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Ein Telefonat mit der Telekom

01 Okt

Genau genommen sogar eine ganze Reihe von Telefonaten. Entscheidend allerdings war das Letzte, heute Morgen. Mann oh Mann. Meine Internetanbindung ist mit 384 kBit/s unterirdisch. Ich möchte aber mit den anderen Kindern spielen und an Hangouts und Videokonferenzen teilnehmen, und das ist nun mal netter, wenn man sich auch sieht. Seit etwa sechs Wochen telefoniere ich also mit der Telekom, um herauszufinden, ob es nicht doch eine Möglichkeit für wenigstens etwas schnelleres Internet gibt. In der Zeit habe ich Lob und Fleißpunkte satt verdient; Fleißpünktchen für meine Geduld und Lob, weil ich nicht! ein! einziges! Mal! aus dem Anzug gesprungen bin.

Es begann mit der vollmundigen Zusicherung, man könne mir ab September DSL 16.000 anbieten. Der Aufpreis wäre gering gewesen, und ich hab mich gefreut wie Bolle. Gott sei Dank haben mich die Erfahrungen mit der Telekom über die Jahre misstrauisch gemacht, also habe ich erst mal Freunde und Bekannte gefragt. Zufällig ist darunter ein ehemaliger Telekömmer aus dem Nachbardorf, und der hat direkt den Kopf geschüttelt: “Niemals. Bei dir kriegst du in der jetzigen Ausbaustufe maximal DSL 2000.” “Na ja, die bezahle ich ja auch, weshalb bekomme ich die dann nicht?” “Weil das nun mal der kleinste Tarif ist, egal, ob du darunter oder darüber liegst.” Aha.

Dieselbe Frage habe ich dann auch der Telekom gestellt. Neinneinnein, das sei schon alles richtig, also 16.000 wären bei mir auf jeden Fall verfügbar. Ich hab dann mal ganz blauäugig gefragt, von welchem Verteiler ich denn versorgt würde. Na, von dem in der Verbandsgemeinde. Jaha, hab ich gesagt, die haben ja auch 16.000, erreichen sie zwar auch nicht ganz, aber so in etwa kommt das hin. Bloß wohne ich fünf Kilometer weiter. Dazwischen liegt eine Achterbahn von Straße, und dort liegt nur das alte Erdkabel. Wenn sich da was getan hätte, wüsste ich das, denn dann hätten die Landbesitzer den Aufstand geprobt, weil deren Fluren hätten aufgebuddelt werden müssen. Das mögen die nicht.

Die Menschen von der Telekom haben mehrmals verschiedene Messungen angestellt, die zwar 768 kBit/s ergaben, aber das war auch nicht wirklich hilfreich. Bei jedem Telefonat durfte ich wieder den ganzen Sachverhalt schildern; zweimal bin ich an Callcenter-Mitarbeiter geraten, die so eben Telekom schreiben konnten, und habe das ganze freundlich beendet. Es bringt nichts, wenn man jemandem sagt, etwas sei rot, und er bleibt felsenfest dabei, es sei aber doch blau. Hin und her, wir haben auch verschiedene Mobilfunk-Alternativen durchgekaut, aber keine befriedigende Lösung gefunden.

Bis heute Morgen. Yeah.

Der Mann am anderen Ende war sehr freundlich, bot direkt einige Möglichkeiten an und hat auch sofort gemessen. Und, oh Wunder: Am 15. bekomme ich DSL 2000. Echt jetzt. “Wieso können die auf der anderen Seite vom Dorf  schnelleres Internet als ich?” Er hat kurz was nachgesehen und, ja, es habe eine technische Umstellung gegeben, das sei jetzt auch bei mir möglich. Die 2000 würde ich nicht ganz erreichen, aber es sei für mich immerhin eine Leistungsverdoppelung. Hm, und warum ist mir das nicht eher angeboten worden? “Ja, das geht erst seit ein paar Wochen. Wir können ja nicht jeden anschreiben, dass sich da was geändert hat.” Den Hinweis, dass ich auch schon seit ein paar Wochen nach einer Lösung suche, habe ich runtergeschluckt. “Die Telekom könnte aber die Leistung einfach raufsetzen …” (Lacht) “Ja, wenn das so einfach gingen … Sie haben ja jetzt angerufen und Ihren Bedarf angemeldet, ich stelle das für Sie um. Sie bekommen in den nächsten Tagen eine Bestätigung, und am 15. wird es dann verfügbar sein.” Warum es nicht möglich ist, einfach in den betreffenden Gebieten die Leistung insgesamt heraufzusetzen, konnte er mir nicht erklären. Ich bin ihm trotzdem telefonisch um den Hals gefallen und habe ihm ein Fleißkärtchen mit drei Sternen versprochen.

“… und wenn Sie bei sich in der Gegend unterwegs sind – ich könnte Ihnen da noch eine LTE-Flat anbieten. Die kostet 14,95 im Monat.” Ach?! Wieso wird mir das erst jetzt angeboten? “Die Abdeckung gibt es noch nicht lange, und es wird sehr wenig nachgefragt, aber Sie scheinen das ja zu brauchen, da hab ich gedacht, reden wir mal drüber.” Wie gesagt – ich bin gegen die Telekom äußerst misstrauisch und höre erst mal rum, aber das wäre schon fein. “Ab wann wird diese Flat denn gedrosselt?” fiel mir noch ein. “Ab 3 GB, aber bis dahin haben Sie schon eine Menge Traffic.” Ist doch ein Wort, obwohl, da war noch was … Gut, das kann ich mir ja noch überlegen. “Wann wird es denn LTE für Zuhause geben?” “Ach, wissen Sie, das wird in ländlichen Gegenden nie überall verfügbar sein. Wenn sie nicht gerade in direkter Nähe einer Großstadt leben –” Gut, oder vielmehr schlecht, aber das sind doch Aussagen, mit denen der Kunde was anfangen kann.

Fazit aus dreißig Jahre Erfahrung mit der Telekom, geschäftlich wie privat: Wenn man mit den Jungs vom rosa Riesen telefoniert, kommt es – immer noch – darauf an, wie fit und motiviert der Gesprächspartner ist. Vermutlich hätte ich ebenso gut noch n-mal ohne Ergebnis telefonieren können. Natürlich fühle ich mich gelinde veräppelt, aber wenn am 15. meine Netzanbindung wirklich ein bisschen schneller wird, will ich nicht allzusehr meckern. Nur, liebe Telekom: Service geht anders, eine Trefferquote von etwa 12 : 1 ist sehr, sehr mager. Aber das wisst ihr ja schon, und gestört hat es euch eigentlich noch nie. Was juckt’s die Eiche, wenn die Sau sich an ihr schubbelt.
 

  • Wenn ihr selbst mal messen wollt: Bei Heise gibt es eine Reihe nützlicher Tools. Ich finde den Netalyzr sehr nützlich, weil er auch Daten ausgibt, die Telkos gerne verschweigen.
  • Wer mehr lustige Geschichten über die Telekom lesen möchte, schaut am besten bei Christian Jakubetz rein: Es sind mittlerweile fünf Teile. Hier geht’s los.
  • Fairerweise muss ich sagen, dass die Leute bei @Telekom_hilft sich wirklich Mühe geben.

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22 Kommentare

Geschrieben von - 1. Oktober 2012 in Basteln, Netzpolitik, Telekommunikation, Web 2.0

 

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22 Antworten zu “Ein Telefonat mit der Telekom

  1. AlterKnacker

    1. Oktober 2012 at 12:53

    Ich ‘fühle’ mit Dir …

     
  2. atarifrosch

    1. Oktober 2012 at 13:05

    In Sachen Motivation hat sich da echt nichts geändert. Ich erinnere mich daran, wie ich 1991 versuchte, einen analogen Faxanschluß zu bekommen. Das wäre eine zweite Leitung zu meinem vorhandenen analogen Telefonanschluß gewesen. Dummerweise lag dafür eine Strippe zu wenig auf den letzten fuffzich Metern oder so.

    Bevor das auffiel und dann endlich auch gebaut wurde, mußte ich aber vier Monate lang immer wieder anrufen und bekam immer wieder gesagt, man sei dran, bis einer wirklich motivierten (der Stimme nach) jungen Dame auffiel, daß da ein Bauauftrag fehlt. Ein halbes Jahr nach Beauftragung des Anschlusses hatte ich dann endlich auch die zweite Leitung.

    Da ist wohl ziemlich oft immer noch die Beamten-Mentalität drin.

     
  3. opalkatze

    1. Oktober 2012 at 13:13

    Du bist sicher nicht der Einzige. Leider geht das unter, weil Netzausbau einfach kein Thema ist und die Firmen in den Ballungszentren oder großen Städten sitzen. Unternehmer und Freie auf dem Land haben einfach Pech gehabt, sie können ja umziehen. Wegen der Internetanbindung …

     
  4. opalkatze

    1. Oktober 2012 at 13:16

    Ich weiß nicht, ob das noch Beamtendenken ist, eher das eines Quasi-Monopolisten. Da hat auch die BNetzA nicht viel dran ändern können.

     
  5. wecksignale

    1. Oktober 2012 at 16:59

    384 kBit/s finde ich schon paradiesisch. ich surfe hier mit durchschnittlich 50 kBit/s, ohne aussicht auf besserung, da ein netzausbau seitens der telekom abgelehnt wird.

     
  6. opalkatze

    1. Oktober 2012 at 18:31

    Wääh. Arme Socke. Und Funkabdeckung?

     
  7. totschka

    1. Oktober 2012 at 19:29

    Ich hatte nicht so viel Ausdauer. Nach einem Umzug eröffnete mir die Telekom, dass ich in dem Altbau kein DSL bekommen könnte, weil schon ein Nutzer DSL hätte, und mehr ginge da nicht. Noch ein Telefonat, dann hat es mir gereicht, und ich habe einen anderen Anbieter gefunden, der konnte. Als dessen Kündigung in meinem Auftrag bei der Telekom einlief, wollten die plötzlich doch und schickten sogar einen Außendienstfuzzi an meine Haustür.

    Meine Vertreter-Scheuche hat vier Pfoten und wiegt 45 Kilogramm :-D

    Seitdem ist bei mir telekomfreie Zone. Schade, aber die wollen ja nicht anders.

    Ein Bekannter, der bei der Telekom werkelt, erzählte mir mal im Vertrauen, dass für eine Eigeninitiative seitens der Telekom meine monatliche Rechnung entschieden zu niedrig sei…

     
  8. wecksignale

    1. Oktober 2012 at 19:30

    funkabdeckung ist hier im mittelgebirge auch nicht so toll (rundrum fast nur berge). halbwegs konstant nur gprs, umts sporadisch nur bei gutem wetter und geringer netzauslastung… aber es gibt schlimmeres….z.b. steuerbescheide ;-)

     
  9. opalkatze

    1. Oktober 2012 at 20:09

    Oh ja ,) Aber wenn man damit seine Brötchen verdient, bleibt einem wirklich nur umziehen, und das kann es auch nicht sein.

     
  10. Hinterwäldler

    1. Oktober 2012 at 20:38

    Ich war viele Jahre auf die Klingelleitung der Telekom angewiesen. Damals entstand mein Nick. Erst als der KabelTV-Anbieter in die Bresche sprang, weil wir in einem schlimmeren Funkloch, wie vor der Wende im Tal der Ahnungslosen (Dresden), wohnen und der terrestrische Fernsehempfang vom Pfänder (AT) und Säntis (CH) besser ist als von deutschen Funkmasten, beginnt meine Bandbreite dort, wo in den Ballungsgebieten das Angebot von PinkRiese & Co. längst aufgehört haben.

    Nun bekomme ich Telefon, TV, RF und Internet aus einem einzigen Draht. Der Preis ist meist vergleichbar. Wenn also an deinem Wohnhaus so ein TV-Kabel vorbei führt, sollte es für dich eine Überlegung wert sein. Mache dich mal kundig.

     
  11. opalkatze

    1. Oktober 2012 at 23:45

    Es gibt keines. Weil ich mit diesem Kram hier meine Brötchen verdiene, hab ich (glaube ich) nichts unversucht gelassen.

     
  12. ich

    1. Oktober 2012 at 23:48

    schonmal bei Vodaphone bzgl LTE gefragt?

     
  13. opalkatze

    1. Oktober 2012 at 23:51

    Ja, scheint so zu sein, erzählt mein Telekömmer auch. Toll!

    Ich hab mal in einer Firma gearbeitet, da gab es 1 Ordner für die Telefonrechnungen von fünf Jahren, und 12 für die Beschwerden aus demselben Zeitraum. Leider hatten wir keinen Zerberus, den wir hätten loslassen können. Aber als es der Firma dann richtig gut ging, hat der Chef genüsslichst gekündigt und ist zur Konkurrenz gegangen (die es vorher noch nicht gab). War schön. :]

     
  14. opalkatze

    1. Oktober 2012 at 23:53

    Über Vodaphone sag ich hier gar nix. Da schreib ich demnächst lieber was drüber, über Geschäftsgebaren, Verhalten bei Kündigung, Übertragung auf eine andere Telefonnummer/anderen Anbieter, Mahnverfahren und eine ganz bestimmte sehr große, sehr fiese Anwaltskanzlei. Und das tu ich dann nicht hier.

     
  15. Volker

    2. Oktober 2012 at 04:51

    Bei LTE sollte man vorab noch die Qualität des Internetzugangs im Detail/im Vertrag betrachten. Funklösungen haben eine signifikant höhere Paketlaufzeit. Das schränkt die Echtzeitfähigkeit z.B. bei Hangouts ein. Außerdem blocken die Mobilfunkanbieter gerne mal einige Protokolle weg, weil die Mobilfunknetze nicht die erforderlichen Kapazitäten für einen vollfunktionalen Internetzugang haben. Da kommt es darauf an, was man machen will, z.B. nur www oder auch mehr. Datenübertragungsrate ist nicht alles.
    Aber als add-on zu einem schwachen DSL-Zugang sicher eine gute Möglichkeit

     
  16. AlterKnacker

    2. Oktober 2012 at 09:04

    Mein ‘Stinkefinger’ in Richtung Rene Obermann kannst Du Dir ja einfach mal denken … dämliche Politik wird halt nicht nur in Berlin gemacht.

     
  17. Presto

    11. Oktober 2012 at 23:50

    Opalkatze…wenn Du am DSL Knotenpunkt hängst ( nicht weiter als 1 KM ), dann ist alles okay. Weiter weg bedeutet immer, weniger Leistung bzw. Schnelligkeit.

    TK ist und bleibt ein Problemfeld, wie auch andere Anbieter. KD und Alice sind da nicht anders. Das Problem in Westdeutschland ist auch, das viele Leitungen nicht Glasfaser sondern Kupfer sind.

    Was ich Dir raten kann ist, ordentliche Hardware ( Router, Modern ) zu besorgen, CAT 6 Netkabel und auf saubere Verlegung der Leitungen “vor der DLS-Dose” zu achten. Eine Messung vom Anbieter bei Problemen sollte keine Frage sein, das machen diese in der Regel.

    Lies Dir sonst die Foren durch. Computerbase als Beispiel. Eine perfekte Lösung wird es, auch bei fortschreitender Technik, nie geben. Ich selber habe viel gebastelt und ausprobiert, alles sehr individuell. Wichtig ist auch, howto´s anzulegen, selbst erstellte oder fertige – je nach OS und Hardware/Anbieter.

    Eines sollte aber auch wichtig sein – eine stabile und sichere Leitung, selbst wenn hoher Traffic anliegt. Das Thema Internet und DSL, ob unter Win, Mac oder Linux ist ein sehr oft diskutiertes Thema, was einiges an Zeit und Kopfschmerzen bereithält.

     
  18. opalkatze

    12. Oktober 2012 at 01:32

    Meine Hardware ist schon ok, es liegt an der Entfernung zum Knoten. Danke aber für deine Tipps! Als Nächstes wird der Bürgermeister weichgeklopft. Er weiß es noch nicht …

     
  19. kleitos

    12. Oktober 2012 at 13:53

    Nun – die meisten OCH drosseln halt bei Nutzung ohne Registrierung ;-)

    SCNR

     
  20. gold account

    14. Oktober 2012 at 19:29

    So. Habe mir jetzt einen Speedport W700V besorgt. Nagelneu und Originalverpackt. Habe ihn heute angeschlossen, da ich jetzt fast täglich Verbindungsabbrüche hatte. Bin mal gespannt ob es sich jetzt bessert. Der W700V hat die Firmware 1.22.000 vom 10.12.2006. Werde ihn erst mal so Laufen lassen.

     
 
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