RSS

Wie ist das wohl?

23 Mrz

Das will ich eigentlich schon seit Tagen schreiben, habe es aber immer wieder vor mir her geschoben. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, wie es ist, mit einem Schlag alles zu verlieren; in einer Lage zu sein, die keine Aussicht auf Besserung zulässt.

Tsunami oder Erdbeben allein sind schon schlimme Naturkatastrophen, aber sie beinhalten zumindest die Möglichkeit des Wiederaufbaus, des von vorn Anfangens. Atomare Verseuchung aber bedeutet, daß nichts mehr geht. Die Heimat ist auf Tausende von Jahren verstrahlt, alles ist plötzlich hochgiftig. Dinge, die ein Leben ausgemacht haben, dürfen nicht geborgen werden, weil sie kontaminiert sind. Kinder haben ihr Lieblingsspielzeug verloren, Liebesbriefe, Braut und Bräutigam von der Hochzeitstorte sind dahin, alle liebgewordenen Bücher nicht mehr da. Keine Fotos, keine Erinnerungen, keine Andenken; kein Tisch, kein Stuhl, kein Bett. Keine Zuflucht.

Statt eines Heims ist nun eine Turnhalle das Zuhause. Nichts ist mehr da, das wenigstens ein kleines bißchen tröstlich wäre. Viele Angehörige und Freunde sind für immer weg, einfach so, ohne den Trost der Bestattung und die Möglichkeit, sich an einem Grab zu erinnern.

Menschen können viel aushalten, aber eine so absolute Trostlosigkeit? Ich vermag es mir nicht vorzustellen. Aber ich werde mit dem Wort Verzweiflung künftig sehr vorsichtig umgehen.

 
5 Kommentare

Verfasst von - 23. März 2011 in Leben, Mensch bleiben, Menschen, Umwelt, Welt

 

Schlagwörter: , , , , , , ,

5 Antworten zu “Wie ist das wohl?

  1. Sabine Engelhardt

    23. März 2011 at 13:00

    Ich mag eine Art von Leid nicht gegen eine andere aufrechnen. Jedes Leid für sich ist schlimm genug.

    Mehr noch: Mit Sprüchen wie „guckt doch mal nach X, da haben es die Leute noch viel schlimmer“ wird oft hiesiges Leid heruntergespielt (nicht daß ich Dir das jetzt unterstellen will, aber ich sehe in solchen Verweisen eben auch eine Gefahr).

    Hartzer müssen sich beispielsweise oft genug anhören, wie viel weniger doch Menschen in Afrika zur Verfügung haben usw. Das heißt aber noch lange nicht, daß Menschen hier unberechtigt verzweifeln …

     
  2. opalkatze

    23. März 2011 at 13:34

    Nee, ist auch garantiert nicht so gemeint. Es relativiert einfach die gelegentliche Übertreibung eigener Gemütszustände genauer: die gelegentliche Übertreibung meiner eigenen Gemütszustände.

     
  3. Maschinist

    23. März 2011 at 15:50

    Frag‘ mal ehemalige Selbstständige, die direkt in Hartz IV gewandert sind, als Finanzamt/Banken/Grosskunden sie haben absaufen lassen. Die Welt um sie herum steht vielleicht noch, aber da haben sie auch nichts von.

    Kenne da ein paar Fälle. Sie bekamen weder Anteil noch waren sie in irgendeiner Form von Gemeinschaft.

     
  4. denkbonus

    24. März 2011 at 14:17

    Es gibt in unserer Psyche ein Schutzsystem, ich will es mal die duale Erinnerung nennen. Wenn ein traumatisches Erlebnis zu furchtbar ist, als dass man es schnell verarbeiten könnte, dann werden Bild/Ton und die dazugehörigen Empfindungen getrennt aufgenommen und gespeichert. Man nimmt zwar wahr, dass etwas nicht stimmt, aber die dazugehörenden Gefühle werden nicht gemeinsam mit dem Erlebten abgespeichert. Das geschieht erst danach über viele Jahre hinweg, wenn die Gefühle tiefster Verzweiflung erst allmählich wieder in das Erlebte integriert werden, um es verarbeiten zu können. Während der Geschehnisse selbst sind viele Menschen wie betäubt und empfinden so ihre Lebenssituation weniger schlimm, als Außenstehende denken würden. Dies weiß ich aus eigener Erfahrung, es hat mir schon sehr geholfen.

     
  5. opalkatze

    24. März 2011 at 23:55

    Ja, muss so sein, sonst würden sich die Menschen vermutlich selbst töten.

     
 
%d Bloggern gefällt das: