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Frauenfußball

06 Jul

Schon als 4-jährige habe ich fleissig und zuverlässig wiederkehrend Scheiben eingetreten und konnte mir der Anteilnahme und Verteidigung durch meine Familie sicher sein. Obwohl ich kein Junge war (was gewisse Teile derselben ein kleines, aber wirklich nur ein winzigkleines Bißchen schade fanden), erzählte man der Nachbarschaft gerne, daß Vera, „dieser kleine Teufelsbraten“, wieder einmal im Fenster oder der Balkontür von Familie Sowieso den gegnerischen Kasten erblickt zu haben geglaubt hatte, in welchem sie das Leder schließlich versenkte. Mit Ende 14, Anfang 15 hatte ich zwar durchaus schon ganz andere Interessen, aber auch das große Glück, in Mönchengladbach direkt um die Ecke des legendären Fohlenstadions zu wohnen. Da die Spieler überdies regelmäßig ihre Knochenbrüche und sonstigen Leiden auf der Männerstation des nahe gelegenen Bethesdakrankenhauses auskurierten, auf der eine nahe Verwandte arbeitete, gab es immer Freikarten, und im Stadion haben wir en famille Pfostenbrüche, Büchsenwürfe und andere Dramen erlebt.

Nein, augenscheinlich bin ich nicht Sportreporterin geworden. Ich hab auch wirklich nicht den großen Durchblick beim Fußball. Aber ich verstehe genug davon, um mich gerade ziemlich doll zu ärgern.

Frauen machen Dinge anders als Männer. Auch Fußball spielen. Dabei hat niemand zu fragen, ob sie es ‚besser‘ oder ’schlechter‘ machen, nein!, sie machen es einfach nur anders. Das könnte unter Umständen daran liegen, daß sie Frauen sind. Keine Männer, keine Automaten, keine gleichgeschalteten Irgendwasse.
Mir macht es viel Spaß, die Spiele anzusehen, und ich rege mich genau so auf und freue oder ärgere mich genau so wie bei allen anderen Sportarten mit allen anderen Sporttreibenden, an denen ich Interesse habe. Nebenbei: Die deutschen Fußballnationalmänner bekommen fürstliche Gehälter, die ihnen ein gutes Leben ermöglichen, während die Frauen großenteils für weit weniger Geld im Hauptberuf arbeiten gehen müssen.

Das ärgert mich. Mich ärgert auch, daß eine wunderbare Fußballerin wie Birgit Prinz, die es bestimmt nicht eben wahnsinnig leicht hatte, jetzt abgewertet wird, weil eine konstante sportliche Hochleistung nur für einige kurze Jahre möglich ist. Ebenfalls ärgert mich diese nervige Berichterstattung nach dem Motto, „wer Frauenfußball nicht gut findet, ist antifeministisch“. Das ist ebensolcher Blödsinn wie die bemühte, sogenannte politisch korrekte Berichterstattung. Lasst doch einfach denen, die es wollen, ihren Spaß an der Freud, und die, denen es nicht gefällt, sollen es eben bleiben lassen. Messt nicht mit unterschiedlichen Maßstäben oder vergleicht Äpfel mit Birnen. Chacun à son goût.

Macht euch mal locker.

 
9 Kommentare

Verfasst von - 6. Juli 2011 in Frauen, Kultur, Leben, Mensch bleiben

 

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9 Antworten zu “Frauenfußball

  1. VonFernSeher

    6. Juli 2011 at 21:08

    Der einzig zulässige Vergleich wäre doch der, wenn eine Damen- gegen eine Herrenmannschaft antreten würde (gab es häufiger/gibt es noch vereinzelt auf dem Land in einigen Jugendligen mangels eigener Damenliga). Aber ich bin sowieso nicht fanatisch genug für das ganze Nationalmannschaftsherumgedöns; ich gucke dann, wenn ich Lust und Zeit habe. Für Latinos ist das zumeist eine sehr unverständliche Einstellung. Die waren erstaunt, als ich vor Panama-Deutschland nicht mal eben eine Einschätzung der deutschen U17-Herrennationalmannschaft bereit hatte.

     
  2. AlterKnacker

    6. Juli 2011 at 22:14

    Seit ich 2003 das Supertor bei der WM von Ina Künzer gesehen hab, bin ich Fan, aber nicht fanatisch.
    Seit aber im ZDF eine Frau die Spiele kommentiert, drehe ich dort den Ton auf minimalst, damit ich dieser Zicke nicht zuhören muss, aber wenigstens die Tore mitbekomme.

     
  3. altautonomer

    7. Juli 2011 at 09:19

    Drei Bemerkungen:
    1. Ich sehe keine Fussballbegeisterung, sondern mehr eine medial gesteuerte Neuauflage nationalen Taumels.

    2. Ein wichtiger Unterschied zwischen Männer- und Frauenfussball, sehe ich darin, dass für Jungen der Fussball eine andere identifikationsstiftende Wirklung hat, als für Mädchen.

    3. Das Rad und der anschließende Rückwärts-Salto der brasilianischen Spielerin Martha nach ihrem letzten Tor würde bei manchen deutschen Bundesliga-/Nationalspieler direkt in den Rollstuhl führen.

     
  4. Robson Bottle

    7. Juli 2011 at 10:15

    Das Spiel Frankreich-Deutschland am Dienstag hat mir sehr gut gefallen! D.h. ich habe die ganze Zeit, in Spannung versetzt, zugeschaut! Es gibt übrigens bei den Männern auch langweilige (schlechte) und spannende (gute) Spiele. Es will mir aber manchmal scheinen – und zwar im ganzen Drumherum-Tamtam – dass die Fußballerinnen (genau wie die involvierten Medienfrauen) allzu oft den Eindruck erwecken, es auf Teufel-komm-raus den Männern nachmachen zu müssen und dann eben auch naturgemäß vieles Dummes verzapfen, in ihren Gesten, Sprüchen, in der Körpersprache und auch in den z.T. unsäglichen Werbeauftritten. (Ich denke vor allem an die Bild-Zeitungs-Testimonialwerbung: Zitat: „Die Bild-Zeitung ist die beste Zeitung, die wir haben.“- was mich aus Ärger fast davon abgehalten hätte, das schöne Spiel s.o. anzuschauen) Wenn sie da doch sich das mehr zu Herzen nehmen würden, was opalkatze schon als gegeben konstatiert, nämlich es „anders“ und vielleicht sogar besser zu machen, dann wär‘ das alles eine runde Sache. (Die Medien-Männer machen übrigens häufig die schlechteste Figur. Die wissen offenbar immer noch nicht, wie sie mit Frauenfußball umgehen sollen. Ich denke z.B. an Norbert König vom ZDF, der da in einer Drum-Herum-Sendung aus Augsburg von der Moderatorin aufgefordert „ein wenig mit dem Ball zu dribbeln“, mit einem männliche Überlegenheit suggerieren sollenden „eigentlich-spiel-ich-ja-sonst-mit-den-Männern-Lächeln“ extrem dilettantisch und unfreiwillig komisch mit dem Ball durchs Bild gehüpft ist.)

     
  5. Robson Bottle

    7. Juli 2011 at 10:26

    Das mit dem einzig möglichen zulässigen Vergleich ist Quatsch. Das muss nicht verglichen werden. Genausowenig müssen 100-Meter-Sprinterinnen gegen 100-Meter-Sprinter antreten, um zu beweisen, dass sie rennen können. Auch im Biathlon z.B. sind Frauen und Männer gleichermaßen anerkannt, ohne dass sie gegeneinander antreten.

     
  6. Robson Bottle

    7. Juli 2011 at 10:32

    Die männlichen Fußballkommentatoren finde ich oft wesentlich peinlicher, sogar bei Männerfußball.

     
  7. VonFernSeher

    7. Juli 2011 at 16:23

    Das wird aber verglichen, weil sie einfach auf dem Platz gegeneinander spielen. Es käme ja auch keiner auf die Idee die A-Nationalmannschaften gegeneinander antreten zu lassen. Aber in den kleinen Ligen ist das halt so: Entweder die Mädels (und ihr Familientross) fahren zweimal die Woche quer durchs ganze Bundesland oder sie spielen auch mal gegen die Jungs. (Und glauben Sie nicht, dass die dann nur verlieren.)

     
  8. ego

    7. Juli 2011 at 20:53

    Ja lieber Ballack, es geht auch anders. Die hart kritisierte Birgit Prinz bricht ihr Schweigen: Ganz offen gibt die Rekordnationalspielerin zu, außer Form zu sein und unter dem hohen Druck gelitten zu haben. Damit erweist sich die Kapitänin endgültig als Führungsfigur. Das spricht für ein gesundes Ego. Weiter so.

     
 
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