Was war das denn? Gegen 11:30 gibt es eine Pressekonferenz für das Fußvolk, während ausgewählte Journalisten an anderem Ort dem Minister persönlich lauschen dürfen.
Der Mann, den alle als Medienprofi kennen, benutzt nun die versammelte Journaille auf ungewohnte Weise: Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. In der gegenwärtigen Situation erwarten zu Recht Medien und Bevölkerung eine ausführliche Information. Statt aber der versammelten Bundespressekonferenz Rede und Antwort zu stehen, verliest im Verteidigungsministerium ein äußerst nervöser zu Guttenberg mit zittriger Stimme und schwer atmend eine vorbereitete Erklärung. Wer die Medien vorher so verwöhnt hat, darf sich nun nicht wundern, wenn diese ihn nach solch schlechter Behandlung fallen lassen. Man darf gespannt sein, was F.J. Wagner dazu einfällt.
Zu Guttenberg gibt ‘vorübergehend’ seinen Doktortitel ab und überlässt die Beurteilung seines weiteren Schicksals dem Promotionsausschuss der Universität Bayreuth. Die steht unter unschönem Druck, weil nichts weniger als ihr Ruf auf dem Spiel und sie unter scharfer Beobachtung steht. Mit seinem äusserst unglücklichen Verhalten gegenüber den Medien hat zu Guttenberg allerdings endgültig mehr abgegeben als seine Doktorwürde: seine Glaubwürdigkeit.
Ob so was 2011 noch klappt? Im Internet kann die Plagiatsbeweise jeder sehen und im TV beteuert Guttenberg seine Urheberschaft.—
Herr haekelschwein (@haekelschwein) February 18, 2011
- Eklat in der Bundespressekonferenz: Hauptstadtjournalisten empört über Guttenberg
- - und das sehens- und zuhörenswerte Video des ZDF bei YouTube
- “Brüskierung sondergleichen”: Nachdem klar ist, daß es im Weiteren um Nebensachen wie einen Empfang der Karnevalsprinzenpaare bei der Kanzlerin geht, verlassen die Journalisten geschlossen die BPK. Der Vorsitzende der BPK, Gößling, hat sich sehr deutlich bei der CSU beschwert und von zu Guttenberg bereits eine Entschuldigung erhalten. Ein annähernd ähnlicher Fall ist seit dem Bestehen der BPK nicht vorgekommen.
- Auch der DJV rügt “Informationspolitik nach Gutsherrenart”
- Guttenbergs Stellungnahme im Wortlaut
- Zitate zur Plagiatsaffäre (#Copygate) hat der schweizer Tagesanzeiger.
- Michael Schlieben, ZEIT: Meister des Bluffs, darin das Video der verlesenen Erklärung
- Kurt Kister, SZ; Sein höchstes Gut, darin eine interaktive Vergleichsmöglichkeit der Dissertation
- Sebastian Fischer, Björn Hengst, Oliver Sallet, SpOn: Plagiieren bei den besten Adressen, dabei ein Twitterticker
- Ronald Schenkel, NZZ: Wissenschaft ist auf Vertrauen angewiesen
- In der NYT nur eine kurze Agenturmeldung: Defense Minister Accused of Plagiarizing Ph.D. Dissertation
- Frédéric Lemaître, Le Monde Les petits emprunts du baron zu Guttenberg
- Michael Spreng: Minister Vorübergehend
- Heribert Prantl, SZ: Man kann auch über Fußnoten stolpern
- Fefe hat kurz die “abstruse” Seite der Causa Guttenberg beleuchtet
- Wow. Der Rauskucker hat gehört, daß mein Blögchen im Deutschlandfunk war, und ich freu mich natürlich wie Bolle darüber. Das Häkelschwein ist auch dabei. Hier isses.
- Noch ein bißchen Hintergrund hat Netzpolitik, dabei auch die Beschwerde von Werner Gößling.
- Julia Seeliger bei den Ruhrbaronen: Gutes Copy, schlechtes Copy
- Oliver Herold von F!XMBR hat das hier ausgegraben: . Upps. Es war Christian Jung, ich hatte es bei Oliver gefunden.
- Robert Birnbaum, ZEIT: Der Herr zu Guttenberg ist so frei. ‘Nicht ehrlich’ ist deutlich passender als ‘schummeln’.
- Klaus Baum: Es gibt in den eindeutig schwarz-gelb orientierten Medien die Tendenz, Guttenberg im Amt zu halten – mit Mitteln der Fälschung über die verschiedenen Umfragen der Medien
- Hier ist die gesamte Sendung des DLF von gestern (Dank an Martin). Stefan Maas, Armin Himmelrath, Thomas Reintjes, DLF Hintergrund: An vielen Fronten · Die Debatte um Verteidigungsminister zu Guttenberg. Eine Chronologie.
- Sehr schöne grafische Gegenüberstellung der (anscheinenden) Plagiate via GuttenPlag. Die Visualisierung ist von Gregor Aisch.
- Thomas Stadler Das Wissenschaftsplagiat
- Tagesspiegel: Guttenberg soll auch seinen Lebenslauf geschönt haben
- Lukas Heinser, BildBlog: Dr. Albern
- Der Postillon: Das Wort zum Sonntag (110) mit geeigneten Neusprech-Vorschlägen.











VonFernSeher
18. Februar 2011 at 12:27
Zugehört: Er wird sich aktiv an der Aufklärung beteiligen. So nennt man das heute.
[Dein Kommentar klingt irgendwie nach Tagesschau aus den 90-ern. Liegt an diesen abrundenen ersten und letzten Sätzen. So, als ob der Chefredakteur vom XDR den Zuschauern noch mal mitgibt, was sie zu glauben haben. Ich schaue schon seit Jahren keine Tagesschau mehr, aber den Ton habe ich nicht vergessen. Ich schwanke gerade zwischen "Gut für dein Studium" und "Merkwürdig anders in deinem Blog" ;) Nichtsdestoweniger hast du Recht. Na ja fast, die Glaubwürdigkeit hatte er bei mir nie gewonnen.]
opalkatze
18. Februar 2011 at 12:39
Das passiert, wenn ich zwischen sauer und sachlich hin- und hergerissen bin und zudem noch schnell sein will.
Was meinst du mit “Merkwürdig anders in deinem Blog”?
VonFernSeher
18. Februar 2011 at 12:58
Damit meine ich, dass der Stil nicht so wirklich zum Rest hier passen mag. Er ist unverbindlicher und etwas zu geformt. Eben wie ein solcher Tagesschaukommentar. Merkwürdig im Wortsinne ist es, dass du diesen über Jahrzehnte eingeschliffenen Stil bis zur Syntax getroffen hast ohne es zu wollen. Hassknecht wäre neidisch. Aber der hat sich ja auch schon zwischen sauer und sachlich entschieden ;)
(Und fragt mich bitte nicht, wie sich der Link da oben reinkopiert hat. Der sollte da auf jeden Fall nicht hin.)
opalkatze
18. Februar 2011 at 13:29
Ich hatte mich schon leise nach dem Zusammenhang gefragt … Ich lösch ihn.
Hassknecht kann ich auch, mehrsprachig. Ihr habt euch schon an meine Beinaherants gewöhnt, glaub ich. Aber ich übe wirklich gerade ‘unverbindlich’. Scheint zu klappen ;)
VonFernSeher
18. Februar 2011 at 13:33
Bei Hassknecht meinte ich eher den Versuch, die Form der ARD-Kommentare (zumindest am Anfang) zu kopieren. Aber Pamphlete aller Art- es sei dir unbenommen.
VonFernSeher
18. Februar 2011 at 20:06
Auch wenn’s anscheinend besonders radiotauglich war: Schreib bitte wieder so wie sonst ;)
opalkatze
18. Februar 2011 at 21:06
42. Don’t panic.
Aber einige Experimente werdet ihr wohl noch erleben. Ihr kennt ja die Gründe und seid so aufmerksam, daß gar nix Schlimmes passieren kann. Außerdem: Man muß sich doch schließlich noch ausprobieren dürfen!
VonFernSeher
18. Februar 2011 at 21:08
Das hab ich ja wohl noch sagen dürfen.
VonFernSeher
18. Februar 2011 at 13:37
Becker/Jünemann: “Der hat ein Summa cum laude bekommen, das müssen Sie mit Abschreiben erst mal hinbekommen.”
Härrlysch.
opalkatze
18. Februar 2011 at 15:04
Money quote!
wilko0070
18. Februar 2011 at 13:43
Die “vergessenen” Gänsefüßchen
So wurde beispielsweise “‘Aus vielem eines’ – so lautete das Motto, unter dem vor rund 200 Jahren die amerikanischen Staaten zur Union zusammenfanden…” bei Guttenberg der Satz “‘Aus vielem eines’ – so lautete das Motto, unter dem vor über 215 Jahren die amerikanischen Staaten zur Union zusammenfanden…”, da Guttenbergs Dissertation nach dem FAZ-Artikel erschien.
Es ist auch erstaunlich, in welchen Bereichen die Plagiate auftauchen: u. a. in Abschnitten mit “Beurteilung” und “Stellungnahme” als Überschrift, wo Zitate überhaupt nicht hingehören. Und die “Krönung” ist natürlich der ganze kopierte Block aus der FAZ in der Einleitung!
Dass in den Abschnitten, in denen normalerweise die eigene Meinung des Autors dargelegt wird, die (kopierten) Ansichten von dritten Personen auftauchen, und dass Guttenberg trotz des fast 500 5eiten umfassenden Werkes keinerlei eigene Beurteilung und Stellungnahme vornimmt, lässt nur eine einzige logische Schlussfolgerung zu:
Die gesamte Dissertation ist höchstwahrscheinlich von einem Ghostwriter erstellt worden!
opalkatze
18. Februar 2011 at 15:04
Bei vorhandener hypertrophierter Arroganz ist alles möglich.
Melebert
18. Februar 2011 at 14:22
Was sich da in Sachen Doktorarbeit des Herren von und zu gerade so alles auftut, kann man in der Schnelligkeit kaum mehr nachvollziehen. Aber wenn sich derlei Dinge als wahr herausstellen, dann sträubt sich bei mir alles, wenn ich in diesem Zusammenhang den Begriff selbständige wissenschaftliche Arbeit höre.
Ehrlich, so dreist traue ich ihm das nicht zu. Ich vermute eher einen Ghostwriter, der akribisch nach allen möglichen Textbausteinen sucht und nicht davor zurück schreckt selbst aus Studentenarbeiten zu kopieren und die Schnipsel marginal kürzt.
VonFernSeher
18. Februar 2011 at 14:43
Na, zumindest hat der Ghostwriter die Grammatik repariert. Die ist nämlich gar nicht so “gelungen”.
opalkatze
18. Februar 2011 at 15:01
Das ist völlig marginal. Wenn ich eine Diss unter meinem Namen abgebe, dann hat die in Ordnung zu sein. Und den Begriff ‘schummeln’ finde ich in diesem zusammenhang auch sehr putzig. Es geht nicht um ein Kavaliersdelikt und vor allem nicht um ein Kartenspiel, bei dem Besch* dazu gehört.
opalkatze
18. Februar 2011 at 15:09
Illuster, illuster: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,746384,00.html#ref=rss
VonFernSeher
18. Februar 2011 at 15:23
Bezeichnend, dass es Spiegel Online in einem süffisanten Artikel über das falsche Zitieren nicht schafft das benutzte Wiki zu verlinken.
opalkatze
18. Februar 2011 at 16:08
Die nehmen gerade verstärkt Bezug auf Netzbeiträge. Aber wir verlinken nur auf uns selbst – tolle Firmenpolitik.
Melebert
18. Februar 2011 at 16:10
Also entweder habe ich es überlesen oder Gutenplag wird nicht einmal genannt. Haben die die Stellen wirklich alle selber bei SPON heraus gefunden? Das glaube ich nicht. Da geht Schnelligkeit mal wieder vor Qualität. Irgendwie ist es ein Schlaglicht auf den Umgang mit Wissensquellen.
opalkatze
18. Februar 2011 at 16:15
Dann googel mal ‘Hardy Prothmann, spiegel’, letzte Ergebnisse oder such auf Facebook danach. Keine weiteren Fragen.
VonFernSeher
18. Februar 2011 at 17:21
@Melebert
wilko0070
18. Februar 2011 at 15:34
Es ist auch erstaunlich, wie die “bürgerliche” Presse mit einer Art Kindergartensprache (“Mogeln”, “Schummeln” etc.) versucht, den ganzen Vorfall herunterzuspielen.
Melebert
18. Februar 2011 at 15:59
Kindergartensprache … ich konnte es nur noch nicht genau benennen, woher ich diese Worte kenne, danke. ^^
Herunterspielen ist schon fast zu sanft ausgedrückt. Es wird mit derlei verniedlichenden Worten ein verzeihlicher, kleiner Fehltritt suggeriert. Das schlimme ist, dass man es erst merkt, was da mit Worten untergeschoben wird, wenn man mal etwas dafür sensibilisiert wurde.
wolfram
18. Februar 2011 at 15:54
was denkt ihr wohl, warum keiner so richtig mit steinen wirft, denn fast alle sitzen im glashaus und wenn man sich heute die sogenannte elite ansieht, dann weiß man vielleicht auch warum.
in diesem system wird doch fast nur noch geklaut, gelogen, übervorteilt und bereichert.
keiner weiß noch, wer von wem abgekupfert hat und wer alles seinen dr.-titel einfach nur so erhalten hat ( ich will hier keine namen nennen, da man keine akteneinsicht erhalten wird, egal wo ).
bei dieser lobbyarbeit muß doch eine belohnung drinsein, oder ?
vielleicht war es auch eine abgekupferte abkupferung der anderen, und diese abkupferung der abkupferung fand schon vor dem internet statt ?
jetzt kann das keiner mehr kontrollieren.
bleibt locker und seht euch einmal die seite
*www. wonogro-be2012.de *an.
ich hoffe doch, dass ich nicht gekupfert habe ?
also viel spass und bringt ein bischen zeit mit.
Spot
18. Februar 2011 at 16:12
Wir wollen uns doch mal schlau machen, wer Herr v.u.z. Guttenberg eigentlich ist, oder?
http://www.zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/230-das-guttenberg-dossier-teil-1.html
Bitte aufmerksam lesen und Teil2 nicht vergessen!
opalkatze
18. Februar 2011 at 16:30
Ja, hab ich gelesen. So ist das leider mit dem Schurrnalissmuss in Deutschland. Gründe u.a.: Die zerhackte Zeit
Dr.Rauskucker
18. Februar 2011 at 18:51
Du warst gerade im DLF. Chapeau!
opalkatze
18. Februar 2011 at 18:59
Hä?
Dr.Rauskucker
18. Februar 2011 at 19:18
Wieso hä? Im “Hintergrund” wurde aus dem Internet zitiert, u.a. die “vielgelesene Bloggerin Vera Bunse”, mit dem Satz vom Aschenputtel, glaube ich. Habs aufgenommen.
Dr.Rauskucker
18. Februar 2011 at 19:19
müßte wohl der hier sein:
http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/02/18/dlf_20110218_1848_140a3eb5.mp3
opalkatze
18. Februar 2011 at 19:41
Ah, vielen Dank! Boah ey. Heute Abend lauf ich dann mal 5 cm größer rum :) *freu*
Dr.Rauskucker
18. Februar 2011 at 19:26
Achso, der letzte Absatz wars. An dem ich besonders das Wort “endgültig” wichtig finde. Wenn es fehlte, klänge es ja, als wenn er jemals eine besessen hätte.
(,,,)---=^.^=---(,,,)
18. Februar 2011 at 23:13
Mich täte ja mal interessieren, wer von unseren Polit-Doctores noch so alles beschissen hat…
@vera
Meinen Glückwunsch!
Dealer0
18. Februar 2011 at 23:21
Ich kann dieses Gehetze gegen KT nicht mehr hören, wie war das doch mit dem Sack in China…
opalkatze
19. Februar 2011 at 17:23
So einfach ist es nicht. Bashing findet z.B. gegen Westerwelle statt; das hier aber ist die durchaus ernsthafte Auseinandersetzung mit einem eines Politikers unwürdigen Verhalten in Form von Crowdsourcing. Obwohl Worte wie ‘Schummelei’ versuchen, den Eindruck eines lässlichen Vergehens zu erwecken, handelt es sich bei Plagiaten in einer Dissertation keineswegs um ein Kavaliersdelikt – mag das auch noch so gewünscht sein.
alien59
19. Februar 2011 at 19:01
Eben, Opalkatze. Bei jeder Diss muss nämlich eine eidesstattliche Versicherung abgegeben werden – ist die falsch, ist es eine Straftat. Das scheint sich aber bei der Presse noch nicht so recht herumgesprochen zu haben.
Trotzdem, ich finde, die Sache wird zu hoch gehängt – es gibt Wichtigeres.
(,,,)---=^.^=---(,,,)
20. Februar 2011 at 01:15
Soviel zum Sack in China: Ra. Thomas Stadler (internet-law) hat das Vorgehen zu Guttenbergs durch die Juristenbrille angeguckt. Ein sehr lesenswerter Artikel.
opalkatze
20. Februar 2011 at 01:21
Hat sich überschnitten, hab’s gerade oben verlinkt.
Dr.Rauskucker
19. Februar 2011 at 22:30
Dann nochmal kurz meinen Senf: Nein, er brauchte keine EE abgeben, gab da in Bayern irgendeine Ausnahmeregelung. Und ich würde das mit der Diss auch nicht so wahnsinnig hoch bewerten.
Was wirklich zählt, ist, daß er in der Öffentlichkeit wissentlich lügt. Jeder kann beim GuttenPlag die Beweise sehen. Da ist überhaupt kein Zweifel. Vorgestern sagt er noch “abstruse Vorwürfe”, gestern rudert er zurück, aber lügt gleich wieder und hofft, daß wir wieder vergessen. (Aber das Netz vergißt nichts…)
Das Gleiche hatten wir ja mit Zensursula. Wir haben Politiker, die öffentlich lügen, die wissen, daß sie lügen, die wissen, daß wir wissen, daß sie lügen.
Das kann nicht dauerhaft so weitergehen, und deshalb ist das auch ziemlich wichtig.
Aber Ägypten und Libyen und Palästina finde ich momentan auch spannender, keine Frage.
opalkatze
19. Februar 2011 at 23:25
Ich werde mich voraussichtlich morgen wieder mit Arabien beschäftigen, schreibe aber erst noch etwas über Plagiate und Zitate. Was zur Zeit passiert, ist, wie der @Rauskucker sagt, signifikant und sehr wichtig für die Zustände in Deutschland.
Robson Bottle
21. Februar 2011 at 13:30
Mittlerweile, (s. Anne Will vom 20.2.2011/Schwarzer/Hohlmeier/Wedel) erkenne ich unübersehbare Parallelen zum Umgang der italienischen Öffentlichkeit mit Berlusconi. Klare Rechtsverletzungen sowie andere geradezu unglaubliche Unkorrektheiten der Herren zu Guttenberg und Berlusconi werden hier wie dort als Kavaliersdelikte abgetan und die berechtigten Forderungen nach fälligen Konsequenzen, werden als Schmutzkampagnen abqualifiziert.
Robson Bottle hatte hier ein interessantes Video zu Berlusconi eingefügt. Weil das von meinem bißchen Speicherplatz bei WordPress abgeht, erlaube ich mir, das nur bei YouTube zu verlinken. Vera
opalkatze
21. Februar 2011 at 15:11
Ähnlichkeiten sind unübersehbar, auch wenn der Eine Staatschef und der Andere Minister ist. Das würden aber die meisten vehement abstreiten. Wir machen uns lieber über die ‘italienischen Verhältnisse’ lustig.
rauskucker (wieder ohne Dr.)
21. Februar 2011 at 16:10
Ein Nachtrag zu meinem obigen Kommentar, wo ich schrieb: “… die wissen, daß wir wissen, daß sie lügen.”
Das wissen sie möglicherweise manchmal auch erst (für sie) zu spät, wie ich bei diesem tollen Artikel gelernt habe:
http://hackr.de/2011/02/18/am-ende-der-guttenberg-galaxis
Robson Bottle
22. Februar 2011 at 10:50
Dr. Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg … Nachdem er also seine Doktorarbeit am Wochenende “noch einmal durchgesehen” hat, (möglicherweise hat er sie am Wochenende zum ersten Mal richtig durchgesehen), hat er die Universität Bayreuth gebeten, den Doktortitel “dauerhaft zurückzunehmen”. Geht das überhaupt, so? Und was weiter? Muss er nicht vielmehr seiner Uni und seinem Doktorvater gestehen, dass er betrogen hat und dass seine Unterschrift unter der bei jeder wissenschaftlichen Arbeit geforderten Erklärung, dass die Arbeit ausschließlich auf dem eigenen Mist gewachsen ist, keinen Pfifferling wert ist? Und außerdem müsste er der Öffentlichkeit gegenüber gestehen, dass er am Freitag gelogen hat! (“Meine Doktorarbeit ist kein Plagiat und das sage ich mit allem Nachdruck!”)
Was wäre, wenn die Uni den Titel nicht zurücknimmt? (haha) Dann müsste er weiterhin mit einem durch Betrug erschlichenen Titel herumlaufen. Das wäre aus meiner Sicht die beste Strafe. (Sollte er mir jemals über den Weg laufen, werde ich ihn jedenfalls mit “Herr Doktor” begrüßen! Soviel Zeit muss sein!)
Unglaublich witzig übrigens, wie seine nachsichtigen, wohlwollenden und höchst verständnisvollen Verteidiger herumeiern … gestern der eigentlich schon vergessene und längst in der Versenkung verschwundene Herr Glos im heute-journal, eine Augen- und Ohrenweide!
opalkatze
22. Februar 2011 at 12:36
Oh, du kannst davon ausgehen, daß da der Mob tobt. G.s Doktorvater ist ein sehr, sehr renommierter Staatsrechtler, dessen Ruf durch diese ganze Chose erheblichen Schaden nimmt (besser: bereits genommen hat).
Wenn G. schlau ist, tritt er zurück, verbringt ein Weilchen im zweiten Glied und ersteht nach einer angemessenen Schamfrist wie dermaleinst Phoenix aus der Asche. Fragt sich nur nach stattgehabtem Schauspiel. Ist er schlau?
Robson Bottle
22. Februar 2011 at 13:43
Allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass er damit – aber diesmal wirklich unbewusst – der Wissenschaft und dem Hochschulwesen einen großen Dienst erwiesen hat: Doktorarbeiten werden in Zukunft besser geprüft und strenger bewertet werden müssen.
opalkatze
22. Februar 2011 at 14:35
Ja. Das wäre schön. Wenn -
VonFernSeher
22. Februar 2011 at 16:20
Das wird wohl kaum irgendwelche Auswirkungen außerhalb Bayreuths haben. Die wirklich renommierten Institute in Deutschland haben das schon seit vielen Jahren erkannt und prüfen nicht nur Doktorarbeiten, sondern teils jede Art von Arbeit und Veröffentlichung, auf der ihr Name steht. Das jetzt überall so getan wird, als wäre das normal, was hier passiert ist, und nur ein Schummeln von Guttenberg (und nicht ein Versagen der ganzen Staffage in Bayreuth), ist verlogen.
Prof. Marquardt (Vors. Wissenschaftsrat), den ich aus gemeinsamer Gremienarbeit kenne und der weiß wovon er spricht, hat ja ganz Recht, wenn er sagt, dass solche Prüfungen zwar nicht neu sind, aber man sie den Hochschulen nunmal nicht verordnen kann. Denn wenn ich eine solche Prüfung nur vornehme, weil ich dazu verdonnert wurde, ist sie wertlos. Was aber zwischen seinen diplomatischen Aussagen durchscheint, ist: Wenn ihr es selbst nicht einsehen wollt, dann kann ich euch auch nicht helfen. Die wirklich Guten tun es ja schon.
opalkatze
22. Februar 2011 at 21:45
Ja. Und blöderweise haben wir auch keine Sportteams, in die man den Erwischten wegloben könnte.
Robson Bottle
22. Februar 2011 at 13:59
Am vergangenen Wochenende(!) … sorry …
ich fass’ es immer noch nicht …
“boa ey, ich hab’ ja da tatsächlich sieben Jahre lang, in mühevollster Kleinarbeit, praktisch nur gravierende Fehler gemacht und Blödsinn verzapft und dafür “summa cum laude” gekriegt! Mein Doktorvater sollte schleunigst von allen Ämtern zurücktreten!”
rauskucker
22. Februar 2011 at 14:04
Ja, genau die Stelle sehe ich mir auch gerade vor-und rückwärts an. Reichlich Stoff für Psychanalytiker.
(Wie er diesen Mistkerl von Ghostwriter haßt …und sich selber (und seine Freaks), weil er (und sie) den Wink mit “e pluribus” nicht verstanden hat (haben).
rauskucker
22. Februar 2011 at 14:06
kam vorhin ungeschnitten bei Phoenix.
rauskucker
22. Februar 2011 at 14:15
Uff, noch ne Idee dazu:
Ich frage mich, wie man den Unterschied zwischen einem guten Redner und einem guten Demagogen erkennen kann.
Vergleiche dabei im Geiste einerseits Obama, andererseits Göbbels und von der Leyen. Der Witz dabei ist, daß Gutti ein schlechter Demagoge ist. (Begründung dafür habe ich noch nicht.)
opalkatze
22. Februar 2011 at 14:33
Ich empfehle dringend, Curt Goetz noch mal zu lesen ,)
rauskucker
22. Februar 2011 at 14:37
Was hat der geschrieben?
opalkatze
22. Februar 2011 at 15:19
Ganz viel, und alles lesenswert: http://de.wikipedia.org/wiki/Curt_Goetz Und eine Menge – oder vielleicht alles? – über den/das Virus der menschlichen Dummheit. Und über Moral. Und alles sehr unterhaltsam: Theaterstücke. (Ich liebe ihn schon sehr lange. Aber das tut nichts zur Sache.)
rauskucker
22. Februar 2011 at 15:30
Totale Lücke.
Ich dachte, speziell etwas über schauspielernde Redner?
Robson Bottle
22. Februar 2011 at 14:47
@rauskucker
Uff!Ich auch!
Die Reden Dr. KTs waren und sind doch immer nur Posen! Wenn man sich seine unheimlich “gewichtigen” Sätze, (“und das sage ich mit allem Nachdruck”, “und das sage ich hier sehr bewusst” – ja wie denn sonst? – etc.) unterstützt von mehrmaligem Fersenwippen, zweimal durch den Kopf gehen ließ, hat man gemerkt, dass es immer nur hohle eigentlich nichtssagende Phrasen waren, im Grunde Bildzeitungs-Headlines, plakativ für eine bestimmte ungebildete und uninformierte Klientel, aber ohne jeden inhaltlichen Wert. Seine, ursprünglich als Sparmaßnahmen deklarierten Bundeswehrreformen, lösen sich doch schon gleich, als solche, in Luft auf. Die “verkleinerte” Bundeswehr und das “verkleinerte” Verteidigungsministerium, werden ja teurer als vorher!
opalkatze
22. Februar 2011 at 15:25
Nee nee nee. Versetzt euch in einem ruhigen Moment bitte mal – HALLO!? ernsthaft – in solch eine Situation. Ok. Bitte immer auch die Sichtweise der Gegenseite genauer angucken, auch wenn es schwer fällt.
rauskucker
22. Februar 2011 at 15:33
Das habe ich insofern, als ich mir vorstelle, wie oft er das vorm “Spiegel” (ein Gerät oder eine Person zur Reflexion) geübt hat.
VonFernSeher
22. Februar 2011 at 16:34
Bei Merkel wusste ja schon Priol, dass das mit dem “Und ich sage ganz bewusst:…” als Statusbericht zu verstehen ist. Wer das an manchen Stellen extra betonen muss, weist auf seinen allgemeinen Bewusstseinszustand und damit auf die Relevanz seiner sonst getroffenen Aussagen hin.
Gelernt haben die Schwarzen das vom Einen.
opalkatze
22. Februar 2011 at 21:34
Großartig. Hatte es vergessen, ist ja schon länger her. Heisst das jetzt, daß sich alles wiederholt? :]
Robson Bottle
23. Februar 2011 at 15:27
@opalkatze
Ja! Naturgemäß geht alles immer wieder von Vorne los!(Übrigens auch in Arabien!)
Aber auch auf die Gefahr hin, dass ich den einen oder anderen langweile, weil er angeblich „wichtigeres“ zu hat, muss ich doch noch einmal darauf hinweisen, dass ein Nicht-Rücktritt KTs wegen der Plagiatsaffäre fatale Folgen für unsere bundesrepublikanische Gesellschaft haben wird. Denn was will man dann z.B. einem Abiturienten noch entgegenhalten, wenn er nach einer Prüfungsschummelei sich auf den amtierenden Verteidigungsminister beruft?
Und dass die Schwarzen das von Kohl (dem guten Freund des mehrmals rechtskräftig wegen Verbindungen zur Mafia verurteilten Giulio Andreotti) gelernt haben, rauskucker, stimmt natürlich. Der hat 16 Jahre lang seiner Schummel-, Mauschel-, Amigo- und Aussitzerkultur frönen können und damit Standards gesetzt, auf Kosten der politisch-moralisch-ethischen Kultur im Land. (Die Guttenbergs und Westerwelles sind letztlich Söhne Kohls und dessen “geistig-moralischer Erneuerung” – erinnert sich noch jemand an diesen Kohl-Kampf-Begriff?).
Sollte KT durchkommen, mit dem Argument, dass er als Minister hervorragende Arbeit leiste, was übrigens ein gerade entstehender Mythos zu sein scheint, der in keinster Weise mit den Tatsachen (Kundusaffäre, Gorch Fock-Affäre, Kerner-Affäre etc.) übereinstimmt, werden wir in nicht allzu langer Zeit italienische Verhältnisse haben. KTs offenbar nach wie vor ungebrochene Zustimmung und Sympathie im Volk ist aus meiner Sicht nur erklärbar dadurch, dass es sich bei diesen Unterstützern und Verharmlosern um Leute handelt, die selbst entsprechend locker umgehen mit moralisch-ethischen Fragen und also genauso „kleine Sünder“ sind und natürlich interessiert daran sein müssen, dass „die da oben“ ähnlichen „Dreck am Stecken“ haben. Das erleichtert das eigene Gewissen ungemein. Italien allerdings ist da schon viel weiter. Einer der Staatsanwälte, die mit ihren Bemühungen Berlusconi zur Verantwortung zu ziehen, bisher gescheitert sind, sagt, dass die ungebrochene Unterstützung Berlusconis in weiten Teilen der Bevölkerung („Lasst ihn doch endlich in Ruhe regieren!“), nur damit zu erklären ist, dass Italien durch die Korruption schon so durchdrungen ist, dass der „kleine Mann auf der Straße“ genauso „Dreck am Stecken“ um nicht zu sagen „Leichen im Keller“ hat wie der Staatschef und die wenigen Saubermänner in Staatsanwaltschaften und auf Richterstühlen, naturgemäß zum gemeinsamen Feindbild mutieren.
opalkatze
24. Februar 2011 at 01:23
Ja. Diese Zustände kehren jetzt auch bei uns ein. Armes Deutschland. Ich geh jetzt mal ein bißchen gucken, was sonst noch so los ist, ehe ich hier den Wutanfall kriege …
(,,,)---=^.^=---(,,,)
24. Februar 2011 at 01:06
@Robson Bottle
Volle Zustimmung!
Robson Bottle
26. Februar 2011 at 19:20
Unbedingt das Video mit dem Interview mit Prof Lepsius auf diesem Link anschauen! Es lohnt sich!
http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/rundschau/guttenberg-plagiat-doktorarbeit-ID1298650729897.xml
opalkatze
26. Februar 2011 at 20:10
Merci! Bitte Links aber nur einmal posten, die Leser wissen die schon zu finden. Ich verlinke die, wenn sie interessant sind wie dieser, sowieso in dem Text, der zeitlich am aktuellsten ist bzw. mit den meisten Kommentaren.
Und Glückwunsch zum gelungenen Avatar :)
rauskucker
26. Februar 2011 at 20:16
Wo hattest Du das mit dem Avatar nochmal erkärt? Sorry, aber ich bin so durcheinander. Tritt Guuti nun zurück oder müssen ihn erst die Amis bombardieren. Achnee, das was ja Gaffi.
opalkatze
26. Februar 2011 at 20:45
Du hast unleugbar einen AküFi. https://opalkatze.wordpress.com/2010/07/05/wie-legt-man-ein-avatar-bild-an/ Bitte gern.
rauskucker
26. Februar 2011 at 20:48
Aküfi…mh. :-)
danke.