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Datenschutz ja, aber nicht so

04 Okt

Die Vermutung liegt nah, dass die Datenschutzbeauftragten gerade den Bezug zur Realität verlieren. In ihren Bestrebungen, die deutschen Nutzer vor Ungemach zu schützen, schießen sie weit über das Ziel hinaus.

Denkt man nämlich die Ausführungen in der Entschliessung „Datenschutz bei sozialen Netzwerken jetzt verwirklichen!“ zu Ende, ergibt sich das Gedankenmodell eines Europanetzes, in dem Daten nur noch bis an die Grenzen des Schengen-Raums reisen dürfen. Wie die Verfechter des Leistungsschutzrechts sich Google als Feindbild ausgeguckt haben, sehen es die Datenschützer jetzt vornehmlich auf Facebook ab. Im Prinzip ist das nicht verkehrt, denn der Zuckerberg-Konzern hat sehr eigenwillige Vorstellungen von den Besitzverhältnissen an den Daten seiner Nutzer. Daraus aber zu schliessen, jegliche Datenspeicherung außerhalb der Europäischen Union sei des Teufels, ist reiner Unfug.

In der Konsequenz hiesse das unter anderem, Blogs zu schliessen, die nicht auf deutschen oder innereuropäischen Servern gehostet werden. WordPress.com, Blogger, Serendipity und viele Shopsysteme liegen auf Servern in den Vereinigten Staaten. Natürlich werden Posts, Kommentare, IP- und Mail-Adressen der Betreiber wie der Kommentatoren dort gespeichert. Geht es nach den Datenschutzbeauftragten, ist damit Schluss.

Darf unter dem Mantel eines falsch verstandenen Datenschutzes die Meinungsfreiheit derart beschnitten werden? Die fortschreitende Einschränkung der Grundrechte seit dem 11. September 2001 nimmt groteske Formen an. Der Paternalismus ist bereits kaum noch zumutbar. Die Ignoranz des Staats verursacht jetzt schon einen deutlichen Abstand in der Wahrnehmung der Chancen, die das Internet bietet, zum Rest der Welt. Kommt jetzt noch die Ignoranz der Datenschützer hinzu? Die Meinungsfreiheit darf nicht dem antiquierten Verständnis einiger älterer Herren unterliegen.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 4. Oktober 2011 in Blogs, Datenschutz, Europa, Politik, Web 2.0

 

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Eine Antwort zu “Datenschutz ja, aber nicht so

  1. zeilenknecht

    4. Oktober 2011 at 22:54

    Hmmm, so scharf lese ich das nicht. „Auch dann an europäische Datenschutzstandards halten müssen, wenn sie ihren Sitz außerhalb Europas haben…“ übersetze ich nicht mit „sei jede Datenspeicherung außerhalb der EU des Teufels.“ Man könnte es doch auch mit einer global agierenden Spedition in irischer Rechtsform vergleichen, die sich bei Benutzung deutscher Straßen an das deutsche Tempolimit halten muss und bei Fahrten in Dänemark an das dänische Tempolimit (ohne Hardware in D geht es nicht, FB ist ja kein Kurzwellensender, der einfach von der Ferne nach D reinfunkt).

    Dass das für die Firma ein bisschen anstrengend sein kann, mag ja sein. Aber unsere Autoindustrie zeigt ja beim Kotau vor allen möglichen chinesischen Wünschen auch, wie sehr sich Firmen in für sie interessanten und rentablen Märkten anstrengen können, wenn sie wollen und müssen. Verglichen damit verlangen die Datenschützer von Facebook, das ja auch keine überforderte kleine Klitsche ist, eher einen Klacks. Ein bisschen weniger nach Hause Telefonieren verringert zwar die Datenbeute ein wenig, ruiniert doch aber nicht das Geschäftsmodell. Die Masse der Daten liefern die angemeldeten Nutzer auf ihren Seiten weiter freimütig bis exhibitionistisch frei Haus. (und für so senil halte ich die angeblichen älteren Datenschutz-Herren nicht, dass sie glaubten, ihre Forderungen zu 100 Prozent durchsetzen zu können).

    Ob die Forderung, sich an ein paar nationale Standards zu halten, schon paternalistisch ist? Könnte man auch bei allen möglichen Standards in der Industrie sagen. Ja, ja, ich höre schon wieder das Totschlagsmantra „Ein Internet-Ausdrucker, der DAS Wesen des Netzes nicht versteht…“. Mit ähnlicher Attitüde ist auch schon mal AOL zu DEM Wesen des Internets verklärt worden wie jetzt Facebook.

     
 
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