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Digitale Gesellschaft: Beckedahl plant Organisation für Bürgerrechte im Web

10 Apr

Spannung: Am Mittwoch will Markus Beckedahl (netzpolitik.org) zum Auftakt der re:publica 2011 eine Neuigkeit ankündigen. Unter dem Namen Digitale Gesellschaft soll eine gemeinnützige Organisation entstehen, die sich mit Bürgerrechten im Internetzeitalter befasst. Eine Facebook-Seite gibt es schon, die “ab Mittwoch in Deinem Land verfügbar” ist, auch der Twitteraccount ist bereits online. Nötig ist eine solche Organisation ganz sicher; warten wir also bis Mittwoch, wie sich die Macher die Einzelheiten vorstellen.

Der Verein “Digitale Gesellschaft” soll als Träger für diverse Kampagnen funktionieren und je nach Spendenaufkommen Stellen schaffen, um Politiker und Organisationen zu beraten. Auch die Europapolitik sei wichtig, so Beckedahl, hier könne er sich eine Zusammenarbeit mit Organisationen wie “Bits of Freedom” aus den Niederlanden oder “Quadrature du Net” aus Frankreich vorstellen.

Der Spiegel

 
12 Kommentare

Verfasst von - 10. April 2011 in Datenschutz, Europa, Netzpolitik, Politik, Web 2.0

 

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12 Antworten zu “Digitale Gesellschaft: Beckedahl plant Organisation für Bürgerrechte im Web

  1. VonFernSeher

    10. April 2011 at 22:54

    Und warum genau ist jetzt eine solche Gesellschaft vonnöten? Tolles Instrument – wenn ich also demnächst nicht hundertprozentig der Meinung derer Kampagnen bin, stelle ich mich also gegen die digitale Gesellschaft. Auf jeden Fall kein schlechter PR-Coup, mehr aber wohl auch nicht.

    Ich fühle mich jedenfalls gar nicht wohl, wenn Menschen, die das Web 2.0 für die fünfte Gewalt halten, als „digitale Gesellschaft“ ab sofort politische Kampagnen fahren. Am besten dann gegen den Rest, logischerweise dann die analoge Gesellschaft.

    Wenn man sich zusammentut, um sich gemeinsam gegen oder für eine Sache einzusetzen, dann sind die Voraussetzungen klar und die Zielgebung, aber eine Internet-APO braucht kein Mensch.

     
  2. opalkatze

    11. April 2011 at 01:59

    Och, ich bin damit ganz häppi. Ich kann mir ja aussuchen, wobei ich mitmache und wobei nicht, und wenn mir was nicht passt, sogar darüber schreiben.

    Ernsthaft: Wenn die Parteien zu unbeweglich oder gar ignorant sind, ist eine ‚APO‘ sicher ein guter Weg. Vor allem gegen die sog. Sicherheitspläne in der EU wie INDECT u.ä., aber auch gegen den gesamten verdachtsunabhängigen Speicherkram kann die Opposition gar nicht stark genug sein. Btw, bei Orgs wie ‚la quadrature‘ handelt es sich bestimmt weder um einen PR-Gag noch um billige Meinungsmache. Das müsstest du dann auch AK Zensur, AK Vorrat, etc. vorwerfen.

     
  3. VonFernSeher

    13. April 2011 at 15:16

    Mooment. (Wenn auch ein langer.)

    AK Zensur, AK Vorrat, etc. pp. haben alle ein klares Thema, sie versammeln die Leute hinter sich, um ein gemeinsames, konkretes Ziel zu erreichen. So wie man eine Umgehungsstraße fordern oder ein Kohlekraftwerk ablehnen kann.

    Wer aber in einer „digitalen Gesellschaft“ ein „wirksame Interessenvertretung für digitale Bürger- und Verbraucherrechte“ aufbauen will, der wähnt sich in irgendeinem Gegensatz zu analogen Bürgern und Verbrauchern und möchte eine Klientelpartei – ob APO oder IPO – verankern, deren Klientel sich vom Rest dadurch abgrenzt, dass sie diffus „digital“ ist, also suggestiv irgendwie informierter oder technikbegeisterter, zumindest aber mal hipper als und nicht so altbacken wie die „analoge“ ist – eine exklusive Gesellschaft also. Sowas eignet sich bestimmt super zum Tollfühlen, aber wohl kaum dafür, Netzpolitik in den Politikalltag zu integrieren.

     
  4. VonFernSeher

    13. April 2011 at 15:19

    Der Kommentar ist gut, ich weiß allerdings nicht, was er jetzt mit diesem Artikel zu tun hat. Die Reibungspunkte zwischen IT-Wirtschaft und dieser „digitalen Gesellschaft“ werden doch eher ganz gering ausfallen.

     
  5. Melebert

    13. April 2011 at 16:21

    Ich finde, dass der Konflikt in den Sichtweisen bei RA Stadler recht gut klar wird. Herr Beckedahl hat auch auf den Kommentar von Herr Stadler geantwortet.

    Ich versuche mal meine Sichtweise etwas deutlicher zu machen und fange dazu mal etwas tiefer an:
    1) Durch die Werkzeueg wie FAcebook, Twitter, WordPress etc. haben viele Leute die Möglichkeit Meinungen auszutauschen, sie zu veröffentlichen, Hintergründe besser zu recherchieren sich zu informieren und kleine Netzwerke zu bilden, die allein aufgrund der Interessenlagen und Meinungsbilder entstehen. Diese Netzwerke sind hoch dynamisch und sehr agil. Es gibt Zentren, wo sich viele Leute „einfinden“ und mitmachen und es gibt Randbereiche. Alle sind aber mehr oder weniger miteinander verbunden. Themen, die als von Wichtigkeit erkannt werden, erhalten auf einmal und ziemlich schnell großen Zuspruch. Es rollt wie ein Welle und man kann keine wirklichen Kopf ausmachen. Zugegeben, es gibt einige Organisationen die haben ein höheres Gewicht (AKZensur etc.) aber sie sind doch nur wieder Zentren, innerhalb eines breiten Netzes.

    2) Die Aktuelle Politik stellt sich mir dagegen in einer recht statischen und schwerfälligen Organisationsform dar. Sowohl was das Denken betrifft als auch was den etablierten Organisationsstrukturen – Parteien, Gremien, Arbeitskreise etc – betrifft.

    Die Politiker sehen sich einer neuen Kraft gegenüber, die keine Kopf hat, die vielfältig ist und vielzählig. Es reicht nicht einen Kopf zu denunzieren und platt zu machen, weil der Kopf nicht da ist, sondern es ist eine Schwarmintelligenz, die sich immer wieder neu zusammen fügt und immer wieder neue Gesichter und Stimmen sichtbar werden. Die altbewährten Kampfrituale und Kampftechniken funktionieren nicht mehr. Das ist es, was den Politikern Angst macht.

    Jetzt so eine Organisationsform als Dachverband zu gründen,ist ungefähr so, als ob man sich auf das Kampffeld des Gegners begibt, mit dessen Technik aber nicht umgehen kann, gleichzeitig die eigene Techniken aber zurück lässt (Ja, sehr militärisch ausgedrückt, aber mir fehlt da gerade kein besseres Gleichnis ein).

    In meinen Augen ist dieser Dachverband ein Rückschritt, weil man sich auf das Niveau der Politiker herunter bückt, in dem Glaube, so besser gehört zu werden. Man vergisst aber, dass so ein „single point of failure“ ensteht. Dieser ist mit „alten“ Mitteln besser zu bekämpfen und wird aber alle anderen Bemühungen mit in den Abgrund ziehen, weil er ja vorgibt der zentrale Punkt zu sein.

    Ich stehe dem ganzen aus diesen Gründen sehr skeptisch gegenüber. Es wird die Selbstorganisation, die wir gerade so mühsam gelernt haben, aufgegeben und gegen eine schwerfällige und alte – in meine Augen auch überholte – Organisatonsform ausgetauscht. Zumindest sehe ich den Versuch dies zu tun.

    Ich bin noch weit entfernt davon Herr Beckedahl &Co. als Trojanische Pferd anzusehen. Aber ich sehe, dass es wieder ein Problem ist von „gut gemeint“ versus „gut gemacht“. Man versucht etwas erfolgreiches weiter zu entwickeln. Doch ich vermute, das in dem Versuch zuviel altes und überholtes Denken drin steckt.

     
  6. opalkatze

    13. April 2011 at 18:30

    Sagen wir, eine klare Zielrichtung, es sind ja auch bei den AKen unterschiedliche Themen.

    Den Rest beantworte ich in einem Artikel, den ich sowieso schreiben wollte.

     
  7. opalkatze

    13. April 2011 at 18:32

    Vertu dich nicht. Das ist ganz und gar nicht so, weil da pekuniäre Interessen und Vorrang im Wettbewerb eine Rolle spielen. Gerade da sitzen oft die schärfsten Gegner.

     
  8. VonFernSeher

    13. April 2011 at 19:00

    Die Definition einer Menge macht dann keinen Sinn mehr, wenn die durchschnittliche Varianz zweier Teilelemente größer ist als die Varianz zweier durchschnittlicher Elemente, von denen eines ein- und eines ausgegrenzt ist.

     
  9. opalkatze

    13. April 2011 at 19:32

    Kannzu das bitte mal für Wortmenschen ausdrücken?

     
  10. VonFernSeher

    14. April 2011 at 05:24

    Eine Lobbygruppe vertritt definitiv nur eine Teilmenge der Gesellschaft, man muss also ein vereinendes Merkmal finden, dass andere stärker ausgrenzt, als es einen beliebigen Vertretenen und einen beliebigen Nichtvertretenen eingrenzt. Dazu muss es, da es sich ja um Menschen handelt, sehr trennscharf sein, z.B. das Alter, der Beruf, die Steuerklasse oder der Besitz von etwas (Mietwohnung, Aktie, Eigenheim, Lungenkarzinom).

    Das zu finden fällt mir bei einer Lobbygruppe „Digitale Gesellschaft“ schwer, es sei denn, man möchte sich von einer „analogen Gesellschaft“, also den Zurückgebliebenen, abgrenzen. Und/oder natürlich seine Ressentiments pflegen („Warum gibt es nicht 1% der Rundfunkgebühren fürs Netz?“, „Warum ist dieses Video in Deutschland immer noch nicht verfügbar?“,…).

     
 
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