RSS

Daten im Weckglas

29 Okt

Haben Sie das mit der Vorratsdatenspeicherung verstanden? Also, ich zuerst ja nicht. Bei Vorrat fallen mir Weckgläser und selbstgemachte Marmeladen ein, Zimt-Apfelkompott oder eingekellerte Kartoffeln. Aber wie soll man Daten einmachen?

Wir führen ja Krieg gegen den Terror. Der Innenminister und kluge Politiker wollen jetzt Daten sammeln, damit sie die Tausende von bösen Islamisten fangen können, die dauernd schlimme Anschläge verüben. Automatisch wird erfasst, wer wann mit wem telefoniert, wer wem wann SMS oder E-Mails schickt, wer sich wann wo mit seinem Mobiltelefon aufhält. Das wird dann alles in riesigen Datenbanken gespeichert, so wie wir zu Hause die Weckgläser im Regal aufbewahren. Nur größer. Es muss auch niemand ausdrücklich verdächtig sein, dann müsste nämlich ein Richter die Überprüfung ausdrücklich genehmigen. Das neue Gesetz soll aber die ständige Überwachung der gesamten Bevölkerung erlauben, das heißt dann verdachtsunabhängig. Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Und für die Auswertung entstehen auch noch viele neue Arbeitsplätze.

Wenn die Daten schon mal da sind, kann man sie auch gleich für andere Vergehen auswerten. Neulich war in Dresden eine große Anti-Nazi-Demo, da hat die Polizei schon mal geübt und über eine Million Verbindungsdaten gespeichert. Gut, dabei war jetzt der eine oder andere Journalist oder Abgeordnete, so ganz legal war das nicht, aber wo gehobelt wird, fallen eben Späne. Jedenfalls haben die Sicherheitskräfte damit sehr schön bewiesen, dass die Technik funktioniert. Ich finde das ja kolossal beruhigend.

Dumm ist ja, dass Daten nicht erfasst werden können, wenn Leute sich persönlich treffen. Nicht, dass das technisch nicht möglich wäre, aber es geht noch nicht flächendeckend. Die Videokameras machen leider nur Bilder, und bis die alle ausgewertet sind, das dauert. Mit dem schicken neuen biometrischen Personalausweis lassen sich immerhin persönliche Merkmale abgleichen, und die Gesichtserkennung macht beinahe täglich Fortschritte. Bei Facebook funktioniert das schon ganz gut, und wenn dann auch noch Bewegungsdaten von den Handys dazukommen, können mit Google Earth aussagefähige Profile erstellt werden.

Ich wüsste nur zu gerne, ob der Herr Innenminister Friedrich dann auch abends vor seinen Datenregalen sitzt und sich freut, dass er so schöne Vorräte hat.

Dies war meine Praxisarbeit für die FJS zum Thema Glosse, die mit einer 1 und einem sehr freundlichen Kommentar des Prüfers bewertet wurde. Das steht hier nicht, weil ich angeben will, sondern weil es vielleicht mal wem hilft ,) Ganz herzlichen Dank noch mal an Frank Benedikt, Dietmar Franzenburg und Christian Wöhrl fürs Gegenlesen und eure Unterstützung! Dank auch allen, die mir den Rücken stärkten, wenn ich mutlos war (Christiane, Heike, Sabine!), und die meine Fragen so geduldig beantwortet haben (Inge, Ulrike!). Es ist fast geschafft.

 
4 Kommentare

Verfasst von - 29. Oktober 2011 in Datenschutz, Glosse, Journalismus, Netzpolitik, Politik

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

4 Antworten zu “Daten im Weckglas

  1. Sabine Engelhardt

    29. Oktober 2011 at 22:10

    Schöne Glosse, und Gratulation zu der noch schöneren Eins! Und den Rest schaffst Du jetzt auch noch. Locker! :-)

     
 
%d Bloggern gefällt das: