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Die FIFA spielt Kopfball

13 Apr

Bisher war mir nicht bewußt, daß man mit dem Kopf Fußball spielt.

Daß man sein Köpfchen dazu benutzen sollte, kann als bekannt vorausgesetzt werden. Mehr als schleierhaft ist hingegen, warum ein mit dem Hijab bedeckter Kopf die Trägerin an sensationellen Dribblings, wunderschönen Vorlagen oder erfolgreichen Torschüssen hindern sollte.

Der Fußball-Weltverband FIFA kann sich jedenfalls nicht vorstellen, daß das gehen soll. 

Sie hat der iranischen Jugend-Frauenfußballmannschaft die Teilnahme an den Olympischen Jugendspielen 14. bis 26. August in Singapur verboten.
Denn nach dem Regelwerk dieser vortrefflichen Organisation – wir erinnern uns: Sport = Fairness, Toleranz – darf die für ein internationales Fußballspiel

vorgeschriebene Grundausrüstung keine politischen, religiösen oder persönlichen Botschaften aufweisen.

Eine Ausnahmeregelung kommt trotz Protesten nicht in Frage. Dabei ist es für die jungen Iranerinnen anders gar nicht möglich, an einem solchen Turnier teilzunehmen. Nachdem 1979 nach der Revolution den Frauen im Iran das Fußballspiel ganz verboten war, haben sie es mit Mut, Einsatz, Ideenreichtum und trotz der allgegenwärtigen Revolutionswächter geschafft, ihren Sport überhaupt wieder ausüben zu dürfen.

Statt den jungen Frauen jedoch alle mögliche Unterstützung zu geben, wird ihnen nun der direkte Vergleich mit anderen Frauenmannschaften unmöglich gemacht. Das ist skandalös.

Das IOC unter Jacques Rogge unterstützt diese kurzsichtige Haltung der FIFA selbstredend. Unter Männern hat man eben eher Verständnis für die kleinen Sehnsüchte.

 
6 Kommentare

Verfasst von - 13. April 2010 in Frauen, Kultur, Politik, Sport, Welt

 

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6 Antworten zu “Die FIFA spielt Kopfball

  1. Maik

    13. April 2010 at 10:39

    Ich stimme mit Dir überein, dass es für die Mädels schade ist.

    ABER: Hier geht es wohl (auch) um die politische Einflussnahme auf bzw. Unabhängigkeit von Verbänden. Sind Sie nicht unabhängig werden Sie ausgeschlossen. Das wurde auch schon öfters mal angedroht bzw. vollzogen (ich hab leider ad hoc kein Bsp. parat).

    Wenn z.B. unseres Merkelchen den Zwanziger absetzen würde (was ich jetzt nicht für katastrophal halten würde), dann könnte der Jogi wahrscheinlich nicht nach Südafrika fahren. (Das Problem mit Kuranyi hätte sich aber auch gelöst.)

    Die Sache hat trotzdem ein Geschmäckle, da hier nicht die politische Unabhängigkeit sondern die „Grundausrüstung“ nach vorne geschoben wurde. UND, ob FIFA/UEFA/IOC immer so konsequent sind, darf man sicherlich auch bezweifeln.

    Und ich gebe Dir Recht, dass hier die FIFA ein anderes Signal hätte setzen können (müssen?) und dem Regime im Iran bei einer Teilnahme der Mädels mehr ans Bein gepinkelt hätte. Das juckt doch jetzt im Iran niemanden, aber wenn die Mädels, die eigentlich in die Küche gehören, jetzt auch noch International spielen und Beachtung finden…

     
  2. opalkatze

    13. April 2010 at 12:16

    Die FIFA eiert genauso herum wie das IOC – siehe Olympiade in China. Mit Sport hat das schon lange nichts mehr zu tun.

    Es gab 2007 im Fernsehen mal ein paar gute Dokumentationen über die finanziellen Hintergründe, Interessenverflechtungen und Vetternwirtschaft innerhalb der FIFA, vor allem die Machenschaften von Sepp Blatter wurden ausführlich beleuchtet. ( Die Dokus wurden letztes Jahr teilweise wiederholt.) Da liegt der Pudel begraben; alles andere dient bloß der Repräsentation und der willkürlichen Machtausübung. Und alle machen mit.

     
  3. opalkatze

    13. April 2010 at 12:17

    Die FIFA eiert genauso herum wie das IOC – siehe Olympiade in China. Mit Sport hat das schon lange nichts mehr zu tun.

    Es gab 2007 im Fernsehen mal ein paar gute Dokumentationen über die finanziellen Hintergründe, Interessenverflechtungen und Vetternwirtschaft innerhalb der FIFA, vor allem die Machenschaften von Sepp Blatter wurden ausführlich beleuchtet. (Die Dokus wurden letztes Jahr teilweise wiederholt.) Da liegt der Pudel begraben; alles andere dient bloß der Repräsentation und der willkürlichen Machtausübung. Und alle machen mit.

     
  4. opalkatze

    13. April 2010 at 23:19

    Über eine ebenfalls Schleier tragende Frau schreibt auch Nesrine Malik in Superstar mit Schleier. Darin beschreibt sie den großen Erfolg, den die Hausfrau Hissa Hilal im arabischen Fernsehen mit Gedichten gegen das religiöse Establishment hat.

     
  5. opalkatze

    19. April 2010 at 16:29

    Hilal Sezgin, deren neues Buch Mihriban pfeift auf Gott gerade erschienen ist, schreibt in der FR über Feminismus und Ganzkörperbedeckung: Lila Latzhose contra Burka

     
  6. Sabine Engelhardt

    3. März 2012 at 22:05

    Mit der ganzen Werbung auf den Trikots hat man keine Probleme, ne?

     
 
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