Das haben sie fein ausgekaspert im Vatikan. Ging auch ganz fix. Der Neue ist 76, gilt als Held der Armen, “fährt sogar mit dem Bus”, oh heiliger Bimbam, und hatte anscheinend während der Diktatur in Argentinien interessante Bekanntschaften. Und er ist Jesuit, was an sich schon eine längere Geschichte ist, erst recht im Zusammenhang mit dem Papsttum. Der Papstname – ein echter Coup – passt zumindest zu einem Teil des Bildes: Offiziell ist Franziskus von Assisi als der spartanische Heilige bekannt. Tatsächlich soll er ein ziemlicher Eiferer gewesen sein.
Aber, wie gesagt, es ging sehr fix. Ratzinger mit seinem Rücktritt hat sie eiskalt erwischt, also gab es nur eine kurze Vorbereitungszeit für das Konklave. Die Machtstrukturen im kirchlichen Rom sind stabil, so dass wohl die Meisten mit einem längeren Wahlverfahren gerechnet haben. Weil es der Sancta Ecclesia aber gerade nicht so gut geht, haben die Kardinäle ein sehr cleveres Verfahren gefunden: Read the rest of this entry »
Schlagwörter: Bergoglio, Franziskus I., katholische Kirche, Konklave, macht, papst, Vatikan
Mann Mann Mann, wenn ich die Familienstine schon höre. Ist ja klar: Wenn sie beschließt, dass alleinerziehende Frauen jetzt per Dekret mit einem flexiblen Zeitkonto arbeiten können, dann ist das so. Dann wird die Firmenleitung selbstverständlich ab sofort in Ordnung finden, dass die Mitarbeiterin ihre Arbeitszeit nach den Zeiten richtet, in denen ihr Kind betreut werden kann.
Liebe Familienstine: Davon, dass du und die Kanzlerette schön sagen, was sich Alleinerziehende wünschen, hat keiner was. Die Chefs werden weiterhin die einstellen, die sich nach ihren Arbeitszeiten richten, und Punkt. Dank Minilöhnen und ein wenig “Fordern” durch die Arbeitsagentur sind ja genug da, die nur auf so eine Stelle warten. Damit sie dann mit vier Jobs wenigstens leben können. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: arbeitsmarkt, Arbeitspolitik, Familienpolitik, kinder, merkel, Schröder, unternehmen
Riesen-Farmen, sogenannte Lebensmittel, von denen niemand mehr weiß, woher sie eigentlich kommen und was sie enthalten – alles, weil eine mächtige Lobby sich immer wieder durchsetzt: Gegen kleine Bauernhöfe, gegen sinnvolle Felderwirtschaft und Fruchtwechsel, gegen artgerechte Tierhaltung, und, und, und. +++ Update: Hier sind die Ergebnisse (in allen drei Docs). +++ Read the rest of this entry »
Schlagwörter: abstimmung, Bauern, essen, eu, EU-Agrarreform 2014-2020, europa, gap, Gemeinsame Agrarpolitik, Landwirtschaft, lebensmittel, lobbyismus, politik, umwelt
“Schreiben in Zeiten des Web 2.0″ hat der Journalist und Blogger sein Buch untertitelt, und genau das findet man darin: Einen engagierten Aufruf, zu schreiben – aber anders.
Vorab: Wer sich bei F.A.Z., Süddeutscher, ZEIT, Broder, Matussek und Seibel stilistisch wie inhaltlich stets gut aufgehoben fühlt, braucht gar nicht weiterzulesen. Wer aber wissen möchte, wie Sprache ‘funktionieren’ kann, wie man einen lesenswerten Text baut, wer Leser auf seine Website locken will, der ist hier richtig. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: bloggen, buch, Klaus Jarchow, Nach dem Journalismus, Rezension, schreiben, Stilfibel
Wenn Journalisten andere Journalisten befragen, sind das oft sehr dröge Veranstaltungen. Dass sich Zwei auf Augenhöhe unterhalten und dabei der schreibende Mensch mit seinen Intentionen sichtbar wird, ist eher die Ausnahme.
Meist geht es bei solchen Gesprächen um Sachthemen, oder der Jüngere interviewt den erfahrenen, bekannten Kollegen. Das Ganze erschöpft sich schnell in Anekdoten oder dozentenhaft vorgetragenen Lebensweisheiten, die den Leser nicht recht erwärmen. Anders bei diesem Gespräch, in dem es zwar um Journalismus geht, aber auch klar wird, was Constantin Seibt antreibt. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: constantin seibt, intention, interview, ronnie grob, schreiben
ich würde euch gerne kennenlernen!
Immer noch finde ich es ein bisschen irreal, wenn ich auf Sitemeter sehe, wo das Blögchen überall gelesen wird. Ich bin sehr neugierig auf die treuen Leser aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Sapanien, Polen, Ungarn, aus Japan und Kuwait und Südafrika und Indien, und, und, und. Toll! Leider kommentieren die meisten von euch nie. Habt ihr nicht Lust, euch in den Kommentaren mal kurz vorzustellen? Wenn ihr mögt, auch gerne in eurer Muttersprache, es gibt ja Google Translator.
Ich würd mich freuen :)
Schlagwörter: leser, neugier, vorstellung, weltweit
Vor der Bundespräsidentenwahl am 30. Juni 2010 habe ich die Wahl Joachim Gaucks klar unterstützt, wie übrigens 42 Prozent der Bevölkerung damals. Meine Begeisterung ist längst nicht mehr so groß, einige seiner Äußerungen im letzten Jahr haben mir nicht gepasst. Auch wenn die Occupy-Bewegung möglicherweise ein wenig romantisch ist, kann man sie nicht einfach als albern bezeichnen. Die Verfolgung von Zielen, die wieder zu einer solidarischen Gesellschaft führen, mag in Zeiten wie diesen blauäugig scheinen, gerade ein Kirchenmann sollte das aber verstehen und unterstützen. Auch die Bezeichnung Thilo Sarrazins als mutig war unpassend; einem Mann, der bewusst und aus überwiegend pekuniärem Interesse spaltet, darf man nicht Mut als Antrieb unterstellen. Und Hartz IV kann man nur befürworten, wenn man vom gemeinen Volk sehr weit entfernt ist. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: bundespräsident, joachim gauck, kandidat, konsens, parteiübergreifend, wulff-nachfolge
Nicola Graef und Torsten Mandalka haben die ersten “100 Tage einer Aufsteigerpartei” im Berliner Abgeordnetenhaus verfolgt und Andreas Baum, Susanne Graf, Christopher Lauer und Martin Delius begleitet.
Der Film zeigt: alles ist neu, aufregend, frustrierend, ernüchternd und dennoch hoch motivierend.
Schönes Foto übrigens bei der Filmbeschreibung :)
Schlagwörter: berliner abgeordnetenhaus, erste 100 tage, fernsehtipp, newcomer, piraten, tv
“Amt des Bundespräsidenten tritt von Christian Wulff zurück” – so titelt der Postillon überspitzt, aber zutreffend. Das Interview hört sich nicht an wie eine einigermaßen selbstbewußte Flucht nach vorn, sondern wie die Beschreibung eines bemitleidenswerten Opfers von außen. Er drückt auf die Knöpfchen, die bei einem Gros der Bevölkerung immer funktionieren: Mitleid mit seiner besonderen Lage, Verständnis für die “Angriffe” auf seine Familie – was übrigens auch schon zu Guttenberg instrumentalisiert hat. Klar ist danach nichts. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: bundespräsident, buprä, deppendorf, interview, schausten, wulff
Man könnte auch sagen, ein laufender Anzug. Obwohl den meisten Deutschen klar sein dürfte, dass ihr höchster Repräsentant eben auch “bloß” ein Politiker ist, reiben wir uns erstaunt die Augen: So viel Dreistigkeit und so wenig Rückgrat konnten wir uns dann doch nicht vorstellen. Das Unvorstellbare wird auch durch die Berichterstattung in den großen Zeitungen dokumentiert, die dem Springer-Verlag und speziell dessen Spitzenprodukt sonst alles andere als gewogen sind. Es hört sich an, als sei die Vierbuchstabenzeitung das neue Sturmgeschütz der Demokratie – jeder Außenstehende würde das spätestens seit gestern vermuten. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: anrufbeantworter, bundespräsident, buprä, diekmann, fas, merkel, springer, sz, telefonanruf, wulff
Gut, es handelt sich jetzt nicht um schlechte PR für sie oder ihr Ministerium. Das wäre wohl als ernst, wenn nicht bedrohlich, einzustufen. Es geht bloß um einen kleinen schmutzigen Trick der Arbeitgeber, wie sich noch mehr Geld an noch mehr Arbeitnehmern einsparen lässt – kein Grund zur Besorgnis also.
Massimo Bognanni und Johannes Pennekamp berichten unter der Überschrift Es geht noch billiger über eine Arbeitgebertagung in Düsseldorf. Man war entspannt und guter Stimmung, wie es sich anhört. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: 17/7220, arbeitgeber, arbeitnehmer, arbeitsministerin, dienstleistung, gewerkschaft, linke, lohndumping, outsourcing, vdL, ver.di, von der leyen, werkverträge
Die «technischen» Regierungen in Griechenland und Italien sind ein Experiment mit Modellcharakter. Amador Fernández-Savater, ein spanischer Journalist und Chronist der spanischen Protestbewegung, ortet in diesen «Niemandsregierungen» eine anonyme, kaum angreifbare bürokratische Macht im Dienste der Finanzindustrie. In seinen «Notizen eines Albtraums» begründet er seine Befürchtungen und zeigt Gegenstrategien auf.
«Wir erachten eine technokratische Regierung der nationalen Einheit, zusammengesetzt aus den linken und rechten Kräften des politischen Spektrums und angeführt von Leuten des Vertrauens, als beste Möglichkeit, um die Reformen zu Ende zu führen und das Vertrauen der Investoren aufrecht zu erhalten. (…) Im aktuellen Kampf der modernen, reifen Demokratien gegen die schwere Krise der Staatsschulden stellen technokratische, ‹apolitische› Regierungen eine dringliche Alternative dar. Im gleichen Mass, wie das öffentliche Vertrauen in die Politiker schwindet, verstärkt sich der Widerstand gegen die Strukturreformen, und die Parteien haben Angst vor den Kosequenzen an der Urne, wenn sie schmerzhafte Reformen durchführen.»
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Schlagwörter: amador fernández-savater, bezüglichkeit, demokratie, el gobierno del nadie en alemán, geschäftsführer, griechenland, italien, niemandsregierung, parteien, público.es, politiker, referenz, technokratie, walter beutler
Amnesty International Deutschland ruft zur Vorbereitung des Weltfrauentags am 8.3.2012 auf. In Zusammenarbeit mit Dawanda ist ein besonderes Nähset entstanden:
Mit einer besonders bildhaften Aktion möchte Amnesty International auf diese Tatsache hinweisen. Im Vorfeld werden bundesweit Nähbegeisterte gesucht. Ein Päckchen mit einer süßen Stoffpuppe lädt zum Hingucken und Zugreifen ein. In der Puppe stecken Nadeln. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: 8. märz, aktion, amnesty, dawanda, frauenrechte, gewalt gegen frauen, gewalt gegen mädchen, grausames spiel, nähen, nähset, püppchen, selbermachen, voodoo-puppe, weltfrauentag
Pressemitteilung Nr. 203 / 2011 // 30. November 2011
In dem Buch „Vorerst gescheitert“ kritisiert Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg die Arbeit der Kommission Selbstkontrolle in der Wissenschaft“, die die Verletzungen der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis bewertet hat. Die im Buch geäußerten Vorwürfe zu Guttenbergs weist die Universität Bayreuth mit aller Entschiedenheit als unbegründet zurück.
1. Aufgabe der Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ der Universität Bayreuth ist die Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Es handelt sich um eine ständige Kommission, wie es sie in aller Regel an jeder deutschen Universität gibt. Der Kommission gehören Vertreter aus mehreren an der Universität Bayreuth vertretenen Wissenschaftsbereichen an. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: plagiat, pressemitteilung 30.11., stellungnahme, universität bayreuth, zu guttenberg
Wenn mich das Thema interessiert, guck ich Talkshows. Sie sind eine gute und zudem oft unterhaltsame Möglichkeit, etwas über Volkes Meinung zu erfahren. Für mich sind die Spins, die dort offenbar werden, die wichtige Information. Sendungen mit Journalisten finde ich witziger als solche mit Politikern, die sowieso nur Textbausteine von sich geben. Davon Informationen zu erwarten, ist verschwendete Liebesmüh.
Jede Talkshow folgt einer bestimmten Dramaturgie. Dazu gehört immer ein Bürger als Gast, der irgendwie mit dem Thema der Sendung zu tun hat; oft reichlich konstruiert. Auf diese Art werden menschliche Schicksale dargestellt, es geht um den Protagonisten eines bestimmten Ereignisses, oder eine Person, die zu einem Prominenten in Beziehung steht. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: anne will, bäckereifachverkäuferin, bloßstellung, clown, dramaturgie, medienkritik, monika müller, tv, würde, zu guttenberg
Ich habe ein Problem mit der Wahrnehmung. Sie hat ein Loch, gewissermaßen. In den letzten Wochen höre und lese ich viel von der ungeheuer prosperierenden deutschen Wirtschaft, und wie gut Deutschland „aufgestellt“ sei. Nach längerem Hindenken kommt mir der Verdacht, dass es möglicherweise zwei Deutschlands geben könnte. Eines, in dem ich lebe, ein anderes, in dem Politik und Wirtschaft stattfinden.
Dem Deutschland, das ich in meinem Alltag wahrnehme, geht es nicht so gut. Darin leben Arme, Aufstocker, alleinerziehende Mütter, die nicht weiter wissen, und Mittelklässler, die sich vor dem sozialen Abstieg fürchten. Selbst in meinem äußerlich heilen Dorf gibt es Gespenster. Sie heißen Existenzangst und Angst vor Altersarmut. Das Wort Sicherheit wird oft benutzt. Read the rest of this entry »
Nein, ich bin wirklich keine Fanlady of Apple. Aber diese Jungs haben von ihren Garagen aus Weltbilder verändert. Requiescat in pace, Steve Jobs.
Schlagwörter: apple, ipad, jobs, steve jobs, steven jobs
Der Bundesligatrainer Ralf Rangnick hat sich öffentlich zu seinem Burn-out bekannt. Das ist extrem schwierig und ungewöhnlich, denn im Regelfall hat ein Betroffener weder die Möglichkeit noch, vor allem, die Kraft dazu. Zwingende Voraussetzung für diesen Schritt ist eine aufgeklärte und aufmerksame Lebensumgebung.
Ein Burn-out kommt nicht plötzlich. Er bereitet sich schleichend vor; es wird immer schlimmer, bis ihm nichts mehr entgegengesetzt werden kann. Betroffen werden überwiegend “Macher”, Menschen, die ein Ziel haben, ein Vorhaben umsetzen und etwas bewegen wollen. Oft ist Idealismus, immer sind hohe Anforderungen an sich selbst Triebfeder und Begleitumstand. Read the rest of this entry »
Schlagwörter: antriebslosigkeit, ausgebrannt, burn-out, burnout, depression, hilfe, krankheit, psychiatrie, psychologie, ralf rangnick, schalke
Es tut weh. Danke für alles, Robin. Du hast mich Laufen gelehrt.