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Prima Idee

07 Nov

Letzte Woche war durch spreeblick eine Abmahnung der Journalistin Eva Schweitzer gegen den Blogger Philipp bekannt geworden (darum ging’s). Über den Fall ist ausführlich berichtet worden.

Jetzt hat die ganze Sache eine erstaunliche neue Perspektive bekommen.

Frau Schweitzer hatte auf eine Frage Alvar Freudes in der taz geantwortet, die anwaltliche Tätigkeit sei in einem Gesamtpaket [ihrer Abmahnagentur] enthalten. Darüber berichtete die taz (mehr in Form einer Werbung). Dann haben sich Lawblog und Telepolis so ihre Gedanken gemacht (Kommentar #16 beim Lawblog ist übrigens von Eva Schweitzer. Oder sollte ich lieber sagen, Pöbelei?).

Nebenbei stellen wir fest: Es gibt also schon mindestens zwei ‚Unternehmen‘, die sich des noch nicht eingeführten Leistungsschutzrechts angenommen haben, TextGuard, um die es hier geht, und DigiRights Solutions, deren Angebot hier sehr schön erklärt wird.

Zurück zu Eva Redselig (Udo Vetter). Die nämlich hat gegenüber Johannes Boie in einem Telefonat die feine Geschäftsidee genauer erläutert. TextGuard macht nicht vorhandene Forderungen geltend; das funktioniert sehr einfach. Die Abmahnagentur fischt mit ihrem Schleppnetz (Schweitzer), also mit einer Software, im Internet nach Kopien der vom Auftraggeber verfassten Texte. Die ‚Fundstücke‘ gehen dann an Anwälte, die die Abmahnungen versenden. Der Abgemahnte zahlt, weil er sich auf ein Verfahren nicht einlassen kann oder will. Von diesem Geld werden die Anwälte, die Abmahnagentur und der Auftraggeber bezahlt. Es entsteht kein Cent an tatsächlichem Aufwand – Betriebskosten der Abmahnagentur und Bearbeitungskosten für die Anschreiben sind bei den genannten Streitwerten wohl marginal. Der Trick kommt zustande, weil aufgrund des Gesamtpakets auf Erfolgsbasis der Anwalt dem Auftraggeber keine Gebühren berechnen darf, die Kosten der Juristen sind also – sagen wir einmal, illusorisch. Hat bis jetzt aber keiner gemerkt.

Also, ich finde das schick. Ich denke jetzt mal ganz feste nach, wen ich abmahnen lassen könnte. Kost‘ ja nix.

***
Update: Johannes Boie hat sich weiter mit dem Thema beschäftigt, hier und hier.
Update: Ein Artikel von Jürgen Kalwa über den Abwahnsinn am Beispiel Frank ‚Trainer‘ Baade.
Update: Auch zwei Anwälte haben sich dazu geäussert. RA Thomas Stadler war die Causa Schweitzer gleich drei Artikel wert, am 30.10., am 5.11. und am 6.11. RA Christian Solmecke spricht am 12.11. ebenfalls Klartext.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 7. November 2009 in Kaffeesatz

 

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3 Antworten zu “Prima Idee

  1. haekelschwein

    8. November 2009 at 00:42

    Ich habe Dich mal in meine Blogroll eingetragen. http://haekelschwein.de/blog

     
  2. palisadesberlin

    9. November 2009 at 19:04

    auch von mir http://www.palisadesberlin.de.
    ab in meine blogroll für diesen schön geschriebenen artikel

     
 
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