010 at 22:16

    Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet dieser Beitrag

    http://www.scienceblogs.de/plazeboalarm/2010/07/das-mussen-wir-klaren-warum-immer-nur-edzard-ernst.php

    das Thema, inwieweit Namen und Persönlichkeiten des Senders die Wahrnehmung einer Meinung (oder eben eines Kommentars) verändern.

    Ein Medizinjournalist versucht doch ernsthaft einen neuen Experten zu finden, der ihm das Gleiche sagt, bloß weil alle den alten schon kennen. Ich jedenfalls finde diese Einstellung merkwürdig.

     
  25. opalkatze

    16. Juli 2010 at 00:47

    Das hier ist die letzte Konsequenz: Klarnamen für das Internet

     
  26. VonFernSeher

    16. Juli 2010 at 01:14

    Na, da kann ja dann das ZK dem einzelnen Bürger viel offener entgegentreten, wenn dieser Kritik nur noch unter seinem Klarnamen übt.

    Und dann können die auch viel besser mit der Kritik umgehen, denn sie kennen ja jetzt den Hintergrund des Kommentators.

    Und noch viel besser können die mit dem Kritiker umgehen, denn dann wissen die Ordnungskräfte ja gleich, wo sie mit ihren Hartgummiargumenten hin müssen, um den Kommentator in einem persönlicheren Umfeld zu überzeugen.

     
  27. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    20. Juli 2010 at 23:04

    Zu netzwertig:
    Der vorletzte Absatz “[...] Eine Ausnahme gibt es für mich: Leser, die regelmäßig, sachlich und seit jeher unter Pseudonymen kommentieren. Bei denen bürgt ihre Loyalität für die Ernsthaftigkeit und Relevanz ihrer Äußerungen. [...]” stellt den gesamten vorangegangenen Text in Frage. Um nämlich *regelmäßig* unter Pseudonymen kommentieren zu können, muß ich ja einmal damit begonnen haben (dürfen). Aber genau das mag der Autor ja nicht…

    Auch der letzte Absatz wirft Fragen auf. Wer definiert, welche Themenfelder bei mir als Kommentator die Notwendigkeit erweisen, dem Autor nur mit Anonymität begegnen zu wollen.

    Das große Problem bei der ganzen Sache ist – zumindest für mich – daß ich zwar im Kontext zum Artikel, welchen ich zu kommentieren gedenke, in aller Regel keine Schwierigkeiten habe meinen Realnamen preiszugeben. Problematisch ist das ganze jedoch durch die Möglichkeiten, welche es online gibt, offline jedoch nicht: Suchmaschinen und Data Mining.

    Wie opalkatze und der erste Kommentar von Lakritze schon anmerken, gebe ich dem unbekannten Dritten – und dies auch noch Jahre später – die Möglichkeit kausale Zusammenhänge über mich in Erfahrung zu bringen. Die dann vielleicht auch gar nicht mehr zutreffen, wenn sich meine Meinung eventuell komplett revidiert hat.

    Aber im Netz verlange ich, daß es, wie in der Offline-Welt auch, meine Sache ist und bleiben muß, wem ich was von mir preisgeben will!

    Ich schließe mich opalkatze vollumfänglich (dies schöne Wort habe ich in einem Jurablog zum ersten mal gelesen) an, daß nicht der Name an sich, sondern der textliche Ausdruck das Wesentliche in der Kommentarspalte (und nicht nur dort) ist.

    Der Name mag sich real anhören und falsch sein oder als Fake erscheinen aber echt sein – relevant ist, was oben raus kommt. Ich wähle ja Politiker auch nicht dem Wohlklang ihres Namens oder dem äußeren Erscheinungsbild nach.

    Zum Schluß sei noch gesagt, daß ich zwar auf der Website als solches – also für die Öffentlichkeit einsehbar – anonym auftreten mag, aber dennoch eine feste E-Mail-Adresse anzugeben pflege. Wobei es auch da Unterschiede gibt: Mailadresse mit Bezug zu mir und welche ohne.

    P.S.:
    Frank Benedikt kennt meinen Realnamen. Ich hatte ihm im Zusammenhang mit “Ich will mehr Kommentare” eine Mail geschrieben.

     
  28. vera

    21. Juli 2010 at 16:27

    @MKKT
    Du bist herzlich eingeladen, auch weiterhin unter Deinem hübschen Pseudonym zu kommentieren :) (so lange ich es nicht bei meinen Antworten nachmalen muß …)

    Eine ziemlich interessante Meinung findet sich übrigens noch bei Antje Schrupp. Sie entspricht zwar ganz und gar nicht meinen Vorstellungen, die immer den Datenschutz in den Vordergrund stellen, repräsentiert aber erfahrungsgemäß eine große Zahl User.
    In dieselbe Richtung geht ‘ich will mich nicht damit beschäftigen, dafür habe ich meinen Service’.

    Ich finde beide Ansätze zu kurz gedacht und denke, sie leisten den allfälligen Bestrebungen, Daten zu sammeln und zu verwerten, Vorschub. Ich halte es auch für falsch, die sich daraus ergebenden künftigen Möglichkeiten und Konsequenzen auszublenden. Außer vorerst zu sagen ‘chacun à son goût’ und im kleinen Kreis unbeirrt für mehr Aufmerksamkeit zu werben, habe ich jedoch keine Idee, wie man dieser Einstellung begegnen kann.

    Es hapert einfach an der Einsicht, daß es dasselbe ist, als würde ich meine Fenster offen lassen, wenn ich in Urlaub fahre.

     
  29. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    27. Juli 2010 at 20:02

    Zwei Dinge sind mir eben erst aufgefallen. Zum einen daß Du Deinen letzten Kommentar als vera statt opalkatze verfaßt hast. Eine freudsche Frage nach wer steckt hinter meinem Zeichensalat? Nun, Du kannst statt MKKT gerne auch Dietmar schreiben. Ich bleibe bei meinem Emoji (,,,)—=^.^=—(,,,). Die Begründung dafür steht in meinem Kommentar.

    Zum zweiten verwendest Du das Wort Pseudonym, obwohl Du VonFernSeher erklärt hast, daß Du Synonym bevorzugst.

     
  30. opalkatze

    27. Juli 2010 at 22:10

    Hach @Dietmar, bist Du pingelig ,)

    Als vera kommentiere ich auf anderen Blogs und hier, wenn ich nicht eingeloggt bin. (Warum dabei allerdings statt der zugehörigen Kaffeetasse die Tenniel-Katze erscheint, frage ich mich. Da hat wohl WordPress nicht klar getrennt.)

    Ja, Hochdütsch un Plattdütsch durcheen. Ernsthaft: Jemand hat mir einen bösen Brief geschrieben und gesagt, daß man ‘Synonym’ nicht so benutzen könne. Das weiß ich und tu es gelegentlich trotzdem, aber es ist natürlich äußerst sprachschlampig ,)

     
 
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