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Digitale Gesellschaft: Klare Ziele

13 Apr

Kaum ist er da, der neue Verein in Gründung, wird er schon angegriffen. Was er sicher nicht ist: Ein ‚Beckedahl is the greatest‘-Verein zur gegenseitigen Bewunderung

Markus hat bei netzpolitik.org schon lange etwas wie einen Verein: ein großes Potential an politisch orientierten Menschen, die einiges bewegen können. Dieses Publikum muss man sich erarbeiten, das ist nicht einfach so da und über Jahre treu. Galionsfiguren braucht man nun mal, und Markus ist in den letzten Jahren da reingewachsen; nicht weil er sich so toll findet, sondern weil er, Johnny Haeusler und Fefe sehr lange Zeit die einzigen Ansprechpartner für die Presse waren (vor allem während der Schockstarre im CCC). Jetzt ist er bekannt und nutzt das – so what?

Ich habe Respekt für jeden, der sein Gesicht hinhält oder seinen Namen hergibt. Man bekommt auch Anfragen zu Themen, für die man wirklich nicht ‚zuständig‘ ist. Man hat Termine, die nicht bezahlt werden, die man aber wahrnimmt, weil sie wichtig sind – die wirkliche Arbeit bleibt so lange liegen. Man pflegt Kontakte auch zu Menschen, mit denen man eigentlich lieber kein Bier trinken gehen würde; geht zu Veranstaltungen, weil es nicht geht, nicht hinzugehen. Man kriegt Mikrofone in den Hals gesteckt; die Fragen sind immer dieselben, die Antworten liest man dann oft ganz anders, als sie tatsächlich gegeben wurden. Die persönlichen Anfeindungen oder die in eMails muss man auch aushalten. Ist das toll? Erstrebenswert?


Ich finde es wichtig, gerade jetzt – endlich! – einen Verein aufzumachen, der eine Vertretung gegen die Überwachungsfantasien in Politikerköpfen und das ständige Nagen an Grundrechten und bürgerlichen Freiheiten werden kann. Die Parteien kratzt Netzpolitik nicht. Nur weil SLS mal aus Gewissensgründen zurückgetreten ist und Gerhard Baum in Karlsruhe mitgeklagt hat, ist die FDP noch kein Anwalt für Bürgerrechte. Die SPD hat in den letzten Jahren ein unwürdiges Schauspiel nach dem anderen geboten, und was von CDU und erst recht CSU zu halten ist, kann man gerade wieder an den Vorstellungen eines Herrn Friedrich sehen. Die Grünen eiern rum, sind aber wohl noch am ehesten an Netzpolitik und Bürgerrechten interessiert. Die Piraten können eine kleine, aber wichtige Rolle spielen, wenn sie Zeit finden, sich um Politik zu kümmern.

Wie bei jedem neuen Ding muss man abwarten, wie es sich entwickelt. Daß ich von Anfang an dort mitarbeiten will, wird die Leser dieses Blogs nicht verwundern. Es gibt so verdammt viel zu tun. Wäre schön, wenn wir uns dann mal über Inhalte statt über Personen unterhalten könnten.

 
16 Kommentare

Verfasst von - 13. April 2011 in Blogs, Datenschutz, Netzpolitik, Politik, Web 2.0

 

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16 Antworten zu “Digitale Gesellschaft: Klare Ziele

  1. pantoufle

    13. April 2011 at 19:59

    Ob ich da auch mitmachen kann?

     
  2. opalkatze

    13. April 2011 at 20:15

    Du könntest mal den Link unter ‚mitarbeiten‚ klicken ,)

     
  3. pantoufle

    13. April 2011 at 21:17

    Sieht Du: Und genau beim Wort „arbeiten“ hat das Ross verweigert :-) Ne, im Ernst.. ich schau mal rein; vielleicht findet sich ja was für ein Känguruh… ich könnte boxen und die Betreibsmotorräder am laufen halten…

     
  4. pantoufle

    13. April 2011 at 21:18

    wie kann ich meine Beiträge editieren? ei_ie

     
  5. opalkatze

    13. April 2011 at 21:31

    Musst dich einloggen, falls das nicht geht, gib Bescheid.

     
  6. VonFernSeher

    14. April 2011 at 05:12

    Bleibt das von mir angesprochene Grundproblem: Eine Lobbygruppe braucht eine Menge, die sie vertritt und die nicht mit der Gesamtmenge übereinstimmt. Wer soll also ein- und wer ausgegrenzt werden? Darauf gibt es weder in dem Quark auf der Webseite, noch von Markus Beckedahl oder sonstwem eine befriedigende Antwort. (Und das ist auch gut so.)

     
  7. daMax

    14. April 2011 at 17:49

    Ich komme gerade aus Markus‘ Vortrag hier auf der #rp11 und ich muss sagen: ich bin ziemlich schockiert, wieviel Mißtrauen ihm entgegenschlägt. Aus dem Publikum kamen NUR Fragen wie „Wer legitimiert dich?“, „Wie kann ich mit entscheiden, was ihr macht?“ usw.

    Irgendwie scheint sich immer dann, wenn jemand mal was MACHT, anstatt nur zu quatschen, keiner mehr daran zu erinnern, dass diese Person vielleicht schon mal gute Dinge getan hat. Das Gleiche erlebe ich in Stuttgart auch immer wieder. Alle quengeln rum, aber keiner TUT was. Dann legen ein paar Leute einfach mal mit was los und anstatt dass sie ermutigt werden, kommen nur Nörgeleien und Fragen nach der Legitimitation. Das ist so schwach und klein.

    Eine Legitimitation ergibt sich durch die Sinnhaftigkeit der Aktionen. Wenn Markus und seine Mitstreiter Scheiße bauen, werden wir ihnen einen Shitstorm brauen, das ist doch ganz klar. Aber bis dahin haben sie mein volles Vertrauen und das möchte ich allen Nörglern auch empfehlen.

    Quengeln ist einfach, selber machen ist schwerer.

     
  8. VonFernSeher

    14. April 2011 at 18:53

    Entschuldigung, aber wer sich „Digitale Gesellschaft“ nennt, der muss sich schon nach der Legimitation fragen lassen. Das ist nicht schwach und klein, sondern klug und vorsichtig.

    Und bei dem, was Markus Beckedahl zur gesellschaftlichen Bedeutung des Internets schon von sich gegeben hat, darf man ruhig etwas skeptischer sein. Dass er da zum Beispiel nicht besonders nahe bei mir liegt, dürfte klar geworden sein. Trotzdem darf ich mich hoffentlich noch zur digitalen Gesellschaft zählen.

     
  9. Pantoufle

    14. April 2011 at 19:58

    Digitale Gesellschaft? Find ich gut! Schöner Name… nee, ehrlich jetzt! Markus? Find ich auch gut – lese ich schon lange. Netzpolitik.org? Eine meiner wichtigsten Bookmarks.
    So, was hätten wir dann noch? Ach so: Ein Verein! Na gut, da hab ich auch meine Schwierigkeiten. Aber was hilft es! Es muß was passieren. Alle, die sich jetzt als Bedenkenträger profilieren wollen, haben keine passende Lösung parat. Nur die Probleme: die stehen vor der Tür oder haben diese schon eingetreten. Die Netzgemeinde braucht eine starke Lobby, also schafft man eine. Wer mitmachen will, darf, wer nicht will,braucht nicht.
    So einfach ist das!
    Im Detail ist es ja so, daß, sollte einem die Meinung von Beckedahl nicht nicht gefallen, ja immer noch Platz für die eigene da ist. Wer wartet eigentlich auf diese elitäre Lösung, in dem alle Meinungen gleichberechtigt und in gleichem Umfang auf einem Nenner unter einem Namen versammelt sind? Die Netzgemeinde, die so sehr auf ihre Individualität pocht? Bei den Sport-Anglern klappt das – zugegeben! Hier eben nicht.
    Also mitmachen! Das Schlimmste, was passieren kann, ist, das es schiefgeht. Na und? Wer die Niederlage fürchtet, darf nicht kämpfen! Die anderen dürfen dann ihren Enkeln in der Werbepause vorm Fernseher erzählen, das sie es von Anfang an wussten.

     
  10. opalkatze

    14. April 2011 at 22:07

    @VonFernSeher,
    du oller Meckerpott :) Du hast es womöglich schon geahnt: natürlich bin ich mit daMax und Pantoufle d’accord. Ich finde außerdem, ich kann viel besser meckern, wenn ich dabei bin und nicht außerhalb stehe. Ich sehe die Kritikpunkte durchaus – wohlgemerkt: die sachlichen, die gegen Markus gerichteten erlaube ich mir, zu ignorieren. Dennoch sollte man erst mal sehen, was die Macher sich so vorstellen. Du könntest mich ja aus Protest bis Samstag nicht mehr grüßen, wenn du magst?

     
  11. Volker

    15. April 2011 at 10:19

    Wenn die Jungs von DG wirklich die Kampagnen-Fähigkeit und Schlagkraft entwickeln, die Greenpeace hat, spricht prinzipiell nichts gegen einen kleinen Kreis, der Entscheidungen schnell und zügig treffen kann. Anders wird es nicht funktionieren:
    a) Weil dann Entscheidungen zu lange brauchen
    b) Weil man für manche Aktionen einfach einen Überrumpelungseffekt braucht, damit sie wirken können.

    Bei Greenpeace fragt heute auch keiner mehr nach der Legitimierung. Vielleicht, weil die die richtigen Dinge richtig gemacht haben.

    Schauen wir mal, was sich da noch tut. Und wem es zu wenig ist, der kann sich ja noch bei Organisationen wie dem CCC, Foebud oder einer der klassischen Parteien austoben ;)

     
  12. opalkatze

    15. April 2011 at 11:58

    Jou. Und es soll tatsächlich so Bescheuerte geben, die sich das alles antun. ,)

     
  13. VonFernSeher

    15. April 2011 at 17:56

    (Ich würde hier gerne ausführlicher mitdiskutieren, habe dafür aber gerade viel zu selten eine Internetverbindung.)

    Meine Kritikpunkte an Markus Beckedahl sind rein sachlicher Natur und man muss sie ja nicht teilen. Ich habe keinerlei persönliches Problem mit ihm, wie auch, habe ich mich doch noch nie Auge zu Auge mit ihm unterhalten.

    Wenn wirklich alle mitmachen dürfen, aber keiner muss, hat sich die Lobbygruppe schon selbst erledigt. Und zum reinen Spendensammeln (nicht nur Geld) für gute Kampagnen braucht es doch keinen neuen Verein. Im Weiteren habe ich mit Vereinen überhaupt keine Probleme, ich bin selbst in ein paar (auch Fördervereine darunter). Ein Verein hat aber ein klares Vereinsziel, nach dem sich Personen entscheiden, ihm beizutreten oder nicht. Das lässt bei der „digitalen Gesellschaft“ nicht erkennen, sondern es geht mehr um eine Gruppe, die sich abzusetzen sucht, aber wohl noch nicht genau weiß wovon. Was zählt, ist wohl das Gefühl dabei zu sein in der digitalen Gesellschaft, zumindest schon mal national.

    Ich bin da in Sachen Web etwas altmodisch und dachte, ich wäre schon dabei, weil ich ja da bin (weil/wenn ich Zugang habe). Ich kann doch so auch gut meckern, meine Kommentare abgeben und mich, wenn ich es für nötig halte, für jede meiner Überzeugungen in eine neue Koalition begeben. Wofür soll ich mich da an einen Verein für alles binden? Vielleicht bin ich ja so altmodisch, dass ich mein Gesellschaftsmodell für moderner halte.

    (Das mit dem Samstag habe ich nicht verstanden. Aber ist ja auch schon Freitag.)

     
 
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