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#LSR: Kleiner Kommentar zur Whitelist

01 Sep

+++ wird ergänzt +++
Die von @egghat am Donnerstag begonnene Whitelist der Zeitungen/Magazine, die es im Print und Online gibt, hat sich noch nicht bemerkenswert gefüllt. Vor allem fällt auf: Die Verlage, die ein Leistungsschutzrecht gefordert haben bzw. unterstützen, sind leicht zu finden. Bei den Ablehnenden ist es schwieriger.

Das kann zwei Gründe haben: Naheliegend wäre, dass man sich lieber alle Optionen offenhält. Nicht ganz so offensichtlich ist die Tatsache, dass die Belegschaft von der Redaktion bis zur Geschäftsführung uneinig ist. Gestern habe ich kurz mit einer Bekannten gesprochen, die bei einer großen Regionalzeitung arbeitet. Sie erzählte, das Klima sei gerade nicht sehr angenehm, weil Kollegen, sie seit Langem gut zusammenarbeiten, sich über das LSR in die Haare gerieten oder schlicht weigerten, “so einen Schwachsinn zu verkaufen”. Anscheinend ist dort auch die Führungsetage nicht restlos mit der Konzernpolitik einverstanden. Die einfachen Redakteure haben Angst um ihre Arbeitsplätze, wenn die Umsätze noch weiter zurückgehen.

Eine wirklich klare Aussage kommt vom Verleger des Donaukurier, Georg Schäff:

[..] im Grunde genommen rennen wir dann jedem Blogger oder jedem freien Bürger hinterher, weil er sich in irgendeiner Form geäußert hat und dafür vielleicht mal gesponsort wurde. Ich kann einfach nicht verstehen, wie man auf den Gedanken kommt, so etwas ins Leben zu rufen. Das zeigt in meinen Augen, wie weit sich unsere Verwaltung und auch bestimmte Herren in den Medien von der Realität verabschiedet haben. Es ist einfach nun mal so, dass der digitale Wandel rasant geht.

Auch beim Freitag tut man Butter bei die Fische:

Bei der ZEIT ist man – zumindest in der Onlineredaktion – nicht begeistert:

Aber:

Das ist jedoch überhaupt nicht hilfreich. Lieber Finger weg von ZEIT online – im Zweifel entscheiden Justitiare, nicht der Chefredakteur.

SpOn hatte sich im Juni geäußert:

Bekomme ich Ärger, wenn ich auf SPIEGEL ONLINE verlinke?

Nein. Sie können auch in Zukunft mit Überschrift und Textanriss auf SPIEGEL ONLINE verlinken. Und natürlich können Sie aus unseren Artikeln zitieren. Wir freuen uns darüber! Was wir allerdings wie schon bisher nicht erlauben, sind Kopien kompletter Texte oder wesentlicher Textpassagen.

Aber Achtung. Das hört sich erst mal gut an, ist es aber bei genauem Hinsehen nicht: “Überschrift und Textanriss” ist das, was bereits ein ganz normaler Link enthält. Und zitieren sollte nur, wer im Zitatrecht – das seine Tücken hat – wirklich gut zu Fuß ist.

Frank Schirrmacher von der FAZ sieht das – immerhin als Herausgeber – so:

Wie gesagt: Als Herausgeber. Einer von Vieren. In der FAZ stand übrigens auch das hier. Ironie? Wohl kaum.

Dass ein, wenn auch prominenter, Journalist in einem Meinungsbeitrag auf sueddeutsche.de findet,

Der beste Leistungsschutz für Zeitungsverlage ist daher ein guter Urheberrechtsschutz für die Autoren.

ist eine nette Aussage. Mehr nicht.

Von der taz bekam deren Abonnent Michael Schöfer folgende Antwort:

Die taz ist eine Autorenzeitung, in der die einzelnen RedakteurInnen sehr weit gehende individuelle Rechte haben und keiner Verlagslinie unterliegen. Insofern kann es auch in der Frage Leistungsschutzrechte durchaus unterschiedliche Positionen in der taz geben.”

Im selben Text haut Schöfer auf die Frankfurter Rundschau ein, was der Sachlage bei DuMont Schauberg gerecht werden dürfte (siehe auch).

t3n schreibt:

t3n lehnt den Gesetzesentwurf zum Leistungsschutzrecht ab. Eine „Google-Steuer” würde überkommene Geschäftsmodelle subventionieren, überfällige Innovationen und Umstrukturierungen in Presseverlagen würden damit nur aufgeschoben. Vielmehr sollten Suchmaschinen und Aggregatoren als Chancen begriffen werden – wir (wie viele andere Verlage) bekommen einen großen Teil unserer Besucher von Google vermittelt.

Keine Belege haben wir bisher für

Deshalb suche ich mir gleich mal die Mailadressen raus und frage. Die Antworten werden hier ergänzt.

Besonders gespannt bin ich auf die Antwort von Christian Lindner, Chefredakteur der Rhein Zeitung. Er ist einer der Wenigen, die ganz auf Online setzen. Allerdings finde ich von dem regelmäßigen Twitterer nichts zum LSR.

Abschließend noch eine Feststellung von Thomas Knüwer, der seit Juni nur noch in – explizit begründeten – Ausnahmefällen verlinkt:

Bisher verlinkte ich häufig auf Meldungen, vor allem als Hintergrund für Leser, die erst später auf den Artikel stoßen und eine spezifische Nachrichtenlage schon vergessen war. Das wird es so nicht mehr geben. Wenn es hier um Nachrichten geht, so werde ich die Verlage so behandeln, wie sie selbst die meisten Internet-Quellen und Blogs behandeln – ich werde sie verominösieren. “Wie in Zeitungen zu lesen ist”, zum Beispiel. Oder “Quelle: Papier”.

Bei Heise gibt es keine eindeutige Haltung. Hier gibt es noch ein Statement von Jürgen Kuri.
 

Weiterhin die Bitte: Wenn euch noch Zeitungen/Magazine (im Print und Online oder als “Zeitung” nur online) einfallen, schreibt sie bitte in die Whitelist, Mitteilungen dort ins Chatfenster oder hier in die Kommentare.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 1. September 2012 in Kultur, Medien, Netzpolitik, Politik, Web 2.0

 

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