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Dortmund: Darf’s ein Viertelpfund mehr sein?

04 Sep

Jeder macht’s auf seine Weise, der Eine laut, der Andre leise. Die tagesschau zum Beispiel sendet einen Bericht, der in etwa dem entspricht, was ich auch von Bekannten gehört habe. Bei Bayern3 Videotext hört sich das so an:

(Bayerntext 4.9.11, Seite 119. Btw, ich hab das auch noch als Foto.)
  • Es haben etliche Blätter und Onliner die Pressemitteilungen der Dortmunder Polizei übernommen, zum Teil, ohne sie auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und ohne redaktionelle Bearbeitung. Ein weiterer Beleg für die absolut alternativlose Notwendigkeit eines Leistungsschutzrechts

    Die Pressemeldungen der POL-DO Lfd. Nr.: 1003 bis 1011, auch hier aufgenommen.

 
8 Kommentare

Verfasst von - 4. September 2011 in Kaffeesatz, Medien, Politik

 

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8 Antworten zu “Dortmund: Darf’s ein Viertelpfund mehr sein?

  1. altautonomer

    4. September 2011 at 08:12

    An die Lokalzeit Dortmund des WDR habe ich gestern folgendes gepostet (ähnlich auch unter „gerdos“ bei den Ruhrbaronen):

    Zum Interview mit dem Polizeipräsidenten Schulze, Dortmund: Das war ganz schlechter Journalismus. Auf die Frage zu den Twittermeldungen, dass die GeSa-Gefangenen schlecht behandelt würden, hat Herr Schultze geantwortet, dass er diese Behauptung seit dem Jahre 2000 höre. Das wäre aber nicht der Fall, Jugendliche und Erwachsene würden getrennt.

    Ohne Sie jetzt mit Einzelheiten zu traktieren, hätten Sie hier nachfragen müssen. Ich war im Jahr 2000 in einem der Käfige und habe erlebt, dass eine ganze Klasse samt Lehrer einer Unnaer Gesamtschule in meinem Käfig gefangen gehalten wurde. So lernten die Kids, die sich im Rahmen des Gemeinschaftskundeunterrichts einmal an einer Demo beteiligen wollten, Demokratie. Ein 13-jähriges Mädchen aus Münster wurde erst nach 22.00 Uhr aus der GeSa entlassen. Diese Beispiele mögen genügen.

    Fragen Sie doch einfach mal einen vermummten Polizisten, wie er es später seinen Enkeln erklärt, dass er sein Geld damit verdient hat, Jungfaschisten, die sich positiv auf das 3. Reich und Adolf Hitler beziehen, die Strasse freizuprügeln.

    Zornige Grüße von
    g. k.

     
  2. Sabine Engelhardt

    4. September 2011 at 11:23

    Also einmal „am Rande“ und einmal „1.500“. 1.500 Krawallos wären nicht „am Rande“, dann hätte es schon eine Millionen-Demo sein müssen. Über die Teilnehmerzahl dagegen erfährt man so gar nichts. Ich hatte nur was von 700 – 750 Nazis gelesen.

    Es ist irgendwie immer dasselbe: Man nimmt die Berichte der Polizei und die von Indymedia (nein, ich hab da jetzt nicht geguckt, ist eher allgemein gemeint), und irgendwo in der Mitte — bei einer großen Definitionsbreite von „Mitte“ — findet man dann vielleicht sowas wie die Wahrheit …

    Generell sind Krawalle allerdings keine gute Idee, wenn man mit einer Demo was erreichen will. Die friedlichen Sitzblockaden in Dresden und anderswo erreichten ihr Ziel auch so. Die andere Seite ist, daß über Demos häufig nur noch berichtet wird, wenn es da auch „ordentlich knallt“, ansonsten finden die Qualitätsjournalisten sowas vermutlich langweilig. Ich bin schonmal gespannt, ob in diesem Jahr die Teilnehmerzahlen der Freiheit statt Angst eher heruntergelogen werden, oder ob die Demo in den Massenmedien mal wieder ganz ignoriert wird. Beides hatten wir schon. Auch die FsA ist für die Qualitätsjournalisten nur interessant, wenn da Schwarzgekleidete verprügelt werden (wer wen angegriffen hat, ist dann nicht mehr so wichtig).

    Ich war übrigens gestern auch in Dortmund, aber nicht bei den Demos, sondern beim Twittagessen. Das große Polizeiaufgebot am Hauptbahnhof Dortmund war auch auf dessen Rückseite nicht zu übersehen, große grüne Wannen standen in zwei Reihen auf dem Durchgang zur Stadt.

    Auf dem Weg zurück ließen sie XiongShui, der ja Rollstuhlfahrer ist, durch den ersten erreichbaren Eingang in den Hauptbahnhof, während ich genötigt wurde, einige Meter weiter rechts reinzugehen — ohne daß das einen Unterschied gemacht hätte. Keiner von uns wurde weiters eines Blickes gewürdigt, geschweige denn angehalten, befragt oder gar durchsucht, man hätte mich also zum selben Eingang reinlassen können. Ich hatte mich schon bewußt „unpolitisch“ gekleidet, also kein T-Shirt mit Spruch oder so gewählt, aber ich hatte halt auch die Fototasche umhängen, die als solche eindeutig erkennbar ist.

    Auch in Düsseldorf gab es bereits erhöhte Polizeipräsenz. Ich kam von der Rückseite aus an den Düsseldorfer Hauptbahnhof, da stand ein ganzer Pulk Damen und Herren in blau, allerdings ohne erkennbare (größere) Bewaffnung. Im Bahnhof selbst habe ich aber nicht mehr Personal als sonst gesehen. Als ich zurückkam und diesmal den Bahnhof auf der Vorderseite verließ, stand da noch ein einzelnes Polizeiauto (PKW).

    Wenn ich von Polizeikesseln lese, in welchen auch Kinder und Jugendliche waren, wird mir aber auch ganz anders. Wir hatten gestern in Dortmund definitiv mehr als 30 °C. Ich würde gern mal wissen, wieviele der Kids da drin umgekippt sind oder kurz davor waren.

     
  3. VonFernSeher

    4. September 2011 at 22:12

    Ich hasse es immer wieder auf diese dumpfen Formulierungen eingehen zu müssen. Es muss für die polizeiliche Bewertung der Demonstration völlig ohne Belang sein, wieviele Gegendemonstranten sich finden werden. Es muss jedem Polizisten egal sein, ob die, deren Demo er da bewacht, Rechte oder Linke, Gewerkschaftler oder Firmenbosse, Gute oder Böse sind. Sonst macht er seinen Job nicht. Es müssen ihm alle gleich sein, solange sie sich an die Regeln halten.

    Dass das manchmal schwer zu ertragen ist, ist kein Grund dafür das aufzugeben. Und wer sich die Meinungsfreiheit des anderen nehmen lässt – egal, wie dumm seine Meinung sei – hat sich innerlich schon von den „Jungfaschisten“ besiegen lassen. Wäre ich Polizist, könnte ich es sehr gut mit meinem Gewissen vereinbaren, auch Rechtsradikalen das Demonstrationsrecht zu gewährleisten, wenn sie sich an die Regeln halten. In einem Land, in dem ich das meinen Enkeln nicht erklären kann, möchte ich nicht leben.

    Das unverhältnismäßige Vorgehen der Polizei gegen friedliche Gegendemonstranten bleibt Unrecht, egal ob es sich dabei um Linke oder Rechte, Gesamtschüler oder Kegelvereine handelt.

     
  4. altautonomer

    5. September 2011 at 08:21

    VonFernSeher: „Es müssen ihm alle gleich sein, solange sie sich an die Regeln halten.“

    Über diese bürgerlich verfassungspatriotische Sichtweise auf „Rinks gleich Lechts“ will ich mich auch nicht mehr aufregen. Deshalb nur zwei kurze Anmerkungen:

    1. »Das alles wird ›rechtsstaatlich‹ verlaufen, so daß die Mehrheit den fließenden Übergang vom Rechtsstaat zum Unrechtsstaat … gar nicht bemerken wird.« ehemaliger Düsseldorfer Polizeipräsident, Hans Lisken, zit. nach Rolf Gössner, jW vom 11.09.2006

    2. Zur Gleichsetuung von linker und rechter Gewalt: http://youtu.be/xEqpzJZoQQg

    Ferner trifft der Kommentar unter Nr. 5 bei den Ruhrbaronen der Kern der Sache. http://www.ruhrbarone.de/dortmund-darfs-ein-viertelpfund-mehr-sein/

     
  5. altautonomer

    5. September 2011 at 08:45

    Auf diesem Video http://youtu.be/wd32-wrxT_k ist zu sehen, dass eine Sachbeschädigung durch Gegendemonstranten von dem Fahrer des Polizeifahrzeuges mit versuchter Tötung beantwortet wird. Er fährt mit einem Schlenker direkt in die ihm entgegenkommenden Personen hinein, die noch so eben beiseite springen können. Wo bleibt die Strafanzeige? Das war Absicht.

     
  6. altautonomer

    5. September 2011 at 13:20

    VonFernSeher: „Wäre ich Polizist, könnte ich es sehr gut mit meinem Gewissen vereinbaren, auch Rechtsradikalen das Demonstrationsrecht zu gewährleisten, wenn sie sich an die Regeln halten.“

    Darf ich das so interpretieren: Wären Sie Polizist, würden Sie Neonazis, die sich positiv auf Hitler, Göbbels, die deutsche Wehrmacht und das 3. Reich beziehen, den Holocaust leugnen oder relativieren, die Bilder, Namen und Adressen von Antifas ins Internet stellen und zu Jagd freigeben,
    das Recht auf Meinungsäußerung gewährleisten? Sie würden also ausgerechnet denjenigen, die die Demokratie erklärtermassen abschaffen wollen verfassungsmäßige Rechte garantieren?

    Und ich rede jetzt absichtlich nicht von den Gewalthandlungen der Rechten.

     
  7. VonFernSeher

    5. September 2011 at 19:43

    (auch auf den obigen Kommentar)

    1. Sie müssen etwas genauer lesen, besonders das, was Sie dann noch einmal zitieren: solange sie sich an die Regeln halten. Und die schließen bei uns körperliche und seelische Gewalttaten und Volksverhetzung aus. Was denn sonst außer die Durchsetzung gemeinschaftlicher Regeln sollte wohl der Job eines Polizisten sein?

    2. „Sie würden also ausgerechnet denjenigen, die die Demokratie erklärtermassen abschaffen wollen verfassungsmäßige Rechte garantieren?“

    Nein, nicht ausgerechnet, sondern auch, genau wie jedem anderen. Sie müssen auch keinen Punkt suchen (Holocaust, Antifas hetzen, etc.), wo ich aus meinem Konzept aussteige. Den gibt es nicht. Ich führte jeden dem Recht zu, auch Hitler, Kim und wen Sie sich aussuchen.

     
 
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