Befragt wurden in Deutschland 5.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren. Einer davon sagt: “Wenn man einen guten Job haben will, dann muss man halt immer gute Noten schreiben.” Ein anderer beschreibt Mobbing als Problem.
Warum, so die Frage, schneidet Deutschland bei objektiven Faktoren kindlichen Wohlbefindens, die von der Gefahr materieller Armut über Bildung, Gesundheit, Wohnung und Umwelt bis hin zum Risikoverhalten so einiges an kindlichem Leben abdecken, gut ab, um dann bei der eigenen Einschätzung der Kinder auf den 22. Platz abzustürzen? In keinem anderen der hier untersuchten 29 Länder findet sich eine solche Kluft. (Unicef)
Weil deutsche Politiker sich wirkungslose Maßnahmen wie das Bildungspaket oder das Betreuungsgeld ausdenken, liebe UNICEF. Nach den Kindern fragt keiner. Hauptsache, sie machen keinen Lärm.
Heraus kommt: Leistungsträgernachwuchs. Humankapital. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: kinder, Kinderarmut, Lebenszufriedenheit, Leistungsdruck, UNICEF-Studie 2013, Vorbilder, Wohlbefinden
Es wird beklagt, dass bei der Wikipedia zu wenige Frauen mitmachen. Ich kenne viele kluge Frauen, die in ihren jeweiligen Wissens- und Fachgebieten eine Menge qualitativ hochwertiger Inhalte zur Wikipedia beitragen könnten. Aber mal ehrlich: Wer tut sich das freiwillig an?
Wer schon mal in eine der Diskussionen über einen Beitrag geguckt hat, stellt schnell fest, dass sie das wirklich nicht braucht. Es gibt auch sehr ruhige und sachlich geführte Debatten, die Erkenntnisgewinn bringen oder zum Nachdenken anregen. Sie werden aber überlagert von den Threads, in denen es nur darum zu gehen scheint, Recht zu behalten: Ich hab den Längsten! Read the rest of this entry »
Schlagwörter: ausgrenzung, Editiermachos, Frauenmangel, Frustration, Gender Gap, Infografik, Relevanzkriterien, Sichtweisen, wikipedia, wikipedia admins, wikipedia editors, wissensverlust
Mann Mann Mann, wenn ich die Familienstine schon höre. Ist ja klar: Wenn sie beschließt, dass alleinerziehende Frauen jetzt per Dekret mit einem flexiblen Zeitkonto arbeiten können, dann ist das so. Dann wird die Firmenleitung selbstverständlich ab sofort in Ordnung finden, dass die Mitarbeiterin ihre Arbeitszeit nach den Zeiten richtet, in denen ihr Kind betreut werden kann.
Liebe Familienstine: Davon, dass du und die Kanzlerette schön sagen, was sich Alleinerziehende wünschen, hat keiner was. Die Chefs werden weiterhin die einstellen, die sich nach ihren Arbeitszeiten richten, und Punkt. Dank Minilöhnen und ein wenig “Fordern” durch die Arbeitsagentur sind ja genug da, die nur auf so eine Stelle warten. Damit sie dann mit vier Jobs wenigstens leben können. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: arbeitsmarkt, Arbeitspolitik, Familienpolitik, kinder, merkel, Schröder, unternehmen
Wie viele andere, habe ich mich gestern und heute ein paar Stunden durch die Tweets, Posts und Zeitungsbeiträge gelesen. Das war nicht so gedacht, aber das Geschriebene hat mich irgendwie eingesogen. Ich konnte einfach nicht aufhören, zu lesen.
Da kommt so viel Wut und Frust und Angst und Abscheu hoch, dass ich eigentlich gar nicht begreife, warum dieser Ausbruch nicht viel eher kam. Frauen, die ich immer als besonders taff und schlagfertig eingeschätzt habe, haben ganz offen über gemachte, ekelhafte Erfahrungen geschrieben und getwittert. Das fand ich sehr, sehr beeindruckend. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: #aufschrei, Achtung, Anmache, Übergriffe, Gedankenlosigkeit, Herrenwitze, macht, respekt, Respektlosigkeit, sexismus, sexuelle Belästigung
Am Dienstag rief eine Redakteurin von frau.tv an und wollte wissen, wie es denn mit den weiblichen Politbloggern aussehe: Ein Anlass, nach meiner letzten größeren Bestandsaufnahme vom Januar 2010 mal wieder darüber nachzudenken.
Es hat sich gleichzeitig viel und wenig geändert. Ehe ich das auseinanderklamüsere, will ich kurz erklären, weshalb ich mich aus dem Thema rausgezogen habe. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: öffentlichkeit, bloggen, bloggerinnen, feminismus, Gender-Debatte, Geschlechterdebatte, Politblogs, politisches Bloggen
Das ist der Punkt, wo Toleranz und sogar Fremdschämen nicht mehr hilft. Trashig ist in den letzten 30 Jahren ungefähr fünfzehn Mal in und wieder out gewesen, ist ja auch ganz witzig; wer’s halt mag. Aber mir rollen sich die Fußnägel auf, wenn ich so was sehe und so was lese:
Kobus sieht ihren Miniatur-Schönheitssalon auch als pädagogisches Projekt. “Mädchen werden ständig mit dem Thema Frau-Sein konfrontiert”, sagt sie. “Wir müssen sie fachgerecht an das Thema heranführen.” Read the rest of this entry »
Schlagwörter: empathie, kinder, lifestyle, mode, moral, trash
Vor einigen Wochen habe ich bei der Aktion Pro Quote unterschrieben – nicht, weil ich eine Frauenquote so besonders toll fände, sondern weil es anscheinend anders nicht geht. Das ist wie mit den freiwilligen Selbstverpflichtungen irgendwelcher Unternehmen für mehr Verbraucherschutz: Solange es keinen Druck gibt, passiert auch nichts.
Eine ganze Reihe bekannter Männer unterstützen die Aktion mittlerweile. Und wie es der Zufall will, steht gerade ein sehr bekannter Mann wegen dieses Frauenthemas unter Beobachtung: Sigmar Gabriel wird Vater. Und da haben ihm gleich mal 10 Frauen einen Offenen Brief geschrieben: Read the rest of this entry »
Schlagwörter: elternzeit, frauen in führungspositionen, kampagne, pro quote, sigmar gabriel

Der Tag, um auf die Straße zu gehen, ist in diesem Jahr der 23. März. Laut Wikipedia markiert das jährlich wechselnde Datum “symbolisch oder rechnerisch jenen Zeitraum, den Frauen über den Jahreswechsel hinaus länger arbeiten müssen, um auf das durchschnittliche Jahresgehalt von Männern zu kommen”.
Das sind 83 Tage. Eine Frau muß fast 23 Prozent des Jahres länger als ein Mann für den gleichen Lohn arbeiten. Die rote Tasche steht für rote Zahlen – das Geld, das Frauen weniger in der Tasche haben. Es wird dringend Zeit, dass Frauen statt fast 22% weniger Geld 100% den gleichen Lohn wie Männer bekommen.
Schlagwörter: entgeltgleichheit, equal pay day, gender wage gap, gleiche bezahlung, lohngefälle, lohngerechtigkeit, rote tasche, verdienst
Wenn Daniela Schadt nicht ausgerechnet politische Journalistin wäre: Was spräche dagegen, dass die Lebensgefährtin eines Bundespräsidenten ihren Beruf weiterhin ausübt? Statt dessen scheinen es die meisten Deutschen völlig normal zu finden, dass sie ihre Arbeit aufgibt, um sich künftig der Präsidentschaft Joachim Gaucks unterzuordnen. Am besten sollen die Beiden auch gleich heiraten, von Amts wegen, sozusagen. Schließlich soll alles seine Ordnung haben.
Sind wir aus der Zeit gefallen? Wir haben eine Kanzlerin, deren Ehemann unbehindert seinem Beruf nachgeht und so gut wie nie in der Öffentlichkeit auftritt, und einen schwulen Außenminister, dessen Mann ihn gelegentlich auf Reisen begleitet. Aber beim Bundespräsidenten soll alles nach einem role model, Jahrgang 1900, ablaufen. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: anpassung, bezahlung, bundespräsident, daniela schadt, emanzipation, frauenbewegung, karriere, lebensentwurf, lebensgefährtin, role model, rollenmodell, unterordnung

Vor ein paar Wochen bin ich 53 geworden. An sich ist das unwichtig; an manchen Tagen fühle ich mich wie 13, an anderen wie 93 – das geht wohl allen so. Doch meine Einstellung hat sich geändert. Ich habe etwas gelernt: Beauvoir hatte nicht Recht. In einem ihrer autobiographischen Romane sagt sie, die Welt sei immer anderswo. Das habe ich lange geglaubt und mich zum Teil durch meine und die Wünsche anderer, Idealvorstellungen und Projektionen irreführen und bestimmen lassen. Aber die Welt ist nicht anderswo. Sie ist in meinem Kopf und in meinem Bauch, und sie ist ganz und gar, was ich daraus mache. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: akzeptanz, alter, älterwerden, bezahlung, bildung, diskussion, frauentag, gender, geringverdiener, sozialabbau, vorurteile, wissenschaft
Amnesty International Deutschland ruft zur Vorbereitung des Weltfrauentags am 8.3.2012 auf. In Zusammenarbeit mit Dawanda ist ein besonderes Nähset entstanden:
Mit einer besonders bildhaften Aktion möchte Amnesty International auf diese Tatsache hinweisen. Im Vorfeld werden bundesweit Nähbegeisterte gesucht. Ein Päckchen mit einer süßen Stoffpuppe lädt zum Hingucken und Zugreifen ein. In der Puppe stecken Nadeln. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: 8. märz, aktion, amnesty, dawanda, frauenrechte, gewalt gegen frauen, gewalt gegen mädchen, grausames spiel, nähen, nähset, püppchen, selbermachen, voodoo-puppe, weltfrauentag
Es riecht schon deutlich nach Herbst. Tagsüber wird das letzte Brennholz für dieses Jahr gemacht. Nachts röhren die Hirsche auf der Hügelkette gegenüber so laut um die Wette, dass das Schlafzimmerfenster besser geschlossen bleibt. Es ist September, Zeit für eine besondere Unternehmung.

© Thomas Schmidt
Nach dem Mittagessen fahren vier voll beladene Geländewagen auf den Hof und hupen, als stünde mindestens eine Herde Kühe im Weg. Es heißt aber nur: Wir sind da, beeil dich! Die Schürze, der Korb – wo, um Himmels Willen, ist dieser blöde Korb? Ah, hier. Los jetzt. Schnelle Begrüßung, Winken, Einsteigen, auf geht’s durch die Felder, durch die Auen: Die Dorffrauen fahren zur Apfelernte.
Obwohl früher Nachmittag ist, kann man nicht bis auf den Hunsrück sehen, dazwischen liegen leichte Nebel und die Mosel. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: apfelernte, eifel, herbst, landleben, vulkaneifel
Schon als 4-jährige habe ich fleissig und zuverlässig wiederkehrend Scheiben eingetreten und konnte mir der Anteilnahme und Verteidigung durch meine Familie sicher sein. Obwohl ich kein Junge war (was gewisse Teile derselben ein kleines, aber wirklich nur ein winzigkleines Bißchen schade fanden), erzählte man der Nachbarschaft gerne, daß Vera, “dieser kleine Teufelsbraten”, wieder einmal im Fenster oder der Balkontür von Familie Sowieso den gegnerischen Kasten erblickt zu haben geglaubt hatte, in welchem sie das Leder schließlich versenkte. Mit Ende 14, Anfang 15 hatte ich zwar durchaus schon ganz andere Interessen, aber auch das große Glück, in Mönchengladbach direkt um die Ecke des legendären Fohlenstadions zu wohnen. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: frauenfußball, fußball-wm, fussball, wm
Aufräumen. Betten abziehen, Handtücher in die Wäsche, Waschutensilien an ihren Aufbewahrungsort-zwischen-zwei – ja, was? Besuchen? Treffen? Wiedersehen? Es ist ja kein Besuch, wie sonst, wenn Gäste kommen. Treffen ist noch schlimmer, hört sich an nach Konspiration und Bahnhof. Wiedersehen trifft es vielleicht ein wenig. Sagen wir also, Aufbewahrungsort-zwischen-zwei-Wiedersehen. Aufräumen, als würde durch die äußerliche Ordnung die innere wieder hergestellt. Als könnte man die schmerzhafte Abwesenheit eines Menschen durch Wegräumen seiner Gebrauchsgegenstände weniger fühlbar machen. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: abschied, entfernung, fernbeziehung, liebe, paar, sehnsucht, trennung, wiedersehen

Die wunderbare Senta Berger hat mich auf die eine oder andere Weise mein ganzes erwachsenes Frauenleben hindurch begleitet. Ich denke, sie wird es weiterhin tun. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!
(Ich hätt gern dieses Porträt gezeigt.)
Schlagwörter: geburtstag, senta berger
War nach längerer, weitgehend verletzungsbedingter Abwesenheit heute mal wieder im Städtchen. Mädelz und Junx – was ich heute gesehen und erlebt habe, würde mühelos ein ganzes Feuilleton füllen. Wochenendausgabe! Da ich aber nicht meschugge bin, werde ich nicht leichtfertig mein gesamtes Pulver verschießen, sondern versuchen, euch anzufüttern: Es kommt was über
Schlagwörter: antiquiert, deutschland, dick, eis, eltern, genuss, geschmack, gesetzgebung, hartz IV, kinder, leggins, mütter, mietwagen, mittag, mode, taxi, taxifahrer, wirtin
Also ehrlich! Das ist ja nicht auszuhalten. Kaum scheint die Sonne einigermaßen warm, kommen die ersten Wanderer an meinem Haus vorbei und beleidigen meine Augen und meinen Sinn für Schönheit. Ich finde das nicht akzeptabel! Haarige Männerbeine in Shorts, am unteren Ende – meist geschmacklose – Socken und Sandalen. Igittigitt. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: bußgeld, burka, burkaverbot, frankreich, gesetz, intoleranz, islam, islamophobie, kleiderordnung, vorschrift
Kathrin fragt:
Privilegierte sind Personen (Subjektpositionen), die auf eine Weise in Diskurse und die symbolische Ordnung eingebunden sind, die es ihnen nahe legt, Resultate von Gewaltbeziehungen als genussvoll erlebte Normalität wahrzunehmen. Das Steak, das neue Auto, das saubere Hotelzimmer oder die von Mutti gewaschenen Jeans, die Repräsentationshoheit über Afrikaner_innen,… Was meint ihr: Taugt diese behelfsmäßige Definition?
Ein Privileg ist nicht so sehr etwas, was man selbst erlebt, als vielmehr die Sichtweise anderer darauf. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: arabien, bezahlung, hausarbeit, kulturkreis, privilegien, soziale position, stellung, tierhaltung, westen

Bei Anne gibt es die Informationen auf Deutsch. Die Umfrage läuft bis zum 29. März; wer The Ada Initiative unterstützen will, findet hier Material.
Take the Ada Initiative Census
The Ada Initiative (http://adainitiative.org/) is a newly-formed organisation which aims to support and promote women in open technology and culture. We’ve just launched our first annual census — a broad survey of open technology and culture participants — to find out more about what projects and communities people are involved in, and how they feel about women’s inclusion and representation in the field. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: ada initiative, census, frauen in open communities, open communities, open data, open source, open technology, survey, umfrage, women