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Fleischklopfer: Fleischhauers trübe Quellen

04 Mai

Diese Woche beschäftigt sich Jan Fleischhauer mit dem seiner unmaßgeblichen Meinung nach zu „laschen“ Rechtssystem in Deutschland. Das Ganze nennt sich „Strafe muß wehtun“ und folgt dem üblichen Muster, daß stichhaltige Argumente nur was für Weicheier sind. Bei seinen Quellen hat er diesmal allerdings ganz, ganz böse ins Klo gegriffen.

Also: Öffentliches Auspeitschen, Abschlagen von Gliedmaßen (auch der Ohren), Brandmarken, Spießrutenlaufen und Kielholen ist und bleibt verboten. Tut mir Leid, Herr Fleischhauer! Selbst wenn ich wollte, dürfte ich ihren Mund nicht mit Seife auswaschen, weil Sie schon wieder schlimme Wörter gesagt haben.
Leider.
Wenn Sie behaupten, das „Strafe wehtun soll“, sprechen Sie nicht von neuzeitlichem Strafvollzug, sondern von Rache. Das Rechtssystem in Deutschland folgt nicht dem Gedanken der Rache. Fertig!
Wenn ihnen das nicht passt, gehen Sie – dahin, wo der Pfeffer wächst und es keine Internetverbindung gibt.

So, jetzt aber! Karl Binding?! Sind Sie noch ganz bei Trost? Wissen Sie überhaupt, wer das war? Offensichtlich nicht, und auch die Redaktion von Spiegel Online hat Sie einfach drauflosschmieren lassen, ohne daß man Ihnen auf die Finger gesehen hat. Schlimm genug!

Der von ihnen zitierte “[…] Hauptvertreter der bis 1969 gültigen Gerechtigkeitstheorie“ ist der Verfasser von „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens. Ihr Maß und ihre Form“, das für das nationalsozialistische Euthanasieprogramm eines der maßgeblichen Werke war.

Ihre Rutschbahn „von einem, der aus Versehen konservativ wurde“, sollte langsam zu Ende sein. Keine Rutsche ist unendlich. Vielleicht ist es besser, Sie fangen langsam an zu bremsen.
Sehen Sie mal nach rechts: Die Bild“zeitung“ haben Sie gerade hinter sich gelassen.

Update am Morgen

Feynsinn hat sich die Mühe gemacht, den Artikel sachlich auseinanderzunehmen. Allen, die daran interessiert sind, empfehle ich diesen Text. Ich gestehe, daß mir diesmal die Lust daran vergangen ist und ich auch überlegt hatte, meinen kurzen Text wieder zu löschen. Meine wöchentliche Fleischhauerschau wäre dann eben ausgefallen. Wen kümmerts! Aber nachdem Sarrazins rassistisch und sozialdarwinistische Thesen wieder diskussionswürdig sind, kommt der Fleischhauer jetzt mit Karl Binding. Das kann und darf man nicht durchgehen lassen! Ich bin sprachlos und wütend.

Wie zu sehen, ist der Text nicht gelöscht. Sachlich kann ich mich gerade nicht dazu äußern, bitte aber jeden, der es liest, darüber nachzudenken, wem Fleischhauer da das Wort gibt. Ich kann nur beten und hoffen, daß er das nicht gewusst hat.

Hier ist der Original-Beitrag.

 
13 Kommentare

Verfasst von - 4. Mai 2011 in Journalismus, Kolumne, Medien, Politik

 

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13 Antworten zu “Fleischklopfer: Fleischhauers trübe Quellen

  1. VonFernSeher

    4. Mai 2011 at 14:38

    Wenn ihnen das nicht passt, gehen Sie – dahin, wo der Pfeffer wächst und es keine Internetverbindung gibt.

    Nix da, der bleibt bei euch!

     
  2. opalkatze

    4. Mai 2011 at 14:54

    Darf ich daraus messerscharf schließen, daß du immer noch sporadischer Internetnutzer bist? :( Hört sich nicht gut an.
    Oh, wie schön ist … na, du weisst schon.

     
  3. opalkatze

    4. Mai 2011 at 17:38

    Ich empfehle, über diesen Link mal zu sehen, wo sich der Fleischhauer-Artikel oder Auszüge überall wiederfinden: http://ixquick.com/deu/ Das kann wohl kaum im Interesse des Spiegel sein. Augsteins Papi würde sich im Grab rumdrehen.

     
  4. VonFernSeher

    4. Mai 2011 at 18:15

    (Nur auf der Arbeit.) Aber am Freitag sollen sie kommen, hieß es. (Zu allem Überfluss hat sich jetzt auch noch mein Hauptrechner verabschiedet.)

     
  5. opalkatze

    4. Mai 2011 at 18:21

    Oh Sh**. „Sollen kommen“ hört sich auch nicht wirklich überzeugend an … Auch das geht vorüber, sei tapfer.

     
  6. bee

    4. Mai 2011 at 20:28

    Ich frage mich bloß, was vernünftige Leute wie Jakob Augstein oder Sascha Lobo dazu treibt, noch in diesem Hetzblättchen zu publizieren. So viel Schmerzensgeld können die doch gar nicht zahlen.

     
  7. opalkatze

    4. Mai 2011 at 22:23

    Jou, ich denke mal, da hat sich das frühere Sturmgeschütz der Demokratie (lang, lang ist’s her) nichts Gutes getan. Schlechter Einkauf. Was zu viel ist, ist zu viel.

    Alte Anhänglichkeit? Reputation? Keine Ahnung.

     
  8. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    13. Mai 2011 at 07:12

    Ich habe gerade eine Beschwerde beim Deutschen Presserat zu Herrn Fleischhauers Artikel eingereicht. Mal gucken, ob und was dabei rauskommt.

     
  9. opalkatze

    13. Mai 2011 at 12:53

    Hast du Lust, die Beschwerde hier rein zu setzen?

     
  10. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    13. Mai 2011 at 23:25

    Artikel
    Strafe muss wehtun

    Ausgabe
    S.P.O.N.

    Internetseite
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,760080,00.html

    Datum der Veröffentlichung
    02.05.2011

    Begründung
    Nicht nur daß Herr Fleischhauer den Resozialisierungsanspruch des deutschen Strafrechts (§ 2 StVollzG) völlig außer acht läßt und stattdessen den Rachegedanken („Strafe muss wehtun“) in den Vordergrund stellt, Herr Fleischhauer führt auch noch Karl Binding zur Untermauerung seiner Argumentation an. Jenen Karl Binding, der mit seiner Publikation „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens. Ihr Maß und ihre Form“ juristische und psychiatrische Rechtfertigungen verfasste um schwer kranke und behinderte Menschen zu töten.

    Ziffer(n) des Kodex
    1 und 2

    Den Pressekodex gibt es hier als PDF.

     
  11. opalkatze

    14. Mai 2011 at 10:14

    Na, dann schau’n mer mal. Danke.

     
  12. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    20. Mai 2011 at 14:18

    Kam ein Brieflein fein
    Heute mit der Post herein

    Steh’n wunderbare Sachen drin
    In der Warteschleif‘ ich bin

    Der Presserat mir sagt
    Daß im Jahr er nur viermal tagt

    Drum, liebe Leut‘ bitt um Geduld
    Ob der Rat erkennt Fleischhauers Schuld

     
 
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