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Der Topf und der Deckel

23 Aug

„Ach“, sagte eines Tages der Deckel, „ich mag nicht mehr. Immer muß ich der Bremser sein, mal halb aufgelegt, mal ganz; immer wird mir nur von innen heiß und schwitzig, außen muß ich frieren, und der blöde Topf hat’s rundum lecker warm. Er wird gut behandelt, mit Topflappen angefaßt und sorgsam auf einen Untersetzer gestellt – ich fliege einfach in die nächstbeste Ecke.“

Da sagte der Topf: „Du hast ja keine Ahnung! Ich muß auf der furchtbar heißen Herdplatte stehen, außen rinnt an mir das Kondenswasser hinab, und in mir liegen immer bloß olle Kartoffeln. Beim Abschrecken füllt man eiskaltes Wasser in mich, so dass ich mich jedes Mal vor Schreck zusammenziehen muß. Das ist auch kein Vergnügen! Außerdem: Was bist du ohne mich wert? Allein bist du nur Sperrmüll.“

„Ja“, sagte der Deckel, „da hast du wohl Recht. Du wirst ohne mich weiter verwendet, aber eine rechte Freude ist das nicht mehr. Du brauchst viel länger, um erhitzt zu werden, und irgendwann wird man auch dich fortwerfen und einen neuen Topf mit einem passenden Deckel kaufen. Dann ergeht es Dir wie mir.“

Der Topf dachte kurz nach. Dann sagte er: „Weißt du – es mag oft beschwerlich sein, aber irgendwie gehören wir doch zusammen. Laß es uns mit Fassung tragen und versuchen, das Beste draus zu machen.“

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4 Kommentare

Verfasst von - 23. August 2010 in Frauen, Kultur, Leben, Mensch bleiben

 

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4 Antworten zu “Der Topf und der Deckel

  1. Sammelmappe

    23. August 2010 at 17:17

    Ich will kein Deckel sein – vielleicht wäre das Geschirrtuch noch frei?

     
  2. opalkatze

    23. August 2010 at 18:33

    @Claudia
    Nein, das war keine Ein- oder Zuteilung. Such Dir aus, was Du gern wärst .)

     
  3. rauskucker

    23. August 2010 at 18:51

    Aussuchen? Gut, dann will ich Topf mit Deckel sein zwischen anderen Töpfen mit Deckeln.

     
  4. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    27. August 2010 at 02:14

    Schön!

     
 
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