RSS

Soldatenfrau

15 Apr

Zur Zeit ist der Mann einer Bekannten auf Besuch zu Hause. Er ist Soldat und zum vierten Mal im Afghanistan-Einsatz; jetzt hat er Heimaturlaub. Er geht nicht nach Afghanistan (wie er vorher schon in Ex-Jugoslawien war), weil er von der Mission so sehr überzeugt ist, sondern weil er seine Frau und die drei kleinen Kinder ernähren will. 

Seine Frau ist die meiste Zeit des Jahres allein. Sie stemmt Haushalt, Kindergarten, Schule, Hobbys, Freunde und Krankheiten der Kinder, hat daneben noch vormittags eine Arbeitsstelle und fällt abends todmüde ins Bett. Für soziale Kontakte, die nicht die Kinder betreffen, ist keine Kraft übrig. Zu ihrem Mann hält sie Kontakt über das Internet oder telefoniert mit ihm.

Jedes Mal, wenn das Telefon läutet, wappnet sie sich innerlich. Wenn ich gerade bei ihr bin, kann ich sehen, wie sie ihre Schultern strafft und sich einen Ruck gibt. Ihr Gesicht wird dann ganz glatt und ausdrucklos.

Bis jetzt waren es immer Anrufe von Freunden oder Bekannten, Schule oder Kindergarten. Der eine Anruf ist ihr bis jetzt erspart geblieben. Ihr ist klar, je länger der Krieg dauert, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, daß er eines Tage kommt.

Ich könnte das nicht.

(Ursprünglich veröffentlicht unter ‚Andere Sicht auf Afghanistan‘)

 
6 Kommentare

Verfasst von - 15. April 2010 in Frauen, Frauenbilder, Leben, Mensch bleiben, Politik

 

Schlagwörter: , , , ,

6 Antworten zu “Soldatenfrau

  1. Frank Benedikt

    15. April 2010 at 16:58

    Mal eine „dumme Frage“: Verdient er im Inland beim Bund so wenig, daß er die Auslandszulage unbedingt benötigt?

     
  2. Maik

    15. April 2010 at 17:34

    @Frank Benedikt: Ich glaube die Wahl stellt sich mittlerweile nicht mehr. Jeder Zeitsoldat muss sich zu Auslandseinsätzen verpflichten (wenn ich richtig informiert bin, ohne Quellen nennen zu können). Es wird wahrscheinlich nicht um die Auslandszulage gehen, sondern generell um den Job bei der Bundeswehr.

     
  3. Frank Benedikt

    15. April 2010 at 19:04

    @ Maik:
    Danke für die Info. Das ist aber sehr unangenehm, sollte es zutreffen. Gerade, wenn Du Frau und Kinder zuhause (hinter)läßt.

    Gruß
    Frank

     
  4. opalkatze

    15. April 2010 at 19:50

    @Frank, @Maik
    In seinem erlernten Beruf fand er keine Arbeit und war damals gerade jung verheiratet; beim Bund konnte man seine Ausbildung gut brauchen. Mittlerweile wird er wegen seiner Erfahrung für die Einsätze angefordert.

    Beide leben dauernd in einem Zwiespalt, wobei er wahrscheinlich mehr hin- und hergerissen ist als sie. Ich möchte in keiner der beiden Häute stecken.

     
  5. klara

    18. April 2010 at 12:07

    hallo…
    also es ist bzw wird immer schlimmer…der jrieg holt uns wieder ein..
    unsere soldaten..zumindest die verplichtet sind müssen gehen..sie dürfen zweimal verweigern und wenn sie dann nicht gehen gibt es richtig ärger das weiß ich aus sicherer quelle…ich kenne auch viele aus meinem freundeskreis die schon dort waren und eine bekannte ist jetzt dort…sie ist kamerafrau und hat das geschehen dort gefilmt..die bilder der weinenden soldaten…die wir hier im fernsehen ansehen…ich habe mit ihr gesprochen und muss ehrlich sagen ich erkenne sie nicht wieder..

     
  6. opalkatze

    19. April 2010 at 01:51

    Schau Dir bitte auch mal die Diskussion zu diesem Beitrag beim Freitag an, dort stehen berührende, aber auch viele wütende Kommentare.

    Nachtrag: Ich habe meine Texte beim Freitag vor geraumer Zeit gelöscht, der Link existiert nicht mehr.

     
 
%d Bloggern gefällt das: