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Fleischklopfer: Ein Herz für Rechtspopulisten

19 Mai

Bei der wöchentlichen Werbeveranstaltung für Fleischhauers binäres Weltbild mag man am letzten Montag überrascht aufgehorcht und sich gefragt haben, warum er sich diese Woche scheinbar eine Kreidediät verordnet hat: Da liest man doch tatsächlich von Fleischhauers Bemühungen, sich von einer schmuddeligen Faschistenecke zu distanzieren. Ein Versuch, den er dazu benutzt, Begriffe wie Rechtspopulist oder Ultranationalist in irgend einer Form gesellschaftsfähig zu machen.

So, und wer jetzt gehofft hat, etwas über Fleischhauer zu lesen, den muß ich vorläufig enttäuschen. Ich halte seinen Artikel für eine Nebelgranate, bei der er allerdings von unerwarteter Seite Unterstützung bekommen hat.

Der rechter Tendenzen unverdächtige Jakob Augstein hat vor kurzem einen Artikel im „SpOn“ veröffentlicht, bei der mit Hilfe einer Forsa-Umfrage versucht wurde, „rechte“ Tendenzen in Deutschland zu orten, indem man Fragen über finanzielle Hilfen an EU-Länder, Zuwanderung und den Islam im Allgemeinen stellt. Erwartungsgemäß förderte das Ergebnis eine Europaskepsis zutage, die Augstein als Drift nach rechts, als „verheerendes Signal für unsere politische Kultur“ interpretiert hat. Das kann man natürlich schlussfolgern – ob es hilfreich ist, ist zu bezweifeln. Wer hier nur das Ross und nicht die Reiter wie le Pen, Berlusconi, Victor Orbán, Geert Wilders und andere Ultrarechte nennt, verwechselt Ursache und Wirkung – von der tatkräftigen Unterstützung der „bürgerlichen“ Parteien ganz zu schweigen.

Die jahrzehntelange Blindheit auf dem rechten Auge, das Anbiedern aller Parteien in Richtung „braun“ an die Wählergunst und die Gleichgültigkeit, wer im Europaparlament sitzt, trägt Früchte.

Wer einen Sarrazin nicht achtkantig aus der Partei schmeißt, braucht sich nicht zu wundern, daß jeder Außenstehende die Thesen dieses Sozialdarwinisten – um die harmloseste Bezeichnung zu verwenden – für gesellschaftlich akzeptabel hält.

Wer jeden unerwünschten Ultranationalen oder potentiellen Faschisten nach Brüssel abschiebt und die Aufsicht über diese „Politiker“ denen überlässt, die im eigenen Land ihre Unfähigkeit ausreichend unter Beweis gestellt haben, versagt vor der Geschichte.

Wenn Orbán seine an die dreißiger Jahre erinnernden Brigaden aufmarschieren und womöglich Übles vorbereiten lässt, Ungarn dann auch noch den EU-Ratsvorsitz hat, dann ist die Idee „Europa“ ohnehin am Ende! Mit oder ohne Subventionen!

Wenn das Kapital Gewinnoptimierung als höchsten ethischen Wert vorgibt und alle, alle folgen, braucht man sich nicht zu wundern, wenn wirkliche Werte bestenfalls unter den Tisch fallen, so sie nicht offensiv bekämpft und negiert werden. Wo ist denn der Unterschied zwischen einem Berlusconi, einem Josef Ackermann, einem Geert Wilders und Rainer Brüderle? Die Rettung der Banksterboni hat den Bürger erheblich mehr gekostet als Griechenland oder Portugal. Aber bei Hartz IV wird der spitze Bleistift geleckt! Ein illegaler Einwanderer? Dafür „hungert eine deutsche Familie“. Den endgültigen Staatsbankrott riskieren, weil ein Atommeiler bedauerlicherweise ein unvorsehbares Restrisiko barg? Egal, Hauptsache, die Dividenden von EON und Vattenfall stimmen!

Ein „verheerendes Signal für unsere Kultur“ attestieren, ohne eine einzigen Namen zu nennen? Wessen Kultur? Die der Bürger, die immer noch erstaunlich stillhalten, oder die derjenigen, die unsere Gesellschaft als Selbstbedienungsladen nutzen? Die derjenigen, die versuchen, die Errungenschaften der Demokratie zu bewahren, oder derer, die jeden Faschisten gewähren lassen, wenn sie dadurch auch nur eine Stimme mehr bei der nächsten Bürgermeisterwahl bekommen?
„Die Parteien wirken an der Bildung des politischen Willens des Volkes mit“: Bei dieser Aufgabe haben sie grandios versagt, versteht man diesen Satz im Sinne des Parteiengesetzes aus demokratischem Blickwinkel.

Jan Fleischhauer benutzt nun diesen unglücklichen Aufsatz von Augstein als Argumentation für seinen durchsichtigen Versuch, Rechtspopulisten als ehrwürdige Konservative zu etablieren. Es wird ihm zusätzlich leicht gemacht, indem man ein ebenso unscharfes Bild des rechten Gegners zeichnet, wie Fleischhauer von denen, die er für „links“ hält.
Lieber Herr Augstein: Damit haben Sie fortschrittlichen Demokraten einen wahren Bärendienst erwiesen. Namen nennen! Nicht das Bürgertum ist schuld, daß man es belogen, verdummt und verarmt hat. Das waren andere. Und die nennt man Rechtspopulisten.

Oder um stellvertretend einen Namen zu nennen: Jan Fleischhauer.

Pantoufle war nicht zufrieden und hat einen Nachtrag geschrieben.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 19. Mai 2011 in Europa, Kolumne, Politik

 

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Eine Antwort zu “Fleischklopfer: Ein Herz für Rechtspopulisten

 
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