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Einigermaßen trostlos

14 Mai

Aufräumen. Betten abziehen, Handtücher in die Wäsche, Waschutensilien an ihren Aufbewahrungsort-zwischen-zwei – ja, was? Besuchen? Treffen? Wiedersehen? Es ist ja kein Besuch, wie sonst, wenn Gäste kommen. Treffen ist noch schlimmer, hört sich an nach Konspiration und Bahnhof. Wiedersehen trifft es vielleicht ein wenig. Sagen wir also, Aufbewahrungsort-zwischen-zwei-Wiedersehen. Aufräumen, als würde durch die äußerliche Ordnung die innere wieder hergestellt. Als könnte man die schmerzhafte Abwesenheit eines Menschen durch Wegräumen seiner Gebrauchsgegenstände weniger fühlbar machen.

Ich hasse es. Zwei bis drei Tage bewege ich mich in den eigenen vier Wänden wie Falschgeld; als gehörten die eigentlich vertraute Umgebung und ich nicht zusammen. Alles fühlt sich irgendwie verkehrt an und sieht fremd aus: Die vollgeräumte Ablage im Bad plötzlich wieder frei, die Handtuchhaken leer, die Wohnung nicht mehr fröhlich unaufgeräumt und nur noch eine Tasse, ein Teller, ein Glas an der Spüle. Kein Kabelsalat, kein zweiter Rechner, kein Meckern über den viel zu vollgestellten Arbeitstisch. Das Sofa gehört wieder mir ganz allein, das besonders große, warme, weiche, lebendige, sprechende Kissen fehlt.

Die Waschmaschine läuft. Die Schränke erfüllen ihren Bestimmungszweck. Ich weiß, daß ich in drei Tagen wieder in meinem Alltag leben und für die Schule lernen werde. Aber ich hätte jetzt gerne etwas Starkes zu trinken.

 
33 Kommentare

Verfasst von - 14. Mai 2011 in Frauen, Leben, Mensch bleiben

 

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33 Antworten zu “Einigermaßen trostlos

  1. pantoufle

    14. Mai 2011 at 14:10

     
  2. Lakritze

    14. Mai 2011 at 14:35

    So ist das.
    Wie heißt der Plural von Zusammensein?

     
  3. Leo Altgruftipunk

    14. Mai 2011 at 14:40

    Tag auch, opalkatze!

    Bin gerade aus dem Walddomizil am Fuße der Eifel herabgestiegen. Sitze derangiert am Rechner und warte, dass mir die Fertigdusche genügend Heißwasser zubereitet. Dein Beitrag versetzt mich schlagartig in die Stimmung von gestern, allein im stillen Wald.

    Stell Dir vor, Du hast jahrealte Fotos, Interviews, Texte und Videos unwillkürlich zu einem Menschen verkittet, der so nicht existiert. Nicht mehr, niemals hat. Und den glaubst Du nun verpasst zu haben. Klingt idiotisch, geht aber wirklich. Noch bizarrer ist der Trost, dass Dir wohl kaum jemals Realität und Alltag das schöne Bild zerstören werden.

    Schätze, bei mir sind ein paar Hormone ausgetickt oder sowas. Vielleicht ein kleiner Trost – Du leidest, aber wenigstens bist Du normal. ;)

    Gruß, Altgruftipunk

     
  4. opalkatze

    14. Mai 2011 at 14:53

    Volltreffer. Einer meiner Lieblingsfilme.

    Nachtrag: … in deinem Land nicht … *gift&galle*

     
  5. opalkatze

    14. Mai 2011 at 15:02

    Bin gerade zu sehr mit mir beschäftigt, um dir wirklich folgen zu können, glaube aber, die Richtung zu erkennen. Ja. Und die Vorstellungen und Bilder von Menschen sind bizarr, das ist so; wer das leugnet, hat noch nie gelebt.

    Weil du etwas sehr stark empfindest, sind noch lange nicht immer die armen Hormone schuld. Obwohl mir diese Ausrede auch immer sehr zupaß kommt … Über ’normal‘ diskutieren wir bitte ein anderes Mal ,)

     
  6. opalkatze

    14. Mai 2011 at 15:09

    Lakritze, ehrlich! Kann ja so schon nur schwerlich geradeaus denken …

     
  7. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    14. Mai 2011 at 16:30

    @Lakritze

    Die Zusammenseins

     
  8. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    14. Mai 2011 at 16:34

    Schön, zu lesen, daß ich nicht der einzige Mensch bin, der da so meschugge ist. Bei mir sind es nicht jahrealte sondern jahrzehnte…

     
  9. Leo Altgruftipunk

    14. Mai 2011 at 16:34

    Finde selbst, „normal“ ist nicht das rechte Wort. Ausnahmsweise sind mir aber nur unpassendere eingefallen. :)

    Überdies fühle jetzt ich mich getröstet, war andersrum gedacht. Sowas. Danke.

     
  10. Leo Altgruftipunk

    14. Mai 2011 at 16:36

    @ (,,,)—=^.^=—(,,,)
    Oh! Ganz meinerseits. Wie lange geht das schon bei Dir? (Frage bite ignorieren, falls zu aufdringlich.)

     
  11. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    14. Mai 2011 at 16:38

    Siehste, schon haste Abwechslung.

    Ja, ist kein Trost jetzt, aber das Leben geht ja weiter und das nächste Zusammensein wird ja nicht ewig auf sich warten lassen.

     
  12. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    14. Mai 2011 at 16:40

    Vierteljahrhundert

     
  13. Leo Altgruftipunk

    14. Mai 2011 at 16:44

    Majusebetter …

     
  14. opalkatze

    14. Mai 2011 at 19:00

    Bitte übersetz mal „Majusebetter …“ – ich verforme mich zusehends zum Fragezeichen.

     
  15. Lakritze

    14. Mai 2011 at 19:05

    Wie prosaisch. :)

     
  16. Leo Altgruftipunk

    14. Mai 2011 at 19:47

    Uh, sorry, opalkatze. Das war eine arg spontan in die Tasten gehauene Antwort. „Majusebetter!“ ist in Trier ein Ausruf des schockierten Erstaunens.

    Hier meine ich damit: Vor einem Vierteljahrhundert verschwinden meine zwei lächerlichen Monate.
    Gleichzeitig: Wird das auch bei mir so lange anhalten? Wie geht es (,,,)—=^.^=—(,,,) damit? Diese zwei Monate waren hammerhart.
    Gleichzeitig: Das kommt mir bekannt vor. Hab‘ ich gerade erst in einer Geschichte gelesen. Wie viele Menschen wohl ebenso „meschugge“ sind?
    (Die Anführungszeichen, weil ich es nicht für verrückt halte. Aber ich bin da wohl nicht sehr objektiv.)

    Erklärung hoffentlich ausreichend? Will nicht an Knoten-in-opalkatze schuld sein. ^^ Bin aber auf dem Sprung zum Palais Kesselstatt – Lesung mit Weinprobe.

     
  17. opalkatze

    14. Mai 2011 at 20:09

    Pfui, schäm dich – opalkatze will auch Wein verkosten. *nörgel*

    Danke für die Erklärung, das heisst hier ebenso, aber was heißt es? Mein Moselfränkisch ist gar nicht mal so übel, aber darauf kann ich mir keinen Reim machen.

    Der aller-, allerbeste aller Sätze zum Thema ’normal‘ steht in Lakritzes Blogüberschrift:

    Die einzig normalen Menschen sind die, die man nicht besonders gut kennt.

     
  18. Lakritze

    14. Mai 2011 at 20:41

    *knicks* Ergebnis langer Forschung.

    Und Majuse-, das sind doch bestimmt Maria und Josef. Aber better –?

    Und: Kannst gerne vorbeikommen, ich habe einen Grauburgunder offen. :)

     
  19. Leo Altgruftipunk

    15. Mai 2011 at 12:48

    Schämen? ^^ Abgelehnt. War sehr cool im Historischen Weinkeller. Mit Riesling, Grauburgunder und einem verschärften Roten aus Riol. (Spätburgunder, kein Typ.)

    Majusebetter: Ich nix wissen, ich andere Baustelle. Kenne nur ein paar Wörter Moselfränkisch. Auf Seite drei von diesem PDF wird (wie auch anderswo) erklärt, die ursprüngliche Bedeutung sei umstritten. Auf immer Fragezeichen …

    @ Lakritze
    Guter Satz. Spricht von Abgründen.

     
  20. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    15. Mai 2011 at 17:22

    Recherche im Internet hat ergeben, Majusebetter soll sowas wie „Oh mein Gott“ bedeuten…

     
  21. (,,,)---=^.^=---(,,,)

    15. Mai 2011 at 17:32

    „Majusebetter, wat e Gemelter“ rutscht uns manchmal heraus, wenn wir einen
    unaufgeräumten Raum betreten. „Majusebetter, wie gett et daan su eppes“, sagen wir, wenn
    uns etwas total ungewöhnlich erscheint, wenn Hagelsteine vom Himmel fallen, wenn wir
    schockiert sind über eine böse Tat. „Majusebetter“ rutscht uns aber auch heraus, wenn wir
    ungläubig erstaunt sind, etwa über ein ungewohntes Geschenk, einen Gewinn, erfreulichen
    Besuch.

    Quelle

    “Majusebetter” leitet sich nicht ab von “Maria, Josef, bittet für uns”, sondern ist das Stoßgebet an “Maria, Josef, Petrus (Petter)”, weil letzterer der Stadtpatron ist. Aber als Schang muss man das natürlich nicht wissen. Immerhin hat man in Schang-Hei (i.e. Luxemburg) das Moselfränkische zur Amtssprache erhoben, wofür wir Trierer unseren Nachbarn wirklich dankbar sein müssen!

    Quelle (Kommentar von Kneilewatz)

    Majusebetter – Um Gottes Willen!

    Rikschdorwer Allerlei

     
  22. opalkatze

    16. Mai 2011 at 12:02

    Danke für’s Nachgucken, du weisst ja: Zeit … Interessant und ein gelöstes Rätsel mehr :)

     
  23. opalkatze

    16. Mai 2011 at 12:03

    Finde es übrigens immer wieder witzig, wie sich solche Threads entwickeln. :D

     
  24. Leo Altgruftipunk

    14. Juni 2011 at 18:30

    Gerade beim Reitersmann gefunden:
    „Majusebetta! Ein Stoßseufzer bzw. Ausdruck der Überraschung im heimischen Dialekt. Verschliffene Kurzform von „Maria-Jesus-Peter!“

     
  25. opalkatze

    14. Juni 2011 at 18:44

    Danke :) Hast du dann auch noch eine Übersetzung für „Oleck!“, bitte?

     
  26. Lakritze

    14. Juni 2011 at 20:42

    Das, sagte mir ein Saarländer, sei ein höflich abgebrochener Götz.

     
  27. VonFernSeher

    14. Juni 2011 at 21:21

    Es handelt sich bei uns daheim eher um eine Mischung von LMAA, das aber im Moselfränkischen auch als Ausdruck des Erstaunens gebraucht wird, und dem mehr geseufzten „O, jemine“ (hier auch: „O, jesses!“). Es ist also ein Ausdruck des bedauernden bis bestürzten Erstaunens. Es kann aber auch sarkastisch gebraucht werden (meist dann mit der Hand vor dem Mund, um das unschickliche und unwillkürliche Lachen zu verbergen). Soviel zur Bedeutung im Islek und in der Schneifel.

    Apropos Erstaunen: Bei uns gibt es auch noch das „Mo“ oder „Moa“, dass, je nach Aussprache, einen so gewaltigen Bedeutungsumfang hat, dass es mir schwer fällt es in Text zu fassen – und das bei nur einer Silbe. Ich habe schon ein bisschen gesucht und auch noch keinen Erklärungsansatz im Netz gefunden. Aber schön, das Heimweh ein bisschen anzustrengen.

     
  28. Leo Altgruftipunk

    17. Juni 2011 at 16:07

    Olek, da haben ja drei Leute geantwortet! ;)

    Irgendwer hat irgendwo die übertragene Bedeutung des „Olek“ besonders hübsch zusammengefasst. Leider finde ich die Seite nicht mehr, falls es denn im Web gestanden hat. Auch differierende Schreibweise hilft nicht.

    Etymologische Herkunft – kein Plan mal wieder. Bei uns hieß es glaube ich, mit dem Götz habe das nichts zu tun. Indes entstamme ich der rheinfränkisch parlierenden Seite des Saarlandes, vielleicht weiß die moselfränkische Näheres.

    Um mal lustvoll vom ursprünglichen Thema wegzudriften: Bei der Olek-Suche habe ich den Artikel Überleben im Saarland wiederentdeckt. ’errliesch. Doh giggelt’s Leo.

     
  29. Lakritze

    17. Juni 2011 at 16:58

    Ha, das ist hübsch! Mir fällt dazu noch der hier ein:


    Dochdoch, man muß sie mögen.

     
  30. opalkatze

    19. Juni 2011 at 03:38

    Moa, ja, Begleiter meiner Kindheit. Durfte ich nicht sagen, weil, „wir sprechen Hochdeutsch“, ach Jotte, wat war’n wir vornehm – Praktisches Wort, sage ich heute noch. Wo es passt, da passt es.

     
  31. opalkatze

    19. Juni 2011 at 03:44

    @Leo
    Sagt man mir hier auch, daß es nichts mit dem ‚Götz‘ zu tun hat. Aber niemand weiß, woher es kommt, obwohl alle wissen, was es bedeutet. Hm.

    Der Link – was für eine Perle :) Erinnert mich an dieses Dorf, in dem ich wohne …

    @Lakritze
    Ei, so as et! Übrigens auch eine bildschöne Schöpfung: lo dat.

     
  32. VonFernSeher

    19. Juni 2011 at 15:12

    Ich werde es in einem Telefonat mit meiner Oma zu erörtern versuchen ;)

    Wenn es den Zusammenhang mit LMAA nicht gab, dann wurde er zumindest nachträglich hergestellt mit dem flapsigen „Leckomio!“.

     
  33. Leo Altgruftipunk

    23. Juni 2011 at 23:16

    @opalkatze
    „Olek“ mag ein alter Ausruf sein, dessen Bedeutung in Vergessenheit geraten ist. Vielleicht ist sie auch einfach so dämlich, dass kein Mensch darauf kommt.

    Zum „lo dat“ fällt mir ein, wie ich weiland als Gärtnerlehrling geäußert habe, weder heiraten noch Kinder in die Welt setzen zu wollen. Befremdet waren alle, ausgeflippt ist nur der vom dritten Lehrjahr. Ich glaube, er hieß Klaus.
    Eine Frau konnte sich Klaus nicht anders denken denn als Ehegattin und Mutter. Warum ihn meine Verweigerung dieser Pflichten so wütend gemacht hat, kann ich nicht sagen. Immerhin fragte er erst nach, ob ich das wirklich ernst meine, bevor er Anstalten machte, auf mich loszugehen. Mannhaft beherrschte er sich, stach stattdessen mit der Rosenschere in die Luft und schmetterte weithinhallend über unseren Stützpunkt (einen ehemaligen Friedhof):
    „Das doh is e Unnehdisches!“
    Das da ist ein Unnötiges. Ein Ding, zu nichts zu gebrauchen. Vermutlich habe ich ihm erklärt, ein Idiot seines Kalibers sei mir noch nie untergekommen. Und das auch begründet. Doch was zählt schon die Meinung vom Unnehdische? Klaus jedenfalls ließ sie nicht gelten. Er beschimpfte mich noach tagelang.

     
 
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