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Ah, Qualitätsjournalismus!

26 Jul

Wikileaks (zur Zeit überlastet) veröffentlicht Zehntausende von Afghanistan-Dokumenten. Um eine breite Öffentlichkeit zu bekommen, tun sie das beim Guardian, bei der New York Times und dem deutschen Spiegel. Der Guardian bringt – wie gewohnt – hervorragend aufbereitete Berichte plus ein Einführungsvideo. Die Times bietet immerhin Überblicke und erste Auswertungen an. Beide bieten den Lesern an, interaktiv an der Aufbereitung der riesigen Datenmengen mitzuwirken.

Und der Spiegel? Bringt ein Berichtchen, weist nicht einmal korrekt auf Wikileaks als Quelle hin (update: mittlerweile geändert) und macht sich Gedanken über den Wahrheitsgehalt der Daten. Auch andere deutsche Blätter spekulieren lieber über Wikileaks-Gründer Julian Assange und ergehen sich mild in der einen oder anderen Verschwörungstheorie. Erwähnung findet vor allem die außerordentliche Ablehnung, die die Aktion aus dem Weißen Haus erfährt.

Fefe hat dazu alles Notwendige gesagt:

Habt ihr euch mal durch die Wikileaks-Berichterstattung von Guardian, New York Times und Spiegel geklickt? Ist euch auch aufgefallen, wie armselig die Berichterstattung beim Spiegel ist? Kein Vergleich zum Guardian. Auch die New York Times ist zwar besser als der Spiegel, aber kann mit dem Guardian nicht mithalten, wie ich finde. Aber der Spiegel macht ja nur Kurzzusammenfassung und verweist auf die Printausgabe. Bei der NYTimes kann man immerhin auszugsweise Dokumente sehen. Im Spiegel? Nichts! Oder habe ich das übersehen?

Bei Fefe weiterlesen

Internet 2.0, lieber Spiegel. Wir üben das noch mal, ja? Und sagt NIE WIEDER Qualitätsjournalismus.

Update

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10 Kommentare

Verfasst von - 26. Juli 2010 in Journalismus, Medien, Politik, Welt, Wissen

 

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10 Antworten zu “Ah, Qualitätsjournalismus!

  1. Sabine Engelhardt

    26. Juli 2010 at 19:27

    Und die Springer-Presse ist beleidigt und zweifelt gleich mal alles an. Nicht daß sie sich sonst durch eigene Recherche hervortun würde. Aber wenn sie nicht mitspielen dürfen, reden sie Wikileaks lieber klein:

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article8653988/Die-Grundidee-von-Wikileaks-ist-in-Gefahr.html

    Gruß, Frosch

     
  2. opalkatze

    26. Juli 2010 at 19:49

    @Sabine
    Die Berichterstattung bei Springers möchte ich mir gar nicht erst vorstellen. Btw – bei FoxNews gibt’s gerade dolle Kommentare dazu. Man kann sich nicht entscheiden, ob man jetzt Wikileaks generell verteufeln oder lieber gut finden soll, weil das Weiße Haus tobt. Ist noch unentschieden ,) Vermute, die Fraktion, die den dem WH zugefügten Schaden gut finden, gewinnt.

     
  3. Jali

    26. Juli 2010 at 21:32

    Dass die Berichterstattung im Guardian die beste ist, überascht mich nicht. Die Zeitung war schon immer gut, und nachdem die altehrwürdige Times Murdoch zum Opfer gefallen sind, verstärken einige der besten Köpfe der ehemaligen Times-Redaktion den Guardian. Der dürfte derzeit eine der besten Zeitungen der Welt sein.

     
  4. opalkatze

    26. Juli 2010 at 21:52

    @Jali
    Aber so was von d’accord :)

     
  5. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    27. Juli 2010 at 18:25

    Tja, wer englisch lesen kann, ist ganz klar im Vorteil. Meine Englischkenntnisse sind nur rudimentärer Art (computerspezifisch). Ich beneide Euch!

    Was den Spiegel anbelangt: Fefe nennt ihn ja nicht umsonst das „ehemalige Nachrichtenmagazin“. Ich selbst hatte früher sogar einmal ein Abo. Spätestens mit Rudolf Augsteins Tod – eigentlich schon mit der Besetztung von Stefan Aust als Chefredakteur – hat auch beim Spiegel das langsame Sterben begonnen. Das Sterben des Investigativen Journalismus und damit die Geburt der Boulevardisierung* des Spiegels. Was will man da erwarten?

    Die Kritik am Spiegel ist übrigends anhekommen:
    SpOn-Chef Rüdiger Ditz zum Blogger-Bashing „Wir haben nicht so gut ausgesehen“
    http://meedia.de/nc/details-topstory/article/spon-chef–wir-haben-nicht-gut-ausgesehen_100029332.html

    *Kann man das so schreiben? Gibt es das Wort Boulevardisierung überhaupt?

     
  6. opalkatze

    27. Juli 2010 at 22:02

    @MKKT
    Danke für den Link :) Mit dem Spiegel ging es mir genau so, und zur selben Zeit. Sehr schade drum.

    Ja, Boulevardisierung ist zwar kein ‚richtiges‘ Deutsch, wird aber einvernehmlich benutzt; trifft den Sachverhalt ja auch einfach am besten.

     
  7. lila

    16. August 2010 at 10:40

    Habt ihr das Gefühl, dass es zum Thema Boulevardisierung einen Unterschied gibt zwischen den Berichten in der Printausgabe von Spiegel oder Spiegel online?
    Ich schreibe da gerade eine Seminararbeit darüber und bin dabei auf diese Diskussion hier gestoßen.

     
  8. opalkatze

    16. August 2010 at 11:53

    @lila
    Würde Dir gern helfen, kann aber leider nicht vergleichen, weil ich nur noch online lese. Könnte mir aber vorstellen, daß der Unterschied nicht groß ist. Niggemeier hat dazu was Nettes geschrieben: Spökes, Späßchen, Spiegel Online

     
  9. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    16. August 2010 at 13:28

    @lila
    Die Berichte des Spiegels gleichen sich online/offline wortwörtlich. Es gibt keinerlei Unterschiede.

    Zuletzt ist mir das aufgefallen bei Ausgabe 33/2009 „Netz ohne Gesetz“. Ich hatte erst online die frei zugänglichen, also kostenlosen Artikel gelesen, später im Arztwartezimmer die Printausgabe in der Hand. Wortwörtlich keinerlei Unterschied! Dabei verwundert sehr, daß der Spiegel durch derlei Praxis noch nicht längst pleite ist.

    Online fällt allerdings die Boulevardisierung stärker auf, da auf der Startseite alle Rubriken untereinander (quasi auf einer Seite) stehen. Beim Lesen des Heftes überblättert man schneller.

    Wenn man SpOn-Chefredakteur Rüdiger Ditz Rechtfertigung zur Wikileaks-Berichterstattung (siehe meinen Post von 27. Juli) glauben darf, müßte es da einen Unterschied zwischen online und offline gegeben haben. Ich weiß es nicht, da ich noch nicht wieder beim Arzt (s.o.) war ;-)

    Viel Erfolg bei Deiner Seminararbeit.

     
 
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