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Piraten: Glückwunsch! Aber –

18 Sep

Die berliner Piraten haben einen klasse Wahlkampf gemacht und ihr tolles Ergebnis auch mit vielfältiger Hilfe der etablierten Parteien erreicht. Dazu ganz herzlichen Glückwunsch!

Seit 17:30 sehe ich mir die Wahlberichterstattung auf Phoenix an und bin – vorsichtig ausgedrückt – erstaunt ob des Gestammels und der sachlich falschen Angaben der Kommentatoren über die Piratenpartei. Dass Politiker wie Klaus-Uwe Benneter (SPD) die Wahl der jungen Partei für „Jux und Dollerei“ hält, ist legitim, schließlich müssen die alten Parteien ihre Wählerstimmen künftig auch mit den Piraten teilen. Dass Journalisten aber hörbar und sichtlich herumdrucksen und Unfug verbreiten, obwohl der Einzug der PP ins Rote Rathaus seit Tagen und Wochen absehbar war, ist unter aller Kritik. Es gibt genügend Ansprech- und Interviewpartner, genügend Material im Netz, es war ausreichend Zeit, zu recherchieren. Das ist ein Armutszeugnis.

Ebenso hat mich die Aussage geärgert, die Piraten hätten die #Zensursula-Aktion losgetreten. Das stimmt so nicht. Daran waren viele Organisationen, Vereine und Privatleute beteiligt, nachzulesen beim AK Vorrat, bei Netzpolitik und an vielen anderen Stellen. Die Piraten neigen dazu, alles zu entern und auch Dinge für sich zu reklamieren, an denen sie sicher erfolgreich beteiligt waren, die sie aber keineswegs alleine zu verantworten haben. Wenn es ihnen jetzt gelingt, den Bundesbürgern außerhalb Berlins bis zu den nächsten Wahlen zu erklären, wofür sie tatsächlich stehen, mag sich dieses Kaperverhalten positiv auswirken.

 
16 Kommentare

Verfasst von - 18. September 2011 in Journalismus, Medien, Netzpolitik, Politik

 

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16 Antworten zu “Piraten: Glückwunsch! Aber –

  1. Kixka Nebraska (@Kixka)

    18. September 2011 at 19:40

    Wie ich eben bei Don Dahlmann las: Selbst die offizielle Seite der (immerhin gegenderten :) „Landeswahlleiterin Berlin“ ist auf die Piraten nicht vorbereitet: Die „Sonstigen“ liegen bei beeindruckenden 18 Prozent, weil für die Piraten kein separater Balken vorgesehen ist…
    http://www.wahlen-berlin.de/

     
  2. AlterKnacker

    18. September 2011 at 19:42

    Die sogenannten etablierten Medien und auch die dort kommentierenden und schreibenden Journalisten haben ihre Hausaufgaben einfach nicht gemacht und sind durch Frau Merkel so in die Pflicht genommen, den €uro zu retten, dass sich solche Nachrichten ganz locker quasi ‚verspielen‘.

     
  3. Angela

    18. September 2011 at 20:43

    Die Piraten (9,7%) und die FDP (1,8%): http://bit.ly/qnFTpv .

     
  4. Melanie Brell

    18. September 2011 at 21:11

    Es wäre gut, wenn sie sich gegen den Gender Mainstream Wahnsinn stellen würden!!! Aber leider unterstützen sie es ja noch…

     
  5. opalkatze

    18. September 2011 at 22:55

    Hab’s gesehen. Auch wahlen-berlin.de klemmt …

     
  6. Angelika

    18. September 2011 at 23:38

    > Das ist ein Armutszeugnis. <
    yo/JA, würde ich meinerseits genauso "mit unterschreiben" ;)

    waren halt auch mE sog. protestwähler, die die PP speziell/jetzt in Berlin gewählt haben

    (vgl. zB http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/09/17/wahl-in-berlin/

     
  7. VonFernSeher

    19. September 2011 at 03:03

    Man muss sich beim „Wahltool“ des ZDF einfach nur mal die Wähler dem Alter nach ansehen und stellt für Berlin fest:

    – Die CDU und die Linke sind aussterbende Parteien.
    – Die SPD kann ihr Problem wohl nicht auf eine Generation schieben, da liegt eher generell was im Argen.
    – Die Grünen haben noch mehr Potential, ihr Wählerberg wird ja noch deutlich älter.
    – Die Piraten müssen sich auch mehr um die Lebensthemen der Älteren kümmern, damit sie entscheidend mitwirken können. Da ist (altersmäßig und inhaltlich) noch viel Luft nach oben.
    – Die FDP hat eine sagenhafte Nulllinie bei allen, alt und jung. Der Letzte macht die Tür zu.

     
  8. opalkatze

    19. September 2011 at 06:11

    Tolles Teil, dieses „Wahltool“, danke dafür. Kann es sein, daß die einfach nicht genug Daten für bestimmte Berechnungen hatten? Sieht mir arg danach aus.

     
  9. opalkatze

    19. September 2011 at 06:17

    – und heute kommt das hier, quer durch den Blätterwald, wetten?

     
  10. opalkatze

    19. September 2011 at 06:18

    Die Debatte hatten wir hier schon ausführlich.

     
  11. opalkatze

    19. September 2011 at 06:20

    Wärmt mein Herz. Ausnahmsweise.

     
  12. VonFernSeher

    19. September 2011 at 16:03

    @opalkatze
    Och, wenns gut geschrieben ist. Ich finde das ja eher erfrischend, dass eine Partei die Rubrik schon mitbringt. Wenn sich die Journalisten die nämlich ausdenken müssen, wird es garantiert auch nicht lustiger.

     
  13. VonFernSeher

    19. September 2011 at 16:09

    Es gelten (da, wo es sich nicht um Zahlen von der Wahlleitung handelt) die Regeln der Forschungsgruppe Wahlen. Die haben eigentlich mit die besten Berechnungsmethoden und Filter in/für Deutschland. Die Basis ist in einem einzelnen Bundesland natürlich immer kleiner als im Bund, aber dafür sagen die Leute einem nach der Wahl öfter die Wahrheit, von wegen „spielen persönliche Überzeugungen und taktische Überlegungen eine Rolle“ – typischer Satz zur Sonntagsfrage.

    Welche Zahlen kommen dir denn komisch vor?

     
 
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