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Erinnert sich noch jemand an Glaubwürdigkeit?

20 Jul

Früher hieß das mal „vertrauenswürdig“. Wenn bestimmte Personen oder Medien etwas bekannt gaben, war es zwar womöglich subjektiv gefärbt, aber man wußte, was davon zu halten war. Wenn derzeit etwas über Politik, Banken oder Libyen, über Apps, ein Leistungsschutzrecht oder Google+ verlautbart, ist eher Ungläubigkeit angebracht. Und es wird immer schlimmer.

Hat es damit zu tun, daß die Politik in Wirklichkeit von der Deutschen Bank, Branchenlobbies und Medienkonzernen gemacht wird? Und daß die Politiker nur so tun, als wären sie Volkes Vertreter?

Ganze Länder werden kaputtbeurteilt, weil die Banken und ihre Verbündeten tun und lassen können, was sie wollen. An befreundete Regimes werden Waffen geliefert, die sie bei Bedarf gegen ihr Volk einsetzen können. Sie vertreten schließlich auch unsere Interessen, da darf man ruhig mal Zugeständnisse machen.
Die Terrorgesetze dienen unser aller Sicherheit, da kommt es auf den einen oder anderen Eingriff in die Bürgerrechte nicht großartig an. Dabei dürfte den Meisten klar sein, daß bedeutend mehr Menschen im Straßenverkehr oder durch Infektionen in Krankenhäusern als durch Terrorangriffe sterben und daß man gegen Terror keinen Krieg führen kann. Darum heißt er ja so. Videoüberwachung, Vorratsdatenspeicherung, Flugdaten, Bankauskünfte, Grenzkontrollen, länderübergreifende Überwachung – der Beispiele sind Legion. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Hängt es damit zusammen, daß es auch im Kleinen längst mehr um Profit als um Anliegen geht? Die Verleger wollen möglichst den ganzen Kuchen für sich und versuchen ihn mit fadenscheinigen Wortkonstruktionen in Rundfunkstaatsverträgen oder scheinbar zu Gunsten der Urheber zu ergattern. Blogs sollen sich an SEO-Maßstäben orientieren statt an guten Inhalten und Lesbarkeit. Statt Persönlichkeit haben wir ein Profil. Ein guter Ruf, entstanden durch Fleiß und erworbene Glaubwürdigkeit, genügt nicht mehr, man kauft sich lieber reputation management.

Knautschfreies Neusprech, der schöne Schein, die Macht der Bilder sind längst wichtiger als verlässliche Informationen, anhand derer man vernünftig urteilen oder planen könnte. Das Gefühl, betrogen zu werden, ist allgegenwärtig. Nur Aussagen wie „das Gras ist grün“ scheinen noch glaubwürdig zu sein, und selbst das ist eine alte philosophische Frage.

Die Scheinwelt wird immer glaubhafter, weil sie allgegenwärtig ist und Bildung nur noch unter „ferner liefen“ abgehandelt wird. Alles soll hübsch, wohlgelungen und erfolgreich wirken, leicht verdaulich sein und möglichst auch noch einen Mehrwert haben.
Obwohl wir über Informationen in einer Fülle verfügen wie keine Generation vor uns, haben wir doch nicht die Mittel, beispielsweise von Politikern ehrliche Antworten zu erhalten. Niemand wird uns irgendwelche ungeschönte Fakten nennen. Im Gegenteil wird die Datenfülle auch dazu benutzt, uns künftig noch besser zu beeinflussen oder gleich zu überwachen, damit wir die Plastikwelt nicht Lügen strafen und so etwa Macht oder Gewinne gefährden.

Nehmen wir all das Plastik überhaupt noch wahr? Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser.

 
 

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7 Antworten zu “Erinnert sich noch jemand an Glaubwürdigkeit?

  1. rauskucker

    20. Juli 2011 at 17:32

    Hei Russa russassa
    trägt Waffen jetzt der Bauersmann.

    kennst du den?

     
  2. opalkatze

    20. Juli 2011 at 17:55

    Nee, dazu fällt mir bloß Luther ein. Der Zusammenhang erschließt sich mir nicht ganz?

     
  3. rauskucker

    20. Juli 2011 at 19:47

    Luther ist gut. Bauernkriege. Proletenpassion
    Versuch grad verzweifelt das hochzuladen …erstmal finden…habs nur im Kopf

     
  4. rauskucker

    20. Juli 2011 at 21:08

    [audio src="http://www.rauskuck.de/images/ton/12%20Artikel%20der%20Bauern.mp3" /]

     
  5. Corenn Nuavar

    21. Juli 2011 at 22:25

    Die Frage, ob wir das ganze Plastik noch wahrnehmen, ist vermutlich wirklich berechtigt. Ich bin mir manchmal auch nicht mehr so sicher, ob wir uns an die ganzen Nebelkerzen nicht schon so sehr gewöhnt haben, dass wir vergessen haben wie klare Luft aussieht. :(

     
  6. Angela

    15. September 2011 at 20:49

    Zu Libyen und der Glaubwürdigkeit, lesenswert: http://www.zeit.de/2011/37/Libyen/komplettansicht

     
 
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