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Glanzlichter 80: Possen, Drohnen, Ostinato

12 Jan

Politik wird wahlweise als Posse, Groteske oder Episodenstück mit viel jazz aufgeführt, zeitgleich wurde der kaskadierende bzw. ostinate Journalismus (oft auch mit b) erfunden. Qualitätsverlust auf der ganzen Linie, rumble ohne viel jungle. Verbreitete Fehlsichtigkeit, europäische Machtspielchen, Klein-klein in Muttis Küche. Ich komme langsam auf Flughöhe, demnächst wird es an dieser Stelle wieder bunter. Habt Spaß.

Blog-Glanzlicht

Da schlage ich direkt mal Jacob Jung vor, damit ihr ein Kontrastprogramm zu den ganzen Konsens-Fiffies bekommt. Ist ja nicht zum Aushalten, alle schreiben seit Wochen dasselbe. Jacob nicht. Ein guter Einstieg ist diese Charakterbeschreibung unseres beliebten Innenministers. Der übrigens anscheinend höchstselbst kurz auf Google+ erschien, aber blitzartig wieder verschwand. Ansonsten ist das eine reine Verlautbarungsseite, aber er liebt das Netz jetzt ja auch nicht so direkt. Bei Jacob kriegt ihr was Reelles.

Erich Moechel hat beschrieben, wie es ist, wenn wir demnächst luftüberwacht werden (es gibt ja Wörter in der deutschen Sprache …): Bald Drohnen über deutschen Dächern

Wer den #28c3 nicht besuchen konnte: Hier sind die Videos. Unter allen Umständen ansehen: Martin Haases alljährliche linguistische Vorlesung. Vorsicht, Lachkrampfgefahr. Weniger lustig: Sachsen dreht frei, der Vortrag von Anne Roth.

Der wunderbare Bassbariton Thomas Quasthoff hört auf. Seine Gesundheit lässt die Fortsetzung der Karriere nicht mehr zu, und er mag nicht mehr reisen. Ein Jammer.

Den Simplicissimus gibt es tatsächlich online.

Auch, wenn man davon nix versteht: Die schönsten esoterischen Programmiersprachen. Shakespeare …

Falls euch zu wohl wird: Frischt doch euer Klingonisch mal wieder auf. Kann man immer mal brauchen. Qapla’

What Happens in Bookstores at Night (YouTube, 1:51 Min.). An dem entzückenden Filmchen haben 20 Leute mehrere Nächte gearbeitet./>

 
14 Kommentare

Verfasst von - 12. Januar 2012 in Glanzlichter, Kolumne

 

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14 Antworten zu “Glanzlichter 80: Possen, Drohnen, Ostinato

  1. Roger Burk

    12. Januar 2012 at 12:29

    Großes Freu. Danke dafür!

     
  2. VonFernSeher

    12. Januar 2012 at 18:27

    Was eine Wortklauberei dieser Herr Haase betreibt. Das ist nicht lustig, sondern lächerlich. Schon an den ersten Beispielen wird doch klar, dass er überhaupt nicht verstanden hat, um was es bei diesen Wortkonstruktionen eigentlich geht. Man kan doch nicht Politik- und Juristendeutsch einfach neben Hochdeutsch stellen und dann behaupten, es habe keinen Sinn. Es hat das alles einen Sinn und Zweck und die sollte man erklären. Man sollte erklären, warum das Wort ‘aktiv’ in einem Koalitionsvertrag einen Unterschied macht. Aber das wäre wohl etwas zu inhaltsreich für dieses Publikum, das ja zuverlässig auf Zuruf von Politikernamen johlt. Es ist von mir jedenfalls nach zwanzig Minuten den Studierenden seiner Vorlesungen gleichgetan worden.

     
  3. pantoufle

    12. Januar 2012 at 18:44

    Moin Katze
    Schön, daß Du wieder die Glanzlichter machst… gehts Dir besser? Durch den Maha habe ich mich schon vor ein paar Tagen durchgelacht. Das noch jemand so viel Arbeit und Intelligenz in dieses sinnentleerte, verkrampfte Beamtendeutsch investiert, ist aller Ehren Wert. Wer dahinter noch einen Sinn vermutet, ist entweder Politiker oder Germanist.
    Die Undine Zimmer ist wirklich bemerkenswert – wie heißt das Wort? Tough?
    Liebe Grüße
    Pantoufle

     
  4. Angela

    12. Januar 2012 at 19:17

    Merci!

     
  5. VonFernSeher

    12. Januar 2012 at 20:00

    Worte haben immer den Sinn, den Leute ihnen geben. Das gilt ebenso für Politiker und – auch wenn es schwer zu ertragen ist – für Germanisten. Haase hat nicht erklärt, welchen Sinn die Leute den Worten geben wollten, sondern sich nur lustig gemacht.

    Undine Zimmer ist da das genaue Gegenteil. Sie lässt die Protagonisten der Geschichte den Sinn geben; das muss man bei den eigenen Eltern erst einmal schaffen. Diesen Artikel hätte ich wohl ohne die Glanzlichter nicht gefunden. (Und er macht die zwanzig Minuten mehr als wett.) Danke dafür.

     
  6. opalkatze

    12. Januar 2012 at 22:30

    Ich war gespannt, was dir aufstoßen würde. :]

     
  7. opalkatze

    12. Januar 2012 at 22:35

    @pantoufle
    Gezz habbich Bindehautentzündung, Ja, Undine Zimmer – ich würde das bemerkenswert und engagiert nennen. Bitte mehr davon. Anscheinend schreibt sie für den Tagesspiegel.

    @vonfernseher
    Schön, dass wir etwas für dich finden konnten. Werde mir auch künftig tüchtig Mühe geben. Ernsthaft: Über Geschmack lässt sich nun mal nicht streiten, und es ist wirklich in Ordnung, wenn für Jeden was dabei ist – so soll es ja sein.

     
  8. pantoufle

    12. Januar 2012 at 22:39

    VonFernSeher

    12. Januar 2012 at 20:00

    “Worte haben immer den Sinn, den Leute ihnen geben” Eine Aussage, die Carnap oder Wittgenstein in dieser eher … ähh… schlichten Form sicher nicht teilen würden. Ich würde mich dieser Nichtteilung fraglos anschließen – auch als Nichtgermanist.

     
  9. VonFernSeher

    13. Januar 2012 at 01:39

    @pantoufle
    Ich schrieb ja nicht, dass Worte immer nur den Sinn haben, den der Sender ihnen gibt. Es hilft aber bei der Beurteilung der Nachricht nicht, wenn man das völlig ausblendet, so wie es Haase gemacht hat, um sich den Witz zu erkaufen. Ich bin auch kein Germanist (über den Nichtgermanisten müsste ich noch einmal nachdenken), aber mein bescheidenes Wissen in den Kommunikationswissenschaften sagt mir, dass dann vielleicht der Sinn meiner Worte auch nicht so ankam. Die Einschätzung nach Wittgenstein bereitet mir indes weniger Kopfschmerzen.

    @opalkatze
    Es ist tatsächlich schön, dass Ihr (oh Katze der Katzen, ???) was für mich dabei hattet (nicht nur eins), aber das ist ja nicht die Aufgabe. Es sind ja deine Glanzlichter und darum schaue ich sie mir an.

     
  10. opalkatze

    13. Januar 2012 at 09:24

    @vff
    Vielleicht noch ein Trostpflaster für dich? http://texttheater.net/tempus-und-aspektmysterien-der-philosophischen-geheimsprache *griemel*

     
  11. pantoufle

    13. Januar 2012 at 09:49

    @katze
    Die Seite ist ja lustig! Ich grinse mich jetzt schon eine Stunde durch den Nachhilfekurs im Stacheldrahtverhau der deutschen Sprache. Danke für den Tip, auch wenn ich eher der VonNahSeher bin… kurzsichtiges Luder, das ich bin. Da finde ich bestimmt auch den Unterschied zwischen den und “den”.
    Einen schönen Tag und Salbe fürs Auge. Keine Zugluft! Keinen billigen Schnaps! Der friesische Gesundheitsminister empfiehlt Grog nach Originalrezept: Rum muß, Wasser kann, Zucker brauch nich – davon aber reichlich! Decke an die Nasenspitze und aussitzen.
    Liebe Besserungsgrüße
    Pantoufle

     
  12. opalkatze

    13. Januar 2012 at 10:20

    Danke, bei uns zu Hause lief das unter “Bremer Rezept”. Wird nix – kein Rum und muss noch (endlich) ‘ne Rezension schreiben.

     
  13. VonFernSeher

    13. Januar 2012 at 17:37

    Siehst du, und so gibt es auch Texte, die haben ausschließlich den Sinn, denn ihnen Leute geben. :)

     
  14. Publikviewer

    5. Juni 2012 at 17:14

     
 
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