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Leistungsschutzrecht für Blogger!

15 Mrz

„Das Netz quillt über mit Informationen – wir organisieren die Rangreihenfolge. Das ist die Leistung, die wir bringen.“ (Christoph Keese beim Kölner Forum Medienrecht, via turi2)

Im Juni 2009 haben Verlage mit der Hamburger Erklärung die Marschrichtung für ein Leistungsschutzrecht vorgegeben.
Wenn ein Bäcker Backwaren verkauft, die nur wenigen schmecken, muß er seinen Laden über kurz oder lang zumachen. Ein Leistungschutzrecht für Verlage ist demnach überflüssig. Die bestehenden rechtlichen Mittel reichen völlig aus.

Dagegen wäre ein solches Recht für Blogger äußerst sinnvoll.  

In vielen Blogs wird mit oft kleinsten Mitteln ausgezeichnete Arbeit geleistet. Mit nichts als Spaß an der Freud‘, Interesse und Begeisterung werden zeitnah aktuelle Themen aufgegriffen. Es wird sorgfältig recherchiert, in origineller Form berichtet, es gibt eine große Palette von Standpunkten, und durch Verlinkung sind Hintergrundinformationen nur einen Klick entfernt. Hinzu kommen die bestechenden Möglichkeiten der Kommentierung und der direkten Diskussion.

Die Rangreihenfolge bestimmt jeder ganz nach Gusto selbst; danke, Herr Keese, war nett gemeint. Ich erkläre das vielleicht einmal in Ihrer Sprache.

Südeifeler Erklärung

Das Internet ist für das Bloggen unabdingbar. Aber nur, wenn die Unabhängigkeit in den digitalen Kanälen gesichert bleibt. Das ist derzeit nicht absehbar.

Zahlreiche Anbieter verwenden die Arbeit von Bloggern und im Netz publizierenden Journalisten, ohne um Erlaubnis zu fragen, geschweige, dafür zu bezahlen. Das bedroht auf die Dauer die Erstellung von Qualitäts-Inhalten und von unabhängigem Journalismus.

Wir treten deswegen entschieden dafür ein, den Schutz geistigen Eigentums im Internet weiter zu verbessern.

Freier Zugang zu Webseiten bedeutet nicht zwingend kostenlosen Zugang. Wir widersprechen aber all jenen, die behaupten, dass Informationsfreiheit erst hergestellt sei, wenn alles kostenpflichtig zu haben ist. Der freie Zugang zu unseren Angeboten soll erhalten bleiben, zum Verschenken unseres Eigentums ohne vorherige Zustimmung möchten wir jedoch nicht gezwungen werden.

Wir würden deshalb die Entschlossenheit von Bundesregierung, Landesregierungen und den im Bundestag vertretenen Parteien begrüßen, die Rechte von Urhebern zu respektieren, und nicht weiter die Anpassung des Internets an rein pekuniäre und merkantile Interessen zu betreiben.

Im Internet gibt es keine rechtsfreien Zonen. Gesetzgeber und Regierung auf nationaler wie internationaler Ebene sollten jedoch den Schutz der geistigen Wertschöpfung von Urhebern besser gewährleisten. Ungenehmigte Nutzung fremden geistigen Eigentums zu kommerziellen Zwecken muss verboten bleiben.

Am Ende muss auch im World Wide Web gelten: Keine Demokratie gedeiht ohne unabhängiges Bloggen und unabhängigen Journalismus. Wissen entsteht auch durch faire Beteiligung anderer an dessen Nutzung.

Südeifel, 15. März 2010
opalkatze

***
Passend dazu eben gefunden: „Angebot an Leser muss sich radikal verändern„, ein Interview des Standard von Michael Kremmel mit Alan Rusbridger, Chefredakteur des Guardian. (via annalist)

Auch in Beachtung dieses Kommentars:

Für alle, die dieses Zeichen zum ersten Mal sehen: Es gehört zu einem neuen Micropayment-Dienst namens flattr und ermöglicht via PayPal einfache Minizahlungen für einzelne Beiträge. Ganz ohne Leistungsschutzrecht.

[tweetmeme source=”kaffeebeimir”https://opalkatze.wordpress.com]

 
10 Kommentare

Verfasst von - 15. März 2010 in Blogs, Journalismus, Medien, Politik, Web 2.0

 

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10 Antworten zu “Leistungsschutzrecht für Blogger!

  1. Frank Benedikt

    16. März 2010 at 15:18

    „Südeifeler Erklärung“? Du meine Güte – das ist eine, die ich auch glatt unterschreibe! *g*

    LG
    Der Nachbar

     
  2. opalkatze

    7. Mai 2010 at 14:47

    Der Link im vorigen Kommentar führt zu einem Artikel von Kai Biermann in der ZEIT, in dem auf den heute öffentlich gewordenen Entwurf des Leistungsschutzrechts eingegangen wird: Erlösmodell Leistungsschutzrecht.

    Mittlerweile haben sich auch viele Andere, Blogger wie Presse, mit der lange erwarteten Veröffentlichung beschäftigt.

     
  3. Timo Ehmann

    7. Mai 2010 at 18:19

    ich unterschreibe hiermit auch die Südeifeler Erklärung! Herrlich!!! Ich komme sogar aus Trier :-)

     
  4. opalkatze

    7. Mai 2010 at 19:33

    @Timo
    Oh, wenn schon bekannte Anwälte mitzeichnen, kann ja fast nichts mehr schiefgehen. Und Trier ist natürlich ein doppelter Grund. ,)

     
  5. Heiko C.

    18. Mai 2010 at 00:30

    Auch wenn – oder besser gerade weil – ich mir die besten Schlagzeilen der nächsten Jahre schon gesichert habe, unterschreib ich hier gerne! ;-)

     
  6. opalkatze

    18. Mai 2010 at 02:11

    @heiko
    Oh. Lass mich deren teilhaftig werden ,)

     
 
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