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Hans-Peter Friedrich – Gepflogenheiten eines Wadenbeißers

03 Mär

Wenn man den Herren Schily und Schäuble auch manches vorwerfen kann: ihnen war zumindest bewusst, dass sie Bundespolitik machen. Sie waren sich über die Konsequenzen ihrer öffentlichen Auftritte, ihrer Handlungen und Äußerungen im Klaren.

Da ist Hans-Peter Friedrich anders gestrickt. Aus der Welt der Bezirksvorstände, Ausschüsse und Arbeitsgruppen ist er nie wirklich herausgekommen. Der Minister ist unglaublich treffsicher bei seinen regelmäßigen Lapsus, zumal, wenn er sich in die Außenpolitik einmischt. Die abfälligen Bemerkungen über die Türkei gehören dazu, wie auch die Austrittsempfehlung aus der Eurozone für Griechenland. Die Kanzlerin dürfte einige Nanosekunden in Schreckstarre gefallen sein. Gegen Friedrich ist ein Elefant im Porzellanladen ein anmutiger Schmetterling.

Seine innenpolitische Panik-Strategie nach dem Motto Sicherheit statt Freiheit und die bewusste Verunsicherung der Bevölkerung sind typische Reaktionen des Wadenbeißers. Weil er nicht versteht, soll ein ganzes Volk generalverdächtigt werden. Weil ihm nichts einfällt, schafft er unsinnige Einrichtungen wie ein Cyberabwehrzentrum oder eine Extremismus-Datenbank. Aktionismus statt Reflektion – wo solche Populisten herrschen dürfen, ist für Demokratie kein Platz.

Seine vorerst letzte Infamie war die Genehmigung einer Vorabveröffentlichung der Studie “Lebenswelten junger Muslime in Deutschland” durch B*LD. Die hat sich natürlich mit Wonne darüber hergemacht und sie so frei wie auflagefördernd als “Schockstudie” interpretiert. Seit wann werden ministerielle Studien von Deutschlands übelstem Meinungsblatt vorgestellt? Vor allem: Was maßt sich dieser Provinz-Rambo an? Wer ist er, und was hat er geleistet, um sich derart aufführen zu können? Wenigstens darf er sich zurechnen, Herrn Sarrazin erfreut zu haben. Fleischerhunde unter sich.

Deutschland und seine Immigranten haben Besseres verdient. Friedrich ist kein Mittler, er integriert nicht, er polemisiert und spaltet in voller Absicht. Er verhält sich auf widerlichste Weise undemokratisch. Seine Bierzeltmanieren soll er daheim in Franken austoben. Für einen Bundesminister ist solches Verhalten – um im Bild zu bleiben – unter aller Sau.

Es gibt Politiker, die besser Gemeinderat geblieben wären. Frau Bundeskanzlerin, entsorgen Sie diesen Gefährder! Zurück in die Provinz, wo er hingehört.

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13 Kommentare

Verfasst von - 3. März 2012 in Politik

 

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13 Antworten zu “Hans-Peter Friedrich – Gepflogenheiten eines Wadenbeißers

  1. piet

    3. März 2012 at 10:54

    Touché, der Mann ist wahrscheinlich schon mit Weißwurstzuzzeln überfordert.

     
  2. Plutonium

    3. März 2012 at 11:57

    also das Friedrich nicht weiss was er tut,bezweifle ich. Jeder der in diesen Machtebenen vorgedrungen ist, ist sich im klaren was er mit seinen Taten und Worten anrichten kann. Nur interessiert es diesen nicht. Somit nenne ich sein Vorgehen nicht dilettantisch, sondern berechnend.

     
  3. zeilenknecht

    3. März 2012 at 12:45

    Das Verheerende: Er merkt es nicht, will es nicht merken oder kann es nicht ändern. Wenn es ihm gerade populär erscheint, haut er nicht mal nur gegen ihm sowieso suspekte Menschen oder Gruppen (Griechen dort, Türken hier): Erinnert sich noch jemand an seine Aussagen nach dem ersten Innenausschuss zur Neonazi-Zelle und die angebliche “Beziehungstat” an der Polizistin, weil in ihrem Heimatort auch mal ein Dreivierteljahr lang ein Neonazi eine Kneipe betrieb (sie zu dem Zeitpunkt aber schon gar nicht mehr dort lebte)?
    “Zufälle, die keine Zufälle sind”, dozierte Friedrich da in den Kamerawald.
    Die Fakten stimmten zwar fast alle nicht, der Ort erlebte trotzdem seine Verheerung durch die Medienmeute und der Zorn des eigentlich eher konservativen Menschenschlags dort auf das, was sie als Verleumdung und zusätzliche Verletzung einer durch den Mord ohnehin verletzten Familie empfanden, hält bis heute an. Und wofür? Für die 10 Sekunden ausgeleuchteten O-Ton in allen Nachrichtensendungen – oder wofür?

     
  4. Sabine Engelhardt

    3. März 2012 at 13:10

    Bei einigen Berufspolitikern und sonstigen Möchtegern-Hetzern ist es doch normal, sich erstmal via Hetzblatt zu äußern und die seriöseren Medien brav daraus zitieren zu lassen. Das fällt doch immer wieder auf, nicht nur bei unserem lügenden Bundes-Wadenbeißer. Man sieht halt gleich, daß ihnen Wichtigtuerei und Hetze wichtiger sind als Transparenz und Bürgerinformation.

     
  5. mfis

    3. März 2012 at 14:27

    Als gebürtiger Franke kann ich da nur – erstmal Applaus für den feinen Artikel – zwei weitere “Kandidaten” aus der schönen, weltoffenen Heimat ins Feld führen:

    Theodor “Give-Me-Your-Ideas” zu Guttenberg

    Lothar “Give-Me-Your-Bitch” Matthäus

    Das Schlimme am Friedrich ist aber nicht nur seine Einstellung und die recht wahnsinnigen Gedankengänge dahinter, sondern auch, dass er in der Umsetzung samt Vernebelung ziemlich gut ist. Okay, hartes Beispiel, aber auch Goebbels war ein sehr guter Redner – die Inhalte machen es damit doppelt pervers.

    http://mfis.wordpress.com/2011/09/30/bewerte-den-politiker-dr-hans-peter-friedrich

    (Aus der Reihe: “Bewerte den Politiker”)

     
  6. zeilenknecht

    3. März 2012 at 19:31

    Sorry, lies´ erst mal ein bisschen Goebbels-Reden, bevor Du so etwas erzählst. Der Vergleich ist in jeder Form daneben. Wenn Du nicht siehst, dass da mehr als ein paar Welten dazwischenliegen… Kopfschüttel…

     
  7. opalkatze

    3. März 2012 at 20:03

    “Wenn ich im Bund mal richtig auf den Tisch haue, bringt mir das Sympathien im Wahlkreis.” Er sieht das anscheinend wirklich von einem provinziellen Standpunkt und unterwirft dem auch die Anforderungen des Ministeramts.

     
  8. mfis

    3. März 2012 at 21:35

    Ich hab nur gesagt: Goebbels war ein guter Redner – nicht der Inhalt. Das war ein “technischer” Vergleich. Dass da inhaltlich (zum Glück) Welten dazwischen liegen, ist ja wohl klar.

     
  9. kasparalleinzuhaus

    4. März 2012 at 00:59

    Das Tragische ist, dass der werte Herr nicht allein daher kommt. In Parlamenten, Ministerien und auf Spitzenplätzen in Behörden finden sich jede Menge Inhaber von Posten und Pöstchen, die in der freien Wirtschaft wohl eher als Rohrkrepierer betrachtet würden.
    Es kratzt natürlich am Ego, wenn es trotz langwierigem Mehrfachstudium nicht zu einer gut dotierten Stelle in einem Unternehmen reichen will. Umso eher verlässt einen die Bodenhaftung, wenn dann die Karriere mittels Parteibuch gelingt. Da muss die offen zur Schau gestellte Ignoranz gegnüber Sach- und Fachfragen niemanden mehr verwundern. Da geht es nicht um Wahrheit, Ethik oder gar Tatsachen, da geht es schlicht darum noch ein paar Jahre abzusitzen und zu überstehen. Auf wessen Kosten das geht, spielt für den Protagonisten ja keine Rolle.
    Je länger man in dem Politzirkus mitmischt, um so satter verlässt man ihn. Was soll HP denn passieren? Zwei Legislaturperioden hat er überstanden und damit seine Altersbezüge im Sack.
    Da kann man sich auch schon mal bei der Chefin unbeliebt machen. Es gibt ja noch die eigenen Parteigenossen, die finden immer noch etwas für einen Freund.

    Es wurde mal öffentlich über eine Managerhaftung diskutiert. Ich denke, es ist an der Zeit, über eine solche Managerhaftung für unsere Amtsträger und Staatsdiener nachzudenken.

     
  10. kielspratineurope / Karsten Lucke

    4. März 2012 at 11:58

    Will nicht Linkschleudern, dennoch der Hinweis hier auf meinen Post vom 26. Februar zum selben Thema – “Friedrich, Seehofer, Dobrindt – Entschuldigung Europa für diesen Dummfug!”

    http://kielspratineurope.com/2012/02/26/friedrich-seehofer-dobrindt-entschuldigung-europa-fur-diesen-dummfug/

    Ich teile die Analyse, leider scheint dieses Verhalten bei der CSU Alltag zu sein. Der langfristige Schaden für die Demokratie ist enorm. Wie sollen sich bei einem solchen Verhalten die Bürger/innen für Politik begeistern?

     
  11. sunnyromy

    4. März 2012 at 20:51

    Reblogged this on SunnyRomy.

     
 
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