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Deutsch ins Grundgesetz? Nein danke!

23 Jan

Update: Es gibt eine Petition, die das verhindern soll.

Deutsch ist eine tolle Sprache, in der man sich wunderbar ausdrücken kann. Gut, vielleicht ist sie nicht so elegant wie Französisch, so melodisch wie Italienisch oder so leidenschaftlich wie Spanisch; vielleicht etwas sachlicher und bodenständiger – aber es ist im Wortsinn meiner Mutter Sprache. Ich bemühe mich sehr, wenig Fremdworte zu benutzen und Sachverhalte so einfach wie möglich darzustellen. Dennoch sind diese eingewanderten Worte oft nützlich, um etwas präzise, ‚auf den Punkt‘ auszudrücken.

Was passiert, wenn man den Vorstellungen derer folgt, die reines Deutsch wollen, hat Richard Gutjahr belustigend und erschreckend zugleich beschrieben. Richards Text treibt es natürlich auf die Spitze, aber ich möchte noch nicht einmal annähernd so sprechen oder schreiben. Wie man Deutsch verdrehen und ihm so irreführende neue Bedeutungen geben kann, zeigt der Linguist Martin Haase auf seinem Neusprech-Blog – dann lieber ein ‚fremdes‘, aber treffendes und nicht verfälschendes Wort.

Der Sozialwissenschaftler Anatol Stefanowitsch hält in seinem Artikel Für eine vielstimmige Gesellschaft ein Plädoyer für die Vielfalt unserer Sprache und findet eine ganze Reihe Argumente, warum es keine gute Idee ist, Deutsch als Staatssprache im Grundgesetz zu verankern. Er bittet um Verbreitung seines Anliegens und darum, eine entsprechende Petition mitzuzeichnen. Dem schliesse ich mich gern an.

 
15 Kommentare

Verfasst von - 23. Januar 2011 in Kultur, Politik

 

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15 Antworten zu “Deutsch ins Grundgesetz? Nein danke!

  1. AlterKnacker

    23. Januar 2011 at 18:31

    Geschraubt kann jeder Halbgebildete schreiben und sprechen, einfach ist die Kunst.

     
  2. rauskucker

    23. Januar 2011 at 19:48

    Ich stimme da völlig mit dir (und Anatol und Stefan) überein. Den Text von R. Gutjahr finde ich aber blöd. Er wählt für seine Beispiele vor allem die Computer-Abteilung, wo es ja nun kaum möglich ist, ohne englische Lehnwörter auszukommen. (Und da kennt er nichtmal den schönen Namen „Winzigweich“…) Die wenigen anderen Beispiele (im Restaurant) sind dagegen Dinge, die man wirklich gut und gerne auch mit deutschen Wörtern ausdrücken kann. Nicht, weil englisch bäh wäre – eher im Gegenteil. (Ich habe oft den Eindruck, daß gerade die, die die englische Sprache beherrschen und lieben, auch die sind, die sich noch auf deutsch mitteilen können.)

     
  3. rauskucker

    23. Januar 2011 at 19:54

    So, jetzt habe ich auch den anderen Link erforscht. Hey, danke, das Neusprech-Blog ist genial!

     
  4. Gedankenfinder

    24. Januar 2011 at 12:18

    Man muss sich einfach mal den Spaß machen und viele dieser „präzisen“ Fremdwörter einfach mal mit dem Gegenüber diskutieren. Es ist sehr interessant, was da an Bedeutungsvielfalt und Unterschieden zu Tage kommt.

    @rauskucker:
    R. Gutjahr gefällt mir überhaupt nicht. Er hat sich noch nicht mal die Mühe gemacht in den Diskurs zwischen Deutsch und Fremdwörtern zu treten; vielmehr übersetzt er so fast alles wörtlicher den wörtlich (die bösen falschen Freunde, vor denen man uns im Englisch Unterricht gewarnt hat). Mit den richtigen Übersetzungen und guten deutschen Ausdrücken wäre es vermutlich nicht aufgefallen, dass englische Fremdwörter die Mutter dieses Scherbenhaufen waren.

    Und wer schon einmal versucht hat, einem totalen Computerlaien etwas zu erklären, der weiß, wieviel deutsche Wörter wert sind. Nämlich mindestens 10 Sätze um das „präzise“ englische Fremdwort zu erklären.

     
  5. opalkatze

    24. Januar 2011 at 14:41

    @Gedankenfinder
    Präzise bedeutet, das Fremdwort ist unmissverständlich und unverwechselbar. Es ist in der Lage, mehrere erklärende Sätze zu ersetzen. Notfalls muß ich also einen Fachausdruck, der für das Verständnis wichtig ist und für den eine verbindliche Konnotation besteht, erst einmal verdeutlichen (Cursor, Trainer, Toaster, Interview, …). Nicht eingeschlossen sind berufliche Fachausdrücke, die fast immer erklärt werden müssen (Mediziner, Soziologen, …). Einen Sonderfall bilden Amts- und Juristendeutsch, die, obwohl sie beinahe ausschließlich aus deutschen Worten bestehen, in der Regel für den Normalbürger erst ‚übersetzt‘ werden müssen (auch die Schreibe mancher Journalisten bedarf dieses Dienstes, aber das ist eine andere Geschichte).

     
  6. TramTram

    25. Januar 2011 at 04:27

    Diese Petition ist lachhaft. Vor allem die Begründung, man würde sich „abschotten“. Schotten sich die USA ab, wenn Sie Englisch in ihrer Verfassung stehen haben?

    Bei den ganzen unnötigen(!) Fremdwörtern, die bestehende deutsche Wörter ersetzen (man denke nur an die Werbung), finde ich es sehr gut, dass Deutsch ins Grundgesetz aufgenommen werden soll. Damit wird der Wert unserer Sprache unterstrichen.

    Fachbegriffe aus der Computerwelt, Medizin usw. können ja trotzdem weiterhin verwendet werden. Ich denke, hier geht es um die Alltagssprache.

     
  7. opalkatze

    25. Januar 2011 at 09:30

    @TramTram
    Bei der starken Hispanisierung der USA mag das eher angebracht sein.

    Es war nicht die Rede von unnötigen Fremdwörtern, das hatte ich im Text auch implizit gesagt. Slogans wie ‚Come in and find out‘ (Douglas) sind wirklich überflüssig.

     
  8. Faye

    25. Januar 2011 at 14:13

    @TramTram: Die USA haben nicht einmal eine Amtssprache, es würde mich ziemlich wundern, wenn Englisch dort in der Verfassung verankert wäre. Das macht besonders wenig Sinn, da Englisch zur Zeit, als die Verfassung entstanden ist, bei weitem nicht eine so starke Mehrheit hatte wie heute.

    Wollen sie allen Ernstes, dass in ihren alltäglich Sprachgebrauch eingegriffen wird? Welche entlehnten Wörter würden sie denn gerne gerne loswerden? Fängt das schon bei „Korb“ an? Oder eher bei „Philosphie“?

     
  9. Pingback: Südwärts
  10. lila Luder

    26. Januar 2011 at 10:00

    Interessante, aber nicht neue Kontroverse. Ich kenne zum Thema zwei Extreme. Auf der einen Seite das „präzise“ schlichte Deutsch eines verstrahlten F.J. Wagner, auf der anderen den Kulturteil in „konkret“, der schon rein sprachlich z. B. Hauptschülern überhaupt nicht zugänglich ist.

    Zur Computer-Freak-Terminologie ein Spot von Dieter Nuhr (als er noch gut war):http://www.youtube.com/watch?v=jjqfRqbJ1ok

     
  11. lila Luder

    26. Januar 2011 at 10:13

    Sehe gerade, dass das Thema bei Stefan Niggemeier gründlichst durchgenudelt wurde. Deshalb zu den Anglizismen noch ein Video: http://www.youtube.com/watch?v=01Jl29Ma4Y4

    Gruss von der „BürgerInnenmeisterInnen-StellvertreterIn“ (ungegendert: Bürgermeisterin)!

     
  12. TramTram

    26. Januar 2011 at 13:44

    Es geht um unnötige Anglizismen und nicht um den „normalen“ Sprachgebrauch mit althergebrachten Begriffen aus dem Franzözischen (z.B. Restaurant) oder Englischen (z.B. Trainer).

    Meinetwegen machen wir’s wie in Frankreich: Deutschquote für Musik und darüberhinaus ein Verbot von so einem Werbequatsch wie das erwähnte „Come in and find out“ usw. – dann gibt sich das Problem vielleicht von selbst. Trotzdem wäre es für das Ansehen unserer Sprache nicht falsch, diese ins Grundgesetz aufzunehmen.

     
  13. opalkatze

    26. Januar 2011 at 16:19

    @Faye
    Genau.

    @lila luder
    Ich mach mich jetzt mal unbeliebt: Wenn man die gesamte Zeit aufrechnen würde, die aufgewendet wurde, um ‚Sehr geehrte -‚, Liebe -‚ oder ‚Meine und *innen‘ zu sagen, käme ein hübscher Haufen zusammen. Ich sage oder schreibe es selten, meist nur, wenn es im Zusammenhang passt. Aber das ist auch eine von denDiskusionen, die wohl ewig geführt werden werden.

    @TramTram
    Und was sollte dieser Eintrag ins GG dann bewirken?

     
  14. lila luder

    26. Januar 2011 at 17:53

    Für Interessierte zur Benutzung von Majuskel und Suffix in der gendergerechten Sprachregelung ein Link zu dem Aufsatz „Sprachfeminismus in der Sackgasse“.
    http://www.bruehlmeier.info/ (In der linken Spalte unter TEXTE: Diverses anklicken).

     
  15. opalkatze

    26. Januar 2011 at 18:41

    @lila luder
    Interessant, danke! Aber ein mühsames Blog …

     
 
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