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Urheber ohne Recht

22 Feb

Damit eines von vornherein klar ist: Das sogenannte Urheberrecht ist alles, nur kein Recht für Urheber. Wer das noch nicht bemerkt hat, möge bitte hier nachlesen, und es gibt viele weitere hässliche Beispiele. Die Einzigen, denen durchsetzungsfähige Rechte zustehen, sind die Verwerter. Oh, nicht, dass Autoren keine Möglichkeiten hätten, im Klageweg zu bestehen. Nur dauert das ewig lange und kostet mehr Zeit und Geld, als die meisten Autoren sich leisten können. Dem stehen schlag- und finanzkräftige Rechtsabteilungen gegenüber, die nichts anderes tun, als vor Gericht für die Verleger zu siegen. Manche Anwälte verdienen auch gerne ein kleines Zubrot mit dem Auffinden und Abmahnen aus Unkenntnis falsch verwendeter Zitate oder Fotos.

Kreative Ideen werden erst dann zu materiellem Eigentum, wenn sie den Kopf ihres Urhebers verlassen und sich, auf Papier oder digital aufbereitet, verwerten und zu Geld machen lassen. Der Ausdruck geistiger Diebstahl ist daher ein geschickt gewählter Kampfbegriff der Konzerne und äußerst entlarvend: Nur ein manifestes Gut kann gestohlen werden. Damit ist klar, wer als Leidtragender zu gelten hat.
Besser passt immaterielles Gut. Es würde der Debatte nicht schaden, wenn sich dieser Begriff einbürgerte – er ist genau so bildhaft, aber deutlich sachlicher.

Die Diskussion ist dringend nötig, und sie ist öffentlich zu führen. Kaum einem Leser dürften die verschwiegen geführten Kämpfe bekannt sein, dabei wäre öffentliches Interesse an diesem speziellen Medienthema hilfreich. Die Rechteverwerter können auch deshalb so ungehindert agieren, weil sie kaum Kritik von außen ausgesetzt sind. Vermutlich wäre vielen Lesern eine Erklärung für den Qualitätsverlust ihres Stammblatts ebenso willkommen wie die Möglichkeit, mit den Autoren in Kontakt zu treten oder gar Verbesserungsvorschläge zu machen. Allerdings haben deutsche Verlage an dieser Stelle große Berührungsängste. Vielleicht scheuen sie aber auch nur den zusätzlichen Aufwand, denn in ihrer Kosten-Nutzen-Rechnung kommt der Wert des Lesers ebensowenig zwangsläufig vor wie der des Autors.

Vor allem müssen sich endlich die Urheber untereinander einigen. Die verschiedenen Organisationen, die ihre Interessen vertreten sollen, haben bisher dem fortschreitenden Rechteausverkauf weitgehend widerstandslos zugesehen oder ihn sogar noch unterstützt. Autoren, die sich mit dem Thema befassen, lassen in ihren Texten eine erschreckende Passivität erkennen: Sie klagen über alles und jedes, über die Berufsverbände, über die Verleger, die Konzerne und die Politik. Konzertierte öffentliche Aktionen, die auf die Wehrhaftigkeit der Autoren schließen ließen, sind jedoch bisher nicht bekannt. Dabei sind sie die einzige Möglichkeit, die erforderliche Auseinandersetzung mit einem zeitgemäßen und zukunftsfähigen Urheberrecht in Gang zu setzen, das diesen Namen verdient.

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17 Kommentare

Verfasst von - 22. Februar 2012 in Medien, Netzpolitik, Politik, Web 2.0

 

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17 Antworten zu “Urheber ohne Recht

  1. onesta2012

    22. Februar 2012 at 08:25

    Wie wenig Rechte die Urheber selbst haben und wie die Verwerter wie GEMA vorgehen kann man am Beispiel Barbara Clear sehen.
    http://www.gulli.com/news/1056-gema-saengerin-barbara-clear-verlor-klage-2009-06-29

     
  2. opalkatze

    22. Februar 2012 at 08:40

    Das ist alles bekannt. Es geht darum, untereinander ins Gespräch zu kommen und belastbare Gegenmodelle zu entwerfen.

     
  3. Richard Albrecht

    22. Februar 2012 at 12:04

    http://perlentaucher.de am 031211 als Autorenposting mit diesen beiden links-> http://ricalb.files.wordpress.com/2010/02/closed-access1.pdf und -> http://duckhome.de/tb/archives/8561-ANSPRUCHSVOLLE-WISSENSCHAFTLICHE-FACHLITERATUR.html aus welchen Gründen auch immer (nach)zensiert: ich verwies unwiderleglich auf einen mich als Wissenschaftler & Publizisten betreffenden „unerhörten Vorgang“ (Bertolt Brecht): die einen „unmittelbaren Produzenten“ (Karl Marx) betreffende „Expropriation (Enteignung) und Exploitation (Ausbeutung) im Netz“ durch den Berliner Wissenschaftsverlag Walter de Gruyter (nach Selbstdarstellung „seit Jahrzehnten ein Synonym für anspruchsvolle wissenschaftliche Fachliteratur“).

    „Quod erad demonstrandum“
    „2.1. Ohne jeden Anpruch auf Vollständigkeit dokumentiere ich, was ich bei meinen Netzrecherchen am 25. Oktober 2010 fand, genauer: Acht meiner Aufsätze der Jahre 1983 bis 1995 wurden auf der speziell zum Verkauf wissenschaftlicher Zeitschriftentexte eingerichteten Netzseite des Berliner de Gruyter Verlags angeboten:

    1 Text aus Communications 1983 (-> communications) 2 Text aus Communications 1986 (->
    communications) 3 Text aus Fabula (-> fabula) 4 Text aus Communications (-> communications) 5 Text aus IASG 1989 (-> IASL) 6 Text aus Communication 1990 (-> communications) 7 Text aus Communication 1991 (-> communications) 8 Text aus Communication 1995 (-> communications)

    2.2. Anders ausgedrückt: Dieser eine – angeblich oder wirklich – renommierte und international tätige Berliner Wissenschaftsverlag hat in den 1980er und 1990er Jahren mindestens a c h t von mir damals in seinen Zeitschriften, darunter sechs meiner Aufsätze in der von Alphons Silbermann edierten Zeitschrift Communications. The European Journal of Communications, illegal (Starkdeutsche nennen das kriminell) ins weltweite Netz gestellt, um damit, etwa zur begrenzten einmaligen Nutzung pro Aufsatz (Stand Ende 2009), 40 US-Dollar pro Aufsatz zu verdienen … ohne daß der Autor und seit Jahren alleinige ©Rechteinhaber darüber informiert wurde und/oder dazu befragt oder/und auch weder einen Pfennig noch einen Cent oder/und schon gar keinen US-Dollar vom Verlag oder von wem auch immer erhalten hat.“

    Soweit die Zusammenfassung zum „Fall“ des Berliner Wissenschaftsverlags Walter de Gruyter. Dem ich als Betroffener/Geschädigter Ende Oktober 2010 nur „durch Zufall“ auf die Schliche kam und dann Anfang 2011 im e-Archiv dokumentierte -> http://eingreifendes-denken.net

    Im übrigen gilt nach wie vor, was Siegfried Kracauer schon in den späten 1920er Jahren anmerkte: “Wer verändern will, muß Bescheid über das zu Verändernde wissen”.

    Leiderschade, daß bisher lediglich FREISCHREIBER Ende Januar 2012 (mich überzeugende) Forderungen veröffentlichte -> http://www.freischreiber.de/home/der-%25E2%2580%259Edritte-korb%25E2%2580%259C-darf-kein-maulkorb-f%25C3%25BCr-urheber-werden-das-positionspapier-der-freischreiber-z , für die´s sich autorisch zu engagieren lohnen könnte.

    Mit freundlichem Gruß
    Dr. Richard Albrecht, 220212

    http://duckhome.de/tb/archives/8561-ANSPRUCHSVOLLE-WISSENSCHAFTLICHE-FACHLITERATUR.html

     
  4. Richard Albrecht

    22. Februar 2012 at 12:13

    Hier´s nochmal der erste Absatz des o. Postings, der techn. nicht ankam:

    “Guten Tag Vera Bunse,

    was ich hier mitteile ist nicht allgemein bekannt; wurde vielmehr zuletzt bei -> http://perlentaucher.de am 031211 als Autorenposting mit diesen beiden links-> http://ricalb.files.wordpress.com/2010/02/closed-access1.pdf und -> http://duckhome.de/tb/archives/8561-ANSPRUCHSVOLLE-WISSENSCHAFTLICHE-FACHLITERATUR.html aus welchen Gründen auch immer (nach)zensiert: ich verwies unwiderleglich auf einen mich als Wissenschaftler & Publizisten betreffenden „unerhörten Vorgang“ (Bertolt Brecht): die einen „unmittelbaren Produzenten“ (Karl Marx) betreffende „Expropriation (Enteignung) und Exploitation (Ausbeutung) im Netz“ durch den Berliner Wissenschaftsverlag Walter de Gruyter (nach Selbstdarstellung „seit Jahrzehnten ein Synonym für anspruchsvolle wissenschaftliche Fachliteratur“).” RA.,

     
  5. Gast

    22. Februar 2012 at 16:22

    Ok, ich versuchs noch mal:

    Es war einmal eine Zeit, da Langspielplatten auf Musikcassetten überspielt wurden, um die Musik bei Freunden oder im Auto hören zu können. Oder um jemandem eine Freude zu bereiten und die Kopie zu verschenken. In Anderland waren in dieser Zeit ein paar Universitätscomputer zu einem Netzwerk verbunden. Das war um 1980.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Home_Taping_Is_Killing_Music

    Ein paar Jahre später waren im Aldi Computer zu kaufen und jeder (naja, fast jeder) konnte via Modem am allheilsbringenden Internet teilnehmen. Viele sollten von nun an profitieren. Einige schauten in die Röhre. Schlaue Köpfe machten sich Gedanken, wie man die “alte” und die “neue” Welt” unter einen Hut bringen könnte:

    1992: https://homes.eff.org/~barlow/EconomyOfIdeas.html
    1996: http://www.nytimes.com/1996/07/07/magazine/the-cyber-maxims-of-esther-dyson.html
    1999: http://koeln.ccc.de/archiv/w11g/NACHLESE3.HTML

    Aber statt nach Lösungen zu suchen wurden die Fronten immer weiter verhärtet. An Vorschlägen (aus dem Netz) mangelt es nicht:

    2004: http://www.heise.de/newsticker/meldung/WOS3-Berliner-Erklaerung-fordert-Musik-Flatrate-fuers-Internet-100408.html
    2005: http://www.worldsummit2005.de/download_de/Charta-Flyer-english.pdf
    2011: http://www.ccc.de/de/updates/2011/kulturwertmark
    2012: http://www.neunetz.com/2012/02/13/modernes-urheberrecht/

    Die Frage aber ist, ob man immer weiter Energie, Zeit und Geld verschwendet um denen, die nicht zuhören wollen, noch mal ein “Gegenmodell” ausarbeitet.
    Oder doch so?:

    http://www.gulli.com/news/18212-reddit-eigene-internetverfassung-in-arbeit-2012-02-21

     
  6. surfguard

    22. Februar 2012 at 17:18

    “Vor allem müssen sich endlich die Urheber untereinander einigen.” Exakt. Letztlich regelt sich auch dieser Markt über Angebot und Nachfrage. Wem einem die Bedingungen nicht passen, die ein Rechtverwerter/Verlag verlangt, dann veröffentlicht man eben nicht bei ihm. Wenn der Verwerter dann sagt: Schade, aber dann kaufe ich lieber deine Konkurrenz ein, dann hat man entweder zu viel davon oder das eigene Produkt ist zu austauschbar oder beides.

    Die Tagessätze freier Journalisten sind beispielsweise extrem niedrig, weil es viele davon gibt und weil der Qualitätsanspruch oft nicht hoch ist. Ich persönlich bedauere das, aber ich kann es nur zur Kenntnis nehmen.

     
  7. opalkatze

    22. Februar 2012 at 20:51

    Das ist doch der Punkt. Der Einzelne resigniert oder hält gar sein “Produkt” für nicht ausreichend, und die Verwerter machen fröhlich weiter. Weil sie es können.

     
  8. opalkatze

    22. Februar 2012 at 21:04

    Ja, Geduld ist mühsam, aber letztlich bewegt sich doch was. Noch vor einem Jahr war Netzpolitik kein Thema, gerade wird sie Mainstream. Bewusstwerdung dauert.

     
  9. Angela

    23. Februar 2012 at 10:18

    Das Problem scheint weniger das UrheberRECHT zu sein, sondern die bestehen (Macht-)Strukturen, die die Urheber weitgehend dazu zwingen, die Rechte an ihren Werken unter Wert zu verkaufen. Den Verwertern wäre es meist wirtschaftlich möglich, angemessen zu vergüten, insbesondere dann, wenn sämtliche Nutzungsrechte – über AGB’s oder Vertrag – eingeräumt werden. Die Verbände der Urheber/Gewerkschaften scheinen darüber hinaus zu schwach zu sein.

    Bleibt den Urhebern, die sich nicht erdrücken lassen wollen, die Eigenvermarktung (ggf. schließen sie sich zusammen). Das gefällt den jetzigen Verwertern natürlich nicht.

     
  10. opalkatze

    23. Februar 2012 at 14:15

    Ja, genau. Die Urheber schließen sich aber nicht zusammen. Und wenn du Familie und Kinder hast, ist die Selbstständigkeit schlicht nicht möglich (kenne Einige, denen das so geht).

     
  11. Angela

    23. Februar 2012 at 15:00

    Ok, es kommt auf die jeweilige Situation und sicher auch Einstellung an, @Vera. Der Schritt in die Selbständigkeit, welcher durchaus nebenberuflich begonnen werden kann, ist für die meisten ein Tabu. Leider. So können Strukturen auch aufbrechen…

     
  12. richard albrecht

    23. Februar 2012 at 15:30

    @ angela
    @ opalkatze

    Fall gewünscht – könnte ich (morgen vormittag) Grundinfo zu FREISCHREIBER und VG WORT aussm Archiv kramen & hier einposten …

     
  13. opalkatze

    23. Februar 2012 at 16:06

    Die positive Einstellung haben viele, aber die persönliche Situation der meisten lässt es nicht zu. Du liest ja auch bei :freischreiber, da hast du das ganze Elend.

     
  14. opalkatze

    23. Februar 2012 at 16:07

    Danke, ist aber hier, glaube ich, weitgehend bekannt.

     
  15. sunnyromy

    4. März 2012 at 21:45

    Reblogged this on SunnyRomy.

     
 
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