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Die Sicherheit der Atomkraft

13 Mrz

Gastbeitrag von Leo auf Der Leo-Aspekt

Atomkraft ist sicher. Derzeit benehmen sich zwar die Japaner etwas merkwürdig, aber das liegt nur an der Kultur dort. Das Gesicht muss gewahrt werden. Sonst bliebe den japanischen Fachleuten nichts anderes übrig, als sich ein Zeremonienschwert in die unwerte Mitte zu rammen und vorschriftsmäßig zur Seite zu fallen. Dann gäbe es vor Ort nur noch Ausländer mit Spezialwissen, doch die bekommen die Verbeugungen nicht richtig hin. Der japanische Verhaltenskodex ist hochkompliziert, Fremde würden womöglich dermaßen im Fettnäpfchen herumstampfen, dass ihnen kein Japaner mehr guten Gewissens sein AKW anvertrauen könnte.

Um das zu vermeiden, gibt Japan die Ereignisse mit reichlich Verspätung und in kleinen Häppchen bekannt. Atomkraft ist natürlich sicher, die aktuellen Unfälle in Japan lassen sich lediglich nicht mehr verheimlichen. Belege aller Art kursieren schon seit Tagen durch das vermaledeite Internet. Das ist schädlich, denn es macht die Leute närrisch. Soweit sie es nicht sowieso schon sind, es soll ja in der Tat Ungläubige geben, die Atomkraft für unbeherrschbar halten. Dabei kommt Japans derzeitige Unglücksserie nicht daher, dass seine Techniker keine perfekten Atomkraftwerke konstruieren können. Schuld an den Vorfällen ist die unvorhersehbare Stärke des Erdbebens mit nachfolgendem Tsunami!

Japaner sind an solche Erdbewegungen gewöhnt, über unser bisschen Richterskala lachen die nur. Folglich bauen sie ihre Kernkraftwerke erdbebensicher, logisch. Das sagt auch die Regierung, und die würde doch nicht ihr Volk anlügen. Nicht die Regierung von Japan, auch nicht die von Deutschland. Nicht einmal all die anderen Regierungen, die laut der Ungläubigen von Beginn an Störfälle vertuscht, dementiert oder verharmlost haben.

Atomkraftwerke sind eine gute Sache, sie beliefern das Volk mit Strom. AKW-Betreiber sorgen auf der ganzen Welt für die Bequemlichkeit der Menschen. Auch Regierungen sind eine gute Sache, sie unterstützen Atomkraftwerke. Die unsere will die landeseigenen Anlagen jetzt sogar prüfen lassen. Wegen Japan. Dabei sind sie doch sicher und unsere Erdbeben läppisch. Eigentlich überflüssig, diese Extra-Prüfung.

Sicherheitschecks werden sowieso ständig durchgeführt. Die Zuständigen wissen, dass Störfälle in AKW vorkommen. Doch eine sachliche Berichterstattung würde nur wieder die Leute verrücktmachen, siehe oben. Es gibt nun einmal tatsächlich solche Vorfälle, viele sogar. Das Wissen darum brächte die Atomkraft am Ende selbst bei den Gläubigen in Misskredit. Dann würden immer mehr Menschen nur noch durch Wasserkraft erzeugten Strom kaufen. Oder welchen von Windrädern, von Solarzellen und was es da nicht alles gibt. Sie könnten sogar auf all die überflüssigen Elektrogeräte verzichten oder Alternativen zum Strom selbst finden. Um Himmelswillen!

Diese alternativen Techniken und Ideen sind brandgefährlich: Wenn sie sich etablieren, gehen den Betreibern von AKW Milliarden flöten. Die Sicherung dieser Gewinne ist wichtiger als die Sicherheit der Menschen, die Atomstrom kaufen. Deshalb laufen diese Anlagen. Deshalb laufen sie länger. Obwohl sich in jedem AKW der Welt jederzeit ein SuperGAU ereignen kann. Das ist die Sicherheit der Atomkraftwerke: Sie bringen Geld.

Einen weiteren lesenswerten Text zum Thema Atomkraft hat Leo auf ihrem Blog veröffentlicht.

 
10 Kommentare

Verfasst von - 13. März 2011 in Energie, Gastbeitrag, Politik, Umwelt

 

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10 Antworten zu “Die Sicherheit der Atomkraft

  1. Nic

    13. März 2011 at 23:13

    Du weisst ja, Vera, dass ich Dich mag (also Deine Artikel)… für den hier bekommst Du aber ein EXtra-Dank.

    Ich habe gerade Röttgers bei Will gesehen und bin unglaublich wütend.

     
  2. danebod

    13. März 2011 at 23:13

    Naja, Fukushima sollte ja in diesem März eh außer Betrieb gehen. Ist doch schön, wenn ein Großprojekt mal den Zeitplan einhält, hat man sonst ja nicht so oft. Hier gab es übrigens vorher auch eine 10jährige Laufzeitverlängerung zwecks Profitmaximierung. Kommt irgendwie bekannt vor…

     
  3. danebod

    13. März 2011 at 23:16

    Titanic hat’s schon geschrieben: Die Bevölkerung wird vor der übelkeiterregenden Roettgen-Strahlung gewarnt.

     
  4. opalkatze

    13. März 2011 at 23:35

    Der Dank gebührt Leo, die immer sehr gut schreibt: http://www.leoaspekt.de/wordpress/?p=3534 Schreib es ihr, sie freut sich. Sie ist auch als @hettenwerk auf Twitter.

    Ich hatte zu früh auf ‚Veröffentlichen‘ gedrückt :(

     
  5. opalkatze

    13. März 2011 at 23:39

    Fefe hat da noch was ausgegraben: http://blog.fefe.de/?ts=b383d65c

     
  6. daMax

    14. März 2011 at 08:18

    Word! Oder um es noch neudeutscher zu sagen: FULL ACK!

     
  7. Gina

    14. März 2011 at 08:47

    Chapeau!

     
  8. Nic

    14. März 2011 at 10:01

    Zu oben: ja, dass das ein Gastbeitrag ist, sah ich NACH dem Abschicken des Kommentars :-)

    Danke für den Link – ich schau mich da drüben mal um …

     
 
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