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In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

13 Mai

Ergänzungen »
Die verbissen geführte Debatte um das Urheberrecht lässt entscheidende Schlussfolgerungen außer Acht. Wesentlich wichtiger als Aufrufe und Offene Briefe zu schreiben, ist es, über die Konsequenzen der plakativ verlangten rigorosen Rechtsdurchsetzung und ihre Folgen für die Gesellschaft nachzudenken.

Die Urheber, die auf dem status quo beharren, sollten sich darüber im Klaren sein, dass dessen Verteidigung und Weiterbestehen gravierende Überwachungsmaßnahmen nach sich ziehen wird. Die positive Resonanz in der Politik ist nicht nur guter Lobbyarbeit von Seiten der Verwerter zu danken, nein, die Reaktion der Urheber fällt den Sicherheitsbehörden und der milliardenschweren Sicherheitsindustrie wie ein unerwartetes, kostbares Geschenk in den Schoß. Vor 30 Jahren hätten Intellektuelle darüber erbittert und vor großem Publikum gestritten, um die Demokratie zu verteidigen. Was ist mit euch, was ist mit uns los?

Ja, es ist dramatisch: Die geforderten Maßnahmen bedrohen den Rechtsstaat.

Diese Tatsache wird offensichtlich ignoriert.

Urheber und Verwerter fallen gemeinsam unter das Urheberrecht, obwohl die Interessen keineswegs dieselben sind. Betroffen sind Technik-Abkupferer in China, die selbst vor ganzen Industrieanlagen nicht haltmachen (und das als ehrenvoll deklarieren), kriminelle Louis Vuitton-Taschen-Fälscher, Bilderklauer, kommerzielle Content-Diebe ebenso wie das Enkelchen, das auf YouTube für Oma Stevie Wonders “Happy Birthday” singt.

Wann hast du zum letzten Mal in Paris – Florenz – Rom ein ‘original’ Hermès-Halstuch für 10 Euro gekauft? Der Freundin ein scheinbar teures Parfum geschenkt? Und kaufst du in der Apotheke nicht auch lieber ratiopharm als Bayer?

Aber Hollywoodstudios, die keine Kindergeburtstagstorte mit einer Marzipanmickymaus dulden, Pillenproduzenten, die ihre Generika lieber an innerafrikanischen Grenzen einlagern, statt sie den zwei Kilometer entfernten kranken Menschen zu geben, die verdammt viel Schlimmeres als Mücken plagt, dürfen bestimmen: Geht nicht! Urheberrecht. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Das ist nicht mein Menschenbild.

Was also Urheberrechtsschutz und die Demokratie miteinander zu tun haben? Jungs und Mädels, lest euch einfach den Satz noch mal durch und lasst ihn (endlich) sacken:

Es gilt, den Schutz des Urheberrechts zu stärken und den heutigen Bedingungen des schnellen und massenhaften Zugangs zu den Produkten geistiger Arbeit anzupassen.

(Quelle: ZEIT Online)

Diesen Satz kann keiner von euch Unterzeichnern begriffen haben. Dennoch habt ihr das unterschrieben. Ist ja für einen guten Zweck.

Der unscheinbare Satz fordert nichts anderes als den Einsatz geeigneter technischer Mittel, die mächtig genug sind, die immensen Datenmengen zu kontrollieren. Es handelt sich um die Anwendung maschinell gesteuerter Programme, etwa zur Deep Packet Inspection, oder um Trojaner zur Online-Durchsuchung und -überwachung. Bisher werden solche Applikationen nur von autoritären Staaten und zur Spionage eingesetzt. Ihre Aufgabe ist die vollständige Kontrolle. Ihre Anwendung setzt zwangsläufig die anlasslose Vorratsdatenspeicherung voraus, um gegebenenfalls den gerichtsfesten Beweis für einen Rechtsverstoß erbringen zu können.

Solche Maßnahmen durften bei uns bisher ausschließlich bei Gefahr für die öffentliche Sicherheit und unter strengsten Auflagen angeordnet werden, das Etikett Terrorismus wurde jedoch immer schneller aufgeklebt. Künftig werden sie marginalisiert und privatisiert, indem man beispielsweise die Provider zur Überwachung der Datenpakete und Herausgabe der Nutzerdaten verpflichtet. Der Staat gibt die Verantwortung an die Privatwirtschaft ab und stellt sich damit selbst außerhalb von Recht und Gesetz. Das sagt viel über sein Menschenbild aus.

Allen möglichen geeigneten Maßnahmen ist eines gemeinsam: Durch die Verfassung garantierte Grundrechte werden durch ihren Einsatz außer Kraft gesetzt.

Es ist verabscheuungswürdig, wenn Staaten ihre Bevölkerung auf diese Weise überwachen. Die totale Kontrolle der Allgemeinheit zum Zweck der Rechtsdurchsetzung einer Minderheit aber ist bizarr. Es ist vollkommen abwegig, die Gegebenheiten nach dem Urheberrecht auszurichten. Vielmehr muss das Recht den Entwicklungen angepasst werden. Sonst leben wir morgen in einem Unrechtsstaat. Wollt ihr das erreichen?

Die meisten Links stammen von Kris Köhntopp – danke dafür.

 

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78 Antworten zu In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

  1. AlterKnacker

    13. Mai 2012 at 21:13

    Ich bin wahrscheinlich sowieso mit meinem sogenannten Kommentar hier nicht erwünscht (http://freies-in-wort-und-schrift.info/2012/05/13/urheberrecht-oder-copyright/), lasse ihn aber als Blogbeitrag trotzdem mal hier.

     
    • irmaLAdouce

      17. Mai 2012 at 11:52

      Entweder man sagt was, oder man hält den Mund. Sich dafür zu entschuldigen, dass man was sagt, das ist doof. Es ist ja nicht so, dass einem ein Blogpost unabsichtlich aus der Feder rutscht….

       
    • AlterKnacker

      17. Mai 2012 at 15:31

      Es kommt nun einfach auch mal vor, doof zu sein … offensichtlich ein Gen-Defekt, für den ich mich aber nicht entschuldige.

       
    • irmaLAdouce

      17. Mai 2012 at 19:18

      Ich habe nicht gesagt, du seist doof. Bitte genauer lesen…

       
  2. opalkatze

    13. Mai 2012 at 21:18

    @AlterKnacker
    [Wie bist du denn drauf?] Woraus willst du das schließen?

     
  3. Publikviewer

    14. Mai 2012 at 00:34

    Ich hatte das schon in anderen Foren eingestellt, aber hierher passt es wirklich…

    Wollt ihr das nicht verstehen?
    Hier geht es nicht um das Urheberrecht, das ist nur Mittel zum Zweck, sondern um die totale Überwachung einzuführen.
    Die Regierungen und deren Lobbyisten haben es mit Terrorismus und Pädophilen versucht, dass geht denen aber nicht schnell genug, also versuchen sie es mit ACTA, SOPA, CISPA und deren zukünftige Ableger.
    Die Debatte um das Urheberrecht kommt denen eben auch zu Pass, weil sie es auf diese Weise geschafft haben, einige ach so beliebte Promis(Künstler)für sich zu gewinnen.

     
    • Klaus

      17. Mai 2012 at 14:34

      @Publicviewer:
      Sowas nennt man VT, Verschwörungstheorie. Ich bin Urheber und will nicht von Hinz und Kunz (und auch nicht von Dr. Hinz und Prof. Kunz) beklaut werden, das ist alles.

       
    • Publikviewer

      18. Mai 2012 at 19:42

      @Klaus
      Das sind einfach Realitäten, wer das jetzt nicht begreifen will, hat später nicht einmal mehr das Brot, denn die Wurst und die Butter sind eh schon lange weg…

       
  4. opalkatze

    14. Mai 2012 at 01:34

    @Publikviewer
    YESSS.

     
  5. John

    14. Mai 2012 at 03:04

    Sehr lesenswert hierzu ist der Aufsatz “Four Futures” von Peter Frase (erschienen im Jacobin). Er nennt die Gesellschaftsform, in der brutalstmöglich das “geistige Eigentum” geschützt wird, rentism, und beschreibt die implizit geforderten Maßnahmen so:

    Enforcing draconion intellectual property law will require large battalions of what Samuel Bowles and Arjun Jayadev call “guard labor”: “The efforts of the monitors, guards, and military personnel … directed not toward production, but toward the enforcement of claims arising from exchanges and the pursuit or prevention of unilateral transfers of property ownership.”

    (Die Durchsetzung drakonischer Gesetze zum Schutz geistigen Eigentums werden große Bataillone dessen notwendig machen, was Samuel Bowles und Arjun Jayadev “Wächterarbeit” nennen: “Die Bemühungen der Kontrolleure, Wächter und des militärischen Personals, die [im Gegensatz zur Arbeit angestellter Arbeiter] nicht auf Produktion, sondern auf die Durchsetzung von Ansprüchen gerichtet ist, die vom Tausch und dem Streben oder Verhindern-Wollen unilateraler Besitztransfers ausgehen.”)

     
    • opalkatze

      14. Mai 2012 at 03:50

      Long read, puh. Herzlichen Dank, sehr interessant!

       
  6. Dr. Richard Albrecht

    14. Mai 2012 at 14:08

    @ John

    Wieso soll die Durchsetzung meiner rechtlichen & finanziellen Ansprüche[1] als “unmittelbarer Produzent”, Autor, Urheber und Rechteinhaber gegen sich Verlage nennende, international tätige Wissenschaftspublikationskonzerne, die erweislich (ich könnts auch schärfer ausdrücken) illegal handeln, wenn sie mich ausbeuten und enteignen, “rentism” sein?

    (“rentism” ist m.E. hier gedanklich-sprachlich wirr. Freilich gab/gibts ökonomisch vor allem von Revenue lebende “Rentiers”. Damit könnten bei der hier gemeinten Problemlage aber doch nur die in der Tat bei Literarhistorikern und Editoren gleichermaßen berüchtigten, ihre Gatten als “unmittelbare Produzenten” überlebenden, “Dichterwitwen”. So gesehen, ist, falls überhaupt ernstgemeint, das “rentism”-Konzept nicht nur sprachlich-gedanklich wirr, sondern im Kern irreführend wenn nicht schon im Ansatz falsch, wenn/weil Kontrollbürokratie gemeint ist.)

    [1]„ANSPRUCHSVOLLE WISSENSCHAFTLICHE FACHLITERATUR“: Auch Expropriation (Enteignung) und Exploitation (Ausbeutung) im Netz sind immer konkret. Und das Gegenteil von Open Access genannter Freier Wissenschaft -> http://duckhome.de/tb/archives/8561-ANSPRUCHSVOLLE-WISSENSCHAFTLICHE-FACHLITERATUR.html

    Freundliche Grüße von Richard Albrecht, 14. Mai 2012

     
  7. Robin Urban

    14. Mai 2012 at 15:08

    Hier kann kein Gesetz Klärung schaffen, nur der gesunde Menschenverstand. Der würde sagen, dass eine chinesische Firma, die Technik kopiert, für deren Erfindung andere Firmen Millionen von Euro ausgegeben haben, ein Verbrechen begeht, ein Kind, das ein Lied nimmt und es mit eigenen Texten auf youtube hochlädt jedoch nicht.
    Leider kann man den gesunden Menschenverstand nicht ins Gesetz schreiben. Das kennt keine Abwägungen. Und das ist schlecht.

     
    • opalkatze

      14. Mai 2012 at 15:13

      Das größere Problem besteht im Vergleich von Schmetterlingen mit Schlagbohrern. Schon allein der Umstand, dass die Interessen von Verwertern wie Urhebern von demselben Gesetz abgedeckt werden, ist fragwürdig.

       
    • Rolf Schälike (@RolfSchaelike)

      18. Mai 2012 at 00:11

      Wenn China mehr Patente und Kreationen hat als heute der Westen, dann werden wir in Europa und den USA alle Verbrecher werden, denn ohne Klauen werden wir nicht mehr funktionieren.

      Erfindungen entstehen, wenn sie gebraucht werden. Der erste schützt etwas, was der andere auch später erfunden hätte. Damit kommt zu Geld neues Geld hinzu und die Armen werden immer ärmer und abhängiger.

      Dagegen hilft den Armen das Klauen, zeitweilig. Verbrecher sind diese damit noch lange nicht.

       
    • Robin Urban

      18. Mai 2012 at 01:14

      Das verstehe ich jetzt nicht. Ist China etwa arm?

      Im Übrigen glaube ich nicht, dass der Chinesische Staat ein Klima erschafft, welches Innovationen begünstigt. Man kann Kinder vielleicht zwingen, jeden Tag 12 Stunden lang mit dem Abakus zu rechnen, bis sie damit zehnmal schneller arbeiten können als unsereiner mit dem Taschenrechner, aber von Denkleistungen, die nötig sind, um zu forschen und zu erschaffen, sind solche Fertigkeiten weit entfernt.

       
    • opalkatze

      18. Mai 2012 at 01:34

      @Rolf
      Das hat aber eher mit Verteilungsgerechtigkeit zu tun.

      @Robin
      Du hast ein, hm, interessantes China-Bild.

       
  8. Ulf J. Froitzheim

    14. Mai 2012 at 16:15

    Es gibt kein Urheberrecht auf Schlagbohrer, nur Patente oder Gebrauchsmusterschutz. Acta wiederum ist kein Gesetz.

     
    • Joachim

      15. Mai 2012 at 13:26

      Was willst Du damit sagen? Ich habe den Eindruck, es soll mit zwei Beispielen opalkatzes Aussage widerlegt und damit als unreflektiert oder inkorrekt dargestellt werden. Ich hoffe, das ist meine Fehleinschätzung.

      Kein Urheberrecht auf Schlagbohrer ist korrekt. Trotzdem werden auf deutschen Messen elektronische Geräte als Plagiate beschlagnahmt, etwa so wie ACTA sich das vorstellt: Präventiv auf Zuruf der Rechteinhaber. Der vermeintliche Plagiator kann ja klagen. Leider ist die Messe dann schon vorbei. Diese Unausgewogenheit ist ein Hauptkritikpunkt gegen ACTA.

      ACTA ist kein Gesetz ist korrekt. ACTA (bzw. seine Nachfolger) ist zweierlei:

      1) Ein Vertrag zwischen Staaten, der den Status Quo etwa in DE festschreibt. Wir legen vertraglich eine Unveränderbarkeit des Urheberrechts (in gewissen Grenzen) fest, berauben uns folglich demokratischer Möglichkeiten dieses Recht an das Heute anzupassen. Ein Vertrag, der die Entscheidungsfreiheit des Parlaments in einer klar aktuell kochenden Debatte einschränkt ist zutiefst undemokratisch.

      2) Ein Vertrag zwischen Staaten, der unsere nachweislich reformbedürftiges Urheberrecht exportiert. Mit der Folge, dass Generika verboten werden. Das kostet Menschenleben in den ärmsten Ländern. Und diese Folge ist nur ein – zugegeben sehr schlimmes – Beispiel…

      Anmerkung: “Urheberrechtsbefürworter” sollten begreifen, dass wir keine Urheberrechtsgegner und schon gar keine Gegner von Machern und Kreativen sind. Sie sollten in Erwägung ziehen, dass wir als Fans (auch kompetenter Journalisten) möchten, dass sie mehr als die Butter auf dem Brot haben.

      Ich bin der festen Überzeugung, dass die aktuelle Debatte, so es um Argumente und Gerechtigkeit geht, zum Vorteil Aller gereichen kann. Ich bin der Überzeugung, dass ein Schnellschuss oder ein politischer Kompromiss Künstlern, Kreativen und sogar den Verlagen und Labels massiv schaden wird und neue Geschäftsmodelle zu Gunsten einer etablierten Medienindustrie aus wenigen Konzernen verhindert werden. Diese Konzerne sollte sich dem Markt stellen statt Gesetze zu fordern, die ihren langsam versiegenden Claim künstlich am Leben erhalten soll.

       
    • Ulf J. Froitzheim

      15. Mai 2012 at 23:36

      “Was willst Du damit sagen? Ich habe den Eindruck, es soll mit zwei Beispielen opalkatzes Aussage widerlegt und damit als unreflektiert oder inkorrekt dargestellt werden. Ich hoffe, das ist meine Fehleinschätzung.”

      Was soll denn diese Unterstellung? Es geht nur darum, populäre Mythen zu vermeiden. Das Urheberrecht steht genug unter Beschuss, da muss man nicht auch noch Dinge vermischen.

      “Kein Urheberrecht auf Schlagbohrer ist korrekt. Trotzdem werden auf deutschen Messen elektronische Geräte als Plagiate beschlagnahmt, etwa so wie ACTA sich das vorstellt: Präventiv auf Zuruf der Rechteinhaber. Der vermeintliche Plagiator kann ja klagen. Leider ist die Messe dann schon vorbei. Diese Unausgewogenheit ist ein Hauptkritikpunkt gegen ACTA.”

      Verstehe ich das richtig: Wer das Design von Maschinen (ich nehme mal Hilti, das ist bei uns am Ort der größte Arbeitgeber, Freunde von mir arbeiten in der Entwicklung) dreist abkupfert (warst Du mal in Rido Busses Plagiarius-Museum?), mit billigem Innenleben drin, soll das ungehindert tun dürfen? Vielleicht auch noch Flugzeugteile, die aus billigen Legierungen hergestellt, mit gefälschten Labels versehen und fast so teuer wie Originalteile als solche verscherbelt werden? Wo soll da die Grenze sein? Ich hoffe, ich habe mich da verlesen!

      “ACTA ist kein Gesetz ist korrekt. ACTA (bzw. seine Nachfolger) ist zweierlei:
      1) Ein Vertrag zwischen Staaten, der den Status Quo etwa in DE festschreibt. Wir legen vertraglich eine Unveränderbarkeit des Urheberrechts

      (in gewissen Grenzen)…”

      Diese Einschränkung ist wichtig.

      “…fest, berauben uns folglich demokratischer Möglichkeiten dieses Recht an das Heute anzupassen. Ein Vertrag, der die Entscheidungsfreiheit des Parlaments in einer klar aktuell kochenden Debatte einschränkt ist zutiefst undemokratisch.”

      Wie naiv oder auch scheinheilig ist das denn? Und was hat das mit Acta zu tun? Nichts.

      Wir leben in der EU, ein Großteil unserer jüngeren Gesetze ist die Umsetzung von Brüsseler Richtlinien. Ja, das Parlament hat immer weniger zu sagen und beschneidet womöglich durch neue Regeln zu Rederecht und Fraktionszwang seine Rechte mit eigener Stimmhand weiter. Aber das ist ein grundsätzliches Problem. Dann musst Du konsequenterweise gegen die grundlegenden europäischen Verträge kämpfen. Maastricht, Schengen etc. schränken die Souveränität ein. Zurück zum Nationalstaat? (Ich meine, man kann ja darüber diskutieren, aber dann ehrlich und mit richtigem Etikett, damit jeder weiß, welcher Hase hier in welche Richtung läuft. In Sachen VDS bin auch ich ganz froh, dass S. L.-S. lieber eine Vertragsverletzung begeht als sich kujonieren zu lassen.)

      “2) Ein Vertrag zwischen Staaten, der unsere nachweislich reformbedürftiges Urheberrecht exportiert. Mit der Folge, dass Generika verboten werden.”

      Wieder so ein Quatsch. Nein, unser Urheberrecht wird so wenig exportiert wie ein anderes importiert. Und Pharmaka unterliegen nicht dem Urheberrecht. Was greift, sind nur Patentrecht und Markenschutz.

      “Das kostet Menschenleben in den ärmsten Ländern. Und diese Folge ist nur ein – zugegeben sehr schlimmes – Beispiel…”

      Und ein erfundenes, demagogisches. Es wäre schlimm, wenn es stimmte. Aber ACTA betrifft nur 37 Signatarstaaten (EU plus 10). Die ärmsten Länder gehören gar nicht dazu. Wenn dort jemand auf eigene Faust eine Produktion von Generika hochzieht, können sich die Patentinhaber auf den Kopf stellen, sie werden es nicht verhindern.

      “Anmerkung: “Urheberrechtsbefürworter” sollten begreifen, dass wir keine Urheberrechtsgegner und schon gar keine Gegner von Machern und Kreativen sind. Sie sollten in Erwägung ziehen, dass wir als Fans (auch kompetenter Journalisten) möchten, dass sie mehr als die Butter auf dem Brot haben.”

      Danke für den Matjes auf meiner Fischsemmel.

      “Ich bin der festen Überzeugung, dass die aktuelle Debatte, so es um Argumente und Gerechtigkeit geht, zum Vorteil Aller gereichen kann. Ich bin der Überzeugung, dass ein Schnellschuss oder ein politischer Kompromiss Künstlern, Kreativen und sogar den Verlagen und Labels massiv schaden wird und neue Geschäftsmodelle zu Gunsten einer etablierten Medienindustrie aus wenigen Konzernen verhindert werden. Diese Konzerne sollte sich dem Markt stellen statt Gesetze zu fordern, die ihren langsam versiegenden Claim künstlich am Leben erhalten soll.”

      Soweit das heißen soll, dass die Leistungsschutzlex Springerburda in die Tonne gehört: D’accord. Wenn nicht, bitte konkreter werden.

       
    • opalkatze

      15. Mai 2012 at 13:44

      @Ulf
      Übersetzung: Es werden Äpfel mit Birnen verglichen. Nur noch unterschiedlicher. Trau mir auch bitte zu, dass ich nach allem dazu Verbloggten tatsächlich weiß, dass ACTA ein Handelsabkommen, die verschiedenen unter Urheberrecht zusammengefassten Regelungen jedoch Gesetze sind.

       
  9. Ulf J. Froitzheim

    15. Mai 2012 at 23:45

    Ich habe diesen Satz…

    “Es gilt, den Schutz des Urheberrechts zu stärken und den heutigen Bedingungen des schnellen und massenhaften Zugangs zu den Produkten geistiger Arbeit anzupassen.”

    …jetzt wieder und wieder gelesen.

    Und dies:

    “…setzt zwangsläufig die anlasslose Vorratsdatenspeicherung voraus, um gegebenenfalls den gerichtsfesten Beweis für einen Rechtsverstoß erbringen zu können.”

    Man kann das ja mal so behaupten, unterstellen, den Autoren reinwürgen, die obiges unterschrieben haben. Irgendwas wird schon hängenbleiben, irgendwer wird es für bare Münze nehmen. Ne, wirklich, mir wird das langsam zu verschwörungstheoretisch hier. Das ist ja der pure Realitätsverlust.

     
    • opalkatze

      16. Mai 2012 at 00:55

      Welche anderen Vorschläge hättest du denn zur Rechtsdurchsetzung?

       
    • dot tilde dot

      21. Mai 2012 at 13:16

      ich bin mit ihrer schlussfolgerung in richtung verschwörungstheorie nicht einverstanden, meine aber zu wissen, wie sie darauf kommen.

      das prinzip “what you see is what you get” ist ein scharfes bild, das die informationstechnologie von einer veranstaltung für techniker zu einem alltäglichen werkzeugkasten gemacht hat.

      computer sind schreibmaschine, briefkasten und schreibtisch, tonbandgerät, schaufenster und einkaufswagen, schallplattensammlung, dunkelkammer und schneidetisch, architekturentwurf und -modell, spielfeld und fernseher, kalender, die liste ließe sich weiterführen.

      je länger man mit dem wysiwyg-prinzip arbeitet, desto mehr werden auch seine grenzen klar:

      das blatt in der schreibmaschine sieht an dieser kleinen, wichtigen stelle auf einmal anders aus, als das, was am ende aus dem drucker kommt. meine großmutter hat nie verstehen können, dass man in einem brief an beliebiger stelle eine zeile einfügen kann, ohne dass man den hinten stehenden text löschen muss. der rückt ja einfach weiter nach hinten. man muss auch kein neues blatt einlegen. wirklich, oma. (nein, ruf ruhig wieder an, wenn du etwas nicht verstehst. eigentlich hast du recht. so offensichtlich, wie wir jungen leute immer tun, ist das gar nicht.)

      meine mutter ruft mich regelmäßig an und vermisst eine email, die längst da sein müsste, hat aber einfach noch nicht ihr postfach abgeholt. sie tut sich schwer damit, zu verstehen, dass sie selber “der briefträger sein muss” und ihren mailclient zum provider schicken muss.

      und warum steht der mülleimer eigentlich auf dem schreibtisch?

      wieso kann ich manche effektgeräte direkt in das tonbandgerät einschleifen, muss sie stattdessen nach der aufnahme auf eine spur anwenden und kann mir dann erst das ergebnis anhören?

      warum kommt meine ware erst nach einer woche, wenn doch im schaufenster stand “artikel verfügbar”? warum muss ich an der kasse ein kundenkonto eröffnen, wenn ich mir einen kostenlosen download mitnehmen will?

      warum sind die stücke auf meiner lieblingscd auf dem rechner in einer anderen reihenfolge?

      warum ist die farbe auf der kamera anders als auf dem pc, anders als auf dem notebook und noch mal ganz anders auf dem drucker, geschweige denn auf dem ausdruck aus dem drogerieautomaten?

      warum muss ich bei sketchup erst die achsen drehen, bevor ich rechtecke mit neuer gemeinsamer ausrichtung zeichnen kann? (und warum darf ich dann keine animationsszene anklicken, um die achsen nicht wieder zurück zu drehen? ach, klar. da ist ja ein häkchen unter “auswirkungen”, kann man ausklappen. ok, das scheint ja dann ein profifeature zu sein.)

      die vereinfachung hat ihren preis. das griffige bild erleichtert den ersten einstieg, versteckt aber wichtige grundlagen.

      betrachten wir die üblichen bilder von computernetzen, wird klar, dass die rückseite des zweischneidigen schwertes auch unheimlich scharf ist:

      wir “gehen ins internet”. ich habe schon überlegt, ob ich dort nicht mal urlaub machen sollte, gibt es dort doch so manchen schönen ort. aber mal ernsthaft: was würden sie von einem politiker halten, der allen ernstes behauptet, das telefon dürfe kein rechtsfreier raum sein? das bild wäre so weit von unserem verbreiteten verständnis des telefonnetzes entfernt, dass wir höchstens schmunzeln würden. wir verschweigen, dass internet viel mehr stille-post-spiel ist als geografie. einen raum kann die polizei patroullieren – eine nachrichtenstafette kann man nur passieren lassen oder aufhalten. und nachrichten ihrem inhalt nach zu beurteilen entsprach bisher nicht unserer vorstellung vom polizeilichen streifendienst – zumindest nicht in unserer staatsform.

      wir “sperren webseiten”. und zwar die seite selber, nicht etwa den weg zu ihr. ein weg hätte ja noch einen umweg um die sperre drumherum, also gleich die seite sperren. entspricht zwar nicht der technischen grundlage, soll aber als argument in einer rechtspolitischen diskussion taugen.

      so segensreich die allegorien über die informationstechnologie für den einstieg sein mögen, so hinderlich werden sie, je mehr ich die möglichkeiten der neuen werkzeuge ausschöpfe. das ist logisch – schließlich bräuchten wir gar keinen computer, wenn er wirklich eine schreibmaschine wäre. wir nähmen einfach weiter die schreibmaschine.

      hüten wir uns davor, die gesetze an unsere romantischen vorstellungen der technik anzupassen. spätestens wenn solche gesetze in kraft sind, wachsen schon benutzer nach, die gar keine schreibmaschine mehr kennen. gesetze, die dann das nachlegen von papier reglementieren, werden nicht die gewünschte wirkung entfalten.

      regulierung, die die eigenschaften des regulierungsgegenstandes verklärt, führt nicht zum behaupteten erfolg. eine angemessene diskussion über das netz muss die verwendeten bilder hinterfragen und auf den boden der technischen grundlagen zurückholen. das ist bisweilen anstrengend und auf den ersten blick wenig sinnvoll.

      aber nur solange wir von datenautobahnen reden.

      .~.

       
    • opalkatze

      21. Mai 2012 at 13:35

      @dot tilde dot
      Um das Ganze abzukürzen, könnte man auch den Vergleich mit “ein bisschen schwanger” herbeiziehen.

      Das ZEIT-Stück mit Malte Spitz’ Daten ist ganz sicher keine VT, und es gibt noch stärkere Beispiele. Ich mag das auch nicht immer und immer wieder schreiben, aber wenn wir jetzt nicht diskutieren, kommen die europäischen Sicherheitsbehörden auf leichte Weise zum Ziel.

       
    • dot tilde dot

      21. Mai 2012 at 15:11

      @opalkatze:

      klar ist das kürzer. klingt aber für an unpassende vergleiche gewöhnte ohren nach alarmismus. und war der nicht die kleine schwester von vt?

      mir geht auf den keks, wenn mir menschen (im allgemeinen, nicht sie oder herr froitzheim im speziellen) paranoia vorwerfen, nur weil sie selbst zu denkfaul sind, sich die sieben schichten im osi-modell mal ganz grob klar zu machen.

      das unwissen über die technischen grundlagen halte ich für eine unterschätzte hürde in diesem diskussionsprozess. ich ertappe mich regelmäßig dabei, wie ich sie mit für die diskussiospartner unverständlicher polemik zu überwinden versuche. was natürlich regelmäßig fehlschlägt.

      .~.

       
    • opalkatze

      21. Mai 2012 at 15:35

      @dot tilde dot
      [Stell dir bloß vor, jetzt finge auch noch wer von Layern an ...]

       
  10. richard albrecht

    16. Mai 2012 at 09:23

    @ Joachim [15. Mai 2012]

    “Ich bin der festen Überzeugung, dass die aktuelle Debatte, so es um Argumente und Gerechtigkeit geht, zum Vorteil Aller gereichen kann”

    Diese Aussage widerspricht meinen jahrzehntelangen -auch hier eingebrachten[1] – Erfahrungen[2] als freier Sozialwissenschaftspublizist[3]. Auch im Bereich der Wissenschaftspublizistik werden kreativ Freie / freie Kreative nachhaltigst ausgebeutet. Sie brauchen Geld zum Überleben, „open acess“ hilft ihnen nicht.

    [1] http://opalkatze.wordpress.com/2012/02/22/urheber-ohne-recht/comment-page-1/#comment-12304
    http://opalkatze.wordpress.com/2012/04/17/urheber-recht-aber-richtig/#comments
    http://opalkatze.wordpress.com/2012/05/13/in-was-fur-einer-gesellschaft-wollen-wir-leben/#comments [14. Mai 2012]
    [2] „ANSPRUCHSVOLLE WISSENSCHAFTLICHE FACHLITERATUR“: Auch Expropriation (Enteignung) und Exploitation (Ausbeutung) im Netz sind immer konkret. Und das Gegenteil von Open Access genannter Freier Wissenschaft -> http://duckhome.de/tb/archives/8561-ANSPRUCHSVOLLE-WISSENSCHAFTLICHE-FACHLITERATUR.html
    [3] http://wissenschaftsakademie.net

    Mit freundlichem Gruß Richard Albrecht

     
    • Al Ɛco

      23. Mai 2012 at 17:20

      Dann ist es also besser alles so zu belassen wie es ist und sich weiter ausbeuten lassen? Open Access ist nicht unbedingt die alleinige allumfassende Lösung. Aber ist es richtig in einer Wissensgesellschaft Wissen zu beschränken? Um es nochmal klar zu machen, es geht nicht darum das Urheberrecht abzuschaffen. Es geht darum es entsprechend anzupassen. Und damit ist auch gemeint die Rechte der Urheber gegenüber der Verwertern und Verlage zu stärken, was in dem von Ihnen angesprochenen Sachverhalt auch richtig wäre. Wenn Beschränkungen immer mehr ausgeweitet werden und für die Rechtsdurchsetzung Grundrechtseingriffe nötig werden, ist niemanden geholfen. Diese ganze Debatte hätte eigentlich schon vor 15 Jahren geführt werden müssen. Ziel ist es einen Weg zu finden Wissen offen der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen und auf der anderen Seite den Urhebern ein Auskommen zu sichern. Aber das was jetzt hier passiert geht in die komplett falsche Richtung. Und um das mal klar zu sagen, wenn freie Kreative “ausgebeutet” werden, hat das erstmal nichts mit der im Artikel angesprochenen Urheberrechtsdebatte zu tun, denn dort geht es um die Rechtsdurchsetzung von Verwertungsrechten. Das Problem der ganzen Debatte ist, das sie undifferenziert, populistisch und emotional geführt wird.
      Und nur zur Ergänzing: Ich bin selbst Urheber.

       
    • opalkatze

      23. Mai 2012 at 20:22

      Ja.

       
    • Dr. Richard Albrecht

      23. Mai 2012 at 21:31

      Hallo

      Sie ansprachen mich. Ich kann Ihnen nicht folgen. Und vermute, Sie haben, wie auch der Herr Verwörungspraktiker “publikviewer” [publicviewer] weder gelesen noch verstanden, was ich hier als “unmittelbarer Produzent” (Karl Marx), Urheber und Texterzeuger mehrfach einpostete, z.B. dieses Beispiel: http://duckhome.de/tb/archives/8561-ANSPRUCHSVOLLE-WISSENSCHAFTLICHE-FACHLITERATUR.html

      C’est à peu près tout – auf Gutdeutsch: und Tschüssie …

       
  11. Publikviewer

    16. Mai 2012 at 11:34

    Wird es aber sicher nicht, weil es gar nicht im Interesse der Regierung und deren Lobbyisten ist.

     
  12. richard albrecht

    16. Mai 2012 at 13:37

    @ Opalkatze
    @publicviewer u.a.

    Ein kluger Unidoz. meinte weiland:

    „Maybe sometimes free ride – but never free lunch“ [~ Trittbrettfahren geht manchmal – aber kostenlos mitessen nie].

    Das vergißt leider auch ein engagierter Freischreiber wie Wolfgang Michal[1] in seiner Piratenprogramm-Kritik – was m.E. nichts dran ändert, daß viele FREISCHREIBER-Forderungen gleichnamigen Berufsverbands für Freie Berufsautor(inn)en[2] angemessen sind[3].

    [1] http://www.freitag.de/positionen/1220-k-he-an-bord
    [2] http://freischreiber.de/sites/default/files/Freischreiber_Präambel.pdf
    [3] http://duckhome.de/tb/archives/9884-FREISCHREIBER%3b-VG-WORT.html

    Freundliche Grüße von Richard Albrecht

     
  13. musenroessle

    16. Mai 2012 at 19:53

    Ich hoffe das Blog wird jetzt nicht down-gelawblogt ob der hoffentlich vielen neuen Leser ;-) :

    http://www.lawblog.de/index.php/archives/2012/05/16/links-741/

     
    • opalkatze

      17. Mai 2012 at 01:07

      Na klar. Ich bin mal wieder die Letzte, die was mitkriegt. War mit #Blockupy beschäftigt und hab es eben erst gemerkt :)

       
  14. Klopfer

    17. Mai 2012 at 15:38

    Äh, ja. Und nu?
    Folgerst du jetzt daraus, dass die ganzen Urheber auf ihre Rechte verzichten sollen? (Und man komme mir jetzt nicht mit dem Standardsatz, dass man ja gar nicht das Urheberrecht abschaffen wolle – eine Freigabe von nichtkommerziellem Filesharing ist für alle Künstler, deren Werke sich an Privatleute richten, de facto eine Abschaffung des Urheberrechts.)

     
    • opalkatze

      17. Mai 2012 at 15:53

      Was ich möchte, habe ich hier auf dem Blog und anderswo schon n Mal gesagt. Bitte, ich möchte nicht immer wieder dasselbe schreiben.

      Ich wünsche mir die Abschaffung der Scheuklappen auf beiden Seiten und eine Diskussion mit Augenmaß. Schwarz-weiß-Sicht auf die Dinge hilft niemandem. Die Ausrufung eines Lagerkampfs duch einige Interessenverbände halte ich für grundfalsch. So kommen keine Lösungen zustande.

      Ich weise gerne noch mal auf das oben verlinkte Interview von Andreas Weck mit Pia Ziefle hin: “Mein Standpunkt ist der des autonomen Urhebers”

       
  15. saela

    17. Mai 2012 at 17:33

    Der wesentliche Punkt ist – das ist alles nicht neu. Das war schon immer so. Das Ding heißt “Eigentumsfrage”.
    Die Urheberrechtsdebatte der Gegenwart spart immer wieder aufs Neue die Eigentumsfrage aus. Man will ja niemanden verschrecken. Dabei ist das Urheberrecht bzw. die Eigentumsrechtlosigkeit des Konsumenten an bestimmten Gütern untrennbar mit der Eigentumsfrage verknüpft.
    Das heutige Eigentums und Wirtschaftssystem war noch nie demokratisch.
    Die heutige Entwicklung hin zum Überwachungsstaat wird also folgerichtig wenn man den Status Quo verteidigen will. Sie trifft alle gleichermaßen, insbesondere Jene die eben nur A aber nicht B sagen.

     
  16. Publikviewer

    17. Mai 2012 at 19:35

    Nochmal, die ganze Urheberrechtsdiskussion wurde nur zu einem Zweck gestartet, nämlich um das Netz der totalen Kontrolle zu unterziehen,.
    ACTA, SOPA, CISPA und deren zukünftige Ableger tun ihr Übriges um diesen Vorgang zu beschleunigen.
    Den manipulierten Medien ist es gelungen einige Autoren für sich zu gewinnen um das Thema zusätzlich für das gemeine Volk anzuheizen und zu polarisieren.
    Somit soll auch sichergestellt werden, dass das normale Volk auch wirklich nach mehr Kontrolle und Strafe ruft..

     
  17. filodu

    17. Mai 2012 at 20:52

    Reblogged this on filodu und kommentierte:
    Das Urheberrecht in seiner jetzigen Form ist nicht mehr zeitgemäß und lässt sich in der Realität so nicht anwenden. Es ist doch grotesk,welche Strafen zeitweise angedroht werden, diese stehen doch schon lange nicht mehr in einem sinnvollen Verhältnis zur eigentlichen Tat. Es kann doch nicht sein, dass ich für den angeblichen “Verstoß gegen das Recht des geistigen Eigentums” eines Künstlers deutlich härter bestraft werde, als wenn ich hier Kinderpornos oder ähnliches ins Netz stelle…es würde deutlich mehr Sinn machen, zeitgemässe Lösungen für die bestehenden Probleme zu erarbeiten, anstatt tausende von Menschen zu kriminalisieren. Und die Rechnungen über den angeblichen wirtschaftlichen Schaden habe ich schon öfter kritisiert. Die meisten Menschen, die sich ein digitales Medium “illegales” auf den Computer downloaden, würden das nicht kaufen, da ihnen die Mittel fehlen. Kriminell dagegen sind die, die kopieren und damit handeln. Aber es ist gegen jegliche Moral und auch ungerecht, dies jedem einzelnen pauschal zu unterstellen….Ich will keinem Künstler seinen Lohn schmälern, aber jeder einzelne sollte sich darüber im klaren sein, dass die Beseitigung illegaler Downloadseiten seine Geldbörse nicht einen Gramm schwerer macht…Allerdings wird der Bekanntheitsgrad des einzelnen deutlich reduziert werden..Und dies ist das wahre Kapital des Künstlers…und potentielle Käufer werden so auch geworben, ich bin überzeugt, das der Großteil der User, wenn er es sich leisten kann, einen Urheber eines guten Werkes durch den Kauf des Originals supporten wird,…

     
  18. emranferoz

    17. Mai 2012 at 21:07

    Interessanter Artikel!

    Würde mich freuen, wenn Sie auch bei mir reinschauen!

    Grüße

    http://pakhtunkhwa911.wordpress.com/

     
  19. Meinsissbesserallsdeins

    18. Mai 2012 at 00:31

    Die Dinosourier sind nicht ausgestorben weil ihnen ein Meteorit auf den Kopf fiel, sondern wegen ihres Unvermögens sich an die veränderten Umweltbedingungen anzupassen.

    Darüber liebe Mitkünstler und Urheber(und die die sich dafür halten), solltet ihr mal nachdenken… ;)

     
  20. roger

    18. Mai 2012 at 08:42

    Du irrst, wir leben bereits in einem Unrechtsstaat.

     
    • opalkatze

      18. Mai 2012 at 08:47

      Das ist doch ein bisschen dicke: Dass Recht gebeugt wird, macht noch keinen Unrechtsstaat. Den Vergleich mit Nordkorea würde ich deshalb nicht ziehen.

       
  21. Publikviewer

    18. Mai 2012 at 12:38

    @Meinsissbesserallsdeins
    Nur gehört unsereins eben auch zu den Dinosauriern.
    Auf eine andere Weise als Du es jetzt gemeint hast, aber eben auch am aussterben.
    Those were the days…seufz

     
  22. ullli23

    18. Mai 2012 at 13:18

    Bin mal gespannt, wie sich das noch entwickelt. Ob sich wirklich in den nächsten Jahren etwas ändern wird?

     
  23. Publikviewer

    18. Mai 2012 at 17:35

    @Ulli23
    Sicher wird sich einiges ändern, es geht doch gerade schlag auf schlag, aber es wird sich nicht zu unserem Vorteil gereichen.
    Völker hört die Signale…

     
  24. Publikviewer

    18. Mai 2012 at 19:38

    Hier mal an dieser Stelle ein guter FAZ Artikel, diesmal von Fefe…http://www.faz.net/aktuell/automatisierung-der-gesellschaft-bald-wird-alles-anders-sein-11754772.html

     
    • opalkatze

      18. Mai 2012 at 20:07

      Upps, der ist von Frank – hatte mich schon gewundert. Aber, wie beinahe immer, klasse.

       
  25. Nero

    19. Mai 2012 at 11:26

    Reblogged this on Nero´s WorldVision.

     
  26. hartmut bes.

    19. Mai 2012 at 12:39

    Was ist mit der Kombination bedingungsloses Grundeinkommen BGE (Existenz gesichert) und Flattr als urdemokratische Internet-Bezahlmethode (Finanzierung).

    Ist doch u.a. für Künstler gar nicht schlecht oder?

     
    • opalkatze

      19. Mai 2012 at 12:56

      Das ist ein schlechter Vergleich. Das BGE setzt eine Systemveränderung voraus und betrifft jeden Bürger und alle Lebensbereiche. Die Honorierung von Werken ist nur ein kleiner Teilbereich.

      Flattr ist schön und fein, aber hat bisher nicht die Schwungmasse erreicht, die nötig wäre, um ein ausreichendes Einkommen zu ermöglichen. Es sind nicht einmal 10 Menschen in Deutschland, die nennenswerte Beträge bekommen, und auch die reichen nicht zum Leben. Das Modell geht in die richtige Richtung, nur müssten eben mehr Leute mitmachen.

      Andere Modelle wie die monatliche Unterstützung bspw. eines Blogs durch einen festen Betrag sind zu unsicher, um darauf einen Lebensunterhalt gründen zu können. Es geht aber hier auch nicht um Blogs, sondern um die Finanzierung von schöpferischen Leistungen im Allgemeinen. Die betrifft alle, die frei arbeiten – kein kleines Problem also.

       
  27. Henning Höllein

    22. Mai 2012 at 19:28

    Ich sammel gerade die vielen Nebelkerzen der Urheberrechtsdiskussion ein und stelle sie auf meine Homepage:

    http://henninghoellein.de/index.php?id=35

     
    • opalkatze

      23. Mai 2012 at 00:30

      Meine Güte, was für eine Fleißarbeit. Muss warten bis morgen, dann lese ich mich da mal hindurch.

       
  28. Publikviewer

    23. Mai 2012 at 02:14

    Wenn ihr endlich mal begreifen würdet, dass das Urheberrecht nur instrumentalisiert wurde um das Internet zu kontrollieren…
    Die Regierungen und die Lobbyisten haben es damit geschafft, den einfachen Bürger derart gegen die Reformer oder besser gesagt “Bewahrer”, des freien Internets aufzubringen, dass sie wahrscheinlich schon bald ACTA oder einen beliebigen Ableger durchsetzen werden können…:-(

     
    • ujf99

      23. Mai 2012 at 10:41

      “Wenn ihr endlich mal begreifen würdet, dass das Urheberrecht nur instrumentalisiert wurde um das Internet zu kontrollieren…”

      Ja, wir Urheber sind halt alle dumm. Wir bilden uns die langen, zähen Verhandlungen nur ein, die vor zehn und vor sechs Jahren dem Ersten und Zweiten Korb der Urheberrechtsnovellierung vorausgegangen sind – Verhandlungen, bei denen die Lobbys der Zeitungsverleger (Korb 1) und der Druckertinten- und Geräteimporteure (Korb 2) alles daran gesetzt haben, ihre wirtschaftlichen Interessen gegen uns Urheber durchzusetzen (was ihnen leider dank Basta-Schröder und seinen Epigonen in der Großen Koalition recht gut gelungen ist). Wir halluzinieren, wenn wir uns bei der Meldung, die SPD warne in Gestalt der früheren Justizministerin Brigitte Zypries vor der sozial unzumutbaren Zwangsabgabe namens “Kulturflatrate”, daran erinnern, dass diese Dame anno 2006 am “Tag der Urheber” ostentativ mit Industrievertretern für die Kameras posierte, denen Patente auf teure Tintenpatronen wichtiger sind als das Auskommen der Kreativen mit ihrem Einkommen.

      Und wer so doof ist wie wir, glaubt auch, dass der CDU das Urheberrecht völlig schnurz wäre, wenn nicht Springer und Burda (natürlich aus Eigennutz) darauf bestünden, dass es bleibt. Ein Schäuble braucht kein Urheberrecht, um alles, was im Web vor sich geht, für überwachenswert zu halten.

      Nichts für die FDP, aber ohne Leutheusser-Schnarrenberger hätten wir schon die zweite verfassungswidrige Vorratsdatenspeicherung – ganz ohne das Urheberrecht dafür zu bemühen.

       
    • opalkatze

      23. Mai 2012 at 13:49

      Zustimmung. Heike Rost hat in einem Kommentar irgendwo einige sehr gangbare Vorschläge gemacht, mal sehen, ob ich ihn nachher noch mal finde.

      Du wirst zugeben, dass die Verteidigung des Urheberrechts sich gut macht als Begründung für die Einführung einer Überwachungsinfrastruktur. Wenn es für Schäuble so einfach wäre, hätten wir sie längst.

      Bis jetzt konnte übrigens keiner der Urheber die Frage beantworten, wie er sich die Sicherung seiner Rechte denn in praxi vorstellt. “Durchsetzen” ist ja nicht alles, dazu gehört auch die technische Umsetzung – über das Wie hat sich anscheinend niemand Gedanken gemacht. Ich bitte, sowohl mit der Bezeichnung als Verschwörungstheorie wie auch mit der Verteufelung des Urheberrechts schlechthin vorsichtig umzugehen. Abwägung ist letztlich leider arg aus der Mode gekommen.

       
  29. Publikviewer

    23. Mai 2012 at 12:35

    Am Ende werden wohl alle verlieren, die Urheber, wie dieser ominöse Herr Regener, (Ich hatte vorher noch nie von dem gehört, Asche auf mein Haupt), angestachelt und benutzt durch die “Verwerter Industrie” oder auch neudeutsch “Content Mafia”,mit ihren überzogenen Ansprüchen auf “geistiges Eigentum” (der Spruch zergeht mir immer noch auf der Zunge), aber vor allem die Internet Nutzer, deren Inhalte dann nämlich General überwacht werden.
    So werden dann Schäuble, Merkel, die Brüsseler Eurokraten, manche Autoren sich die Hände reiben, dass sie es auf diesem Wege geschafft haben, die Vorratsspeicherung einzuführen, nachdem sie es nicht über die Terroristenschiene und uns auch nicht glaubhaft machen konnten, dass es ja so viele Pädophile gibt, die Bildchen im Netz austauschen.
    Wer hätte denn gedacht, dass ein “Urheberschutzgesetz” am Ende zu etwas nutze ist…..

     
  30. Publikviewer

    23. Mai 2012 at 14:56

    @ Opalkatze
    Sicher können die sogenannten Urheber das nicht.
    Von den Initiatoren dieser Kampagne unter anderem auch durch geschickte Medien-Manipulation aber letztlich eben doch von Regierungseite, haben sie tunlichst vermieden, den Urhebern auf die Nase zu binden, was denn eine Überwachung, einer Verschärfung des Urhebergesetzes beinhaltet.
    Denn selbst eine “Elke Heidenreich” ist auf den Kettenbrief initiiert durch diesen Typen von Cicero, reingefallen und hat ein derartiges Pamphlet unterschrieben…

     
    • opalkatze

      23. Mai 2012 at 16:53

      Ja, klar. Aber wo liegt der Fehler? Wenn man den Leuten sagt, hey, es geht an eure Einnahmen, dagegen müssen wir was tun, unterschreiben sie natürlich. Dass im Nachgang kein Nachdenken einsetzt, sondern Argumente mit VT oder “wollen das Urheberrecht abschaffen” abgebügelt werden, ist doch das Problem.

      Die Inhalteanbieter haben natürlich mächtiges Geschütz aufgefahren (“Pogromstimmung”, hallo?!), und sie haben vel Geld in zielführende Lobbyarbeit gesteckt. Aber das enthebt nicht den Einzelnen, sich spätestens bei der Frage nach seinen Vorstellungen von der Umsetzung Gedanken zu machen.

      Wer sich als Angehöriger einer intellektuellen Elite sieht, hat gefälligst sein Gehirn einzuschalten.

      Eine der wenigen reflektierteren Wortmeldungen steht hier, der Autor ist allerdings, hm, umstritten. Suche immer noch Heike Rosts Kommentar …

       
  31. Publikviewer

    23. Mai 2012 at 19:58

    Du hast es doch selbst schon beantwortet, zumindest andeutungsweise.
    Letztendlich bekommst Du sie alle beim Blick auf das Portemonnaie.
    Jeder jammert und meckert, weil er seine Pfründe nicht als genug gesichert erachtet.
    Weil auf Teufel komm raus Arbeitsplätze erhalten werden, haben wir Lohndumping, Zeit und Kurzarbeit, fast nur noch befristete Arbeitsverträge, Nullrunden, Verzicht auf das Weihnachtsgeld und ähnliches.
    Die Unternehmen, beuten die Arbeitnehmer nach allen Regeln der Neoliberalistischen Marktwirtschaft aus.
    Das heißt sie machen Druck, der erzeugt wiederum Angst, so das nach dem der Normalbürger nach dem Staat schreit um die Verhältnisse zu regeln.
    Was dem Volk und eben auch manchen intellektuellen unseres Staates nicht klar ist, ist die Tatsache das unsere Regierung ja erst mit dem Lissaboner Vertrag, die Weichen zugunsten der Großkonzerne und deren Lobbyisten gestellt hat.
    Es geht hier einzig und allein darum, dass die großen Medien und Musikverlage ihre Positionen sichern wollen und weiterhin abkassieren möchten ohne sich von irgendjemanden die Butter vom Brot nehmen lassen zu wollen.
    Deswegen wurde den sogenannten Urhebern diese stinkende Brötchen so schmackhaft gemacht und das funktioniert am besten über das Geld.
    Wie Du mit deinem Link, den ich inzwischen gelesen habe, auch ein schönes Beispiel geliefert hast, war dem Mann wohl auch nicht ganz so klar was er denn da so unterschreibt.
    Fazit, wie schon zu 68er Zeiten, möchte keiner auf sein Geld verzichten, und schon gar nicht eine umfassende Änderung unseres Finanz und Gesellschaftssystems.
    Deswegen wird wohl der Krug noch eine Weile zum Brunnen getragen werden müssen, bis er endgültig auseinander bricht.
    Das aber auch Dieser versiegen könnte ist bis jetzt kaum einem aufgefallen.

     
  32. nadar

    25. Mai 2012 at 14:54

    Offtopic: dunkelgraue Schrift auf dunkelbraunem Grund ist sehr besch…eiden zu lesen.

     
    • opalkatze

      27. Mai 2012 at 14:15

      Ja. Liegt leider nicht in meinem Einflussbereich, das zu ändern, ist eine Voreinstellung von WP.com.

       
  33. Publikviewer

    25. Mai 2012 at 16:41

    Rien d ‘autre a ajouter Monsieur?

     
  34. Publikviewer

    27. Mai 2012 at 10:43

    Was hat den dieser verkackte Eurovision Song Dingsda mit dem Urheberrecht zu tun…??
    Und jetzt komm mir bitte nicht in diesem Zusammenhang mit geistigem Eigentum.

     
    • opalkatze

      27. Mai 2012 at 14:16

      ?? Hatte ich zwar nichts drüber gesagt, aber eine Menge, ob du ihn magst oder nicht.

       
  35. genoland

    30. Mai 2012 at 17:05

    “es ist kein zeichen geistiger gesundheit, gut angepasst an eine kranke gesellschaft zu sein.”

    http://genoland.wordpress.com/2012/05/30/wehrt-euch-wacht-auf/

     
  36. Publicviewer

    14. Juli 2012 at 13:16

    Schon gelesen…:-(( http://derstandard.at/1341526759646/US-Gericht-erwaegt-ewiges-Urheberrecht
    Habe ich bei “Fefe” gesehen und kann es nicht glauben….???

     
 
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