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Splitter: „die medien“?

15 Mrz

Das sollte eigentlich eine Antwort in den Kommentaren werden. Irgendwie wurde es dann wieder ein etwas ausführlicherer Splitter.

Leider müssen Zeitungen und Magazine Geld verdienen (Blogger übrigens auch, aber das ist eine andere Geschichte). Leider führt das häufig zu Quotenjournalismus. Und weil Verlage gerne viel Geld verdienen, entlassen sie scharenweise die, die eigentlich die Verlagsleistung erbringen: ganze Redaktionen, wenn es dem Gewinn nutzt. Der jämmerliche Rest darf dann unter Verweigerung der nötigen Mittel hochwertigen Qualitätsjournalismus fabrizieren, und der Leser wundert sich.

Zweitens ist in den letzten Jahren eine enge Verbindung zwischen Journalismus und Politik entstanden, die nicht gut tut. Nicht nur schadet sie der unabhängigen Berichterstattung, die Wahrnehmung der Kumpanei unterstützt auch die Politikverdrossenheit.

Drittens haben wir die unglaubliche Resistenz (Impertinenz?) der Verleger alter Schule zu ertragen, die lieber um Pfründensicherung barmen, als sich endlich mit ein paar einfachen Gegebenheiten abzufinden. Einer, der in der Benutzung ’neuer‘ Möglichkeiten mit einiger Konsequenz zu Werke geht, ist Wolfgang Blau, der Chefredakteur von ZEITonline (hier kann man sich ihn anhören – davon bitte mehr). The European versucht hier und da was, aber nicht konsequent genug, und der Freitag ist bekanntlich eine unendliche Geschichte.

Journalisten wie z.B. Christiane Schulzki-Haddouti, Ulrike Langer, Richard Gutjahr, Thomas Wiegold und Hardy Prothmann nehme ich aus, weil sie keine klassischen Print-Journalisten mehr sind, stelle sie aber gerne jederzeit als Vorbilder dafür hin, was geht, wenn man sich traut.

Fernsehen fällt weitgehend unter Quotenjagd, das Hauptabendprogramm der öR ist ein Graus und gute Dokus kommen abends um 23:30 Uhr. Frühestens. Beim Radio gibt es sehr viele, sehr gute Angebote.

Morgens flöhe ich meine aggregierte twittertim.es durch, und während ich ein, zwei DRadio-Beiträge höre, überfliege ich fix die Schlagzeilen bei ZEIT, SZ, NZZ, Guardian, FAZ, NYT, nach Nachrichtenlage das ein oder andere ausländische Blatt. Dann entschwinde ich zu meinen Lieblingsblogs. Das geht einmal quer durch den Garten, weil viele Blogs sich spezialisiert haben und auf ihren Gebieten unglaublich fit und gut informiert sind.
Vor allem sind sie schnell, und es ist ein Gerücht, daß Blogger nicht recherchieren. Ich wage zu behaupten – wenn ich etwa das ehemalige Nachrichtenmagazin sehe – daß sich davon einige bekanntere Herrschaften das ein oder andere Scheibchen abschneiden könnten. Solche peinlichen ‚Ausrutscher‘ kann man immer mal wieder bei Stefan Niggemeier, Lukas Heinser, Ronnie Grob oder Fefe nachlesen.

Man möge auch nicht glauben, Blogger hätten keine guten Kontakte oder Informanten. Im Gegensatz zu den Holzblättern haben sie die Zeit genutzt, um sich zu vernetzen, und siehe da: es funktioniert. Von der alles-meins-Mentalität ist auch nicht mehr viel übrig, Creative Commons sei Dank.

Wikileaks war der Anfang, das GuttenPlag.wiki folgte, und jetzt bei den arabischen Krisen und der Katastrophe in Japan ist es schon beinahe normal, daß Blogger und Journalisten sich ergänzen. Letztere vergessen leider gelegentlich, ihre Quellen zu benennen; darauf sollte man sie nachdrücklich hinweisen.

Im letzten halben Jahr hat sich mehr getan als in einer langen Zeit vorher. Auch politisch beginnt das Netz eine Rolle zu spielen. Wenn Markus Beckedahl von einer fünften Macht spricht, meint er auch die Korrektivfunktion, die Blogs mittlerweile haben – sowohl für den Journalismus als auch für die Politik. Es bewegt sich mächtig was. Wir werden auf beiden Gebieten sehr spannende Zeiten erleben.

 
67 Kommentare

Verfasst von - 15. März 2011 in Blogs, Journalismus, Medien, Splitter, Web 2.0

 

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67 Antworten zu “Splitter: „die medien“?

  1. Robson Bottle

    20. März 2011 at 19:44

    Na ja, schon klar. Möchte aber bei „sofort“ bleiben, weil „sobald als möglich“ je nach Standpunkt und Interessenslage völlig verschieden interpretiert wird.
    Ja, die Bereitschaft zum Überdenken ist momentan hoch und daran haben natürlich diejenigen überhaupt kein Interesse, die von steigendem Energiekonsum natürlich auch mehr profitieren und eben nicht von sparsamerem … und das Energiesparen im Privathaushalt bspw. ist ja nur ein kleiner Aspekt.

     
  2. opalkatze

    20. März 2011 at 21:07

    Gut, in diesem Sinn also ’sofort‘.

    Ich war eine Weile in Spanien und hab mich immer gewundert, warum die Menschen dort so überaus verschwenderisch mit dem Wasser umgehen; daran muß ich im Augenblick immer denken. Denen ist völlig klar, daß sie sich selbst im Wortsinn das Wasser abgraben. Sie schimpfen über die Urlauber/die Hotels, die Bauern/die Agroindustrie, den mangelnden Regen, Stau- und Wasserbaumaßnahmen in den Bergen, über die Bezirksregierung/Madrid – und es passiert: nichts. Ich frage mich, warum wir so gestrickt sind, daß wir anscheinend immer denken, wird schon gut gehen.

     
  3. Melebert

    21. März 2011 at 12:14

    Weil es oft genug immer gut gegangen ist.^^

    Ich habe eher wieder die Befürchtung, dass allein Libyen wieder ganz die Aufmerksamkeit an sich ziehen wird und der Atomausstieg von der Bildfläche des TV gebannt wird. Es sind schließlich Profite in Gefahr, massiv in Gefahr. Ein Krieg lässt sich besser verkaufen, als schleichende Vergiftung (Anreicherung von radioaktiven Jodisotopen und Cäsium in der Nahrungskette) ganzer Landstriche, die man sowieso nicht gleich sieht sondern erst mit reichlich Verzögerung.
    UM den richtigen Aufwacheffekt zu bekommen bedarf es wohl immer eines mächtigen Knalls :(

     
  4. Melebert

    21. März 2011 at 12:21

    Allein deine Wortwahl wird es schon nicht schaffen Gehör zu finden, nicht bei mir. Und wenn du tausendmal recht hättest.

    Vielleicht hilft dann doch der Hinweis darauf, dass der Ton die Musik macht. Mit Polemik kann man nur Meinung diffamieren aber niemanden zum Umdenken bringen. Mir geht es aber gerade darum: Ich will ändern, nicht diffamieren. Ein gemeinsames Beleuchten des selben Sachverhaltes aus unterschiedlichen Sichten ohne Polemik strengt an, aber es schafft mehr Erkenntnis.

     
  5. Robson Bottle

    21. März 2011 at 16:00

    Und wer sagt denn, dass es in Fukushima wirklich bisher „keine“ Kernschmelze gegeben hat? Das sieht man nicht, das ist ja keine Explosion wie diese Wasserstoffexplosionen zu Beginn, die die Leute so alarmiert haben (gab ja auch ganz schnell ein Flugverbot um weitere Bilder zu verhindern!). Das geschmolzene Zeug frisst sich in den Boden und keiner sieht’s. Danach erhöhte Radioaktivität (wie jetzt!) und irgendwann später, wenn die Öffentlichkeit nicht mehr so direkt den Zusammenhang herstellt, werden Leute krank und sterben. So wird’s wahrscheinlich laufen.

     
  6. Robson Bottle

    25. Mai 2011 at 10:47

    Hahaha. Na? hab‘ ich’s nicht gesagt? 3 Kernschmelzen schon wenige Tage nach dem Erdbeben!

     
  7. opalkatze

    25. Mai 2011 at 14:18

    Hm. Ich gönn dir ja dein Recht. Aber schreib es doch hierher :)

     
  8. Robson Bottle

    25. Mai 2011 at 17:55

    Na wenn ich’s nicht dahin schreiben darf, wo ich will, dann lassen ich’s halt, nicht wahr? Dein blödes Gegängel nervt langsam.

     
  9. Robson Bottle

    25. Mai 2011 at 18:02

    … außerdem funktioniert dein toller Link nicht!

     
  10. opalkatze

    25. Mai 2011 at 18:15

    Es ist keinesfalls Gängelei, um Kommentierung beim passenden Artikel zu bitten. Wie sonst sollten Kommentare lesbar sein? Leberwurst suche ich auch nicht in der Fischabteilung.

    Selbstverständlich steht es dir jederzeit frei, zu kommentieren, wo du möchtest. Die Dialogfunktion des Kommentars geht dann zwar verloren, aber wenn dein Hauptanliegen die Artikulation deiner Meinung ist –

     
  11. opalkatze

    25. Mai 2011 at 18:16

    Upps, ja, da war ein http:// zu viel.
    https://opalkatze.wordpress.com/to-be-continue/japan/

     
 
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