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Die Ruhe nach dem Ausbruch

19 Apr

Ich find’s schön.

Das liegt auch daran, daß eine große US-Air Base nur ca. 20 km von meinem Wohnort entfernt ist. Hier ist es auch ohne Aschewolke sehr ruhig, außer, wenn die Jungs ihre Übungsflüge absolvieren. Ich hasse vor allem die Tiefflüge, bei denen jedesmal das Haus einzustürzen scheint; das ist selten, aber ganz ohne ist es viel schöner.

Eben las ich in der SZ, was alles nicht geht ohne funktionierenden Flugverkehr. Jedenfalls nichts, was man nicht auch ganz anders machen könnte.

Ganz ehrlich, ich muß außerhalb der Saison nicht unbedingt Erdbeeren essen, außerdem gibt es alte Sorten, die auch bei uns bis in den Oktober wachsen. Sogar ohne viel Pflege und auf kargem Boden. Dazu sind sie schmackhafter als alles, was eine lange Kühlkette uns ins Haus liefern kann.
Auf die beginnende Spargelzeit freue ich mich jedes Jahr, genieße sie ausführlichst mit Gerichten in allen Variationen, und dann ist auch gut. Für ein Schinkenröllchen oder Frikassée tut’s auch Dosenspargel.

EDEKA und Metro waren anscheinend clever genug, immerhin beziehen sie 90% ihrer Waren aus Deutschland, bei der REWE ist es ähnlich. Daß die armen Münchner nun eine Weile ohne den guten kanadischen Hummer auskommen müssen, erfüllt mich nur mit verschwindend geringem Mitleid.

Witziger finde ich die Klagen der großen Firmen, die dermaleinst ihre Produktion nicht schnell genug ins Ausland verlegen konnten. Die heulen jetzt am lautesten, weil ihre nach dem fifo-Prinzip zu liefernden Ersatzteile nicht eintrudeln. Auch die möglicherweise sich verspätende Auslieferung des iPhones rangiert weit hinter dem Weltuntergang. Daß Modeversandhäuser ihre unter miesen Bedingungen für Hungerlöhne zusammengenähten Klamotten nicht an den Mann bringen können, weil nicht da, tangiert mich ebenfalls nur peripher.

Was die Luftfahrtindustrie nicht umsetzt, verdienen dafür die Autovermieter. Allzu schlimm wird es eh nicht werden, denn die EU denkt schon über Hilfsprogramme für notleidende Fluggesellschaften nach.

Erfreulich, daß der McKinsey-Sprecher Videokonferenzen als kostengünstig und umweltfreundlich ansieht. Wenn die künftig ihre Kunden entsprechend berieten, wäre das ein schöner Erfolg.

Ach ja. Wie groß so eine Welt plötzlich wieder wird. Und worüber man in der Ruhe so alles nachdenkt –

 
18 Kommentare

Verfasst von - 19. April 2010 in Kultur, Leben, Mensch bleiben, Umwelt, Welt

 

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18 Antworten zu “Die Ruhe nach dem Ausbruch

  1. Frank Benedikt

    19. April 2010 at 18:21

    Erinnerst Du Dich noch an die autofreien Sonntage während der „Ölkrise“ anno 1973? Das war erst angenehm ;-)

    Nachdem die Flieger mich ja in Ruhe lassen, seit es in München den neuen Flughafen gibt, habe ich damit auch kein Problem mehr, nur nervt es mich, daß ich derzeit keinen Hummer mehr bekomme :-( Wie soll ich da als Hartzer meiner spätrömisch-dekadenten Haltung zufriedenstellend nachkommen? *g*

    LG
    Frank

     
  2. lakritze

    19. April 2010 at 18:33

    Der Vulkan ist mir äußerst sympathisch. Daß die Wirtschaft in die Knie gehen könnte, wenn die »Wertschöpfungskette dauerhaft unterbrochen« wird — nun. Die europäischen Staaten denken ja bereits über Hilfen für ihre Fluglinien nach.

    Jedenfalls lädt die derzeitige Situation zu schönen Konsum-Träumereien ein. Lokal produzieren, mit kurzen Wegen vertreiben. Lebensmittel saisongerecht einkaufen. Dinge auch mal ein, zwei Jahre länger benutzen. Ist klar — paßt so nicht in eine Welt, in der der Mensch auf ein einziges wichtigstes Organ reduziert ist, seine Kreditkarte nämlich.

    (Apropos Kleidung und Konsum: Kennst Du manomama.de? Das hört sich mal sinnvoll an.)

     
  3. opalkatze

    19. April 2010 at 19:24

    @frank
    ja, da sind wir mit unseren mofas über die leere autobahn gebrettert… und das mit dem hummer ist schon arg.

    @lakritze
    wo ich wohne, macht man das sogar so: obst und gemüse aus dem garten, überfluß einfrieren und einwecken, nach saison auf dem markt kaufen, was man nicht selbst hat, und kreditkarten sind hier nicht das übliche zahlungsmittel. ist schön hier.

    manomama kannte ich nicht, was du bitte meiner völligen modischen ignoranz zuschreiben magst. werde ich mir aber mal ansehen, denn ab und zu brauche selbst ich ein neues blüschen ,)

     
  4. Guardian of the Blind

    19. April 2010 at 22:52

    Ich finde es auch nicht so schlecht, dass die Flugzeuge nicht fliegen. Aber den internationalen Handel möchte ich dann doch auch nicht unbedingt vermissen, finde das schon toll. Nur wäre dies meist ja auch deutlich umweltfreundlicher als per Flugzeug möglich …

     
  5. opalkatze

    19. April 2010 at 23:56

    Trotzdem sollten wir mal über einige Dinge nachdenken, ob man sie nicht auch anders machen kann. Passt gerade ganz gut.

     
  6. Frank Benedikt

    20. April 2010 at 00:38

    „Anders machen“? Liebe Kollegin, darüber denken doch viele von uns seit gut 30 Jahren nach ;-) Der gute Klaus hat mich ja vorhin glatt per Hubschrauber einfliegen lassen (pah – ich komm mit dem Fahrrad!) und ich habe ja die gunst der Stunde genutzt, um noch einen weiteren Kommentar zu setzen: http://www.klaus-baum.info/2010/04/19/vulkanaschewolke-uber-europa-bundesregierung-startet-nothilfe-programm-fur-die-exportindustrie-und-die-fluggesellschaften/#comments

    Markus (der „Guardian“) hat ja durchaus auch für einen umweltverträglicheren und faireren Handel votiert, nur ist er halt noch nicht so geprägt wie wir „Alten“ ;-)

    Gute Nacht
    Frank

     
  7. opalkatze

    20. April 2010 at 12:23

    Ich meine gar nicht unbedingt die großen Veränderungen. Es wäre schon ein guter Anfang, nur mal für sich selbst darüber nachzudenken, ob wir ALLES! JETZT! GLEICH! SOFORT! haben müssen.

     
  8. Guardian of the Blind

    20. April 2010 at 16:37

    Na, auf jeden Fall sollte man drüber nachdenken, wieviel man dafür in Kauf zu nehmen bereit ist, z.B. an Umweltverschmutzung.

     
  9. Guardian of the Blind

    20. April 2010 at 16:38

    Na, auf jeden Fall sollte man drüber nachdenken, wieviel man dafür in Kauf zu nehmen bereit ist, z.B. an Umweltverschmutzung..

     
  10. opalkatze

    20. April 2010 at 20:53

    @Markus
    Du fängst ja schon wieder mit den großen Problemen an… Nein, ich finde, JEDER sollte die Ruhepause nutzen, um festzustellen, wo sie/er selbst steht. Und vielleicht für sich selbst was ändern, denn genau DA fängt Politik an.

     
  11. lakritze

    20. April 2010 at 21:42

    Ganz Deiner Meinung, opalkatze. Gucken, was im Umkreis einer Armlänge machbar ist. Wenn das mehr Leute tun, ändert sich mit größerer Wahrscheinlichkeit was, als wenn — wie gewohnt — alle auf politische Entscheidungen warten.

     
  12. opalkatze

    21. April 2010 at 04:42

    – zumal auf Entscheidungen aus ‚diesem‘ Berlin…

     
  13. opalkatze

    21. April 2010 at 23:31

    Hab eben ein Flugzeug gehört, war ’ne Transall. Komisch.

     
  14. Frank Benedikt

    22. April 2010 at 01:50

    @ opalkatze (ein Kollege las Montag übrigens versehentlich „opelkatze“ *g*)

    Sei froh, daß es nicht auch noch einen „Transall-Knall“ gibt ;-) Dafür sind die Dinger glücklicherweise zu langsam, aber die fetten Propeller schaffen schon ein ungemütliches Ambiente.

    Jens habe ich heute wieder vergnügt gegengelesen/lektoriert, aber einen Kommentar dazu gibts bei mir trotzdem von Stefan, da auch er zum Team gehört :-)

    Ja, der Blogtivismus wuchert wie Krebs … *lol*

    Gute Nacht
    Frank

     
 
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