RSS

Der Schüppenstiel

14 Feb

Es war wie in dem alten Witz, in dem der Knecht seinem Brotherrn bei dessen Rückkunft von einer Reise erzählt, ihm sei der Schüppenstiel abgebrochen. Nach und nach stellt sich durch Frage und Antwort heraus, daß der Hof und der Stall mit allem Vieh abgebrannt sind und auch die Bäuerin den Tod gefunden hat.

Die Mitteilung des Vermieters war freundlich und harmlos. Darin wurde die Umstellung der Stromablesung auf Smart Meter angekündigt, sie sollte an einem Montag beginnen und, zusammen mit einigen Reparaturen, bis Mittwoch dauern. Am Freitag kam unerwartet ein Team der Elektrofirma, ‚um einige Vorarbeiten zu machen‘. Gut, der Tag war gegessen, weil sie ja Zugang zur Nachbarwohnung haben mussten und nur ich hier war. Wir haben dann noch ganz nett Kaffee getrunken; keine Probleme. Dummerweise hatten die Herren irgend etwas vergessen, denn als sie weg waren, war auch der Strom weg. Und Wochenende. Leider ließ sich auch vom Laien nicht feststellen, woran das lag, der Stromzähler und die Sicherungen waren’s nicht. Schön, Kerzen raus – sehr gemütlich – die zwei Tage übersteht man ja mal, und zufällig war auch alles für Fondue im Haus.

Montag kamen die Herren im Blaumann wieder. Sie haben sich wortreich dafür entschuldigt, dass sie vergessen hatten, ‚den Strom wieder anzuklemmen‘. Nachdem sie ihre Arbeit eine Weile aufgenommen hatten, stand einer der Beiden plötzlich freudestrahlend vor mir und krähte vergnügt, ‚da ist Sand in den Wänden‘. Sie müssten eine neue Verbindung legen und dazu Schlitze stemmen, dabei sei ihnen ‚die Wand entgegen gekommen‘. Vermieter nicht erreichbar; Bruder von Vermieter angerufen, der war in Luxemburg und erst spät abends zurück. Immerhin hat er gesagt, dass die Arbeiten erstmal liegen bleiben sollen, bis er oder sein Bruder sich das ansehen könnten. Abmarsch Elektriker. Kein Strom. Erneutes Lob des Spirituskochers.

Dienstag Abend kam der Vermieter, besah sich das Ganze und meinte, das sei alles nicht so schlimm, wer alte Häuser kenne, müsse mit so etwas klar kommen. Mittwoch Mittag Ankunft der Blaumänner. Ich hatte in weiser Voraussicht nochmals für ein Fondue eingekauft, außerdem Lebensmittel, die man kalt zubereiten kann, und ein paar Dosensuppen. Nach etwa einer Stunde zogen die Herrn ziemlich kleinlaut ab, wobei sie etwas von ’nicht den richtigen Putz mit‘ und ‚morgen früh um zehn‘ murmelten.

Donnerstag kam der Chef mit; wie sich das für den Besitzer einer gut gehenden Kleinfirma gehört, mit dem Mercedes und in Schlips und Kragen. Aufgeregtes Getuschel in der Nachbarwohnung, ich blieb lieber bei mir, weil drüben keine Heizung lief. Nach einer guten halben Stunde Abfahrt der Elektriker, nachdem sie mir tröstend mitgeteilt hatten, dass jetzt alles klar sei und sie nachher wiederkommen würden. Nitze, niemand kam, und es gab immer noch keinen Strom.

Freitag Morgen: die zwei Jungs mit Chef, diesmal ohne Mercedes und im Blaumann. Und, oh Wunder, sie haben es geschafft! Freitag Abend war der neue Zähler installiert, die Wand verputzt, und es gab Strom. Die Männer hatten sogar sauber gemacht.

Mein Bedarf an Fondue ist erstmal gedeckt.

Vor lauter Begeisterung bin ich dann krank geworden und wurde vom Doc aus dem Verkehr gezogen; der Kater musste zur Nachbarin und ist jetzt schwer beleidigt.

Eine Woche kein Blog schreiben ist schon schlimm. Was wollte ich alles schreiben, Ideen über Ideen. Die zweite Woche hatte ich zumindest noch einen Gedanken für einen Artikel. In der dritten Woche bin ich fast verzweifelt, so ähnlich stelle ich mir Entzug vor. Einfälle für Beiträge hatte ich gar nicht mehr, wollte bloß endlich wieder an meinen Rechner.

Als ich den gestern anmachte, war das ein richtiges Glücksgefühl. Ich war ziemlich gerührt über die vielen mails, die eingegangen sind und mir Mut zusprachen; jetzt kämpfe ich mich nach und nach da durch. Viele Leser haben die Gelegenheit genutzt, auf dem Blog mal ’spazieren zu gehen‘, was mich natürlich auch freut.

Gelegentlich sehe ich mir dann mal an, was dieses blöde Smart Meter so kann.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 14. Februar 2010 in Leben, Mensch bleiben

 

Schlagwörter: , ,

2 Antworten zu “Der Schüppenstiel

  1. Anne Roth

    14. Februar 2010 at 17:10

    Die Mietminderung hast du aber schon bekannt gegeben..?

     
  2. opalkatze

    14. Februar 2010 at 17:20

    Ja, es geht noch darum, wer sie zahlen muß. Schau’n mer mal…

     
 
%d Bloggern gefällt das: