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Presse im Herbst

24 Sep

Daß Herr Sarrazin Bockmist erzählt, hat spätestens Prof. Eichener belegt. Ist auch nicht so wichtig, dennoch: Bei der Jagd stören viele Treiber die Hasen aus ihren Sassen auf, das haben im politischen Deutschland Herr Sarrazin und Frau Steinbach im Alleingang geschafft. Die Reaktionäre kommen nach und nach aus ihren Verstecken. Fatal nur, daß die Debatten über Konservativismus geführt werden, statt das Kind beim richtigen Namen zu nennen.

In der FAZ, die nicht gerade ein Käseblatt ist, wird das rechtsstaatliche Grundprinzip ‚Im Zweifel für den Angeklagten‘ in Frage gestellt. Als Bild bleibt: Irgendwie lästig, all dieser Gerechtigkeitsunfug. Man sollte doch wirklich mal …
Wenn die Bild so etwas veranstaltet, stöhnen die Vernünftigeren auf; das kennt man, es gilt als normal. Der Leserboykott der Wenigen kann aber nichts daran ändern, daß Bild die Mehrheitsmeinung prägt wie kein anderes Medium.

Talkshows und selbst die öffentlich rechtlichen Nachrichten – von den Privatsendern zu schweigen – bedienen mittlerweile ihre Kundschaft mit gefärbten Mitteilungen, sei es über die Gästeauswahl oder die wertende Botschaft. Das ist Pressefreiheit, ja, aber muß sie partout auf diese Weise ausgenutzt werden?

Die Presse berichtet zum großen Teil in Form wertender Beiträge, oder sie liefert gleich Hofberichterstattung. Glamour ist wichtiger als Information, der Grat zwischen Boulevard und ernstem Tagesgeschehen schnell überschritten – die Verregenbogenpressung der Vierten Gewalt.

Vor Jahren hätten Spiegel oder stern Aufstände gemacht angesichts Vorgängen wie des Atomdeals und nächtlich unterzeichneter Geheimabkommen, heute bewegt eine sanfte Brise die Oberfläche, die Empörung bleibt sehr überschaubar.
Vorhaben wie die Einführung des Leistungsschutzrechts oder die Erhebung der Haushaltsabgabe, die jeden betreffen, werden medial kaum begleitet. Im ersten Fall handelt es sich dabei um ein Geschäftsmodell, das die Presseverlage für ihr Verschlafen des digitalen Umbruchs belohnen soll, im zweiten sollen selbst Menschen, die kein Fernsehen besitzen, die Abgabe leisten, eben: jeder Haushalt. Wirklicher Protest dagegen ließ sich noch nicht feststellen.

Aber was ist von einer Öffentlichkeit zu erwarten, die ein Einkommen von 359 Euro zuzüglich jeweils landesüblich anerkannter Mietkosten für menschenwürdig hält, gar die verächtlichen Kommentierungen über einen dekadenten Lebensstil übernimmt? Sie hat die Presse, die sie verdient.

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DRadio hat einen interessanten Beitrag über Data Driven Journalism: Let The Data Flow

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 24. September 2010 in Kaffeesatz, Kultur, Politik

 

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Eine Antwort zu “Presse im Herbst

  1. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    25. September 2010 at 09:11

    Du hast es ja schon im Titel erwähnt: Presse im Herbst…

     
 
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