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Don Dahlmann: Abhängigkeiten

21 Okt

Auf Google+ habe ich einen Beitrag von Don Dahlmann gefunden, der ziemlich genau meine augenblicklichen Gedanken über die Nutzung des WWW und besonders der sozialen Netzwerke wiedergibt. Freundlicherweise hat Don mir erlaubt, ihn als Gastbeitrag zu übernehmen.

***

Seit ein paar Wochen schwirren ein paar Gedanken durch meinen Kopf (ja, kommt vor) bzgl. der Frage, wie sich das Netz gerade mal wieder verändert. Seit gestern werden die Gedanken etwas konkreter, denn da las ich die Ankündigung von Google, dass man in Zukunft etliche Dienste des Google Readers mit G+ verbinden möchte. Und irgendetwas sagt mir, dass das nicht der letzte Google Dienst sein wird, der verknüpft wird. Zudem: Google ist nicht der einzige Konzern, der seine User mit einem geschlossenen Ökosystem auf der eigenen Plattform halten will.

In den letzten 10 Jahren hat es viele Innovationen im Netz gegeben, aber letztlich haben sich die Dienste durch gesetzt, die entweder technologisch überlegen waren, oder die einfach finanziell die größere Luft hatten. Viele Firmen, die interessante Lösungen angeboten haben, wurden aufgekauft, mache von ihnen sind danach komplett verschwunden. Das bedeutet nicht, das weniger Innovationen gibt, nur finden diese immer mehr auf immer weniger Plattformen statt.

Ich will nicht sagen, dass das Netz kleiner wird, aber die Abhängigkeit von bestimmten Diensten ist schon sehr groß. Das fängt bei Google an und geht über Skype, Paypal, Amazon, Twitter, Foursquare, ebay und weiteren Dienste. Es fällt mir zum Beispiel extrem schwer auf Skype oder Paypal zu verzichten, ebenso ist Facebook, der Google Reader und Twitter kaum ersetzbar.

Mir sind derartige Konzentrationen auf einem Markt allerdings auch zuwider, sie erinnern mich an die grausige AOL-Zeit, in der das Internet nur ein versteckter Button auf der AOL-Homepage war. In mir gärt gerade die völlig subjektive, kaum belegbare Befürchtung, dass die Zeit des freien Internets zum einem gehörigen Teil dem Ende entgegen lehnt. Oder das es zumindest mit mehr Mühe verbunden ist, die geschaffenen Infrastrukturen zu verlassen. Spaßeshalber lege ich gerade eine Liste an, welche Dienste ich intensiv nutze und mit welchen anderen ich sie ersetzen könnte. Wichtig ist mir dabei, dass die Alternativen auch Cloud-basierte Lösungen bieten, damit meine Daten quer über alle Rechner synchronisieren kann.

  • Google Mail → Eigener Mailserver, Hotmail (Regen in die Traufe)
  • Google Reader → Bloglines (geht wieder, wenn auch schleppend)
  • Google Calender → ???
  • Browser → Opera (nutze ich schon)
  • Skype → Vbuzzer
  • Twitter → Identica
  • Paypal → ???
  • Twitter/Identica Client → Seesmic/Hootsuite
  • Betriebssystem → Ubuntu (Probiere ich gerade als Zweitinstallation aus)
  • Smartphone Tablet → ???
  • G+/Facebook → Diaspora
  • YouTube → Dailymotion, Vimeo
  • Dropbox → boxnet

Zu ersetzen ist also vieles und somit kann man dann auch kleinen Firmen und Entwicklern eine Chance geben. Komplett auf manche Dienste verzichten kann ich aber nicht. Skype muss aus beruflichen Gründen laufen, ebenso Twitter, Facebook und halt auch G+, wo ich ja gerade diesen Text schreibe. Ebenso wenig mag ich auf ein Smartphone verzichten, dass mir eine vernünftige Anbindung an diverse Cloud Dienste erlaubt, weil es ein Arbeitsgerät ist. WebOS wäre eine wunderbare Alternative, allerdings passiert da gerade ja nichts mehr.

Aber der gerade stattfindende Machtkampf zwischen Google, Apple, Microsoft und Amazon und die damit verbundene Politik von “Du bist mein User, und Du bleibst hier” macht mir doch erhebliche Gedanken. Und mir gefällt, auch die von Google, immer stärker betriebene Politik, erst an die eigene Abgrenzung, dann an den User zu denken, immer weniger. Wie etliche Beispiele im Umgang mit den Usern in den letzten Monaten bei den genannten Firmen gezeigt haben, ist man oft einer undurchsichtigen Entscheidungspolitik ausgesetzt, gegen die man sich nur schwer bis gar nicht wehren kann. Ich kenne das von AOL, es war der Grund, warum ich nach einem Jahr damals gekündigt habe (also, ein halbes Jahr lang versucht habe meine Kündigung in achtfacher Ausfertigung notariell beglaubigt an AOL zu übermitteln), es ist der Grund, warum vermutlich in mir gerade wieder das Gefühl aufkommt, dass es zumindest nicht schaden kann sich Alternativen zu suchen.

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Verfasst von - 21. Oktober 2011 in Datenschutz, Gastbeitrag, Netzpolitik, Web 2.0

 

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