Wenn Daniela Schadt nicht ausgerechnet politische Journalistin wäre: Was spräche dagegen, dass die Lebensgefährtin eines Bundespräsidenten ihren Beruf weiterhin ausübt? Statt dessen scheinen es die meisten Deutschen völlig normal zu finden, dass sie ihre Arbeit aufgibt, um sich künftig der Präsidentschaft Joachim Gaucks unterzuordnen. Am besten sollen die Beiden auch gleich heiraten, von Amts wegen, sozusagen. Schließlich soll alles seine Ordnung haben.
Sind wir aus der Zeit gefallen? Wir haben eine Kanzlerin, deren Ehemann unbehindert seinem Beruf nachgeht und so gut wie nie in der Öffentlichkeit auftritt, und einen schwulen Außenminister, dessen Mann ihn gelegentlich auf Reisen begleitet. Aber beim Bundespräsidenten soll alles nach einem role model, Jahrgang 1900, ablaufen. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: anpassung, bezahlung, bundespräsident, daniela schadt, emanzipation, frauenbewegung, karriere, lebensentwurf, lebensgefährtin, role model, rollenmodell, unterordnung
Wenn mich das Thema interessiert, guck ich Talkshows. Sie sind eine gute und zudem oft unterhaltsame Möglichkeit, etwas über Volkes Meinung zu erfahren. Für mich sind die Spins, die dort offenbar werden, die wichtige Information. Sendungen mit Journalisten finde ich witziger als solche mit Politikern, die sowieso nur Textbausteine von sich geben. Davon Informationen zu erwarten, ist verschwendete Liebesmüh.
Jede Talkshow folgt einer bestimmten Dramaturgie. Dazu gehört immer ein Bürger als Gast, der irgendwie mit dem Thema der Sendung zu tun hat; oft reichlich konstruiert. Auf diese Art werden menschliche Schicksale dargestellt, es geht um den Protagonisten eines bestimmten Ereignisses, oder eine Person, die zu einem Prominenten in Beziehung steht. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: anne will, bäckereifachverkäuferin, bloßstellung, clown, dramaturgie, medienkritik, monika müller, tv, würde, zu guttenberg

Die wunderbare Senta Berger hat mich auf die eine oder andere Weise mein ganzes erwachsenes Frauenleben hindurch begleitet. Ich denke, sie wird es weiterhin tun. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!
(Ich hätt gern dieses Porträt gezeigt.)
Schlagwörter: geburtstag, senta berger
Kathrin fragt:
Privilegierte sind Personen (Subjektpositionen), die auf eine Weise in Diskurse und die symbolische Ordnung eingebunden sind, die es ihnen nahe legt, Resultate von Gewaltbeziehungen als genussvoll erlebte Normalität wahrzunehmen. Das Steak, das neue Auto, das saubere Hotelzimmer oder die von Mutti gewaschenen Jeans, die Repräsentationshoheit über Afrikaner_innen,… Was meint ihr: Taugt diese behelfsmäßige Definition?
Ein Privileg ist nicht so sehr etwas, was man selbst erlebt, als vielmehr die Sichtweise anderer darauf. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: arabien, bezahlung, hausarbeit, kulturkreis, privilegien, soziale position, stellung, tierhaltung, westen
Claudia hat nach 20 Jahren Ehe erkannt, daß sie Frauen liebt. Sie lebt weiter mit ihrem Mann, weil sonst niemand mehr mit ihr sprechen würde. Wegzugehen traut sie sich nicht.
Zur Zeit ist der Mann einer Bekannten auf Besuch zu Hause. Er ist Soldat und zum vierten Mal im Afghanistan-Einsatz; jetzt hat er Heimaturlaub. Er geht nicht nach Afghanistan (wie er vorher schon in Ex-Jugoslawien war), weil er von der Mission so sehr überzeugt ist, sondern weil er seine Frau und die drei kleinen Kinder ernähren will. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: afghanistan, allein, krieg, sozial, trennung
Naomi ist eine schöne 38-jährige Frau. Hubert hat sie vor fünf Jahren geheiratet. Vorher hat er sie gekauft. Hubert ist heute 81.
Schlagwörter: afrika, frauenhandel, frauenkauf, naomi
Christa ist seit 50 Jahren mit Severin verheiratet. Severin hat drei uneheliche Kinder von drei verschiedenen Frauen. Den Kontakt zu seiner Enkelin hat er wegen ihres unehelichen Kindes abgebrochen. Severin ist katholisch und geht jeden Tag zur Frühmesse.
Schlagwörter: bigott, christa, moral, unehelich
Babara wird von ihrem Mann geschlagen. Wenn man sie wegen der blauen Flecken anspricht, sagt sie, sie sei gefallen. Barbaras Mann ist bei der freiwilligen Feuerwehr.
Schlagwörter: barbara, dorf, gewalt, schläge