RSS

Hiob geht um

17 Nov

Der Verkünder schlechter Nachrichten geht durch’s Zeitungsland, von Vielen schon lange gesichtet und mit gut begründeten Botschaften. Aus den Führungsetagen wird dem bisher wenig entgegengesetzt, straffen, zusammenlegen, entlassen scheinen nach wie vor die Mittel der Wahl zu sein. Dumm nur, dass einerseits Zeitungen für eine Demokratie wichtig sind, sich aber in der herkömmlichen Form nicht mehr so verkaufen und auch bei den Jüngeren nicht signifikant zur Meinungsbildung beitragen. Dumm auch, dass gleichzeitig zwar viel Wert auf universitäre Bildung, Exzellenzinitiativen und ähnliche Wohltaten für Wohlhabende gelegt, aber bei der durchschnittlichen Schulbildung seit Jahren gespart wird. In Deutschland entsteht eine zweite Schere: Neben der vorhandenen ungleichen Vermögensverteilung wird Bildungsferne in der Breite kräftig gefördert.

Der Staat nimmt seinen Auftrag zur Daseinsvorsorge schon lange nicht mehr ernst, stattdessen verteilt er Steuergeschenke an Groß-Stromabnehmer und Betreuungsgelder an Familien, die sich dann ein Au-pair-Mädchen zusätzlich leisten können. Die für 2013 zugesicherten Kindergartenplätze werden nicht in ausreichender Zahl geschaffen werden können – es fehlen noch 220.000; die Gemeinden sind nicht finanzkräftig genug, die Kirchen haben sich vielerorts zurückgezogen. Gerade schicken sich auch die Krankenhausbetreiber an, die Versorgung zu verbilligen, indem sie ausländische Ärzte einstellen, die für weniger Geld arbeiten als ihre deutschen Kollegen. Das Problem der Altenpflege und -betreuung ist weiterhin nicht gelöst.

Analog zu dem Sozialabbau im Innern wird, angetrieben von der Regierung Merkel, ein Austeritätskurs verfolgt, der in den betroffenen Ländern bereits jetzt zeigt, dass er das völlig falsche Mittel ist. (Ich hatte das irgendwo am Beispiel des Kaufmanns beschrieben.) Während also überall prekäre Lebensverhältnisse zunehmen und auch in einem reichen Land wie Deutschland eine zuverlässige Lebensplanung nicht mehr möglich ist, sterben gleichzeitig Zeitungen.Nicht, weil sie nichts zu berichten hätten. Weil sie es nicht tun.

Immer, wenn die Lebensumstände schwierig sind, besteht hoher Bedarf an Erklärung und Einordnung, zumal, wenn es sonst wenig Verlässliches gibt. Brechen die vertrauten Medien weg – ja, was dann? Es ist verständlich, dass Verleger keine Lust mehr auf ein aussterbendes Geschäftsmodell haben, so sehr sie auch noch zappeln. Aber ist es nicht längst so, dass deutsche Medien großenteils nur noch Agenturmeldungen wiedergeben? Dass Meinungen ohnehin anderswo gesucht werden? Eigentlich fehlt nur noch der oder die große Unbekannte oder eine Organisation, die sich die Orientierungslosigkeit zunutze macht.Vermutlich werden bis dahin noch ein paar Hundert Journalisten mehr entlassen, ein paar Zeitungen mehr sterben. Und vermutlich wird es von denen da oben niemanden weiter interessieren.
 

About these ads
 
23 Kommentare

Geschrieben von - 17. November 2012 in Leben, Medien, Politik

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

23 Antworten zu “Hiob geht um

  1. rauskucker

    17. November 2012 at 18:41

    Ja, wirklich schlimm. Aber Hiob ist nicht der Bote der schlechten Nachrichten, sondern ihr Empfänger. Also wir. (So hab ich es jedenfalls bei Ludwig Marcuse gelernt.)

     
  2. AlterKnacker

    17. November 2012 at 19:00

    Zitat: “Die für 2013 zugesicherten Kindergartenplätze werden nicht in ausreichender Zahl geschaffen werden können – es fehlen noch 220.000; die Gemeinden sind nicht finanzkräftig genug” … (das fehlt noch im Anschluss) … “… und werden dann verklagt.”

     
  3. opalkatze

    17. November 2012 at 19:11

    Autsch. Natürlich hast du recht. Wie komm ich jetzt aus der Nummer raus? Hm. Ich stelle mich erst mal ahnungslos.

     
  4. opalkatze

    17. November 2012 at 19:11

    Na ja, komm, ein bisschen sollt ihr ja auch mitdenken. ,)

     
  5. Michi

    17. November 2012 at 20:53

    Wieso verklagen? Dafür, dass die Eltern die ihnen zustehenden Kita-Plätze für ihre Kleinen nicht einklagen, sondern großzügig darauf verzichten, bekommen sie doch demnächst 150 Euro Schweigegeld pro Monat.

    Geld gespart und der Bürger hält die Klappe. Was will man mehr?

     
  6. Angela

    18. November 2012 at 00:23

    Zum K., auch diese widerlichen Tendenzen: http://www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/

     
  7. AlterKnacker

    18. November 2012 at 09:40

    *schmunzel* … wo Du recht hast, hast Du recht.

     
  8. hape kraus

    18. November 2012 at 11:03

    Es gibt aber auch gute Nachrichten: Die Fernsehunterhaltung ist auf Jahre hinaus durch ein neues Gebührenmodell gesichert. Talkshow-Moderatoren und Bundesligakicker müssen keine kleineren Autos kaufen.

     
  9. opalkatze

    18. November 2012 at 14:06

    @hape
    Ach, da bin ich jetzt aber wirklich erleichtert. Übrigens bin ich der Meinung, wir sollten uns gegen dieses Gebührenmodell wehren.

     
  10. opalkatze

    18. November 2012 at 14:07

    @Michi
    Nee, wird so nicht klappen, ist aber ein netter Versuch. Hier auf dem Dorf, wo die Wege auch zur Teilzeitstelle weit sind, werden Eltern klagen, und nicht wenige.

     
  11. wvs

    18. November 2012 at 15:59

    ” .. Übrigens bin ich der Meinung, wir sollten uns gegen dieses Gebührenmodell wehren .. ”
    Diese Meinung vertrete ich auch – aber wie?
    Da war doch so eine Partei. Mit so einem komischen Namen. Piraten oder so ..?!

     
  12. opalkatze

    18. November 2012 at 17:17

    @wvs
    Kenn ich nich’. Was ist das?

     
  13. hape kraus

    18. November 2012 at 17:29

    @opalkatze: Sicher sollten wir uns gegen das neue Modell wehren. Das ist aber nicht so einfach. Die Politik steht geschlossen hinter und vor dem öffentlichen-rechtlichen Rundfunk, einzig die Linke schert aus, wo sie sich das erlauben kann, von den Piraten gibt’s maximal unautorisierte Lippenbekenntnisse gegen das Modell. In der Bloggerszene ist man ebenfalls im Prinzip glücklich mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Bleibt also nur die individuelle Gegenwehr: Zahlung einstellen, Gebührenbescheid abwarten, Widerspruch einlegen und nach Ablehnung desselben vor Gericht gehen. Anwalt ist in der ersten Instanz nicht notwendig und es gilt der Untersuchungsgrundsatz, heißt der Richter muss unabhängig vom Vorgetragenen nachforschen was Sache ist. Wer aufgrund eines Gewerbes den neuen Beitrag zahlen muss, hat mit Sicherheit gute Chancen, weil die Regelungen ziemlich konfus sind. Die grundsätzliche Infragestellung wegen Unvereinbarkeit mit dem Grundgesetz ist schwieriger. Da muss man selbst ran, um zu argumentieren, wo es z.B. beim Gleichheitsgrundsatz oder Art. 5 Meinungsfreiheit im Argen liegt. Ich gehe aber davon, dass Schriftsätze im Netz auftauchen werden, wo man sich bedienen kann. Das hat das bei PC-Gebühr ja auch gegeben. Wer ohne großes Risiko was tun will, zahlt eben zwei Quartale und geht dann das beschriebene Verfahren durch. Da es zu dem Zeitpunkt, wo man zum Zuge kommt mit der Klage, bereits anhängige Verfahren gibt, wird das eigene per formlosen Antrag auf Eis gelegt. Gehen die anderen Klage schief, kann man immer noch zurückziehen und kriegt noch einen Teil der Gerichtsgebühren (75 Euro) zurück.

     
  14. rundertischdgf

    19. November 2012 at 18:14

    Zeitungen dürfen sich nicht wundern, wenn sie pleite gehen. Wer fast nur noch die dpa-Welt wiedergibt, verbreitet gähnende Langweile. Die Berichterstattung heute über die mögliche Stationierung von Patriot-Raketen an der türkisch-syrischen Grenze ist so ein politisch korrekter Einheitsbrei, egal ob man das Buxtehuder Käseblatt oder den Dingolfinger Anzeiger liest. Aber auch in der FAZ kommt man zu keinen neuen Erkenntnissen. Gott sei Dank gibt es noch die Leserkommentare.
    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/11/19/germans-to-the-front/

     
  15. opalkatze

    21. November 2012 at 15:12

    Öh, ja, vielen Dank, das wäre mal wieder spurlos an mir vorbeigegegangen; viel Arbeit gab’s, und wenig Brot. Hab es nachts noch gehört und fand die Keule gar nicht so groß. Normalerweise höre ich DRadio Wissen ständig, aber im Moment ist einfach zu viel Anderes, auf das ich mich konzentrieren muss, da komm ich nur am Wochenende dazu.

     
  16. hardy

    21. November 2012 at 18:02

    keule? ich hab’ keine gehört …

    als nachtschaffendem programmierer steht es einem frei, seinen akkustischen leidenschaften in jeder variante zu frönen und dann bei tv3 ein tägliches ‘best of’ zu kompilieren ;-)

    die webschau ist da pflicht und – vor allem mit martina schulte – das sahnehäubchen.

     
  17. opalkatze

    21. November 2012 at 20:53

    Nee, ich hör schon tagsüber mal rein, aber ich kann es nicht mehr ständig mitlaufen lassen. Dazu muss ich zu doll aufpassen. Dafür mache ich samstags oder sonntags fast nichts anderes und genieße das dann auch: dann werden alle Podcasts der letzten Woche durchgehört, die ich interessant finde.

     
  18. hardy

    22. November 2012 at 04:13

    ich bin am wochenende immer ein bißchen froh, daß der nachrichtenteil dem “meditier”-teil ein bißchen weicht, aula und essay statt des ewigen geschnatters, wer recht hat …

    ich dokumentiere es ja seit ca 6 jahren für die seite einer freundin aus den frühen tagen und stelle das als tägliche “best Of” (oder was mich halt so interessiert) playlist auf tv3, wobei ich keine ahnung habe (und es auch gar nicht wissen will), wer das am ende nutzt oder – als ich’s noch in ne textform gepackt habe – das gelesen hat.

    grüße quer durch die eifel.

     
  19. opalkatze

    22. November 2012 at 04:24

    Moin hardy, guck ich morgen, örrem, nachher mal vorbei, gute Links sind immer willkommen. Schaue aber jetzt erst mal bei Flach & Dunkel vorbei …

     
  20. gold account

    4. Dezember 2012 at 18:23

    Was wirft man dem Bundespräsidenten eigentlich konkret vor und was genau hat letztlich zu seinem Rücktritt geführt? Der Nachweis darüber, dass Christian Wulff sich während seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident persönliche Vorteile verschafft hat, dass er einen wenig distanzieren Umgang mit einflussreichen Wirtschaftsvertretern pflegte, dass er den Landtag mit seinen Aussagen zu Egons Geerkens in die Irre führte und dass er es mit der Trennung von Amt und Privatleben nicht allzu genau nahm, ergibt zusammengefasst den Eindruck von einem Politiker, der nach innen anders handelt, als er es nach außen vorgibt.

     
 
%d Bloggern gefällt das: