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#S21: Krisenmanagement, hm?!

02 Okt

Auf diesen Tweet machte mich ein Bekannter aufmerksam:

Der ist von denen hier:

Und wißt ihr, was Brand Destruction heißt? Markenzerstörung.
Das bedeutet, man agitiert so lange gegen eine Marke oder ein Projekt, bis davon möglichst nichts mehr übrig ist. Das macht man normalerweise allerdings wesentlich subtiler …

Hach, ich wüßte ja zu gerne, wen die so alles beraten?! Im Kohlenpott würde man sagen: Da kannze dran packen.

____________________
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Über opalkatze

einigkeit und recht auf frechheit. politik, journalismus, bürgerrechte, gesellschaft, alltägliches.
26 Comments

Geschrieben von - 2. Oktober 2010 in Kaffeesatz, Marketing, Politik

 

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26 Antworten zu #S21: Krisenmanagement, hm?!

  1. VonFernSeher

    3. Oktober 2010 at 00:10

    Ich wüsste trotzdem gerne, was schulpflichtige Kinder & Jugendliche an einem Wochentag auf einem Laster mit Absperrzäunen zu suchen hatten. Ich kann die Schüler ja verstehen, aber die Lehrer und Eltern bestimmt nicht.

    Es geht um einen architektonisch umstrittenen Bahnhof, nicht um Umsturz und Krieg. Man sollte die Verhältnisse mal wieder gerade rücken, empfiehlt der Mann auf der anderen Seite der Kugel (der gerne mal eine Bahn hätte).

     
  2. Alvar

    3. Oktober 2010 at 02:46

    @VonFernSeher: Kinder und Jugendliche ab einem gewissen Alter machen was sie selbst für richtig halten. Gerüchten zufolge soll dazu auch gelegentlich Schule schwänzen gehören
    Der Unfug mit „Die haben Kinder als Schutzschilder missbraucht“ ist einfach nur ekelhaft.

    Und ansonsten geht es nicht um Architektur sondern um:

    a) ein Immobilienprojekt …
    b) … für das ein weniger leistungsfähiger Bahnhof gebaut wird
    c) um hohe Kosten für ein umstrittenes Projekt
    d) um Risiken bei einem Großprojekt
    e) um gebrochene Versprechungen
    f) darum, dass die einen den anderen Lügen vorwerfen
    g) und um das Verhältnis von Politik zur Bevölkerung

    Und natürlich habe ich noch einen ganzen Haufen vergessen.

    Ciao
    Alvar

     
  3. opalkatze

    3. Oktober 2010 at 02:51

    @VonFernSeher
    Ich denke, da es eine angemeldete Demo der Jugendlichen war, werden die Fehlstunden wohl begründet gewesen sein. Von (Bürger-)Krieg reden die, die dabei waren: schau Dir mal die Videos an. Und seit dem 30.09. geht es nicht mehr um die Bahn.

     
  4. VonFernSeher

    3. Oktober 2010 at 03:07

    Vielleicht bin ich da ja altmodisch, aber ich hätte keinen Fehlstundenzettel unterschrieben, wenn meine Schüler wegen 25 Bäumen auf die Straße gehen. Zumal ja nicht die Gefahr bestand, dass sonst keiner protestieren würde oder man abends nach der Schule allein da gestanden hätte.

    Wer von Bürgerkrieg redet, hat wahrscheinlich noch keinen von näher gesehen (was ich auch keinem wünsche). Und meine Kritik zielt wie gesagt nicht auf die Schüler (ich weiß, wie es in Schülervertretungen zugeht), sondern auf Lehrer und Eltern, die ihrer Verantwortung nicht gerecht wurden, ganz egal, ob sich die Polizei rechtmäßig verhalten hat oder nicht.

     
  5. simcup

    3. Oktober 2010 at 03:28

    Naja, das ist halt die Frage, ob es “nur” um den Bahnhof geht.
    Ich glaube einfach viele solidarisieren sich mit den Stuttgartern, weil es ein Ventil ist um zu zeigen, dass das, was die regierung macht nicht im Volkssinne ist, denn sonst könnten die Stuttgarter nicht Menschen aus anderen Städten mobilisiert bekommen. Und ich glaube nicht das alle demonstranten am Freitag aus Stuttgart kamen. zum anderen ist es das neue gemeinschaftsgefühl “wir sind ein volk, und wir können stolz darauf sein” das seit der WM 2006 immer stärker wurde und sich nun dort manifestiert. und seit twitter ist es einfach schnell viel stimmung zu machen. wenn es wirklich “nur” um den bahnhof ginge würde bei dermaßenen protesten einfach mit der modernisierung das ganze durchgeführt. deswegen glaube ich einfach das dort viel zusammen kommt.
    1. der Volkszorn gegen die bundesregierung bzw die allgemein schlechte stimmung. in diesem punkt muss ich herrn deMaiziere recht geben was seine ersten zwei aussagen angeht, die dritte ist eine zu stark subjektiv beinflusste wahrnehmung, weshalb man dazu objektiv nichts sagen kann.
    2. das gefühl dabei zu sein. wir werden seit wochen auf das 20 jährige der einheit vorbereitet. das was diese zeit ausmacht ist der zusammenhalt und der friedliche protest und alle die in stuttgart mitdemonstriert habe können später sagen: ich war dabei.mir persönlich ist der bahnhof vollkommen latex, ich verfolge die sache nur um a) abends in der kneipe mitreden zu können, b) weil mich interessiert wie sich das ganze als politisches szenario weiterentwickelt und c) weil ich dann was habe, auf was ich in meinem blog bezug nehmen kann bzw einen guten einstieg in geselschaftskritische themen habe.
    3. politik live. die schüler (und auch andere) können dabei sehen wie es ist politisch aktiv zu werden, was auch eine sehr interessante erfahrung ist. ich für meinen teil bin noch nie auf einer richtigen Demo gewesen, teilweise nur weil ich zu faul war aufzustehen, meistens aber weil ich anderes zu tun hatte oder an die die mich interessiert haben nicht herran gekommen bin bsw. fsa.
    4. die regierung guckt grade wie weit sie gehen kann wenn sie offen gegen die interessen der eigenen bürger handelt. ich meine warum macht frau merkel soetwas banahles zur cheffsache? das was sie interessiren dürfte wäre der streckenbau stuttgart ulm. der ist nämlich wirklich ein europaprojekt.
    5. die neuen möglichkeiten der informationsgesellschaft im internet. hätte ich nicht zufälig einen auftrag gehabt weswegen ich die ganze nacht wach sein musste hätte ich davon erst am nächsten tag erfahren. bei sowas zeigt sich welche macht social network, allen vorran Twitter hat eine meinung zu beeinflussen und zu verbreiten.
    alles in allem: hier wird geschichte geschrieben, die frage ist nur ob als kleine randnotiz bzw wikipedia artikel der in den tiefen des internets vergammelt oder als die zeit der deutschen revolution (mal wieder).
    6. seit den AKW laufzeitverlängerung ist die deutsche demokultur wieder “IN”.

    ich bin im großen und ganzen nur froh das die deutschen immernoch friedlichen protest machen können, ich hätte mir auch schlimmeres vorstellen können (1.mai).

     
  6. VonFernSeher

    3. Oktober 2010 at 03:47

    Ich habe übrigens rund zwei Stunden Videomaterial gesichtet (was über 4 Stunden gedauert hat, weil so viel doppelt war, wie gut dass Samstag ist). Ich habe weder die Steinewerfer vom Rech noch die wild prügelnden Hundertschaften gesehen. Ich sah extrem überforderte Novizen, die maßlos mit Pfefferspray um sich sprühten, zwei Polizisten, die brutal mit ihrem Stock um sich schlugen, aber auch einzelne Demonstranten, die völlig sinnlos die Straße vor den Wasserwerfern blockierten und eine Horde Schüler, die sich beschwerten, dass sie alleine vom Laster steigen könnten, nachem sie es trotz vielfach wiederholter Aufforderung nicht getan haben. Alles in allem könnte man das als hitzig bezeichnen, bestimmt aber noch nicht als Krawalle, erst recht nicht als Bürgerkrieg.

    @Alvar
    Weil zwischendurch dein Kommentar kam:

    Ich habe nie behauptet, dass jemand Kinder als Schutzschilde mißbraucht hat, heiße das auch nicht gut, habe aber auch noch keinen von Rang und Namen das sagen hören. Die Aufregung über eine dumme Nachricht unter Millionen täglich finde ich übertrieben. Man hat deine Aufmerksamkeit gewonnen; auch so funktioniert PR.

    Und dass Schüler öfters mal etwas machen, was sie nicht dürfen oder sollen, weiß ich auch, nur muss ich deshalb noch kein Mitleid mit denen haben. Wenn ich mich, statt zur Schule zu gehen, auf einen Polizeilaster setze, von dem ich weiß, das er heute noch entladen werden soll, und mich stur weigere den wieder zu verlassen, kann das sich unter Umständen negativ auf meine Gesundheit auswirken. Wieder was gelernt fürs Leben.

    Falls dich meine Meinung zu den Punkten interessiert:
    Es geht ganz sicher um Architektur, sogar hauptsächlich, ein Großteil vor allem der älteren Demonstranten hat eine emotionale Beziehung zu einem architektonischen Werk aufgebaut, gegen das er nach dem Krieg noch auf die Straße gegangen ist.

    a.) finde ich gut, denn dadurch sinken die absurden Mieten in den historischen Vierteln
    b.) Das ist genauso nicht bewiesen wie das Gegenteil. Es ist auch egal, für Stuttgart reichen beide Varianten (es klappt sowohl in Köln als auch in Frankfurt/M)
    c.) Ich finde die Kostenentwicklung in Ordnung, so ist das, wenn man 1990 plant und 2015 baut. Hätte man aber auch von Anfang an so sagen sollen. Da haben sich beide Seiten in die Tasche gelogen.
    d.) Die angeblichen Risiken sind ingenieursmäßig locker beherrschbar, aber ein Hauptgrund für die hohen Kosten. Tunnelbau in Stuttgart ist nicht gefährlicher als anderswo, aber aufwändig und langwierig. Bis die Tunnel sich in dem hydrophilen Gestein gesetzt haben, kann es 30 Jahre dauern. Bis dahin muss halt ständig ausgebessert werden.
    e.) So was nennen die bei der Union dann mutige Politik, die nicht nach Umfragewerten gemacht wird *indeckunggeh*
    f.) Politik
    g.) Ja, und umgekehrt. Es ist ja nicht so, dass man sich nicht früher über alles das informieren hätte können. Hundertemal. Jahrelang. Überall. Und jetzt auf einmal, wo die Bagger kommen, geht der große Aufschrei durch die Bevölkerung. Sieh es mir bitte nach, wenn das bei mir nicht völlig aufrichtig und authentisch herüberkommt. Ich habe das schon tausendmal erlebt. Anfangs steht ein einsamer Rufer im Wald und wenn es zu spät ist, kommen alle an und jammern.

     
  7. VonFernSeher

    3. Oktober 2010 at 04:04

    @Alvar
    Mein Anstand gebiete mit eine Entschuldigung, da ich Sie aus Unachtsamkeit einfach geduzt habe.

     
  8. opalkatze

    3. Oktober 2010 at 04:59

    Zur Planung 1994 und der brachialen Durchsetzung jetzt Heribert Prantl in der SZ.

     
  9. VonFernSeher

    3. Oktober 2010 at 05:31

    @opalkatze
    Hier hat Heribert Prantl aber das Thema verfehlt. Es geht doch mitnichten darum, dass die böse Politik einfach ihre Bürger ignoriert und das Thema nicht aufnimmt. Die Stadt, das Land und die Bahn haben Gespräche angeboten und auf der anderen Seite stehen doch genauso Verbände, Parteien und andere Organisationen. Nur haben die es vorher nicht geschafft Mehrheiten zu sichern und die Bevölkerung hinter sich zu versammeln.

    Sie hätten die Chance dazu gehabt, die Grünen in BW z.B. sind nicht erst seit zwei Monaten gegen S21, warum haben sie das nicht lange vorher vehementer in den Parlamenten eingebracht? Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie die Leute gucken, wenn Politiker ihre Wahlversprechen halten (Laufzeitverlängerungen, Sozialabbau, Gesundheitspauschale, S21).

    Jeder darf seine Meinung ändern und kundtun, aber manchmal muss man sich schon fragen, warum die Leute immer später jammern anstatt vorher zu denken.

    Und nachträgliche Volksentscheide sind nur dann demokratisch, wenn die Bürger tatsächlich in die Lage versetzt werden, sachkundig abzustimmen. Wie es in Wirklichkeit läuft, kann man in Sachen Schule in Hamburg sehen oder auch beim Minarettverbot in der Schweiz. Das ist dann nicht demokratisch, sondern populistisch.

     
  10. opalkatze

    3. Oktober 2010 at 05:54

    @VonFernSeher
    Nee, der Widerstand ist schon etwas älter, zumindest 1997 (YouTube-Video) und nochmals 2007 (find den Link nicht mehr) wurde eine Bürgerbeteiligung abgelehnt.

    Ich stimme Prantl zu, wenn er sagt, die Grundlagen haben sich geändert. Es muß möglich sein, das demokratisch zu berücksichtigen.

    Du argumentierst nah an der Sache. Es geht jedoch nach dem 30.9. nicht mehr um das Projekt. Es haben sich lediglich der allgemeine Sozialabbau und die Mißachtung der Menschen durch die Politik addiert, letztere wurde dann in Stuttgart augenfällig vorgeführt und hat auf diese Weise Viele erreicht, die sonst nicht aktiv geworden wären.

     
  11. opalkatze

    3. Oktober 2010 at 06:48

     
  12. VonFernSeher

    3. Oktober 2010 at 09:07

    @opalkatze
    Der Widerstand ist klar schon älter, aber es ist trotzdem seltsam, dass der größte Aufstand dann stattfindet, wenn schon die Bagger rollen. Seit 1997 haben in BW zwei Landtagswahlen stattgefunden, bei beiden hat die CDU jeweils nur mit einem Sitz die absolute Mehrheit verfehlt.

    Und welche Grundlagen haben sich geändert? Der Preis? Ist das alles? Und warum soll es jetzt nicht mehr um das Projekt gehen? Wenn es jetzt nicht mehr darum geht, ging es dann überhaupt darum? Ist es nicht ein kleines bisschen unehrlich, wenn man dann gegen S21 protestieren geht und eigentlich was ganz anderes ausdrücken will? Ist es nicht heuchlerich, wenn man jetzt aufgrund von Pfefferspray und einigen randalierenden Polizisten den Untergang der Demokratie ansagt? Wo waren denn die ganzen Baumschützer, als in Berlin-Mitte der Potsdamer Platz entstand? Wo war denn Walter Sittler, als in seiner Zweitheimat die (mittlerweile zweit)unsinnigste U-Bahn der Geschichte begonnen wurde? Wo waren die schwäbischen Hausfrauen, als in Dresden Operngänger und Touristen von der Polizei gejagt wurden? Es geht entweder um S21 oder um sonst nichts.

    Was in Stuttgart eindrucksvoll jeden Tag wieder vorgeführt wird, ist, wie sich der Deutsche aus dem Gutbürgerlichen geriert, wenn er auf einmal feststellt, dass die jetzt doch ernst machen mit der Baustelle. Und dann werden 25 Bäume bis aufs Blut verteidigt, damit bloß keine Grün- statt Gleisanlagen entstehen. Und damit Frau Merkel und die anderen nicht über die wirklichen Probleme sprechen müssen. Und während die Nachrichten heulende Schülerinnen und entsetzte schwäbische Hausfrauen zeigen, hat die pbb (ex HRE) mal gerade seine Bad Bank eröffnet, in der bis zu 150, mind. aber 50 Mrd € versickern werden.

    Klingt vielleicht gemein, ist aber auch eine Sichtweise.

     
  13. alien59

    3. Oktober 2010 at 09:12

    Leider hat der SPON den Artikel seit heute früh etwas geändert:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,720844,00.html
    Vorhin stand da noch deutlicher, dass es eben eine angemeldete Bildungs-Demo von Schülern war, vormittags. Die Absperrungen sollten dann ab 15.00 Uhr losgehen – aber um der Gegendemo zu entgehen, wurde DAS dann vorverlegt, ohne Rücksicht auf die Schülerdemo.
    Aber selbst ohne diesen irren Fehler – auch die Gegendemonstranten hätte man so nicht behandeln dürfen.
    Wenn ich dann das lese:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,720944,00.html
    Also kein Demonstrationsrecht mehr. Fein.

    In einem Artikel, den ich heute morgen zitiert sah, wurde spekuliert, dass die Eskalation beabsichtigt war – Thomas Felten war es wohl, der das sagte. Ich denke, er hat recht.

     
  14. VonFernSeher

    3. Oktober 2010 at 09:21

    @alien59
    Was hat denn das bitte mit dem Demonstrationsrecht zu tun? Natürlich darf man gegen den Bau von allem Möglichen demonstrieren, aber halt nicht auf der Baustelle. Es mag manchmal schwer einzusehen sein, aber genau diese Gesetze schützen alle vor der Willkür weniger. Sonst meldet die NPD ihre Demos demnächst auf der Moscheebaustelle an und der Philologenverband im Rohbau der neuen Gemeinschaftsschule.

    Und welcher Teil von “Wir besetzen einen Polizeilaster und gehen auch nicht mehr runter” ist bitte eine Bildungsdemo? Man kann sich die Tatsachen auch so hinbiegen, wie man es gerne hätte.

     
  15. opalkatze

    3. Oktober 2010 at 09:26

    Hier ist der Originalartikel, speziell für den @VonFernSeher.

    @Alien, ja, das war der Polizeiwissenschaftler Thomas Feltes in diesem Interview.

    Für Euch tu’ ich doch beinahe alles ,)

     
  16. opalkatze

    3. Oktober 2010 at 09:35

    Noch einer für @VonFernSeher.

     
  17. VonFernSeher

    3. Oktober 2010 at 10:15

    @opalkatze
    Den zweiten hatte ich schon gelesen, den gedruckten Spiegel allerdings bekommt man hier nicht. Und für den Artikel hätte ich ihn mir auch nicht gekauft. Da stand wenig Erhellendes drin, mal abgesehen davon, dass ein Gewerkschaftsboss Nachhilfe in Sachen Landfriedensbruch und die Grünen beim Demonstrationsrecht brauchen.

    Stuttgart 21 macht Merkel zum ersten Mal so richtig angreifbar.

    grenzt ja aber wohl an Volksverdummung. Die Merkel braucht etwas Ablenkung in Berlin und außerdem die Stimmen im Bundesrat, fertig. Angreifbar macht sie sich nämlich meistens dann, wenn sie doch mal in Berlin was tut (deswegen versucht sie ja jeden Anschein von Meinung zu vermeiden).

    Was genau wolltest du mir jetzt eigentlich damit sagen?

     
  18. opalkatze

    3. Oktober 2010 at 11:00

    @VonFernSeher
    Ich frage mich, was im Zusammenhang mit einem Bauvorhaben so etwas soll, und versuche, Dich zu überzeugen, daß es nicht mehr um das Projekt geht.

     
  19. pia

    3. Oktober 2010 at 11:04

    Es stimmt schlicht nicht, dass erst jetzt Widerstand gegen das Projekt für Politiker sichtbar wird. Ich habe die Jahre 93 bis 98 in der Nähe und teilweise in Stuttgart verbracht und es gab quer durch alle Gruppierungen mit denen ich Berührung hatte, Widerstand. Zwar ist damals (soweit ich mich erinnere, was trügen kann) keiner auf die Straße gegangen, aber sehr sehr viele, gerade aus dem sogenannten “Bürgertum” haben den Verfahrensweg gewählt und bei nicht wenigen türmten sich die Aktenordner zu all den kleinteiligen Schritten im privaten Arbeitszimmer.

    @vonFernSeher
    Man kann nicht hergehen und argumentieren, es hätten mehrfach Landtagswahlen stattgefunden und die CDU hätte so viele Stimmen bekommen. So wenig wie man den Grünen heute den Widerstand dagegen zuschlagen kann, so wenig kann man das Dafürsein einer einzelnen Partei (über 15 Jahre hinweg) zuschreiben.
    15 Jahre sind eine so lange Zeit, dass heute 30jährige mit 15 vielleicht keine Meinung dazu haben konnten. Sind sie deswegen weniger ernst zu nehmen, wenn sie sich HEUTE zu Wort melden? (25jährige waren damals 10, nur zur Verdeutlichung).

     
  20. VonFernSeher

    3. Oktober 2010 at 11:36

    @opalkatze
    Ob es uns passt oder nicht, der Mann hat Recht. Und er kann es sogar mit seinem Beispiel von den Brücken und Autobahnen logisch zurückführen. Die Demonstranten können 24/7 den Schlosspark besetzen, zum Landtag rennen, beim Mappus vorbeischauen, auf dem Wasen solidaritätsgrillen, was weiß ich. Auf einer Baustelle und der Baustellenzufahrt haben sie nichts zu suchen und dafür hatten sie auch nie eine Genehmigung.

    @pia
    Ihr Argument endet in einer sinnlosen Spirale, denn wie können wir denn wissen, dass die Kinder, deren Eltern sie heute mit zu den Protesten schleppten (finde ich übrigens unglaublich verantwortungslos), als Wahlberechtigte einst nicht das Fehlen eines unterirdischen Bahnhofs in Stuttgart bedauern werden?

    Solche richtungsweisenden Großprojekte brauchen eben Jahrzehnte (Deutschland war schon in den Neunzigern spät dran) zur Durchführung, womit wir wieder bei Grube wären.
    Ich habe z.B. als Erwachsener schwer bedauert, dass das ständige politische Hin und Her zwei Großprojekte, da wo ich zu den Zeiten wohnte, unglaublich verlangsamt haben. Die A60 ist auf deutscher Seite (DG in Belgien inkl.) eine sibirische Flickenpiste und der Thalys braucht von den zweieinhalb Stunden von Köln nach Paris eine ganze bis zur Grenze bei Aachen, weil Deutschland im Bahnnetz zum rückständigen Osteuropa zählt, dass ständig bremst und Standards verweigert.

    Ich falle in die gefragte Altersgruppe, die sich 1994 nicht wirklich für Bahnhofsbauten in Stuttgart interessiert hat. Hätte ich gefragt werden wollen? Immer doch. Wäre das in irgendeiner Weise förderlich gewesen? Sicher nicht.

     
  21. pia

    3. Oktober 2010 at 19:35

    @VonFernSeher
    Ich verstehe den Gedanken der mangelden Innovationsfreudigkeit und ich weiß, wie unfassbar wenig Geduld ich selbst habe mit den in jedem Gremium vertretenen Dauernörglern, Pessimisten und Berufsquerlegern etc.
    Beides trifft hier nicht zu.
    Ich bin nicht gegen das Projekt – und in dieser Form nicht dafür. Die Kostenexplosion ist nur eines, kann man anders sehen und sagen, das sei immer so nehmen wir es eben hin.
    Nein, es sind im Laufe der Jahre so viele Gutachten erstellt und nicht zugänglich gemacht worden, dass man den Verdacht(!) haben kann, das PRO sei überbetont worden. Zum Segen der Mobilität vielleicht (wobei ich nicht erkennen kann, warum man 20 Minuten schneller ausgerechnet in ULM sein muss und dafür eine Schnellbahntrasse gebaut wird und auch etwa 20 Minuten schneller in Tübingen, wobei man die B27 im selben Zeitraum ausgebaut hat und sich das ebensowenig erschließt, parallel dazu der ziemlich teure Pendolino von der Schiene genommen wurde… nun ja), oder zum Segen der Arbeitsplätze – alles gut.

    Aber dann muss man darüber reden.
    Vorher. Und kontinuierlich.
    Wenn das Projekt für uns alle segensreich sein wird, werden wir es schon eines Tages verstehen, oder nicht?

    Man muss offen sein für die Bedenken der anderen. Diese Offenheit gab es nicht.
    Deswegen ist der Protest da, weil man nicht begreifen kann, was der Sinn HEUTZUTAGE von so einem Projekt ist, in einem Bundesland, dessen wirtschaftliche Lebensader die Automobilindustrie und all ihre Zulieferbetriebe ist/sind.
    Auch wenn man weit er weg zoomt und am Ende Europa im Blick hat: ein tiefergelegter Bahnhof, der die Taktungen des gesamten anschließenden Regionalverkehrs verzögert, so mein Stand heute, erschließt sich mir nicht.

    Oder wissen Sie etwas, das ich noch nicht weiß?

     
  22. VonFernSeher

    3. Oktober 2010 at 20:35

    @pia
    Ich glaube Ihnen, dass es auf Sie nicht zutrifft, aber natürlich sind unter den Projektgegnern eine ganze Menge Berufsnörgler und Quersteller. Natürlich gibt es auch hinter dieser Seite andere Interessen und Menschen mit viel Geld, die sie durchzusetzen suchen.

    Das heißt, da gebe ich Ihnen recht, aber ja nicht, dass man nicht miteinander reden kann. Dass das dem Durchschnittsschwaben eher schwer fällt: geschenkt. Aber keiner will hier eine Handbreit nachgeben und darin sehe ich das Hauptproblem. Die Protestler träumen davon nach zwanzig Jahren alles ungeschehen zu machen und die Projektler wollen weitermachen, als ob nichts wäre.

    Es gäbe ständig wieder Chancen, den größten Kommissköppen der jeweiligen Gegenseite den Wind aus den Segeln zu nehmen. Man hätte zum Beispiel diese 25 Bäume sanieren und in einer Baumschule zwischenpflegen können. Das kostet ein paar hunderttausend pro Baum, aber bei dem Gesamtpreis und dem Polizeieinsatz wäre das wohl drin gewesen. Auf der anderen Seite hätte man längst ein Gremium küren können*, das mit S21 verhandelt, aber auch dort stellt man sich quer und erzählt lieber nachher, wie schlimm es doch ist, wenn Kinder und alte Menschen auf einer Demo verletzt werden. Wer die dahin gebracht hat, wird nicht gefragt. Es gäbe viele Ansätze, dafür müsste aber mal jemand reden wollen.

    Ich möchte, damit es nicht zu lang wird, nur noch kurz auf zwei weitere Sachen eingehen:

    Dass die Automobilindustrie die Lebensader des Landes sei, behauptet jene zwar immer wieder gerne, es stimmt aber nicht. Der BW-Motor sind alle Maschinenbaubetriebe, vor allem die tausenden innovativen Mittelständler, die eben nur zum kleinen Teil Autoteile bauen, aber z.B. auch Siemens, Talbot usw. zuliefern. Der Mittelstand in BW profitiert gewaltig von diesem Projekt.

    Und das mit Ulm – na gut – ist ein PR-Punkt für die Gegner; das haben sie toll ausgeschlachtet. Die Mehrheit will wirklich nicht von Stuttgart nach Ulm, auch nicht nach Augsburg – aber vielleicht nach München, Wien, Bratislava oder Budapest. Und nach Paris in die andere Richtung. Haben die ganzen Umweltschützer aus dem Schloßpark eigentlich mal darüber nachgedacht, wie unglaublich gut es für die Umwelt wäre, wenn man mit dem Zug günstiger und schneller** von Wien nach Paris kommt als mit dem Flieger?***

    @opalkatze
    Nach dieser epischen Diskussion werde ich deinen Blog ehrlicherweise in meine Blogroll aufnehmen müssen.

    *Aber bitte ohne den ahnungslosen Walter Sittler, welcher Volksentscheid hat den eigentlich zum Anführer gemacht?
    **Was haben alle genörgelt, als die Sprinterstrecke Köln-FFM gebaut wurde, ein Riesenaufstand. Heute fliegt keine Linie mehr von Köln nach Frankfurt.
    ***Das geht im Übrigen nicht ohne diese neuen Gleise und vor allem Gleisinformationssysteme, weil wir alle schnellen Züge aus dem Westen mit unserer alten Technik auf Regionalbahntempo herunterbremsen, s. Thalys und TGV

     
  23. Till Westermayer

    9. Oktober 2010 at 15:43

    Ich hielt die Seite der PR-Agentur ja erst für Satire. Aber die scheinen das ernst zu meinen. Krass.

     
    • opalkatze

      9. Oktober 2010 at 15:53

      @Till
      DIE meinen das ernst. Obwohl, mit der Satire hast Du natürlich Recht: So offensichtlich macht man das üblicherweise nicht. Na ja, gibt halt Begabte und weniger Begabte ,)

       
  24. Beobachter

    9. Oktober 2010 at 15:43

    Wenn Trolle versuchen, aus ihrem Hobby einen Beruf zu machen, kommt wohl sowas bei raus. Dabei geht es doch nach hinten los, es gibt wohl kaum einen Pro21-Twitterer, der dem Anliegen seiner Pro-21-Bahnhofsbewegung mehr schadet, als die PR-Spezialisten. Ihre eigene “Brand” “destructen” sie ebenfalls hocheffizient. PR-Spezialisten: Weiter so!

     

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