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Magazine mit Frauennamen

09 Nov

Ist schon mal irgendwem bei diesen Frauenzeitschriften was aufgefallen? Nein? Sie sind schädlich. Und wie.

Ich will mir mal was Gutes tun und gebe nicht eben wenig Geld für ein paar dieser Journale mit Frauennamen aus. Gemütlich daheim auf dem Sofa angekommen, neben mir eine gewürzte heisse Schokolade – es duftet nach Zimt und Nelken – kuschele ich mich in die Kissen, rücke das Konfekttellerchen in Reichweite, lege die Beine hoch und schlage die erste Zeitschrift auf.

Oh Gott! Die teure Handtasche, die ich im Sommer kaufte – falsch, ganz falsch! Es hätte unbedingt die diesjährige IT-Bag sein müssen. Etwas später stelle ich fest, dass die Farben, die ich am liebsten trage und die mir gut stehen, völlig aus der Mode sind. Im Kosmetikteil werde ich gewahr, dass mein Lieblingslidschatten leider, leider gar nicht mehr en vogue ist. Dass ich nie begriffen hab, wie man einen geraden Lidstrich zieht, ist natürlich ganz schlecht, und wenn ich mir keine Augen schminke, die mich absolut schwindsüchtig aussehen lassen, bin ich sowieso verloren. Dazu ein Vampirmund, denn mein farbloser Gloss ist ein schlimmes no-go. Zum Schluss erfahre ich noch, dass ich auch die falschen Bücher lese.

Nächste Zeitschrift, kann ja nur besser werden. Hier geht es eher um Wellness und Figur. Da gibt es jetzt was viel Tolleres als Pilates, und die Rückenübungen, die ich immer so tapfer mache, sind auch überholt. Sit-ups sind nur was für Kerle, aha. Und Impander für Oberarm und Busen ist so überholt, dass er demnächst schon wieder in Mode kommt. Dass ich mich ganz falsch ernähre, steht ebenfalls schnell fest, und wie konnte ich bisher bloß ohne Himalayasalz und tasmanischen Honig auskommen? Nee, das ist ja ganz daneben. Ich finde auch die Kissen nicht mehr so bequem.

Noch ein Blatt. Jetzt ist Hautpflege das grosse Thema. Das kostspielige Peeling kann ich demnach wegwerfen, das ist nichts für empfindliche Haut. Die teure Crème, von der mir die Kosmetikerin im letzten Herbst so vorschwärmte, ist gar nicht so gut, Produkt XY ist viel viel besser. Und dass ich in meinem Alter immer noch keine Halscrème nehme, geht gar nicht! Ich benutze auch seit Jahren die falsche Handcrème, sie muss einen ganz neuen superwirksamen Wirkstoff enthalten, um überhaupt was zu bringen, dafür schützt sie auch vor Altersflecken. Beine rasiert man nicht, das macht man mit Wachsstreifen. Und ich benutze nicht jedes Mal nach dem Haare waschen eine aufbauende Packung? Pfui, ich sollte mich was schämen! Jetzt fangen die Kissen an zu drücken, ein Bein ist eingeschlafen, und das Konfekt ist alle.

Letzter Versuch, Marke ‚Wohn dich glücklich‘. Also, eins mal vorab, die Farben, in denen ich mich immer sehr wohl fühlte, sind aber sowas von vorgestern! Weiß muss es sein, oder im Höchstfall ein sanftes ecru. Kissenberge im ‚Wohnbereich‘ hat man schon lange nicht mehr, es ist jetzt alles eher minimalistisch. Meine schönen alten Deko-Erbstücke gehen auch nicht, viel zu prätentiös. Den Familienschinken, der an der Wand hängt, nehme ich nachher am besten gleich ab und ersetze ihn durch ein ‚kühles, klares‘ Bild aus der Natur oder ein modernes Stilleben. Ein Schlafzimmer soll keine kuschelige Höhle sein, sondern hell und luftig.

Jetzt reicht’s aber!

Da steht überall Wellness drauf, aber da ist nur Miesmache drin. Wenn ich eine Frauenzeitschrift machen sollte, würde ich allen sagen, wie toll sie sind, wie fein sie alles machen, und dass sie genau so weiter machen sollen. Leider wäre ich dann nach zwei Monaten pleite. Denn die Industrie, sie funktioniert nicht so. Sondern eben ganz, ganz anders. Schade.

 
Was mich noch aufgeregt hat:
Der Frauenbrowser

 
2 Kommentare

Verfasst von - 9. November 2009 in Frauen, Glosse, Medien, Mensch bleiben, Wühltisch

 

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2 Antworten zu “Magazine mit Frauennamen

  1. Jali

    11. November 2009 at 21:59

    Der Beitrag war mal fällig. Ich finde allerdings, Du gehst mit diesen Zeitschriften noch zu freundlich um. Als Mann liest man sowas natürlich eher selten, aber langweilige Stunden (oder was mir so vorkam) im Wartezimmer meines Zahnarztes haben mich auch schon zu solchen Magazinen greifen lassen. Gegen die Angst vorm Zahnarzt hat’s geholfen, weil ich danach mit der Frage beschäftigt war, wer sich diese Zeitschriften eigentlich kauft, und für wie blöd die Macher solcher Blätter eigentlich ihre Leserinnen halten.
    Solche Magazine beleidigen die Intelligenz ihrer Leserinnen und spiegeln IMHO eine Frauenbild wieder, von dem ich dachte, es sei mittlerweile in der Mottenkiste verschwunden.
    Hoffentlich bemerken das auch mal die Leserinnen der Zeitschriften, und fordern intelligentere Inhalte ein.

     
  2. opalkatze

    14. November 2009 at 08:18

    Das schlimme ist, dass die Verlage da aber wirklich jede Bildungsstufe und jeden Gemütszustand abdecken. Mach‘ Dir mal den Jux, in einem grösseren Einkaufsmarkt das Zeitschriftenregal zu betrachten: Es gibt nichts, was es nicht gibt, vom Hausmütterchen bis zur Emanze findet jede was (und dabei habe ich die ganzeen Kochzeitschriften nicht mitgerechnet!). Vergleich‘ das mal mit der Auswahl an Computerzeitschriften, dabei hat fast jeder einen. Sorry, dann doch lieber c’t…

     
 
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