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Fleischklopfer: Fleischhauers Integrationsunwilligkeit

11 Mai

Gestern Nacht ist es mir endlich gelungen, die Klospülung leise zu bekommen. Seit Monaten nervt das Ding mit unangepasster Lautstärke beim Nachfüllen, nachdem man gespült hat. Jetzt ist Ruhe. Endlich!
Was wollte ich jetzt? Klospülung – wie komme ich denn jetzt darauf? Fleischhauer! Darüber wollte ich berichten. Wie zum Teufel kriege ich jetzt einen eleganten Bogen zu Jan Fleischhauer?
Egal: Jan spricht diese Woche über Qualifikation. Mut hat er ja – das muß man ihm lassen.

Jan zögert nicht lange und zieht sofort seine schärfste Waffe: Sozialneid, weil der Posten der Ministerin „ […] nun schon einmal zu Annehmlichkeiten wie Dienstsitz, Fahrer und Spesenetat verhilft“. Da wäre grundsätzlich nichts gegen einzuwenden, wenn Bilkay Öney nicht ausgerechnet Türkin wäre und nach Fleischhauers Meinung ohne jegliche Qualifikation – eben nur designiert, weil sie deutschstämmige Türkin ist. Das mit dem Dienstwagen wurmt ihn, nehme ich an – gemessen am Realitätssinn, den er sonst in seinen Artikeln an den Tag legt, ist Frau Öney wahrscheinlich überzeugte Fahrradfahrerin und fährt jeden Morgen per Pedes ins Büro! Aber das ist nur eine Vermutung.
Nein, eine Qualifikation der zukünftigen Ministerin kann er aus ihrer Vita nicht erkennen und verweist auf einen Artikel von Spiegel Online, den er leider nicht zu Ende gelesen hat – nur bis zu der Stelle, an der es heißt: „Öney begründete damals ihren Absprung zu der SPD damit, mehr für soziale Gerechtigkeit kämpfen zu wollen.“ Schon im nächsten Absatz steht nämlich: „Sie arbeitet an der Seite von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit in der Steuerungsgruppe Integration beim SPD-Bundesvorstand. Sie kritisierte einmal, dass viele Deutsche die Türken im Land noch immer wie vor 40 Jahren sähen und dass viele die vollständige Integration nicht wollten. Gleichzeitig machte die Sozialdemokratin aber auch den Türken in Deutschland Vorwürfe: „Wir bleiben unter uns, spielen unsere eigene Musik“, und wird nebenbei als „Migrationsexpertin“ tituliert.
Ein kompletter Mangel an Kompetenz ist da schwer zu erkennen.
Und selbst wenn irgend eine andere türkische Frau Ende vergangener Woche aus Istanbul in unser schönes, fremdenfeindliches Land gekommen wäre und mit ihrem ehrlich erworbenen Doktortitel hier Toiletten putzen müßte, wäre sie nach dieser einen Woche prädestinierter, einen solchen Posten mit Sinn zu erfüllen, als all diese hochperformanten Verwaltungsbeamten, die normalerweise dazu aufgeboten werden.

Das solch trübe Tassen, wie sie in Bataillonsstärke vor jedem Parteibüro bibbernd auf ein Amt warten, diesmal gar nicht erst für diesen Posten in Betracht gezogen wurden, bezeichnet Fleischhauer als „positive Diskriminierung“. Seine Erklärung dafür ist dann recht … nennen wir es einmal „bodenständig“:
“Niemand käme auf die Idee, von einem Gesundheitspolitiker den Nachweis einer schweren Erkrankung zu erwarten oder von dem Vorsitzenden eines Rechts- und Innenausschusses die Abstammung aus einer Polizistenfamilie.“

Nein, das würde natürlich niemand verlangen! Genau so wenig, wie von einer Familienministerin sieben Kinder, vom Innenminister mögliche Psychosen aufgrund von Attentatsfolgen oder von einer Kanzlerin Erfahrung in Jugendarbeit.
Merkels Mutantenkabinett wird denn auch auszugsweise mit den Namen Guido Westerwelle und Christian Wulf geehrt; immerhin hervorragenden Beispielen für totale Inkompetenz und Nutzlosigkeit.
Mit derselben Folgerichtigkeit sperrt er sich denn auch gegen eine erfahrene türkische Migrationsexpertin.
So ganz wohl scheint ihm bei seiner eigenen Argumentation allerdings nicht gewesen zu sein, denn zum Schluss seines Aufsatzes bestreitet er, daß es der neuen Regierung in Baden-Württemberg ernsthaft um Integration geht. Zum Beweis verlinkt er wieder auf SpOn, zu einer Sammlung mehr oder weniger gelungener Artikel zum Thema Integration, an dessen erster Stelle sein eigener Beitrag steht.
Selbsterfüllende Prophezeiung nennt man das wohl.

Wie auch immer: Die Klospülung geht wieder! Es rauscht gewaltig, wenn die ganze Scheiße heruntergespült wird, und es füllt sich ganz, ganz leise wieder nach. Spätestens bis zum nächsten Montag, wenn „der schwarze Kanal“ wieder erscheint, ist der Wasserkasten voll.

Den Originalbeitrag und weitere lesenswerte Artikel gibt es hier.

 
5 Kommentare

Verfasst von - 11. Mai 2011 in Kolumne, Kultur, Medien, Menschen, Politik

 

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5 Antworten zu “Fleischklopfer: Fleischhauers Integrationsunwilligkeit

  1. Marc

    11. Mai 2011 at 13:33

    Moin,

    Ein kompletter Mangel an Kompetenz ist da schwer zu erkennen.

    Dafür ein gutes Beispiel für Manipulation durch selektives Zitieren und der kompletten Missachtung von Grundsätzen guter journalistischer Arbeit auf Seiten des hier „behandelten“ Herren.

    Was habt Ihr [1] bloß immer mit dieser merkwürdigen Person? Ich nehme diesen Menschen gar nicht wahr. Das sorgt für einige Pluspunkte auf der Gelassenheitsskala. ;)

    Grüße
    Marc
    [1] Der ist ja verschiedenenorts Thema…

     
  2. opalkatze

    11. Mai 2011 at 16:33

    Ich hab mich mehr auf Norbert Bolz und die Biedermeier-Connection eingeschossen (hier und hier).

     
  3. Pantoufle

    11. Mai 2011 at 17:22

    „[…]die Verstrickung im elektronischen Netz, wird der unbefangene Blick aber als profane Variante der religio – und das heißt ja eben:Rückbindung erkennen. In der Vernetzung zum integralen Medienverbund ist uns eine stabile Umbesetzung der Transzendenz gelungen.“

    tuut, tuut: Ihre Zeit ist um! Wenn sie weiterschreiben wollen, werfen bitte weiter Münzen in den Münzeinfurfschlitz rechts oben!

    Himmel, ist der Bolz dröge! Man kann auf nichts schiessen, was sich so einnebelt. Das weiß jeder Panzergrenadier.
    Arme Opalkatze: da nehme ich lieber meinen Fleischhauer! Ich bevorzuge Weichfutter :-)
    das Pantouffle

     
  4. opalkatze

    11. Mai 2011 at 20:24

    Warmduscher. Alles Warmduscher.

     
 
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