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Piraten auf dem Schießstand

09 Apr

Früher begann der Tag mit einer Schusswunde*. Heute gibt es nur noch desolate Zielversuche.

Ein Musikant rastet – ganz spontan – publikumswirksam im Radio aus. 51 Drehbuchautoren schreiben – nein, einen Offenen Brief. Das Drehbuch für die kakophonischen Zielübungen stammt nicht aus ihren Federn.

Das ehemals seriöse Handelsblatt verhilft einem Hinterbänkler mit Hevelings Geschichtspotpourri zu vorübergehender Bekanntheit. Später folgt ein geschickt portioniertes Häppchen-Buffet der, nun ja, Urheber; immerhin werden sie im gleichnamigen Recht ja partiell mit berücksichtigt. Dauerhaft erfreut sich Krawalljournalismus nur noch sinkender Beliebtheit.

An den Schulen kursiert eine sonderbare Informationsbroschüre. Sie soll die Kleinen rechtzeitig gegen das Internet impfen und aus ihnen brave Konsumenten machen. Herausgeber sind diverse Interessenverbände. Heutzutage sind Schulen ja dankbar, wenn Unterrichtsmaterialien gesponsert werden.

Der bayerische Innenminister Herrmann rückt die Piratenpartei – rein gedanklich – in ganz entfernte Nähe zum Verfassungsschutz. Wir müssen uns um sein Hörvermögen sorgen:

Die Piraten sagen vor allem, was dem Staat und den Sicherheitsbehörden verboten werden soll. Sie sagen aber nicht, wie sie Probleme lösen wollen oder ignorieren sie einfach.

Ignoranz ist eine mächtige Waffe. Das Internet ist verführerisch, gefährlich, kriminell. Ein einziger weltumspannender Tatort. Blogger sind per se verdächtig. Wie die Piraten, die notorischen Tatortdrehbücherumsonstrunterlader.

Nur in wenigen Fällen werden digitale Inhalte legal über Blogs zur Verfügung gestellt. In der Regel sind die Links in Blogs nicht rechtmäßig.

(Zitat aus dem Flyer)

Alle sind schlimm. Wäre dem nicht so, könnte man sich auf das Wesentliche konzentrieren: Alles verbieten, was die etablierten und ertragreichen Geschäftsmodelle stört und noch ein paar Jahre in Ruhe Geld verdienen. Dann übernimmt sowieso China.

Alle Gefahr geht vom Netz aus. Es ist chaotisch, unkontrollierbar, kaum zu reglementieren. Seine ureigene Grundlage ist die Kopie. Das kann man schlecht finden, negieren kann man es nicht. Man kann versuchen, selbst verursachte gesellschaftliche Verwerfungen einem Sündenbock zuzuschieben. Man kann Dinge schlecht reden, bis die noch verbliebenen Zuhörer sich vor Angst nicht mehr rühren. Man kann sogar zusehen, wie das eigene Land, die eigene Volkswirtschaft ins Abseits geraten.

Lautes Singen im Wald schlägt die Tiere nicht in die Flucht, es stört sie nur für eine Weile. Destruktivität ist das Gegenteil von Konstruktivität; die einen sehen den Zauber, die anderen nur böse Geister.

Auf der anderen Autobahnseite fangen die Ferien an.* Mit einem alten Moped soll man nicht auf die Autobahn fahren. Wie sinnvoll sind wohl Schießübungen auf Geister?

* Buchtitel und Zitat von Wolf Wondratscheck

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3 Antworten zu “Piraten auf dem Schießstand

  1. atarifrosch

    9. April 2012 at 11:51

    Ich glaube, das können wir locker sehen: Handelsblatt macht sich zum Sprachrohr der Verwertungsindustrie – Piratenpartei bedankt sich für massive Wahlwerbung :-)

    Erst ignorieren sie Dich,
    dann lachen sie über Dich,
    dann bekämpfen sie Dich
    und dann gewinnst Du. :-)

    Wir sind gerade zwischen Phase 3 und 4, behaupte ich mal. Zumindest nach den aktuellen Umfragen.

    Gruß, Frosch

     
  2. opalkatze

    9. April 2012 at 18:40

    Ja, aber lasst euch bitte bitte endlich eine neue Metapher einfallen. Was mit Karl Popper geht immer. Oder Montaigne. Oder, für Freunde des Aphorismus’, Lichtenberg.

     
 
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