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Zukunft in Deutschland

30 Nov

Tja, Deutschland, jetzt haste ’n Problem. Ausländer willst du ja nicht, oder jedenfalls nur die ‚richtigen‘. Du wirst aber mehr brauchen. Denn die Deutschen, die offen sind für Experimente, mutig genug, ein Geschäft zu gründen, Neues auszuprobieren, jagst du gerade vom Hof.

Deine Investitionen in Bildung sind schon lange fragwürdig. Nur, wer es sich leisten kann, sie zu bezahlen, erhält wirkliche Chancen für seine Kinder. Sobald die alt genug sind, entschwinden sie an ausländische Hochschulen, weil es dort mehr Möglichkeiten gibt: mehr Lehrer, mehr Angebote, mehr Förderung.

Jetzt hast du dir was Neues ausgedacht: Eine Novellierung des Jugendmedienstaatsschutzvertrags (JMStV). Der sorgt nicht nur dafür, daß Kinder Medienkompetenz gar nicht erst entwickeln können, du koppelst dich damit auch endgültig vom Rest der globalisierten Welt ab. Den vielen kleinen Blogbetreibern gibst du Beschränkungen auf, die sie nicht leisten können; führst Sendezeiten ein in einem weltweiten Netz, das rund um die Uhr geöffnet hat; Selbstbeschränkungen, die kaum jemand abschätzen kann; verhinderst immer mehr die freie Meinungsäusserung in den unzähligen kleinen Beiträgen, die zur Meinungsbildung mindestens einer Generation beitragen. Viele intelligente Menschen jeden Alters machen den Quatsch nicht mit und werden ihre Blogs schliessen.

Aber vielleicht ist es ja das, was du willst? Schließlich sind wirtschaftliche Interessen wie z.B. die der Verleger der Rumkritzelei auf Blogs monetär bei Weitem vorzuziehen. Und wenn du ein leeres deutsches Internet hast, kannst du darin endlich schalten, walten und reglementieren, wie du willst. Möglicherweise übersiehst du dabei, daß die Multiplikatoren dann nicht mehr da sind und die Seiten deiner bevorzugten Anbieter nur von anderen bevorzugten Anbietern gelesen werden, in einem ewigen selbstreferentiellen Kreislauf. Das Geld für die Services verdienen dann Hoster in anderen Ländern, in denen die Gesetze weitsichtiger sind; wo man erkannt hat, daß das Internet eine Riesenchance für die Zukunft ist – mit allen Facetten.

Vergiß dabei aber eines nicht, Deutschland: Die Kritiker wirst du damit nicht los. Die können auch aus dem Ausland bloggen und kritisieren, denn das Internet ist grenzenlos. Auch, wenn sich das noch nicht bis zu dir rumgesprochen hat.

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14 Kommentare

Verfasst von - 30. November 2010 in Blogs, Europa, Kultur, Netzpolitik, Politik

 

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14 Antworten zu “Zukunft in Deutschland

  1. alien59

    30. November 2010 at 15:48

    Drum. Ich finds affig, aber als Land große Töne über andere spucken.
    Ich sehe kommen, dass es auf meinem blog lebhafter werden wird. Vielleicht taufe ich ihn um: Alien out of europe …. looking back.
    Jeden Tag lese ich von Leuten, die das Land verlassen. Wer über mich vor drei, vier Jahren noch den Kopf geschüttelt haben, ist heute schon oft am Packen. Österreich soll auch ganz nett sein ;-)

     
  2. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    30. November 2010 at 16:12

    Der Kommentar Nr. 20 bei netzpolitik.org gefällt mir sehr gut:

    Alternative Protestmöglichkeit: Die zehn reichweiten stärksten Blogs in Deutschland gründen eine Firma im Ausland, die die Verantwortlichkeit für die Inhalte übernimmt, somit sind das keine deutschen Angebote mehr, und der JMStV wird obsolet. Und andere können die inhaltliche Verantwortung auch auf diese Firma übertragen.

    Es müssen nicht einmal die reichweiten-stärksten Blogs sein. Und teuer ist das ganze auch nicht unbedingt (siehe z.B. Private Company Limited by Shares.

     
  3. Altgruftipunk

    30. November 2010 at 16:31

    Oh mein Goth, was ist denn das schon wieder für ein Schwachsinn? Ich bin heilfroh, dass ich kein Kind mehr und überdies nicht in der Verlegenheit bin, Kindern und Jugendlichen begreiflich machen zu sollen, wessen sich selbst die Bürger Schildas noch schämen würden. Vermutlich würde ich nämlich sagen:

    Kinners, das sind Behörden, die sich so komische Gesetze ausdenken. Behörden, das sind immer ganz viele und nachher war’s keiner schuld. Die sind irgendwie nichtmenschlich, wir können da also keinen am Schlafittchen packen und dem sagen, „Hör mal, Mann, was sülzt du denn da, denk‘ doch erst mal nach!“
    Wie komisch Behörden sind, das hat der Franz ganz schön beschrieben, aber der war so schlau, den kriegt ihr erst in der Oberstufe, damit ihr euch nicht so viel am Kopf kratzen müsst. Ihr könnt aber hier mal bei den Papierbüchern nachgucken, steht unter „Kafka“. Wenns Euch zu bunt wird, fragt.
    Jetzt aber zurück zu den gesetzgebenden Nichtmenschlichen, will sagen: Behörden, die sind in echt nicht so schön schräg wie beim Franz. Also schräg schon, aber nicht literarisch wertvoll. In echt sind die nämlich leider doch ziemlich menschlich und zum einen total hilflos, zum andern haben sie was an der Waffel. Außerdem haben sie noch Macht, und nun seht ihr, was dabei rauskommt.
    Und wenn ihr mich jetzt am Schlafittchen packt und fragt, „Hör ma, Mama, was quatschst du denn da, sind die denn nun menschlich oder nicht?“, dann sag ich bloß, das ist eben Kafka in Schilda, und der Buchstabe K kommt zwischen J und L.

     
  4. Sascha Pallenberg

    30. November 2010 at 17:07

    Vielen Dank fuer das prominente Feature Vera.

    Ich habe schon 2006 die Reissleine gezogen, nachdem unser Autokanzler noch wollte, dass man Firmen gruendet und Arbeitsplaetze schafft.

    4 Jahre Hardware-Distribution und 3 Jahre Software-Entwicklung inkl. all der beruehmten Stoecke, die man einem zwischen die Beine wirft haben gereicht und das hatte noch nicht einmal was mit irgendwelchen Blogs oder Publikationen zu tun.

    Ich erinnere mich an das Urteil gegen Heise damals, die doch gefaelligst ihre Foren zu ueberwachen haetten. Und nun kommt so ein Klops raus.

    Warum? Muss ich mir irgendwelche Verschwoerungstheorien ueber Lobbyisten ausdenken oder hat die Deutsche Regierung einfach kein Interesse an der digitalen Evolution?

    Wieviel gut ausgebildete junge Menschen verlassen Deutschland jedes Jahr? Wieviele Akademiker und Unternehmer… Oder halt einfach ein paar Querdenker!

    Die USA haben meine Steuern mit Kusshand genommen und in Taiwan habe ich innerhalb von 4 Wochen eine Firma gruenden koennen, meine Aufenthalts und Arbeitsgenehmigung erhalten. Die haben sich gefreut und mich so klasse unterstuetzt, dass ich dachte meine Firmengruendung in der alten Heimat war ein schlechter Scherz.

    Es gibt in Deutschland genau noch eine natuerliche Ressource und die liegt zwischen den Ohren seiner Einwohner!

    Wer auch immer diesen Jugendmedienstaatsschutzvertrag verbrochen hat, muesste lebenslang eine Eselskappe tragen.

    Ich schaeme mich mal wieder so richtig fuer so viele dumme, dumme Verwalter und Paragraphen-Reiter!

     
  5. opalkatze

    30. November 2010 at 17:30

    @Sascha

    Es gibt in Deutschland genau noch eine natuerliche Ressource und die liegt zwischen den Ohren seiner Einwohner!

    Aber auch das ist bei unseren Regierungsdarstellern noch nicht angekommen. Ich schäme mich mit.

     
  6. opalkatze

    30. November 2010 at 17:31

    @Leo
    Idiotie potenziert- was für ein genialer Kommentar!

     
  7. opalkatze

    30. November 2010 at 17:32

    @Dietmar
    Gefällt mir auch gut. Oder direkt wegen der unzureichenden Ausgestaltung eine Klage einreichen.

     
  8. opalkatze

    30. November 2010 at 17:33

    @Alien
    Siehe Saschas Antwort: So isses. Zum Heulen.

     
  9. VonFernSeher

    1. Dezember 2010 at 04:06

    @Sascha Pallenberg

    Man sollte das Ganze mal wieder ins Verhältnis rücken. Ich möchte weder in den USA noch in Taiwan leben. Der Bildungssektor in den USA ist genauso tot oder lebendig wie in Deutschland und unter den Bedingungen, unter denen in Taiwan Akademiker produziert werden, möchte ich auch nicht leben.

    Wenn es um Bildung und Wirtschaft geht, kann man Deutschland wohl mit vielen besseren vergleichen, die USA und Taiwan gehören da aber bestimmt nicht dazu.

    Die USA haben meine Steuern mit Kusshand genommen und in Taiwan habe ich innerhalb von 4 Wochen eine Firma gruenden koennen, meine Aufenthalts und Arbeitsgenehmigung erhalten.

    In Deutschland nimmt man auch gerne die Steuern und eine Firma ist dort innerhalb von zwanzig Minuten angemeldet (und die Papiere fürs Finanzamt gibt’s mancherorts schon vorgedruckt mit).

    4 Jahre Hardware-Distribution und 3 Jahre Software-Entwicklung inkl. all der beruehmten Stoecke, die man einem zwischen die Beine wirft haben gereicht und das hatte noch nicht einmal was mit irgendwelchen Blogs oder Publikationen zu tun.

    Richtig, der ganze Kommentar hat nichts mit dem Staatsvertrag und Blogs zu tun, sondern ist nur das typische Gejammer, wie schlecht es doch in Deutschland geht und wie dumm die alle sind.

    Noch ist aber der Staatsvertrag bei weitem nicht von allen Länderparlamenten abgesegnet. Wer sich also wirklich um die Blogger in Deutschland sorgt, sollte sich an die Entscheider wenden, er sollte seinem Abgeordneten, den Fraktionschefs und Regierungsmitgliedern schreiben, zeigen, was man davon hält. Das ist übrigens tatsächlich etwas, was man von den US-Amerikanern lernen kann.

    Ich fasse mich jetzt an die eigene Nase und werde meinen Brief an Hannelore Kraft u.w. heute zu Ende bringen (bisher hielt mich die Unlust ab).

     
  10. Frank Benedikt

    1. Dezember 2010 at 06:32

    Nachdem die Ersten paniken und ihre Blogs stilllegen wollen:
    Wir bleiben hier!

    Zunächst mal bleibt abzuwarten, ob das überhaupt so heiß gegessen wird – s. Dein Link zu Udo Vetter. Falls ja, bleiben uns immer noch einige Möglichkeiten, so der Gang nach Karlsruhe oder gar vor den EU-Gerichtshof. Eine generelle Alterskennzeichnung vorzunehmen, sollte so schwer auch nicht sein und ggf. könnte man die Umwandlung der Blogs in „Clubs“, also geschlossene Gesellschaften, prüfen – etwas, was wir hier in Bayern ja bereits beim Rauchen praktiziert haben. Das wäre zwar dem Gedanken des offenen Netzes nicht so zuträglich, aber rausdrängen werden wir uns nicht lassen.

    Noch ist nicht aller Tage Abend …

     
 
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