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Glanzlichter 69: Pest, Placebos und ein Kartell der Schande

09 Jun

Merkel wird in Washington mit allen Ehren in die Pflicht genommen, Ilse Aigner übt immer noch, Opel wird vielleicht doch verkauft und vielleicht gibt es für Griechenland doch einen Schuldenerlass. Rivva ist wieder da, CARTA macht Pause, KNDM macht was Neues und die Glanzlichter ziehen um zu den Ruhrbaronen.

Facebook-Nutzerverhalten

Mirko Lange analysiert: Gemocht und doch missachtet – warum ein Facebook Fan zunächst mal noch gar nichts wert ist, facebookbiz zeigt die Unterschiede zwischen “Fans” und “Nicht-Fans” und Hardy Kurze beschreibt Das Pril-Monster oder wie Henkel die Facebook-Welt nicht mehr verstand.

Was Anne Roth ihren Kindern gern ersparen würde: Die geshoppte Schönheit in der Werbung (Video-Vortrag von Jean Kilbourne, 4:57 Min.)

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Das passiert in 60 Sekunden im Internet.

Es war einmal ein dunkler, finsterer Twitterwald … (YouTube, 4:35 Min.)

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Die Glanzlichter erscheinen ab heute auch bei den Ruhrbaronen.

 
29 Kommentare

Verfasst von - 9. Juni 2011 in Glanzlichter

 

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29 Antworten zu “Glanzlichter 69: Pest, Placebos und ein Kartell der Schande

  1. Angela

    9. Juni 2011 at 19:00

    „… Glanzlichter ziehen um zu den Ruhrbaronen.“ :-) Die Ruhrbarone nehme ich direkt mal in meinen Feedreader auf … Wieder gute Lesetipps, danke!

     
  2. opalkatze

    9. Juni 2011 at 19:19

    Merci. Übrigens eine gute Wahl, die Ruhrbarone :)

     
  3. VonFernSeher

    9. Juni 2011 at 23:20

    Du solltest mal bei Julia Schramm ein ’s‘ in der Adresse löschen. Andererseits: Lass es drin, die Warnung, die kommt, ist auf einer anderen Ebene durchaus hilfreich.

    Und bei der ganz netten Kiste von Christian Lindner kommt so ein monströses, kaputtes Layout-Layer, dass ich den Artikel wohl nicht hätte lesen können ohne die Reader-Funktion im Safari. Die zeigt auch kein Layout, sondern nur Content (der auch in Simmern in den 70ern wohl eher „Inhalt“ hieß).

    Es glänzt nicht so wirklich wie sonst mal in den Glanzlichtern. Mir fällt allerdings persönlich auch nicht viel Glanzvolles aus der Woche ein, dass man hier versammeln könnte – außer dem fehlenden Blog-Glanzlicht. Mr hätt et och nit emmer su eefoch.

     
  4. opalkatze

    10. Juni 2011 at 04:12

    Ja, :( ich habe einfach nicht die Zeit, um so viel zu lesen, wie ich müsste.

     
  5. Joachim

    10. Juni 2011 at 15:38

    Ich versuche mal – wegen der Zeit – zu Placebo Forte N auszuhelfen. Der Text dort ist wirklich zu wichtig.

    Mir scheint, Kris wird dort in den Kommentaren nicht ganz verstanden. Meine Interpretation: Er bewertet nicht wirklich Facebook und Co. Er sagt nichts als: prinzipbedingt bist Du für Deine Daten selbst verantwortlich. Das ist Gesetz. Es bleibt Dir nichts anderes übrig. Wer etwas anderes verkauft, der verkauft ein Placebo. Das geeiere der Daternschutzbeauftragten zu Facebook, Google, Blogs, das Heulen über IPv6 ohne NAT und mehr können wir uns sparen – egal ob gut gemeint oder nicht. Mehr noch, dieses geeiere ist oft genug durch die erwähnte Agenda motiviert oder wenigstens beeinflusst. Und dann wird mit diesem Paar aus verzerrtem Datenschutz und Unwissen auch noch staatliche oder wirtschaftliche Intransparenz gedeckt. Das nennen wir dann Politik.

    Was Kris nicht sagte: diese Herren sind sowas von Gestern. Sie stolpern unbedarft in eine Welt, die allerisch auf ihren Staub der Jahrhunderte reagiert. Sie bekommt sprichwörtlich „Blasen“ davon. Laßt Euch nix einreden: gegen Blasen hilft kein Placebo Forte N.

    Doch glaubt mir nichts! Selbst lesen.

     
  6. Derek Jefferson

    11. Juni 2011 at 09:34

    Zum Artikel von Gabor Paal

    Der Inhalt des Internets dient grundsätzlich einem Freiheitsimpuls-
    Die Anpassung der etablierten Rechtssprechung an die Urheberfrage im Internet müsste sich schon deshalb ausschließen, weil es sich von seinem Wesen diesem Freiheitsimpuls nicht anschließen kann- ihre überkommenen Impulse sind völlig andere sind. Die Ursachen dafür sind meiner Ansicht nach unter anderem darin zu suchen, dass bestimmte Inhalte des römischen Rechtes darin noch nicht überwunden sind.
    (Sie haben noch zu großen Teilen den Charakter des reinen Personenrechtes. Das Internet ermöglicht nun zum ersten Mal gesellschaftliche Strukturen zu entwickeln, die horizontal, also der alten hierarchischen Ordnung entkleidet sind)
    Ein Wandel in diesen alten Rechtsgrundlagen ist aber nur zu erreichen, wenn über die Arbeit des Einzelnen bzw. dessen Geistigen Eigentum, im Sinne eines „ neuen kulturellen Interesses“ ebenfalls horizontal nachgedacht wird, denn; ein großer Teil unseres etablierten Rechtssystems ist ein Erfüllungsorgan des gegenwärtigen, wirtschaftlichen, bzw. politisch- parteilichen Denkens.
    Wirtschaftliches Einzelinteresse und parteiliches Denken jedoch, haben in allgemein- kulturellen Lebensinteressen nichts, aber auch Garnichts zu suchen.
    Im Sinne eines neuen kulturellen Interesses, wie es das Internet anstreben sollte, ist Geistiges Eigentum im Sinne eines Produktes, im alten ökonomischen Sinne der Ware also, absurd. Das Dilemma ist enträtselt- aber macht den Autoren natürlich nicht satt. Aber bleibt den Autoren erspart, über Lebensfinanzierungsmodelle grundsätzlich neu nachzudenken? Die Verpflichtung zu diesem Nachdenken ist aber auch den Nutzern dringlichst anheimgestellt und sofern er sich mit den Inhalten der Urheberschaft identifiziert, ist er moralisch verpflichtet, den Lebensbedarf des Urhebers anteilig zu decken. Aber eben; was daran moralisch ist, ist nicht justizierbar.
    Grundsätzlich sollten daher Steuerungsinstrumente, im Sinne der alten Machtinstrumente, möglichst ausgeschlossen sein. In diesem Sinne verhält sich ja das Internet bzw. derren Nutzer zwangsläufig zu einem gerüttet Maß anarchistisch- auch irrational. Die abgewirtschafteten hierarchischen Strukturen sind dadurch (zunächst noch) mittellos. An dieser Stelle wird aber wesentlich ob wir in der Lage sind über Arbeit, also Broterwerb und Produkt, als auch gesellschaftlicher Mitarbeit im Sinne einer neuen kulturellen Beteiligung paritätisch nachzudenken.

     
  7. Derek Jefferson

    11. Juni 2011 at 09:48

    Nachtrag
    Das bezieht sich auch grundsätzlich auf das westlich- geprägte Recht, des Common Law.

     
  8. VonFernSeher

    11. Juni 2011 at 16:01

    1. Der Großteil unseres Rechts geht noch auf Quellen zurück, als mit parteipolitischem Denken noch nicht viel los war. Römische, napoleonische und preußische Rechtsordnung orientieren sich an Persönlichkeiten und ihrer relativen Funktion im Staatsgebilde, aber nicht an Parteien. Sie möchten sich eine wirkliche Parteienausrichtung in Deutschland nicht vorstellen, so eine, wie es sie z.B. in vielen lateinamerikanischen Ländern gibt. Beispiel gefällig? Wenn bei uns der Dekan oder die Rektorin abgelöst werden und der von der anderen Seite das Gesicht nicht gefällt, darf sich derjenige nach einem neuen Job umsehen. (Da kommen dann noch die amerikanischen Kündigungsnichtfristen zur Geltung.)

    2. Haben Sie schon einmal einen Moment darüber nachgedacht, dass sich vielleicht nicht jeder Urheber von geistigem Eigentum vom moralischen bewegten Mitleid der Nutzer abhängig machen will? Nur deshalb, weil der Nutzer nicht bereit ist, transparent in den Markt zu treten? Geistiges Eigentum als Produkt der eigenen Arbeit ist nicht absurd, sondern genauso legitim wie ein Tischbein als Produkt des Drechslers. Absurd sind eher solche Ansätze wie eine Kulturflatrate, bei der das Angebot ausgehebelt und der Preis allein durch den Nachfragenden bestimmt wird. Rel. dazu wäre dann eine Möbelflatrate, bei der der Drechsler nicht mehr aufgrund des Aufwandes und der Wertigkeit anbietet, sondern nur noch nach gusto der Möbelshopper anteilig ein bisschen mehr oder weniger aus dem Topf verteilt bekommt. Tischbeine (Drechsler): 1 Punkt, Tischplatte (Schreiner): 12 Punkte. Man nimmt also dem Produzenten (dem Arbeiter) sein Recht am eigenen Produkt, bloß weil es den Kunden nicht mehr passt, bei einem ungenehmen Angebot auszuschlagen. Das führt ja zu einer fast feudalen Abhängigkeit der geistig Schaffenden vom Zuwendungsinteresse der anderen. Das erinnert mich im günstigen Fall an das Künstlerbeamtentum im mittelalterlichen China, im ungünstigen eher an Kuba oder die UDSSR.

    Eine Kulturflatrate wird übrigens kaum den „Kleinen“ gegen die die „Großen“ helfen, da die großen Unterhaltungskonzerne durch ihr breites Sortiment und ihre Marktmacht wohl mehr oder weniger immer ihren Schnitt machen werden, während die kleinen geistig Schaffenden in eine Anhängigkeit von der Mode geraten. Das Internet strebt eben kein „neue[s] kulturelle[s] Interesse“ an; das Internet strebt gar nichts an, es ist ein Netz zwischen Menschen, die etwas anstreben. Je mehr und mehr also alle Menschen sich an dieses Netz anbinden, umso mehr gibt es im Internet die gleiche Interessenlage wie überall sonst auch. Das Internet hat keine Unschuld zu verlieren, es hat keine moralische Überlegenheit, es ist nicht modefrei. Das Internet macht nichts besser, weil es nichts macht.

     
  9. Derek Jefferson

    11. Juni 2011 at 16:51

    Jawohl- Sir
    Werde es einmal mit Nachdenken versuchen- Sir
    Werde auch einmal meine Rechtsschreibung überprüfen- Sir.

    Wegtreten- Sir?

     
  10. studerpr99

    13. Juni 2011 at 12:12

    @VonFernSeher

    Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich die Kommentare in diesem Blog zu bewerten habe- eines jedoch erscheint mir offenbar: Es scheint eine Kommentarmentalität der Gunslinger zu sein. Nachdem ich versucht habe ihre eigenen Internetauftritte zu studieren, frage ich mich, warum Sie sich nicht in die Lage versetzt sehen, ihren eigenen sittlichen Anforderungen nachzukommen- zumal Ihre Internetseite sehr engagiert scheint.
    Zunächst: Sie schreiben> 1. Der Großteil unseres Rechts geht noch auf Quellen zurück, als mit parteipolitischem Denken noch nicht viel los war.
    Diese Belehrung an Herrn Jefferson ist wohl überflüssig, denn das ist nicht das Wesen des römischen Rechts. Das römische Recht fußt auf dem Schutz des individuellen Eigentumes. Wobei hier berücksichtigt werden muss, dass dieser Schutz zunächst überhaupt der historische Versuch einer Anerkenntnis der Individualität selbst ist. Und zwar unabhängig davon, ob die Individualität einer gesellschaftlichen Forderungen gegenüber im Recht ist- oder nicht. Dies ist heute noch am deutlichsten im Erbrecht abzulesen. Die napoleonische- bzw. preußische Rechtsordnung bearbeitet allerdings dieses Faktum in ihrem jeweiligen Rechtsverständnis.
    Ein Beispiel gefällig?
    Ob sich Herr Jefferson in seinem Text an Parteien orientiert, ist nicht ersichtlich- sondern er weist darauf hin, dass in einem kulturellem Leben der allgemein menschlicher Belange (vermute ich) parteiliches Denken keinen Platz hätte. In allgemein- menschlicher Belangen ist es auch richtig davon zu sprechen: Das ein einseitiges wirtschaftliches Interesse aus diesen Belangen ausgeschlossen bleiben sollte.
    Ihr Satz in diesem Zusammenhang: „Wenn bei uns der Dekan oder die Rektorin abgelöst werden und der von der anderen Seite das Gesicht nicht gefällt, darf sich derjenige nach einem neuen Job umsehen. (Da kommen dann noch die amerikanischen Kündigungsnichtfristen zur Geltung“
    …………ist unverständlich. Allein Ihr Hinweis auf die amerikanischen Kündigungsfristen macht hier wieder einigermaßen Sinn-zumal Herr Jefferson in seinem Nachtrag darauf hinwies.
    Sie schreiben: 2. „Haben Sie schon einmal einen Moment darüber nachgedacht, dass sich vielleicht nicht jeder Urheber von geistigem Eigentum vom moralischen bewegten Mitleid der Nutzer abhängig machen will? Nur deshalb, weil der Nutzer nicht bereit ist, transparent in den Markt zu treten? Geistiges Eigentum als Produkt der eigenen Arbeit ist nicht absurd, sondern genauso legitim wie ein Tischbein als Produkt des Drechslers. Absurd sind eher solche Ansätze wie eine Kulturflatrate, bei der das Angebot ausgehebelt und der Preis allein durch den Nachfragenden bestimmt wird“
    Es ist im Text von moralisch bewegten Mitleid überhaupt nicht die Rede- sondern von der Verpflichtung zum Nachdenken: Über Finanzierungen, die nicht mehr an die etablierten Strukturen zwangsläufig gekoppelt sind. Ihr Hinweis, ob Herr Jefferson „schon einmal auch nur einen Moment nachgedacht hat“ sei einmal als eine Unverschämtheit dahingestellt. Ihre Relation im Beispiel der Möbelflatrate erledigt sich dadurch, als das die Wertigkeit eines Produktes schon längst nicht mehr bestimmt wird dadurch, das sich jemand hierin ein moralisches Urteil gestattet und die „In- Transparenz“ ein Signum aller Beteiligten ist- nicht nur die des Kunden. (Ob jemand suggestiv wirken will ist also ist das Eine, will er an das Bewusstsein appellieren, werden sein Marktchancen deutlich geringer. Verlassen Sie sich darauf)
    Die feudale Abhängigkeit ist längst übernommen- sie ist aber nicht mehr feudal im alten aristokratischen Sinne, sondern feudal in der Abhängigkeit wie ihn nur ein Materialismus erzeugen kann. (Der Feudalismus scheint mir nur umgezogen zu sein- aber nicht abgeschafft)
    Was dem geistigen Schaffen entspringt, kann im allgemein menschlichen Belange nicht den Produktmerkmalen (wie sie bei uns etabliert sind) unterworfen werden. Das Ergebnis eines denkerischen Vorgangs, im geistigen Vorgang, ist allen Menschen zu übergeben. Wie wollen Sie das sonst machen? Wollen Sie sich einen Herder, oder Heine patentieren lassen, etwa, weil Sie Ansichten haben und daraus Rechtsansprüche konstruieren? ( In der Biogenetik ist das ja schon guter Ton) Und noch etwas: Das Internet hat im freiheitlichen Sinne durchaus eine Unschuld zu verlieren. Und, wenn das Internet in ihren Inhalten keine moralische Überlegenheit gewinnt, wer gewinnt denn dann, eine parteipolitische Ausrichtung?
    Ein Zuwendungsinteresse übrigens, an den „Ergebnissen der geistig Schaffenden“ ist immer eine moralische Frage. An was Sie das erinnert, sei einmal einfach dahingestellt.
    Kurzum: Ihre Antwort auf die im Grunde wohlwollend formulierten Gedanken Herrn Jeffersons lassen mich immerhin Ihrer Argumentation folgen, dass das Internet, beziehungsweise ihre Kommentatoren, der Mode unterworfen sind. Hier eine Empfehlung: Setzen Sie doch einmal „diesen Ton“ in das Impressum Ihrer eigen Internetseite ein und warten Sie geduldig auf Wohlwollen.
    Mit allem Respekt

     
  11. VonFernSeher

    15. Juni 2011 at 23:33

    Zuerst einmal freut es mich, dass Sie „versucht“ haben, den Blog zu studieren. Welche sittlichen Anforderungen meinen Sie denn und wo komme ich diesen nicht nach? Und was genau fehlt Ihnen in meinem Impressum? (Bin fast so gespannt wie der Hahn meines nicht vorhandenen Colts, aber ich besitze Mundharmonikas…)

    In meiner Erwiderung (Belehrungen möchte ich keine erteilen, fragen Sie hierfür ihre örtliche Pausenaufsicht oder Kriminalpolizei) ging es um genau unser Rechtssystem, in dem Derek Jefferson ein „Erfüllungsorgan des gegenwärtigen, wirtschaftlichen, bzw. politisch- parteilichen Denkens“ sieht und darum, dass er schlussfolgert, dass man zur Beseitigung dieses Denkens noch mal über das geistige Eigentum nachdenken sollte. Daraufhin stellt er fest, dass ein Produkt aus dem geistigen Eigentum absurd sei. Und weil er jetzt angeblich so schlüssig die Absurdität des Eigentums des Schöpfers am Produkt dargelegt hat, muss sich der Schöpfer bitteschön überlegen, wie er denn sonst das Essen auf den Tisch bringt. Bevor man es aber noch so weit kommen lässt (wäre ja noch schöner), bekommt der neuerdings Auskommenssuchende die Lösung vom Problemsteller direkt mitpräsentiert: die kulturlegende Wollmilchrate. Man schließt sich einfach an den Apparat an, pumpt seine Ergüsse hinein und hinten kommen bezahlbare demokratische Kulturgüter für alle und wohlhabende, weil basisdemokratisch bezahlte Kulturgütler heraus. (Fehlt noch, dass man aus der Punkteverteilung vom Vorjahr errechnet, wieviele und welche Kulturgüter denn in den nächsten fünf Jahren so benötigt werden. Und dass Doug Morris dann jeden Frühling einen Orden zur Planübererfüllung erhält.)

    Ein Zuwendungsinteresse für die geistige Schöpfung war noch nie eine moralische Frage. Vom altgriechischen Drama über die barocke Musik bis zum iPhone-Spieleprogrammierer war das individuelle Recht am Werk (und dessen teilweise oder gänzliche Veräußerung) schon immer der Lebensunterhalt der Schaffenden. Die Kontrolle des Schöpfers über sein Werk hat sich über die Jahrhunderte deutlich verbessert und zur Unabhängigkeit beigetragen. Eine Kulturflatrate (also eine branchenübergreifende GEMA mit „Like“-Knopf) ginge genau in die andere Richtung. In der Gestaltung eines Werkes bin ich erst dann frei, wenn ich entscheiden darf, wem ich es anbiete.

    Das Beispiel über die Gunst des Dekans oder der Rektorin zielte in die Richtung des parteilichen Denkens. Die Karriere eines Wissenschaftlers und/oder Hochschullehrers ist hier eben nicht von der Qualität seiner immateriellen Produkte, sondern vom Gutdünken der richtigen Seilschaften abhängig. Dies widerspricht als Praxisbeispiel doch ganz klar dem Gedanken, die Betrachtung geistigen Eigentums als Produkt des Schöpfers fördere oder stabilisiere parteiliches Denken. Nicht geistiges Eigentum ist absurd, sondern jener Gedanke.

    Die Fortführung eines absurden Gedankens ist indes nicht weniger absurd. Der Begriff des geistigen Eigentums ist mitnichten an irgendeine finanzielle Struktur geknüpft, sehr wohl aber an das Recht am Produkt. Die Kontruktion einer feudalen Abhängigkeit aus dem Begriff des geistigen Eigentums ist völlig abwegig, besitzt doch der Einzelne gerade dort die Produktionsmittel und das Recht am Produkt. Erst wenn man ihm mit einer Kulturflatrate vorschreiben will, wie er sein Produkt anzubieten und zu veräußern hat, gerät er in die Abhängigkeit. (Unverschämt ist es übrigens zu behaupten, ich hätte Derek Jefferson vorgeworfen noch nie einen Moment nachgedacht zu haben und dabei das kausale „darüber…,dass“ für die Attacke unter den Tisch fallen zu lassen.)

    Das Ergebnis eines denkerischen Vorgangs, im geistigen Vorgang, ist allen Menschen zu übergeben. Wie wollen Sie das sonst machen? Wollen Sie sich einen Herder, oder Heine patentieren lassen, etwa, weil Sie Ansichten haben und daraus Rechtsansprüche konstruieren?

    Abgesehen, dass das Patent nur dem Urheber und dem nur für technische Neuheiten zusteht, haben Sie, ohne es zu merken, den Sinn des Patents gut umrissen. Das positive Ergebnis „eines denkerischen Vorgangs“, also die Idee, gehört im Patent demjenigen, der es erdacht hat. Analog hält ein Urheber Rechte an seinem Werk und bestimmt, mit wem er sich unter welchen Bedingungen mit seinem Produkt einlässt. Mir gefällt es, mit meinen Ideen und meiner Arbeit daran freibestimmt mein Auskommen zu suchen. Genauso will ich das machen.

    @opalkatze
    Wenn du bis hierhin mitgelesen hast, tut mir das persönlich leid. Ehrlich.

     
  12. opalkatze

    16. Juni 2011 at 04:00

    Ich habe. Und kann mit Tucholsky („Alle haben ja so Recht.“) beider Seiten Anliegen verstehen, stehe aber natürlich auf der der Urheber, die zumindest seit geraumer Zeit – wenn nicht schon immer, weil merkantil womöglich unbegabter denn als Autoren oder Künstler – die Dummen sind. (Hach, wat’n schöner Satz).

    Als kleinen Ersatz für eine ausführliche Antwort empfehle ich das hier. Fasst gut zusammen, was ich meine. Die Links darunter sorgen für weiteres Diskussionsfutter (bei IGEL kann man sogar Pro und Contra direkt nebeneinander lesen).

     
  13. Robson Bottle

    16. Juni 2011 at 11:39

    Mich ärgert bei dem ganzen Diskurs – und ich meine den über dieses kleine Scharmützel hinausgehenden, gesellschaftlichen – die dauernden Begriffsverwirrungen. In der Diskussion um das Leistungsschutzrecht für Presseverleger bspw. werden die Verleger dauernd mit Urhebern gleichgesetzt, was sie in den wenigsten Fällen tatsächlich sind. Sie sind meist nur Nutzer, die von Urhebern eingeschränkte Nutzungsrechte erworben haben. Das Urheberrecht ist übrigens nicht veräußerbar. Urheber bleibt immer der Urheber.

     
  14. opalkatze

    16. Juni 2011 at 15:02

    Das ist genau das, was die Verleger beabsichtigen. Und Urheber bleibt Urheber? Dann lies mal das hier, das beschreibt sehr genau, wieviel Urheberschaft übrig und was sie wert ist.

     
  15. Robson Bottle

    16. Juni 2011 at 15:35

    Ja schlimm, was Michal zeigt.
    Könnte es sein, dass die Autoren, Urheber, Kreativen etwas zuwenig „müpfen“, wenn sie die Chance sehen veröffentlicht zu werden und deshalb ALLES unterschreiben? Und sind sie dann nicht selbst schuld?

     
  16. VonFernSeher

    16. Juni 2011 at 17:33

    @Robson Bottle
    Nach dem Buchstaben des Gesetzes ist das Urheberrecht tatsächlich unveräußerlich, man muss es aber häufig quasi teilweise hergeben, wenn man jemandem Nutzugsrechte einräumt. Denn sonst bleiben die Rechte, z.B. für einen Verlag oder eine Bildungseinrichtung, uninteressant. Das geht im Zeitungsgeschäft oft eindeutig zu weit und dann bleibt einem oft wohl nur noch die praktische Unterscheidung zwischen Urheber- und Nutzungsrecht: Man setzt seinen guten Namen nicht darunter.

    Dass von den Zeitungsverlagen so getan wird, als hielten sie Urheberrechte an den Werken (was heute meisten sogar nicht einmal mehr auf den Satz zutrifft), ist natürlich eine Unverschämtheit. Aber das hatten wir ja schon einmal alles.

     
  17. opalkatze

    16. Juni 2011 at 17:43

    @Robson
    Google mal mal „djv verdi“ und „BDZV“. Ganz aktuell sowie ‚was bisher geschah‘. Interessenvertretung? Da lachen ja die Hühner.

    Da Freie im Prinzip dieselben Probleme wie Feste haben, empfehle ich die Lektüre bei den :freischreibern – klein, aber engagiert.

     
  18. Robson Bottle

    16. Juni 2011 at 17:48

    @VonFernSeher
    Ja, klar alles.
    Aber wer war den nun gleich der Erfinder und Urheber des Rades, wie hieß der doch gleich und hat der davon leben können?

     
  19. Robson Bottle

    16. Juni 2011 at 17:55

    @opalkatze
    Danke für die :freischreiber !
    Sag`ich doch!
    Verträge richtig lesen (da führt kein Weg dran vorbei) und vor allem nichts unterschreiben, was man nicht gelesen hat! (egal ob fest oder frei)

     
  20. opalkatze

    16. Juni 2011 at 18:06

    … wenn ich erzählen würde, was ich über ‚Verträge lesen‘ erzählen könnte …

     
  21. Robson Bottle

    16. Juni 2011 at 18:11

    @opalkatze
    Ja, ich hab‘ auch schon ein paar gelesen und manche sogar unterschrieben, einige aber erst nachdem meine Änderungswünsche berücksichtigt waren.

     
  22. VonFernSeher

    16. Juni 2011 at 18:26

    @Robson Bottle
    Die 20 Jahre Patentschutz sollten wohl abgelaufen sein. Sie glauben aber doch nicht, dass der Steinzeitler keinen persönlichen Vorteil aus seinem Karren/seiner Töpferscheibe geschlagen hat?

     
  23. Robson Bottle

    16. Juni 2011 at 18:43

    @VonFernSeher
    Naturgemäß weiß ich nicht, ob der „Steinzeitler“ clever war, oder sich über den Tisch (nein, das Lagerfeuer) hat ziehen lassen, aber wenn man sieht, was z.B. Konrad Zuse von seiner Erfindung gehabt hat und was Andere (Gates, Jobs, Zuckerberg) durch ihre Klauereien verdient haben und noch verdienen …

     
  24. VonFernSeher

    16. Juni 2011 at 19:13

    Tische hat es wohl schon gegeben, aber wer weiß das schon so genau ;) [nein, Wikipedia nicht]

    Warum Zuse am Ende kein Milliardär wurde, möchte diese Hausarbeit zusammenfassen.
    Die Verhandlungsgeschick einzelner (-> Linsengericht) sollte aber doch nicht über die Geltung der Eigentums- und Besitzrechte bestimmen.

     
  25. VonFernSeher

    16. Juni 2011 at 19:19

    AARRGH Das Verhandlungsgeschick Einzelner (-> Linsengericht) aber sollte nicht über die Geltung der Eigentums- und Besitzrechte bestimmen.

     
  26. studerpr99

    17. Juni 2011 at 09:17

    AARRGH …………
    Na-langsam wird es ja.

     
  27. Robson Bottle

    17. Juni 2011 at 12:37

    @VonFernSeher
    Statt „Verhandlungsgeschick“ kann man durchaus hie und da auch „kriminelle Energie“ oder „Skrupellosigkeit“ sagen.

     
  28. VonFernSeher

    17. Juni 2011 at 13:43

    Einverstanden. Aber gegen das Urheberrecht spricht das immer noch nicht.

     
  29. Robson Bottle

    17. Juni 2011 at 14:04

    @VonFernSeher
    Wusste noch gar nicht, dass ich gegen das Urheberrecht sprechen wollte. Ich halte es nur für ärgerlich, dass das Urheberrecht zu verschwinden scheint, sobald der Urheber den Geschäftemachern Nutzungsrechte abgetreten hat. Aber das hatten wir ja alles schon.

     
 
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