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Herr Minister, Sie Feigling

18 Feb

Was war das denn? Gegen 11:30 gibt es eine Pressekonferenz für das Fußvolk, während ausgewählte Journalisten an anderem Ort dem Minister persönlich lauschen dürfen.

Der Mann, den alle als Medienprofi kennen, benutzt nun die versammelte Journaille auf ungewohnte Weise: Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. In der gegenwärtigen Situation erwarten zu Recht Medien und Bevölkerung eine ausführliche Information. Statt aber der versammelten Bundespressekonferenz Rede und Antwort zu stehen, verliest im Verteidigungsministerium ein äußerst nervöser zu Guttenberg mit zittriger Stimme und schwer atmend eine vorbereitete Erklärung. Wer die Medien vorher so verwöhnt hat, darf sich nun nicht wundern, wenn diese ihn nach solch schlechter Behandlung fallen lassen. Man darf gespannt sein, was F.J. Wagner dazu einfällt.

Zu Guttenberg gibt ‘vorübergehend’ seinen Doktortitel ab und überlässt die Beurteilung seines weiteren Schicksals dem Promotionsausschuss der Universität Bayreuth. Die steht unter unschönem Druck, weil nichts weniger als ihr Ruf auf dem Spiel und sie unter scharfer Beobachtung steht. Mit seinem äusserst unglücklichen Verhalten gegenüber den Medien hat zu Guttenberg allerdings endgültig mehr abgegeben als seine Doktorwürde: seine Glaubwürdigkeit.

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72 Kommentare

Verfasst von - 18. Februar 2011 in Kaffeesatz, Medien, Menschen, Politik

 

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72 Antworten zu “Herr Minister, Sie Feigling

  1. rauskucker

    22. Februar 2011 at 14:06

    kam vorhin ungeschnitten bei Phoenix.

     
  2. rauskucker

    22. Februar 2011 at 14:15

    Uff, noch ne Idee dazu:

    Ich frage mich, wie man den Unterschied zwischen einem guten Redner und einem guten Demagogen erkennen kann.
    Vergleiche dabei im Geiste einerseits Obama, andererseits Göbbels und von der Leyen. Der Witz dabei ist, daß Gutti ein schlechter Demagoge ist. (Begründung dafür habe ich noch nicht.)

     
  3. opalkatze

    22. Februar 2011 at 14:33

    Ich empfehle dringend, Curt Goetz noch mal zu lesen ,)

     
  4. opalkatze

    22. Februar 2011 at 14:35

    Ja. Das wäre schön. Wenn -

     
  5. rauskucker

    22. Februar 2011 at 14:37

    Was hat der geschrieben?

     
  6. Robson Bottle

    22. Februar 2011 at 14:47

    @rauskucker
    Uff!Ich auch!
    Die Reden Dr. KTs waren und sind doch immer nur Posen! Wenn man sich seine unheimlich “gewichtigen” Sätze, (“und das sage ich mit allem Nachdruck”, “und das sage ich hier sehr bewusst” – ja wie denn sonst? – etc.) unterstützt von mehrmaligem Fersenwippen, zweimal durch den Kopf gehen ließ, hat man gemerkt, dass es immer nur hohle eigentlich nichtssagende Phrasen waren, im Grunde Bildzeitungs-Headlines, plakativ für eine bestimmte ungebildete und uninformierte Klientel, aber ohne jeden inhaltlichen Wert. Seine, ursprünglich als Sparmaßnahmen deklarierten Bundeswehrreformen, lösen sich doch schon gleich, als solche, in Luft auf. Die “verkleinerte” Bundeswehr und das “verkleinerte” Verteidigungsministerium, werden ja teurer als vorher!

     
  7. opalkatze

    22. Februar 2011 at 15:19

    Ganz viel, und alles lesenswert: http://de.wikipedia.org/wiki/Curt_Goetz Und eine Menge – oder vielleicht alles? – über den/das Virus der menschlichen Dummheit. Und über Moral. Und alles sehr unterhaltsam: Theaterstücke. (Ich liebe ihn schon sehr lange. Aber das tut nichts zur Sache.)

     
  8. opalkatze

    22. Februar 2011 at 15:25

    Nee nee nee. Versetzt euch in einem ruhigen Moment bitte mal – HALLO!? ernsthaft – in solch eine Situation. Ok. Bitte immer auch die Sichtweise der Gegenseite genauer angucken, auch wenn es schwer fällt.

     
  9. rauskucker

    22. Februar 2011 at 15:30

    Totale Lücke.
    Ich dachte, speziell etwas über schauspielernde Redner?

     
  10. rauskucker

    22. Februar 2011 at 15:33

    Das habe ich insofern, als ich mir vorstelle, wie oft er das vorm “Spiegel” (ein Gerät oder eine Person zur Reflexion) geübt hat.

     
  11. VonFernSeher

    22. Februar 2011 at 16:20

    Das wird wohl kaum irgendwelche Auswirkungen außerhalb Bayreuths haben. Die wirklich renommierten Institute in Deutschland haben das schon seit vielen Jahren erkannt und prüfen nicht nur Doktorarbeiten, sondern teils jede Art von Arbeit und Veröffentlichung, auf der ihr Name steht. Das jetzt überall so getan wird, als wäre das normal, was hier passiert ist, und nur ein Schummeln von Guttenberg (und nicht ein Versagen der ganzen Staffage in Bayreuth), ist verlogen.

    Prof. Marquardt (Vors. Wissenschaftsrat), den ich aus gemeinsamer Gremienarbeit kenne und der weiß wovon er spricht, hat ja ganz Recht, wenn er sagt, dass solche Prüfungen zwar nicht neu sind, aber man sie den Hochschulen nunmal nicht verordnen kann. Denn wenn ich eine solche Prüfung nur vornehme, weil ich dazu verdonnert wurde, ist sie wertlos. Was aber zwischen seinen diplomatischen Aussagen durchscheint, ist: Wenn ihr es selbst nicht einsehen wollt, dann kann ich euch auch nicht helfen. Die wirklich Guten tun es ja schon.

     
  12. VonFernSeher

    22. Februar 2011 at 16:34

    Bei Merkel wusste ja schon Priol, dass das mit dem “Und ich sage ganz bewusst:…” als Statusbericht zu verstehen ist. Wer das an manchen Stellen extra betonen muss, weist auf seinen allgemeinen Bewusstseinszustand und damit auf die Relevanz seiner sonst getroffenen Aussagen hin.

    Gelernt haben die Schwarzen das vom Einen.

     
  13. opalkatze

    22. Februar 2011 at 21:34

    Großartig. Hatte es vergessen, ist ja schon länger her. Heisst das jetzt, daß sich alles wiederholt? :]

     
  14. opalkatze

    22. Februar 2011 at 21:45

    Ja. Und blöderweise haben wir auch keine Sportteams, in die man den Erwischten wegloben könnte.

     
  15. Robson Bottle

    23. Februar 2011 at 15:27

    @opalkatze

    Ja! Naturgemäß geht alles immer wieder von Vorne los!(Übrigens auch in Arabien!)
    Aber auch auf die Gefahr hin, dass ich den einen oder anderen langweile, weil er angeblich „wichtigeres“ zu hat, muss ich doch noch einmal darauf hinweisen, dass ein Nicht-Rücktritt KTs wegen der Plagiatsaffäre fatale Folgen für unsere bundesrepublikanische Gesellschaft haben wird. Denn was will man dann z.B. einem Abiturienten noch entgegenhalten, wenn er nach einer Prüfungsschummelei sich auf den amtierenden Verteidigungsminister beruft?
    Und dass die Schwarzen das von Kohl (dem guten Freund des mehrmals rechtskräftig wegen Verbindungen zur Mafia verurteilten Giulio Andreotti) gelernt haben, rauskucker, stimmt natürlich. Der hat 16 Jahre lang seiner Schummel-, Mauschel-, Amigo- und Aussitzerkultur frönen können und damit Standards gesetzt, auf Kosten der politisch-moralisch-ethischen Kultur im Land. (Die Guttenbergs und Westerwelles sind letztlich Söhne Kohls und dessen “geistig-moralischer Erneuerung” – erinnert sich noch jemand an diesen Kohl-Kampf-Begriff?).
    Sollte KT durchkommen, mit dem Argument, dass er als Minister hervorragende Arbeit leiste, was übrigens ein gerade entstehender Mythos zu sein scheint, der in keinster Weise mit den Tatsachen (Kundusaffäre, Gorch Fock-Affäre, Kerner-Affäre etc.) übereinstimmt, werden wir in nicht allzu langer Zeit italienische Verhältnisse haben. KTs offenbar nach wie vor ungebrochene Zustimmung und Sympathie im Volk ist aus meiner Sicht nur erklärbar dadurch, dass es sich bei diesen Unterstützern und Verharmlosern um Leute handelt, die selbst entsprechend locker umgehen mit moralisch-ethischen Fragen und also genauso „kleine Sünder“ sind und natürlich interessiert daran sein müssen, dass „die da oben“ ähnlichen „Dreck am Stecken“ haben. Das erleichtert das eigene Gewissen ungemein. Italien allerdings ist da schon viel weiter. Einer der Staatsanwälte, die mit ihren Bemühungen Berlusconi zur Verantwortung zu ziehen, bisher gescheitert sind, sagt, dass die ungebrochene Unterstützung Berlusconis in weiten Teilen der Bevölkerung („Lasst ihn doch endlich in Ruhe regieren!“), nur damit zu erklären ist, dass Italien durch die Korruption schon so durchdrungen ist, dass der „kleine Mann auf der Straße“ genauso „Dreck am Stecken“ um nicht zu sagen „Leichen im Keller“ hat wie der Staatschef und die wenigen Saubermänner in Staatsanwaltschaften und auf Richterstühlen, naturgemäß zum gemeinsamen Feindbild mutieren.

     
  16. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    24. Februar 2011 at 01:06

    @Robson Bottle
    Volle Zustimmung!

     
  17. opalkatze

    24. Februar 2011 at 01:23

    Ja. Diese Zustände kehren jetzt auch bei uns ein. Armes Deutschland. Ich geh jetzt mal ein bißchen gucken, was sonst noch so los ist, ehe ich hier den Wutanfall kriege …

     
  18. Robson Bottle

    26. Februar 2011 at 19:20

    Unbedingt das Video mit dem Interview mit Prof Lepsius auf diesem Link anschauen! Es lohnt sich!

    http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/rundschau/guttenberg-plagiat-doktorarbeit-ID1298650729897.xml

     
  19. opalkatze

    26. Februar 2011 at 20:10

    Merci! Bitte Links aber nur einmal posten, die Leser wissen die schon zu finden. Ich verlinke die, wenn sie interessant sind wie dieser, sowieso in dem Text, der zeitlich am aktuellsten ist bzw. mit den meisten Kommentaren.

    Und Glückwunsch zum gelungenen Avatar :)

     
  20. rauskucker

    26. Februar 2011 at 20:16

    Wo hattest Du das mit dem Avatar nochmal erkärt? Sorry, aber ich bin so durcheinander. Tritt Guuti nun zurück oder müssen ihn erst die Amis bombardieren. Achnee, das was ja Gaffi.

     
  21. opalkatze

    26. Februar 2011 at 20:45

     
  22. rauskucker

    26. Februar 2011 at 20:48

    Aküfi…mh. :-)

    danke.

     
 
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