RSS

Gauck also

19 Feb

Vor der Bundespräsidentenwahl am 30. Juni 2010 habe ich die Wahl Joachim Gaucks klar unterstützt, wie übrigens 42 Prozent der Bevölkerung damals. Meine Begeisterung ist längst nicht mehr so groß, einige seiner Äußerungen im letzten Jahr haben mir nicht gepasst. Auch wenn die Occupy-Bewegung möglicherweise ein wenig romantisch ist, kann man sie nicht einfach als albern bezeichnen. Die Verfolgung von Zielen, die wieder zu einer solidarischen Gesellschaft führen, mag in Zeiten wie diesen blauäugig scheinen, gerade ein Kirchenmann sollte das aber verstehen und unterstützen. Auch die Bezeichnung Thilo Sarrazins als mutig war unpassend; einem Mann, der bewusst und aus überwiegend pekuniärem Interesse spaltet, darf man nicht Mut als Antrieb unterstellen. Und Hartz IV kann man nur befürworten, wenn man vom gemeinen Volk sehr weit entfernt ist.

Es wäre höchste Zeit gewesen für eine Bundespräsidentin. Ursula von der Leyen wäre meine Wahl: Mit ihr hätten wir eine bei der Bevölkerung beliebte Politikerin an der Spitze, die das Amt mit der notwendigen gesellschaftlichen Gewandtheit ausfüllen und auf Reisen hübsch mit Kindern posieren könnte. Nebenbei wäre sie auf überaus elegante Weise an eine Stelle versetzt, wo sie politisch keinen Schaden mehr anrichten kann. Wenn schon das nicht, hätte ich Klaus Töpfer Herrn Gauck vorgezogen.

Trotzdem kann ich mit Gauck als Bundespräsident leben. Es war natürlich sehr geschickt von Angela Merkel, ihn nun “trotzdem” zu akzeptieren; nun hat sie zu allem anderen auch noch den Ruf, Fehler eingestehen zu können. Von den Deutschen wird Gauck als integer wie auch als Integrationsfigur gesehen, was nach dem Wulff-Desaster nur gut sein kann. Seine, nun ja, etwas pastoralen Reden werden Balsam für das deutsche Gemüt sein. Vor allem aber wird es nicht langweilig werden. Gauck hat aus seinem Herzen nie eine Mördergrube gemacht und immer gesagt, was er dachte. Ob das immer geschickt war – siehe oben. Die sich heute so friedlich-freudig-honigkuchenstrahlend auf ihn geeinigt haben, werden auch ihr Fett abkriegen, und vermutlich nicht zu knapp. Einen höheren Unterhaltungswert als Töpfer hat Joachim Gauck allemal. Das mit der Solidarität lernt er ja vielleicht noch.

About these ads
 
35 Kommentare

Geschrieben von - 19. Februar 2012 in Menschen, Politik

 

Schlagwörter: , , , , ,

35 Antworten zu “Gauck also

  1. Heiko C. Dellbrück

    19. Februar 2012 at 23:46

    Na, ich hoffe du hast recht, und wir bekommen nicht nur “Hartzler-sollen-Schnee-schaufeln”-Reden. Aber wenn die Alternativen alle absagen oder aus Zensursula bestehen, müssen wir da wohl durch.

     
  2. Heiko

    19. Februar 2012 at 23:46

    Das mit von der Lügen ist doch hoffentlich nur Idonie gewesen. Wenn schon eine Frau, dann eher jemanden wie z.B. Frau Käßmann oder die ehemalige Präsidentin des BVerfG Jutta Limbach.

     
  3. Roger Burk

    19. Februar 2012 at 23:48

    Hoffe doch sehr, dein Wunsch nach der Frau von der Leyen war satirisch gemeint, Vera….
    Sonst wäre ich doch geschockt ;-)

    Habe soeben im Gesichtsbuch kommentiert:
    “Joachim Gauck soll es ja nun werden. Nun ja, weiß nicht, wie ich es das finden soll.
    Kommt mir etwas so vor wie – ungewaschener ;), aufgewärmter kalter Kaffee….”

     
  4. Roger Burk

    19. Februar 2012 at 23:50

    Limbach hätte ich auch unterstützt, Heiko.
    Die Frau Kässmann nicht – betrunkene Autofahrer verursachen zuviel Leid, indem sie andere zusammenfahren.
    Hat die Kässman nun zum Glück nicht geschaftt, aber immerhin – besoffen hinterm Steuer gesessen….
    Als hätte sie kein Geld für ein Taxi….

     
  5. Corenn Nuavar (@c0r3nn)

    19. Februar 2012 at 23:54

    Dann warten wir mal ab und trinken ne Runde Tee…
    Man kann ja eh immer nur im Nachhinein feststellen, ob ein Kandidat ein guter Bundespräsident gewesen ist.

     
  6. pantoufle

    19. Februar 2012 at 23:54

    Die Person Gauck ist die eine Sache, die andere ist die Art seiner Wahl. Wieder einmal ein Zombie Merkels, wieder jemand, dem man vielleicht mit gutem Willen zutraut, nicht mehr als nötig Schaden anzurichten. Aber eben auch wieder jemand ohne Format.
    Die eigentliche Katastrophwe ist aber die Art und Weise, wie diese Entscheidung zustande gekommen ist. Ein unüberlegter Schnellschuss von Merkels Gnaden ohne die LINKE und ohne Gegenkandidaten. Demokratie 2.0.

     
  7. pantoufle

    19. Februar 2012 at 23:59

    @Roger Burk
    Jo: Stimmt! Das hat die Käßmann gemacht. Wird sie sicher auch nicht wieder tun. Wulff und Schünemann haben fleissig Migranten in totalitär regierte Staaten abgeschoben. Keiner weiß genau, wieviele davon noch leben.
    Darauf ein Glas Riesling

     
  8. opalkatze

    20. Februar 2012 at 00:00

    Nein, das ist mein voller Ernst. Da kann sie nämlich keinen Unfug mehr machen.

     
  9. bosch

    20. Februar 2012 at 00:18

    Zensursula hätte natürlich zu viele Hannover-Connections. (Ich hätte an Merkels Stelle ja Steinmeier wählen lassen. Dann wäre die SPD für die kommende Bundestagswahl außer Gefecht gesetzt: Steinbrück ist in der eigenen Partei zu unbeliebt und Gabriel kann nicht Kanzler.)

     
  10. opalkatze

    20. Februar 2012 at 00:27

    Hey, darauf war ich noch gar nicht gekommen :]

     
  11. ulf_der_freak

    20. Februar 2012 at 00:28

    Bundespräservative sind so überbewertet, daß man sie abschaffen sollte. Oder besser noch: Nehmt mich!

     
  12. opalkatze

    20. Februar 2012 at 00:34

    Nee, dein Nutella wird zu teuer.

     
  13. bee

    20. Februar 2012 at 00:53

    Es wäre höchste Zeit, dass der Zentralrat der Juden diesen Profilneurotiker öffentlich auseinandernähme für seine Elogen auf Sarrazins primitiven Biologismus. Gauck ist der endgültige Abschied von den Resten der Nachkriegsdemokratie.

     
  14. der_emil

    20. Februar 2012 at 01:36

    Nääää. Beim letzten Mal war er am Ende das kleinere Übel – aber sowas gabs ja schonmal.

    Lassen wir uns also etwas von Sozialstaat und Demokratie vor-Gauck-eln.

     
  15. der_emil

    20. Februar 2012 at 01:39

    Hm. Wäre da ein Zweigelt nicht angemessener?

     
  16. Angela

    20. Februar 2012 at 08:57

    D’accord. :) Frau v.d.L. wäre auch meine Wahl gewesen. Jetzt gibt’s ‘nen ultrakonservativen Prediger, der entsprechend vernetzt ist…
    Mal gucken, ob es zu IM Larve was zu lesen gibt.

     
  17. richard albrecht

    20. Februar 2012 at 09:07

    Betrifft ALS-OB-GAUCK

    1. Zum Ex-Pfarrer und dessen „intellektuellen“ Soziumfeld wurde Anfang 2011 Kritisches gesagt (zusammengefaßt: „besonders die Juror-Begründung von “freiheitlicher Geist” bis “empfindliches Sprachbewußtsein” ist nicht nur falsch. Sondern, wie Ernst Bloch sowas zutreffend nannte, verlogenes Gewäsche“ -> http://duckhome.de/tb/archives/8809-FREIHEITLICHER-GEIST.html ). Bleibt aktuell zu ergänzen, daß der sich Herr Ex-Bundesbehördenleiter Gauck als Pensionist seit einigen Tagen öffentlich so verhält, als ob er schon und/oder wieder zur ganzdeutschen „politischen Klasse“ gehörte: als ALS-OB-Gauck.

    2. Herr BP-Gauck hätte einen Vorteil für steuern-, abgaben- und gebührendenzahlenden Bürger/innen: Gaucks Abtritt nach wenigen bundespräsidialen Amtsmonaten würde´n bisserl billiger als der von Ex-BP Wulff, der, gute Lebenserwartungslänge und geringe Inflationsrate berücksichtigt, legal etwa 8 Millionen Teuro „Abfindung“ erhalten soll, wohingegen ein Ex-BP Gaucks „Abfindung“ wegen „fortgeschrittenen“ Alters und der vgl.weise geringeren Restlebenserwartung zwischen einer und zwei Millionen € liegen dürfte …

    3. Hier ´n Alternativvorschlag zu Gauck und allen anderen Politnasen, das BPD-„AMT“ betreffend: a) Den Posten wenn schon nicht ganz abschaffen dann wenigstens in zwei quotierte Halbtagserwerbsarbeitsplätze splitten: Grüßaugust/e fürs öffentliche Gerede (kann jede/r werden) und Notar/in zur Gesetzesunterzeichnung (muss Rechtsadvokat/in sein); b) Personale Ausstattung der Neudienstposten: jeweils halbtags Fahrer/in, Pressewart/in, Referent/in; c) Bleibt noch als Doppelfrage: wieviel/e Millonen Teuro und welche Typen werden ab Mitte März 2012 „dem deutschen Volke“ ohne Herrn BP-Gauck ge- und erspart? d) Palais Schaumburg war vorvorgestern. Warum sollte Schloß Bellevue nicht nächst gestern gewesen sein?

    Richard Albrecht, 200212
    http://eingreifendes-denken.net

     
  18. johann

    20. Februar 2012 at 09:21

    Ich möchte nur mal wissen was die Merkel und all die anderen Möchtegern Demokraten für ein Demokratieverständnis haben. Es sitzen doch nicht nur CDU/CSU SPD, FDP und Grüne im Bundestag DIE LINKE gehört doch auch zum Bundestag. Ich finde das ist eine Frechheit den Wählern gegenüber die bei den DIE LINKEN ihr Kreuzchen gemacht haben. Wenn das Demokratie sein soll, verstehe ich das System nicht mehr, denn die DIE LINKEN haben immerhin 8 Sitze mehr im Bundestag als DIE GRÜNEN. Genau: 76 Sitze für DIE LINKEN und 68 Sitze für DIE Grünen wobei DIE LINKE 16 Direktmandate vorweisen kann und DIE GRÜNEN nur einen einzigen.

    Kann mir einer sagen warum DIE LINKEN nicht mitsprechen duften? Nicht ein Wort erwähnen die Medien über diese Partei – das ist doch kein demokratisches verhalten, wenn eine Partei total ausgegrenzt wird, obwohl diese Mitglied im Bundestag ist.

     
  19. Robson Bottle

    20. Februar 2012 at 12:47

    CDU-Bosbach hat gestern Abend bei Jauch sinngemäß gesagt die Linken hätten sowieso keinem Vorschlag zugestimmt und deshalb habe man sie nicht gebraucht. Lustig gell?

     
  20. Angela

    20. Februar 2012 at 13:21

     
  21. Robson Bottle

    20. Februar 2012 at 14:37

    Tja, jetzt müsste Gauck halt nur noch bei BILD-Diekmann anrufen und auf die Mailbox sprechen …

     
  22. Elke

    20. Februar 2012 at 14:51

    Hübsch, die taz hat Dich abgeschrieben.

    Wenn ich dran denke, dass Anwälte durchs Netz hetzen und für Verlage Geld einstreichen, weil irgendwelche Leute versehentlich nen Presseartikel auf ihrer WebS haben, dann würde ich gern wissen, ob die taz Dich gefragt und schon bezahlt hat. taz linkt übrigens nach hier:

    http://taz.de/Netzkommentare-zu-Gauck/!88063/

    Dein Text in der taz, das sind rund 660 Zeichen geteilt durch 30 (Anschläge pro Normseite), macht 22 Zeilen. Nun rechne mal einer das Zeilengeld für einen Online-Artikel aus, der jahrelang im Netz steht. Viel Spaß!

     
  23. Angela

    20. Februar 2012 at 15:23

    Jedenfalls sollte man bei Gauck skeptisch bleiben und ihn nicht als “Präsident der Herzen” (Medien-Erfindung) bejubeln. Ein Prediger kann helfen, die Leute zu beruhigen, aber wenn die Positionen fragwürdig sind (Afghanistan-Krieg, Integration, Armut vs. Freiheit etc.), reiten wir weiter in die Sch… und Europa zerbricht. 

     
  24. opalkatze

    20. Februar 2012 at 16:34

    Danke für den Hinweis. Deine Sorge ist aber unbegründet, die taz hat lediglich ordnungsgemäß zitiert. Das ist durch das Zitatrecht gedeckt: im Rahmen eines eigenständigen Texts (hier Presse- und Webschau), als Zitat gekennzeichnet, mit Quellenangabe und Link. Abgeschrieben hieße, einen ganzen Text oder große Teile daraus ohne eigenständigen Begleittext und/oder ohne Quellenangabe zu übernehmen und/oder als eigenen Text auszugeben.

     
  25. Bernd Stelzer

    20. Februar 2012 at 17:14

    Lustige Anagramme auf “Joachim Gauck”:
    Ich juck Oma AG
    Coca Jim Gaukh
    o ja ich guck ma
    ja ich MC Gau ok
    ja ich guck Oma

    ja hi guck Coma
    oh ja Gucci kam
    ach juck Amigo
    magic Koch jau
    Gucki Macho ja

    magic Jauch ok
    ja Kuh Comic AG
    Gaucho Mick ja
    Joga kaum chic

    Quelle: http://www.facebook.com/lustige.anagramme

     
  26. Fjonka

    20. Februar 2012 at 17:58

    Bekam grad einen heftigen Schrecken, in diesem blog zu lesen, Ursula von der Lexen sei die frau der Wahl- und war recht erleichtert, daß sich das einen halben Satz später als Ironie herausstellte… genau das hatten wir gestern auch, als Jd. im TV meinte, sie sei doch toll- da sagte ich zu meinem Süßen: ja, toll wäre das höchstens, weil man sie dann endlich aus den Füßen hätte. Daraufhin er: “Aber dann müsste man sich spätestens alle 14 Tage irgend so eine gruslige Ursula-Grundsatzrede anhören, neeee, lieber nicht!”
    Recht hat er ;-)

     
  27. Angela

    20. Februar 2012 at 19:41

    V.d.L. als als geringstes weibliches CDU-Uebel. ;)

     
  28. opalkatze

    20. Februar 2012 at 19:46

    Weil so viele sich darüber aufregen: Es steht nirgends, dass die Auswahl des Kandidaten demokratisch stattzufinden hat. Ob man das goutiert, ist eine andere Frage.

     
  29. Jan

    21. Februar 2012 at 10:20

    Danke für einen der ganz wenigen besonnenen und ausgewogenen Kommentare zum Thema. Ich hätte auch den Töpfer vorgezogen, kann auch mit Gauck leben, obwohl er mir streng inhaltich betrachtet viel zu konservativ ist.

     
  30. opalkatze

    21. Februar 2012 at 20:20

    Ist oben schon verlinkt :) Ich ergänze immer noch mal, wenn ich interessante Texte finde.

     
  31. volker

    21. Februar 2012 at 22:32

    Hallo

    laut ZDF “heute” 21. 2. 2012 soll GAUCK „immensen Rückhalt in der Bevölkerung“ haben. Bei mir, VOLKER, nicht …

     
  32. step21

    22. Februar 2012 at 15:21

    Was ist denn daran so schwer zu verstehen? Ein Vorschlagrecht haben sie so weit ich weiß (keine Ahnung ob sie jemanden vorgeschlagen haben) aber ansonsten war in der Tat (siehe Äußerung Bosbach unten) nicht damit zu rechnen das sie sich mit irgend jemandem einigen, und sich unterneinander vor der Abstimmung abzusprechen geschieht ausserhalb der gesetzlichen Vorgaben, das darf jeder/jeder oder jede Partei mit wem sie will oder mit wem sie eben nicht will. Es ist auch egal das sie vielleicht (wo, im Bundestag? Der wählt aber nicht den Präsidenten …) mehr Stimmen haben als die Grünen, es kommt nämlich nur auf die Gesamtstimmen an. Da macht es sich natürlich gut wenn die Grünen auch zustimmen, deswegen wird man sie gefragt haben, und auch weil sie über die Grüne Regierung in z.B. BW durchaus mitbestimmen dürfen.

     
  33. Andy

    23. Februar 2012 at 21:11

    Ich komme gerade von einem Treffen woeüber Sinn oder Unsinn des Kandidaten Gauck geredet wurde. Schon jetzt scheinen die Medien eine Art Hetzkampagne initiert zu haben. Ohne Hochzeitschein scheint er es schwer zu haben. Die Frage ist ob er überhaupt das Amt annhemne sollte?

     
 
%d Bloggern gefällt das: