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Brüssel möchte die europaweite Identifizierung im Internet fördern

21 Feb

Crossposting von Kirsten von vasistas? Bitte beteiligt euch an der öffentlichen Konsultation: Nehmt euch die paar Minuten!

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Die EU-Kommission hat am letzten Freitag eine öffentliche Konsultation zur elektronischen Identifizierung (eID) und Authentifizierung eröffnet, an der man sich bis zum 15. April beteiligen kann – einfach hier den Fragebogen ausfüllen und/oder eine Stellungnahme einsenden.

Nach dem Start des biometrischen neuen ePersos in Deutschland möchte die EU-Kommission nun die Überprüfung der Identität für den digitalen Behördengang oder bei Internetgeschäften europaweit fördern. Die Kommission hat keine unmittelbare Zuständigkeit für nationale Ausweisgesetze. Da also keine Harmonisierung mittels Richtlinie herbeigeführt werden kann, sollen Fördermaßnahmen zumindest zu einer Interoperabilität der eID-Systeme in allen Mitgliedstaaten führen. Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, erklärte:

Ich heiße alle Beiträge zu der Frage willkommen, wie wir online die Identität und Unterschrift von Personen bei Käufen und Verkäufen und bei Verwaltungsgeschäften, bei denen es auf hohe Sicherheit ankommt, am besten überprüfen können. Ich möchte dazu beitragen, dass alle Europäer ohne die Befürchtung online gehen können, betrügerischen Machenschaften im Netz zum Opfer zu fallen.

Natürlich ist ein absoluter Schutz gegen Identitätsdiebstahl oder Betrug unmöglich. Einige Systeme aber, wie zum Beispiel der ePerso in Deutschland, möchten sich der Perfektion nähern. Deutschland beteiligt sich an dem von der EU geförderten Pilotprojekt STORK (Secure idenTity acrOss boRders linKed), das die grenzübergreifende Anerkennung von eID-Systemen in 18 europäischen Ländern ermöglichen will. Ziel der deutschen Beteiligung ist, den hohen Datenschutzstandard der eID-Funktion nach Europa zu transportieren.

In Frankreich schlug im letzten Sommer der Senator Jean-René Lecerf (UMP) vor, den Personalausweis (carte d’identité) mit biometrischen Informationen zu ergänzen und ihn für den Gebrauch im Internet fit zu machen. Zudem werden auch in unserem Nachbarland immer regelmäßiger Stimmen laut, die ein Vermummungsverbot im Internet oder eine Aufhebung der Anonymität von Bloggern fordern und sich über selbstgewählte Pseudonyme im Netz ärgern.


 
11 Kommentare

Verfasst von - 21. Februar 2011 in Datenschutz, Europa, Gastbeitrag, Netzpolitik, Politik, Web 2.0

 

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11 Antworten zu “Brüssel möchte die europaweite Identifizierung im Internet fördern

  1. rauskucker

    21. Februar 2011 at 23:09

    Ich habs nicht kapiert: ist das nun gut oder schlecht?

     
  2. VonFernSeher

    21. Februar 2011 at 23:48

    Ich hab es jetzt auch nicht ganz kapiert: Sollen die ePersos jetzt nur bei eBehördengängen und eEinkaufen benutzt werden oder praktisch ins Lesegerät gesteckt werden, damit der Provider das e an sich freigibt?

    Und warum heißt es nicht STALK (Secure idenTity Across borders LinKed)?

     
  3. VonFernSeher

    21. Februar 2011 at 23:52

    Außerdem kann ich leider nicht teilnehmen, ich kann bei „Your country of residence“ noch nicht mal „Other“ auswählen.

    Wissen, was jetzt genau gemeint ist, würde ich aber trotzdem gerne.

     
  4. opalkatze

    22. Februar 2011 at 00:37

    @VonFernSeher
    Du kannst ‚Deutschland‘ angeben.

    Gemeint ist die Vereinheitlichung (gegenseitige Anerkennung) der jeweiligen Identitätsausweise; bei uns ist das der ePerso. Ursprünglich war geplant, die eCard als Kombination aus ePerso, ec-, Sozial- und Gesundheitskarte herauszugeben. (Leider nicht zu Ende geschrieben: https://opalkatze.wordpress.com/2009/12/18/eine-unendliche-geschichte/). Übrig geblieben ist der ePerso, darüber ist ja schon genügend geschrieben worden.

    Viele – leider maßgebliche – Politiker und Lobbyisten verkünden immer noch, es gebe ‚die Sicherheit‘. Gesichert werden sollen wohl die Macht der Regierenden und die Pfründe der Unternehmen. Wie es um Offenheit gegenüber dem Bürger bestellt, wurde heute mal wieder klar (http://www.netzpolitik.org/?s=adhocracy). Jedenfalls eignet sich die ID-Card auch bestens zur Überwachung.

     
  5. Angelika

    22. Februar 2011 at 00:37

    öhm, ich sehe/erkenne keinen sinn darin, auch nicht für e-einkauf. aber ich habe/will auch keinen eperso.

    von wg. STALK* : DAS könnte ich mir eher vorstellen, dass behörden „uns“ dann besser estalken könnten
    *musste trotzdem spontan grinsen bei dem kürzel

    ich will weiterhin selbst entscheiden können, wer wann und wo meine e-dentität wissen darf/muss

     
  6. opalkatze

    22. Februar 2011 at 00:55

    Willkommen im Club.

     
  7. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    22. Februar 2011 at 02:34

    Ein weiterer Baustein für INDECT.

     
  8. opalkatze

    22. Februar 2011 at 04:26

    Zu INDECT gibt es mehrere Facebook-Gruppen und diese kurze Erinnerung mit Schnitzeljagd.

     
  9. Melebert

    22. Februar 2011 at 10:25

    Wenn es nur darum gehen würde, dass sich Käufer und gegenseitig versichern würden, dass sie „echt“ sind, kann das sicher mit einer Pseudonymisierung gemacht werden, ohne dass der eine jeweils die genaue Identität des anderen kennt. Das ist ein legitimes Bedürfnis sowohl der Käufer als auch der Verkäufer, weil es hier um Vertrauenswürdigkeit geht. Vertrauenswürdigkeit die eine Geschäftsabwicklung, die nun mal mehrere Etappen haben kann, erleichtert und vereinfacht. (OK, es gibt auch da andere Wege, um Geschäfte vertrauensvoll und anonym abzuwickeln).

    Was ich aber befürchte sind Datenkraken und Kontrolle durch eine durchgängige Identifikation der Nutzer von jeglichen Diensten im Web. Es passt ins Bild der vollständigen Kontrolle der Bürger, ob man da nun INDECT ins Spiel bringt oder die Wortmeldungen, dass Pseudonyme verboten werden sollten. Rasterfandung, Zensursurla, Vorratsdatenspeicherung und ePerso, SWIFT-Abkommen und Übertragung der jeglicher Flugdaten in die USA, Sammelwut der Ermittlungsbehörden bzgl. DNS-Proben ganzer Bevölkerungsgruppen (Auch wenn es nur jeweils „lokal“ ist. Ja, ich meine die „freiwillige“ Speichelabgabe, die die Polizei in einigen Regionen startet, um Druck auf noch nicht ermittelte Täter auszuüben) und verdeckte Ermittler ergeben zusammen ein Bild, was darauf hinaus läuft, dass
    der Bürger entmündigt wird und zu kontrollieren ist.

    Wenn man dann noch hinzu zieht, dass Parlamentarier offenbar bewusst eine Bürgerbeteiligung immer wieder verzögern und verhindern (siehe Entscheidung zu Adhocracy von gestern), bleibt von dem Ideal einer Demokratie nicht mehr viel übrig.

    Ich kann leider nur in diesem Kontext die Initiative aus Brüssel sehen und befürchte nur ein weiteres Element der Identifikation der Bürger zur Überwachung und Entmündigung. Es geht nach wie vor um Kontrolle. Diejenigen, die versuchen ihr Machtpfründe zu erhalten und auszubauen, geht im Moment der A**** auf Grundeis, weil sie sehen, welche Kommunikationsmöglichkeiten das Internet bietet, wie katalytisch diesen Medium (oder gar Medien?) wirkt und was daraus alles entstehen kann. Also werte ich diese Bestrebungen auch als einen Baustein, um die Medienhoheit zurück zu erlangen. Unklare und ausgesetzte (Zenzursula) Gesetze, die missbräuchlich und wider jeglichen gesunden Menschenverstandes angewendet werden, sind da auch als Klötzchen in diesem Baukasten zu nennen.

     
  10. Peter

    22. Februar 2011 at 14:31

    Ich finde die Entwicklung spannend. Die Frage ist natürlich „Was passiert mit den Fingerabdrücken?“. Für einen effektiven Schutz im Internet vor Identitäsdiebstahl und Betrug kann so etwas sicherlich hilfreich sein. Es gibt ja hierfür auch bereits Kinderschutzsoftware, die mit Fingerabdruck funktioniert: http://www.dolphinsecure.de

     
  11. VonFernSeher

    22. Februar 2011 at 19:45

    Also die gegenseitige Anerkennung halte ich für etwas sehr Positives. Das Problem bleibt die individuelle Ausgestaltung der Ausweise und da gibt es in Deutschland ja genug Ärger. Glücklicherweise bleibe ich noch ein paar Jahre vom ePerso verschont. Und so wie man Reisepässe hier behandelt, glaube ich kaum, dass die Chipfunktionen noch vorhanden sind. Ich habe es aber auch noch nicht austesten müssen, da ich vornehmlich über Länder reise, die einen solchen Quatsch nicht auslesen.

     
 
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