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Bildungspaket: Einfach und unkompliziert

21 Apr

Was für eine erbärmliche Augenwischerei! Erst werden Beträge beschlossen, die einfach nur beschämend sind, dann kriegt es unser aller Lieblingsuschi noch nicht mal hin, die Betroffenen zu informieren. Die SPD-Vizevorsitzende Manuela Schwesig:

Jeder Hartz-IV-Empfänger sei per Brief über die Anhebung der Regelsätze um fünf Euro in Kenntnis gesetzt worden, das Bildungspaket werde in dem Schreiben jedoch nicht erwähnt. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum da Millionen Briefe in die Welt geschickt werden, ohne drei Sätze hinzuzufügen, mit denen man Eltern über das neue Angebot hätte in Kenntnis setzen können.“

Aber kein Problem! Für von der Leyen ein willkommener Anlaß, mit viel Tamtam einen runden Tisch zusammenzurufen und mal wieder wort- und gestenreich vor TV-Kameras zu posieren. Alles sei doch so einfach und unkompliziert, „sie sind ja in der Lage, ihren Hartz-IV-Regelsatz und die Mietkosten zu beantragen, warum sollen sie keinen Antrag für das Bildungspaket der Kinder stellen können?“ (SpOn). Daß Gemeinden die Mogelpackung zum Anlaß nehmen, sich aus der Verantwortung zu verabschieden, wird wohlweislich verschwiegen.

Wie einfach und unkompliziert das alles ist, kann man bei Dieter Carstensen auf dem Spiegelfechter nachlesen. Auch in den Kommentaren bei sozialhilfe24.de wird die unglaubliche Leichtigkeit der Beantragung klar. Dort dürften sich allerdings überwiegend Menschen zu Wort melden, die sich zu helfen wissen. Was ist mit denen, die das nicht können? Für die eine Antragstellung beim Jobcenter oder Sozialamt jedes Mal einen Spießrutenlauf bedeutet? Die an Anträgen sowieso verzweifeln? Oder ihre Kinder nicht für ein paar Euro fuffzich stigmatisieren wollen?

Wie heisst es so schön in Artikel 1.1 der Grundrechte?

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Es war einmal.

 
4 Kommentare

Verfasst von - 21. April 2011 in Kaffeesatz, Leben, Politik

 

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4 Antworten zu “Bildungspaket: Einfach und unkompliziert

  1. Marc

    21. April 2011 at 14:59

    Moin Vera,

    Carstensens Artikel sollte den Damen und Herren an der Entscheiderfront zwangsverordnet werden.

    Seit einigen Tagen kriege es nicht mehr aus dem Kopf, ich schäme mich für die Menschen, welche hier bei uns schalten und walten. Ausgelöst wurde dieses nicht zuletzt durch den Bundesinnenminister. So menschenverachtend, populistisch, statistikverbiegend (um nicht zu sagen „lügend“) (rechts)radikale Ideen in die Gegend posaunen, immer schön flankiert durch verschiedene Medien des Springer Verlages.

    Die verlogene Bildungspaket-Aktion ist keinen Deut besser.

    Was bilden die sich ein? Und wohin soll das noch führen? Denn Alternativen sehe ich nicht, weder in der Parteienlandschaft, noch im Netz, wo prinzipiell gute Ansätze im Keim erstickt werden.

    Mit Campaigning kann man Aufmerksamkeit erzeugen, damit hat sich aber noch nichts verändert.

    Schwer frustrierte Grüße
    Marc

     
  2. opalkatze

    21. April 2011 at 15:11

    Frust war der Anlaß für den Artikel. Und Scham.

     
  3. VonFernSeher

    21. April 2011 at 15:31

    Bei der Regierung ist kein Fremdschämen angesagt – nicht für mich! Schämen sollen sich die Deppen, die diese Regierung gewählt haben. Weil sie zu faul oder zu blöd zum Lesen waren, weil sie den Kauders, Söders und Westerwelle nicht zuhören wollten. Die Regierung versucht ganz anständig das durchzuziehen, was sie vorher angekündigt hat (solange bis es ihr um die Ohren fliegt und sie geschmeidig eine 180°-Wende hinlegt). Da braucht wirklich keiner überrascht zu tun. Es war angekündigt und mit „Durchregieren“ propagiert.

    Über die Menschenwürde brauchen wir uns indes erst einmal keine Sorgen zu machen. Das erledigt das Ersatzparlament in Karlsruhe.

    (Ach, und wer meint, die größten Opfer der Bundesregierung und ihrer Klientel säßen in deutschen Sozialwohnungen, hat wenig verstanden. Die Opfer mit dem relativ größten Schaden stehen im Moment vor den verschlossenen Türen griechischer Krankenhäuser und sitzen an den leeren Tischen portugiesischer Arbeiterfamilien.)

     
  4. opalkatze

    21. April 2011 at 16:47

    Ja. Das mit Karlsruhe, Griechenland und Portugal. Das mit dem Schämen bleibt.

     
 
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