* Dieser Beitrag stammt vom 27.03.2010 und wird gelegentlich aktualisiert. *
Ein dickes Ei. Der ’stern‘ berichtet heute über Googles neuestes Werkzeug für Werbekunden: Re-Targeting (ein schöneres Wort für stalking) ermöglicht es Firmen, den Weg potentieller Kunden quer durch’s Netz zu verfolgen. Dadurch erfahren sie, was den künftigen Käufer so alles interessiert – ein äußerst nützlicher Dienst also.
Wollen wir für Google das Eier suchen mal ein bißchen sportlicher gestalten.
Wer wie ich nicht auf die vielen nützlichen tools verzichten will, kann sich trotzdem weitgehend von Google ungesehen durch’s Web bewegen. Dazu sind ein paar einfache Einstellungen zu ändern, die natürlich – wir sind ja bei der Eiersuche – sorgsam über mehrere Seiten verteilt wurden, damit es auch Spaß macht und der Tag schneller ‚rum geht.
Falls noch jemand zweifelt, ob er sich die Arbeit machen soll: Grundsätzliches zu Googles ‚Dienstleistungen‘ kann man auch hier nachlesen.
_____________
Am 13.09.2010 eingeschoben: Wie Sie sich vor Google verstecken von Konrad Lischka und Christian Stöcker.
_____________
- • Bis du fertig bist, setzt du bitte deine Cookies ausnahmsweise auf ‚von Drittanbietern zulassen‚; nacher das Rücksetzen nicht vergessen. Log dich als erstes in dein Google Mail-Konto ein. Falls es mehrere sind, wirst du wohl in den sauren Apfel beissen müssen, sie alle nacheinander abzuklappern.
• Stell in der zweiten Zeile von unten (unter dem Hauptfenster) Chat und Buzz ab (außer, du nutzt es. Dann kontrollier die Einstellungen und dein Dashboard, ob auch nur das zu sehen ist, was gesehen werden soll). Chat läßt sich einfach deaktivieren, Buzz macht eine tolle Show: Ein zusätzliches Fenster geht auf, das dich dramatisch warnt, ob du den account und alle Einstellungen wirklich löschen willst. Klick auf ja, es wird außer der Buzz-Deaktivierung nichts geändert, geschweige denn, gelöscht. Das Fenster kannst du schließen. Kehr zurück zum vorherigen Fenster.
• Dort kontrollierst du die Einstellungen (oben rechts). Stell sicher, daß deine mails regelmäßig aus dem Papierkorb gelöscht werden; wenn du per POP oder IMAP darauf zugreifst, kannst du das automatisieren. Stell am besten auch direkt in Allgemeines ein Immer https:// benutzen.
Hier bist du nun fertig, bitte aber nicht ausloggen.
• Klick oben links auf Web, du kommst zur Google-Suche. Klick hier.
• In Webprotokoll musst du wahrscheinlich dein Passwort nochmals eintippen. Nach der Weiterleitung klickst du links auf Webprotokoll. Jetzt siehst du, was alles über deine Suchen gespeichert ist. Nachdem du den Schrecken verpackt hast, klickst du links auf Elemente entfernen. Im nächsten Bildschirm drückst du oben auf Gesamtes Webprotokoll löschen und bestätigst anschließend mit Protokoll löschen. Teil 1 ist geschafft.
• Jetzt schaltest du die Personalisierung ab. Das verhindert, daß Google die Anzeigen auf deinen Seiten auf deine Bedürfnisse zuschneidet (und du damit als Kunde zunehmend eindeutiger einzuordnen bist. Du kannst aber auch deine Einstellungen für die interessenbasierte Werbung hier ändern). Das Plug-in zum Deaktivieren des Cookies für Anzeigenvorgaben lädtst du herunter, es installiert sich selbst.
• Wär ja zu einfach, wenn es damit getan wäre. Eiersuche, remember? Google hat auch noch Partner. Zum Opt-out bei Googles Werbepartner Doubleclick geht’s hier entlang. Dort klickst du auf den Button (AdCookie Opt-out). Auf der Folgeseite unter 3. drückst du auf permanently save your opt-out settings. Du erhältst nochmals ein Plugin, das die Deaktivierungseinstellungen dauerhaft speichert.
• Hier checkt eine Tabelle der Network Advertising Initiative eventuell auf deinem Rechner vorhandene Cookies. Wähle select all, dann klick submit. Auf der nächsten Seite ganz unten bestätigen. Du kannst dich jetzt ausloggen, aber es ist noch ein bißchen zu tun.
Update: Es gibt auch ein Add-on, das über 100 Firmen kennen und beachten: Targeted Advertising Cookie Opt-Out (TACO; aktuelle Version 3.02).
(Jetzt die Cookies von Drittanbietern wieder ausschalten.)
• Wurde durch Erdrandbewohner daran erinnert, daß man den Geolocator auch ausschalten sollte.
- Das hier kopieren: geo.enabled
- about:configändern: hier klicken
- ‚Hier endet möglicherweise die Gewährleistung‘ aufmerksam lesen (Inhalt:about:config ist mit Vorsicht zu genießen. Bitte nicht spielen)
- Bestätigen
- geo.enabled in die Adresszeile oben (Filter:) einfügen
- Zeile geo.enabled markieren
- Unter Wert steht true (Wenn false dort steht, braucht man nichts zu ändern).
- Mit der rechten Maustaste darauf klicken.
- Auf Umschalten klicken.
- Unter Wert steht jetzt false.
- Geolocation ist jetzt deaktiviert; das Fenster kann geschlossen werden.
• Jetzt blockst du noch Google Analytics.
Update, 26.05.2010
Mittlerweile gibt es ein Plugin zum Abstellen von Google Analytics.
- Mach dein Windows-Startmenu auf (Start)
- Klick auf Ausführen.
- Kopiere diese Zeile hinein Notepad C:\Windows\System32\Drivers\Etc\Hosts
- Bestätige mit Enter
- Geh mit dem Cursor ans Ende der Datei.
- Kopiere hier
127.0.0.1 google-analytics.com
127.0.0.1 ssl.google-analytics.com
und füge es hinter der letzten 127.0.0.1 hinzu. - Sichere die Datei hosts (ohne Dateinamen-Erweiterung. Es kann sein, daß du vorher den Schreibschutz der Datei aufheben musst). Du kannst Notepad nun schließen.
- Starte den Computer neu.
- Jetzt sollte bei dir hier stehen „Your social circle as determined by Google is currently a blank slate.“ Und hier „Google is not aware of any online content you have to share with your friends.“
Allgemeine Informationen zu Googles Diensten – was sie machen, wie man sie abstellen kann – gibt es hier.
Zu deiner Sicherheit kannst du noch die Erweiterungen Cookie Safe und No Script installieren. Kontrolliere die Einstellungen der Flash Cookies und der Google-Toolbar (auf den Schraubenschlüssel klicken).
Wenn du willst, kannst du nun mit System und etwas Nachdenken die Dienste wieder einrichten, die dir wichtig erscheinen.
Gute alternative Suchmaschinen sind ixquick, Scroogle Scraper, IceRocket (für die Blog-Suche) und die gute alte AnonyMouse, falls du ’schwarz‘ surfen willst. Dafür ist auch TOR mit dem Tor-Button nützlich, oder du benutzt z.B. FoxyProxy. Eine dieser Anwendungen solltest du vor allem dann benutzen, wenn du nach etwas suchst, das niemand etwas angeht (z.B. Adressen, Anschriften von Ärzten, Medikamente, Beratungsstellen, ..).
Wenn Du einmalig etwas an eine Adresse mailen willst und nicht sicher bist, ob der Empfänger zuverlässig ist, benutz eine Wegwerf-eMail-Adresse.
Sollte sich der Rechner merkwürdig ‚benehmen‘ (ungewöhnliche Pop-ups, Verdacht auf Malware) gibt es bei Google einige Tools, die helfen.
Mit pidder.com scheint es auch eine facebook-Alternative zu geben. Jedenfalls hören deren Datenschutzrichtlinien sich gut an, und man kann den Dienst völlig anonym benutzen; auch ansonsten wird alles verschlüsselt. Auskunft über gespeicherte Daten wird auf Anfrage erteilt.
Es gibt viele weitere nützliche Programme und Add-ons. Wie man allgemein im Netz weitgehend unsichtbar bleibt, ist mindestens zwei Gedanken wert. Dazu will ich hier nach und nach einige Links anfügen; das haben andere besser erklärt, als ich das könnte. Unter den Links in der Seitenleiste lohnen sich dazu unbedingt der CCC, AK Zensur, AK Vorrat und Surfer haben Rechte. Wenn du mal ein bißchen Zeit hast, mach dich über das bemerkenswerte Wiki [zensur] her.
Wenn ich Fehler gemacht habe, macht mich bitte unbedingt darauf aufmerksam; auch, wenn ihr bessere, schnellere, neuere Möglichkeiten kennt. Seid nachsichtig, das hier war Notwehr.
So, die versprochenen Links:
- Dennis Pietsch ist Dipl.-Wirtschaftsinformatiker (FH) und betreibt die Seite Anonym-Surfen.com. Dort stellt er einige wichtige Online-Tools zur Verfügung: Anonym Surfen-Test, Anzeige der eigenen IP Adresse, Verschlüsselung der E-Mail-Adresse, Passwort-Test, Passwort-Generator, Überprüfung eines Domain-Besitzers und Entschlüsselung der Personalausweisnummer. Außerdem gibt es von Dennis einen kostenlosen eMail-Kurs Internet-Sicherheit sowie aktuelle Nachrichten.
- Ein sehr gutes Blog rund um Datenschutz und Sicherheit mit vielen Erklärungen macht Kai Raven mit Ravenhorst. Exemplarisch die Liste der Firefox-Erweiterungen, die von 2006, aber absolut aktuell ist.
- Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stellt unter dem Titel BSI für Bürger viele Tipps und Links zu allen möglichen Fragen von Kinderschutz bis Recht im Internet bereit.
- Direkt an Kinder wendet sich die Seite der ZDF-Kindersendung tivi. Dort können die Kikkos interaktiv ihre Kenntnisse ausprobieren und kriegen viele Tipps.
- Ebenfalls vom ZDF kommen mit dem Titel Sicher surfen mit Exoten Tipps für Alternativen zu Internet Explorer und Firefox.
- Bei Veresoftware gibt es sechs Möglichkeiten, eine IP-Adresse zu verfolgen (tracing)
- Weitere Möglichkeiten, anonym zu surfen, bietet Lutz Warnke an.
- Aktuelles, Allgemeines und Rechtliches erfährt man auf den Seiten des Bundesbeauftragten für den Datenschutz, Peter Schaar, sowie in seinem Forum (Blog heißt es zwar, aber man muß sich einloggen, und es mutet insgesamt sehr staatstragend an. Die Inhalte sind trotzdem interessant.)
- Mit rechtlichen Aspekten setzen sich Telemedicus sowie vor allem die Rechtsanwälte Thomas Stadler und Udo Vetter auseinander. Sie alle nehmen sich auch immer wieder Bloggerrechtsfragen an.
- Grundsätzliches zu Datenschutz, Datenrecht und Netzpolitik gibt es bei den ‚üblichen Verdächtigen‘: CCC, netzpolitik.org, AK Vorrat, AK Zensur und FoeBuD (alle in der Seitenleiste unter Links). Ein paar Hinweise stehen auch noch in diesem älteren Beitrag.
- In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk beantwortet Constanze Kurz die wichtigsten Fragen zu Datenschutz in sozialen Netzwerken.
Update: Wie man unerwünschte Inhalte los wird, Teil 3: Entfernen von Content, der euch nicht gehört und eine ganze Reihe weiterer Tipps aus Googles Webmaster-Zentrale.
Update, 11.05.2010 Der VZBV erklärt in seiner Artikelreihe Sicher surfen, wie man den Surfverlauf im Browser löschen kann. Dabei werden Internet Explorer, Firefox, Safari und Chrome berücksichtigt.
Update, 13.05.2010 Hier gibt es Hilfe von Roger Zedi für alle, die’s nicht lassen können: Tipps für mehr Privatsphäre in Facebook
Wer sein Facebook-Wissen vertiefen möchte, liest am besten Annette Schwindts kostenloses eBook Einführung in Facebook.
Die NYT hat heute eine sehr erhellende Grafik, die man sich mal zu Gemüte führen sollte. Und mit Diaspora gibt es bald endlich einen echten Gegenentwurf.
Hier ist noch einer: Der ultimative Facebook Privatsphäre Leitfaden von Thomas Hutter.
Update, 19.08.2010
Sascha beschreibt, wie man Facebook Places deaktivieren und das Taggen des eigenen Standorts durch Andere verhindern kann.
Sabine Engelhardt
27. März 2010 at 14:02
Hallo Vera,
zum anonymen Surfen gehört natürlich unbedingt noch der Hinweis auf das TOR-Projekt: http://www.torproject.org/ und den TOR-Button für Mozilla-Firefox (Plugin). TOR hat nur leider den Nachteil, etwas (sehr) langsam zu sein, weil es zu wenig Nodes, insbesondere wohl zu wenig Exit-Nodes gibt. Deren Betrieb ist insbesondere in Deutschland allerdings mit gewissen Risiken verbunden, und billig ist es auch nicht. Der CCC und die GPF betreiben aber welche, an denen man sich beteiligen kann.
Zu dem Windows-Gedöns kann ich naheliegenderweise nicht so viel sagen … außer daß Windows und Privacy auch nicht gerade enge Freunde sind.
In NoScript (auch für Firefox) habe ich GoogleAnalytics nie freigeschaltet. Generell leistet NoScript hier gute Dienste.
Ein Google-Konto unterhalte ich gar nicht erst, das erspart mir Deine Ostereiersuche. OK, ich bin bei YouTube, aber das sind immer noch getrennte Konten. Zumindest komme ich mit den YouTube-Zugangsdaten nicht bei Google-Diensten rein.
Und schließlich ist mein Firefox bzw. iceweasel so eingestellt, daß alle Cookies beim Schließen des Programms automatisch gelöscht werden. Damit geht zwar kein automatischer Login mehr, aber das habe ich noch nie vermißt.
Gruß, Frosch
opalkatze
27. März 2010 at 14:47
vielen dicken dank!
TOR hatte ich aber drin, wenn auch via firefox, guckst du. ich hab TOR und finde es sehr nützlich (ja, und seeehr langsam), aber man muß sich schon damit beschäftigen. eigentlich ist es auch nur _wirklich_ sinnvoll, wenn man selbst zum TOR-Netz gehört. es gibt ja auch noch JAP und Privacy Dongle, etc.
ich will da auch gar nichts tun, weil ich keine ahnung habe. das hier mußte ich sowieso auf meinem laptop machen, der stern-bericht war dann der auslöser. da hab ich eben gesucht und es aufgeschrieben. dem einen oder der anderen wird’s vielleicht helfen – jedenfalls die dösige sucherei ersparen.
interessenbasierte werbung kann man bei yuchhu abschalten mit http://info.yahoo.com/privacy/de/yahoo/opt_out/targeting/
es wird auch zeit, daß ich mich mit #ix befasse. ich hab windoof so satt, es schmeisst einem ständig knüppel zwischen die beine.
heute morgen hab ich mit twitter bots gespielt, das war lustig. leider muß ich dazu, wenn ich’s gescheit machen will, an PHP. das ist ein weites feld, sacht der alte theo…
opalkatze
17. April 2010 at 18:10
Fragt sich noch jemand, wozu re-targeting dient? Stephanie Clifford hat in der New York Times einen schönen Artikel darüber veröffentlicht: Web Coupons Know Lots About You, and They Tell.
Heiko C.
16. Mai 2010 at 17:46
Auch sehr interessant…. Einiges kannte ich schon, aber offenbar habe ich Google noch nicht ganz entkernt. Muss ich bei Gelegenheit nochmal bei.
Jo
6. August 2010 at 15:02
Vielen Dank für die Zusammenstellung und die Aktualisiserung, wertvolle Tips.
Was nicht funktioniert ist „Jetzt sollte bei dir hier stehen „Your social circle as determined by Google is currently a blank slate.““, stattdessen sehe ich noch eine Liste mit eigenen Kontakten, woran kann das liegen?
Das hat hingegen funktioniert „„Google is not aware of any online content you have to share with your friends.““
opalkatze
6. August 2010 at 15:52
@Jo
Da der Link klappt, nehme ich an, Du meintest, daß Du ein anderes Ergebnis zurückbekommst. Wennn Du Dich eingeloggt hast, schau mal hier Web Search › Help articles › Google search basics › Features › Google Social Search und vergleiche, was Du evtl. vergessen oder übersehen hast. Irgend etwas ist noch nicht ausgeschaltet, möglicherweise ganz am Anfang. Viele Dinge übersieht man bei Google, weil sie winzig klein geschrieben sind und an unmöglichen Stellen stehen. Trost: facebook ist noch viel, viel schlimmer ,)