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Ein bißchen Info über Al Jazeera

06 Feb

Spätestens jetzt kennen alle den Sender aus Qatars Hauptstadt Doha.

Wikipedia hat einen ausführlichen Eintrag, in dem auch die Probleme Al Jazeeras in der arabischen Welt beschrieben werden. Natürlich, alle arabischen Staaten werden mehr oder weniger autoritär regiert: Die Machthaber mögen kritische Berichte nicht sonderlich. Sie sind nicht daran gewöhnt. Dennoch erfüllt Al Jazeera English den Auftrag des Emirs von Qatar, offen und kritisch zu berichten. Sie schiessen gleichmäßig gegen Europa, die USA und die arabische Welt. AJ stellt überdies ein Korrektiv für die übliche transatlantische Untergrundwarmwasserbeleuchtung dar.

Wer Lust hat, kann sich die neunteilige Dokumentation Control Room über AJEs Irak-Kriegsberichterstattung ansehen und dabei Einblicke in die Arbeitsweise (und die generöse Ausstattung) des Senders bekommen. Ausserdem lernt man die Sicht der ‚anderen Seite‘ auf einen weiteren unnötigen Krieg kennen.

Facts & Figures erfährt man auf der Homepage; natürlich findet man auch einen weltweiten Frequenz-/Empfangsplan, und bei ZEITonline gab es gestern einen freundlichen Bericht. Dabei hat die ZEIT irgendwie nicht mitbekommen, daß der angestellte Vergleich der Sender sehr wohl auch auf die Holz- und Onlinepresse angewendet werden könnte. Tja.

(Kleiner Gag am Rande: dieser Kommentar bei ZEITonline).

 
11 Kommentare

Verfasst von - 6. Februar 2011 in Medien, Telekommunikation, Web 2.0, Welt

 

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11 Antworten zu “Ein bißchen Info über Al Jazeera

  1. rauskucker

    6. Februar 2011 at 20:30

    Danke. Ich hab das alles nicht gelesen, weiß ich ja, predige ja seit über drei Jahren, wie gut der Sender ist. (Nicht, daß ich nicht auch bei denen ab und zu Sachen zu bemäkeln habe.)
    Kein Wunder, weil dort die besten Journalisten von BBC und CNN hin abgewandert sind. Und bestimmt nicht nur wegen der Kohle.
    Einer der Besten von allen ist Ayman Mohyeldin, der schon vorher Korrespondent in Ägypten war, u.a. über den Gaza-Krieg berichtete. Ein absolut kompetenter Fachmann und grandioser Reporter. Der gleichzeitig die Welt erklärt (stundenlang, wenn man ihn läßt), sich mit lästigen Offiziellen abplagt UND dabei noch mitbekommt, was um ihn herum gerade passiert.
    Er ist heute in Kairo verhaftet worden.

     
  2. VonFernSeher

    6. Februar 2011 at 21:38

    Was mir bei der Darstellung jetzt noch fehlt:

    Al Jazeera (vielleicht manchen noch als Al Dschasira bekannt, als man noch versuchte, einen europäischen Kanal aufzulegen) ist ein hervorragendes Informationsportal, aber kein vollständiger Nachrichtensender – absichtlich. Kritik und Meinung gehört nämlich nicht zu dem Auftrag von Al Jazeera. Das ist kein Vorwurf, sollte man aber wissen.

    Und: Al Jazeera stellt eine Menge an Video-, Audio- und Bildmaterial als CC zur Verfügung: cc.aljazeera.net

     
  3. rauskucker

    6. Februar 2011 at 21:43

    @VonFernseher
    Ich glaube nicht, daß Du jeden Tag 16 Stunden AJE guckst und das beurteilen kannst. Das ist sowas von vollständiger Nachrichtensender, mit Meinung, Kritik, Diskussion, Beteiligungsmöglichkeuiten.
    Und die heißen nunmal Al Jazeera, und nicht anders.
    Red doch von Dingen, die Du kennst.

     
  4. VonFernSeher

    6. Februar 2011 at 22:15

    Warum muss ich täglich 16 Stunden Al Jazeera schauen, um das beurteilen zu können? Und warum liest du einen Vorwurf raus, wo explizit drunter steht, dass es keiner ist?

    Ich habe nie gesagt, dass es auf Al Jazeera unkritisch zugeht oder dass es keine Beteiligungsmöglichkeiten gibt. Die gibt es (ich habe noch heute morgen mit einem von Al Jazeera korrespondiert). Auch Meinungen werden dargestellt, Kritik präsentiert. Dabei nehmen die einzelnen Redaktionen aber selbst keine Stellung. Es fehlt sozusagen das Editorial, und das – auch das steht eins drüber – mit Absicht.

    Es wurden schon einige Dokus und Reportagen über die Arbeit hinter den Kulissen von Al Jazeera gemacht, in denen die Mitarbeiter selbst und auch die Finanziers zu Wort kommen. Dabei werden immer wieder zwei Gründe für das Fehlen (falsch: das Nichtvorhandensein) des Editorials vorgebracht:
    1. soll durch eine möglichst objektive Berichterstattung eine möglichst große Verbreitung in der arabischen Welt erreicht werden, aus altruistischen und finanziellen Motiven und
    2. hält man es auch für eine kulturelle Frage (völlig zurecht), ob ein Editorial Teil eines Nachrichtenportals sein sollte.

    Für mich mit meinem kulturellen Hintergrund gehört es zu einem kompletten Nachrichtenportal dazu, viele europäische Portale erreichen ihre Strahlkraft gerade durch den ausgeprägten Meinungsjournalismus. Für dich mag das nicht so sein. Ein Angriff auf Al Jazeera war es so oder so nicht.

    (Nicht so wichtig: Die erste Ausstrahlung von Al Jazeera in Europa erfolgte zweisprachig auf Astra 1B und unter der Transkription „Al Dschasira“, der Titel im Kanal selbst war gar nicht transkribiert, sondern nur arabisch. Als altes Spielkind, das gerne an seinen Receivern rumstellt, hatte ich den damals schon auf dem Schirm. Danach war es erstmal wieder für einen Zeitraum weg, ehe es als zwei Kanäle, jetzt auch „Al Jazeera“ betitelt, wiederkam.)

     
  5. VonFernSeher

    6. Februar 2011 at 22:22

    @opalkatze
    Ach, und um den Kommentar zum Kommentar („Kleiner Gag am Rande“) abzugeben: Eine der ersten Hintergrunddokus zu Al Jazeera auf deutsch kam vom ÖR. Die kennen sich schon etwas länger gegenseitig (nicht nur die, die von BBC übrig blieben).

     
  6. rauskucker

    6. Februar 2011 at 22:29

    Anscheinend redest Du von einem anderen Sender. Meiner ist nicht zweisprachig. Und den gibt’s auch erst seit vier Jahren.
    Ob es ein Vorwurf ist oder nicht, jedenfalls stimmt es nicht. Wenn Du eben z.B. Marwan Bishara gesehen hast?

    Und welcher Nachrichtensender tut sich denn durch Meinungsstärke hervor. In Europa machen doch alle auf ausgewogen. Oder meinst Du Fox und MSNBC? Die sind ja nun eher nicht europäisch.

     
  7. rauskucker

    6. Februar 2011 at 22:34

     
  8. VonFernSeher

    6. Februar 2011 at 22:43

    Ok, anscheinend reden wir tatsächlich aneinander vorbei. Al Jazeera English gibt es tatsächlich erst seit 2006 als eigenständigen Sender. Al Jazeera an sich gibt es aber schon deutlich länger und kam in einer (zugegeben noch recht dürftigen) europäischen Version um die Jahrtausendwende auf Astra. Der war größtenteils nur arabisch, teilweise untertitelt und ganz selten mal ganz englisch; und teilweise am Tag auch mit Stücken aus anderen Nachrichtensendern versetzt*. Ein großer Erfolg war dieser Programmschnitt wohl nicht, denn er verschwand mit Astra 1B. Aber er war zumindest schon mal eine Möglichkeit damals ein bisschen von der Idee zu verstehen.

    Mit der Digitalisierung kamen dann Al Jazeera und AJE als zwei Kanäle auf die neuen Astras zurück.

    Und welcher Nachrichtensender tut sich denn durch Meinungsstärke hervor.

    Also, die BBC gibt sich zwar ausgewogen, erreicht das aber schon durch verschiedene Redaktionen, die an sich nicht ausgewogen sind. In Frankreich und in Spanien versucht man oft erst gar nicht ausgewogen zu sein und in Deutschland ist nach meinem Empfinden der einzige Nachrichtensender, der sich (dafür aber schon krampfhaft) ausgewogen gibt, Phoenix.

    Ich finde halt die Aussage des Zeit-Artikels, Al Jazeera hätte sich auf die Seite der tunesischen und ägyptischen Demonstranten geschlagen, etwas kurzsichtig. Vielleicht ist ja auch das, was wir „im Westen“ für ausgewogen halten, für „die im Nahen Osten“ tatsächlich weit von der Mitte weg. Das hat sich ja ganz schön bei der Berichterstattung von Al Jazeera aus Afghanistan und Gaza gezeigt.

    *Wie das jetzt genau sortiert war, weiß ich nicht mehr, es handelt sich nur noch um Erinnerungsfetzen von damals(TM).

     
  9. VonFernSeher

    6. Februar 2011 at 22:55

    Dafür scheint am 28. der Google-Marketingchef Nahost in Kairo verschleppt worden zu sein.

    Und der Verbleib von 28 der 30 verschwundenen Menschenrechtsaktivisten (darunter z.B. Human Rights Watch) ist immer noch ungeklärt. Die zwei wieder freigelassenen AMNESTY-Mitglieder wurden jedenfalls von den Mubarakanhängern während des Sturms auf den Platz (als es keinem so auffiel) zur Polizei gebracht, das liegt auch für die anderen 28 (die an den gleichen Orten festgenommen wurden) und den Google-Mann nahe. Dazu gibt es auch eine Eilaktion, die nur 10 min kostet. Der Text funktioniert auch noch, anders als es der Link vermuten lässt, ohne AI-Mitglieder.

     
  10. opalkatze

    10. Februar 2011 at 03:10

    In dem Interview-Link, den ich oben unter den Text gesetzt habe, wird diese Frage beantwortet.

     
 
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